Lavendel
Sommerabend

Meine Mutter, Sauce Hollandaise und ich

Es war die perfekte Hollandaise. Soviel fürs Protokoll und als Resümee der Spargelsaison 2011. Dummerweise weiß niemand davon. Außer mir - und ich kann Ihnen ja alles erzählen. Und dem Begleiter - und dem könnte man mangelnde Objektivität ob meiner Kochkünste unterstellen. Das entscheidende: wer davon nichts weiß, ist meine Mutter. Und damit ist diese perfekte Hollandaise quasi nie gelungen. Denn zwischen meiner Mutter und mir ist die Sauce Hollandaise ein immerwährendes Missverständnis. Welches vor vielen Jahren begann.

Damals, meine Eltern kamen zum Spargelessen. Es war vor der Zeit, als mein Vater sich umständehalber bedingt von mir das ein oder andere Mal zwangsbekochen lassen musste - und entsprechend misstrauisch war er. Ist er noch heute, wenn ich in der Küche bin, aber das liegt in der Natur der Dinge. Es gab also Spargel. Damals ohne Hollandaise, denn ich konnte keine Hollandaise und Tüten kamen mir schon damals nicht ins Haus. Und so Butter zum Spargel ist auch schön. Fand meine Mutter nicht und wedelte mit einer von ihr mitgebrachten (!) Convenience Hollandaise-Tüte vor meiner Nase - in meiner nicht allzu großen Küche - während ich die geschmolzene Butter im Töpfchen gerade ins Esszimmer tragen wollte... Es kam, wie es kommen musste und war der Beweis, dass eine Küche einfach zu klein für zwei erwachsene Frauen ist, die miteinander verwandt sind. Und mit so einem geschmolzenen Viertelpfund Butter kann man eine Altbautreppe vom Erdgeschoss bis zum 4. Stock zum Glänzen bringen. Das war damals. Und was blieb, war die Erkenntnis, dass eine Küche, egal wie groß sie ist, für uns beide immer zu klein sein wird.

Viele Jahre ist es her. Dazwischen lernte ich kochen. Und inzwischen gibt es auch bei mir zum Spargel eine Hollandaise. Und so in diesem Frühjahr dachte ich mir, ich beglücke meine Eltern mal wieder mit Spargel. Und Hollandaise. Und was passierte? Sie geronn. Das war seit Jahren nicht mehr passiert. Aber sie war eine Zumutung. Und die perfekte Hollandaise entstand ein paar Wochen später ganz unaufgeregt ohne Publikum in meiner Küche. Und keiner weiß es. Und meine Eltern winken in Zukunft wahrscheinlich ab, wenn ich zum Spargelessen einlade.

Kommentare

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ilse

Ach das kann ich nachfühlen, auf vielen verschiedenen Ebenen. Meine Mutter wird auch nie glauben, dass ich ganz passabel kochen kann (Hollandaise kann ich tatsächlich nicht). Und das mit der Butter und der Treppe, da musste ich lachen.

T.M.

"in der Natur der Dinge" also - nett ausgedrückt.

P.S.: Ich hatte gerade den älteren Verwandten ersten Grades zu Besuch (volle vier Tage!!!) Ich fasse mal zusammen: das selbstgebackene Brot war zum Ersticken, Schweizer Käse ist naja, das Müesli, das ich jeden Tag esse, ist bäh (zu viel kauen), die selbstgemachte, zuckerarme Marmelade ist zu flüssig, der Rotwein war nicht süss genug. Und überhaupt.

Helga

Vier Tage - das ist sportlich.

Ilse, du bekochst doch deine Mutter regelmäßig. Aber ich habe auch schon gemerkt, dass sie etwa so heikel ist wie mein Vater...

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