Previous month:
August 2011
Next month:
Oktober 2011

September 2011

Wir sind so III

Und schuld daran sind gewissenlose Tanten. Wahrscheinlich habe ich das süßeste Baby der Welt von Grund auf verdorben. Vielleicht aber auch sind Babygirls von ihrer Natur aus so. Das würde mich jetzt freisprechen. Tatsache ist, ohne nachzudenken über etwaige Folgen, verbrachte das süßeste Baby der Welt einen Nachmittag mitten im Herzen von Bugaboo-Country - also zwischen Maximilianstraße und den fünf Höfen. Also dem Paradies für große Mädchen. Kleinen Mädchen ist das ja noch alles sehr egal. Möchte man meinen. Wobei auch schon in diesem Alter der ein oder andere Blick riskiert wird: Männern in rosa Polo-Hemden zum Beispiel wird offen nachgestarrt. Und die Aufmerksamkeit im Café wird wirkungsvoll doch fallenlassen von Gegenständen auf sich gezogen. Kein Wunder, dass auch erwachsene Frauen zu diesen Mitteln greifen. Immerhin robben wir nicht zu dem Objekt unserer Begierde. Alles in allem ein ganz normaler Nachmittag mitten im Herzen von Bugaboo-Country. Noch mit der Feststellung, dass Mode ein Babygirl noch ziemlich langweilt. Und wieso Mami fünf verschiedene Kleider anzieht, wenn sie doch nicht vollgekotzt wurde, ist wahrscheinlich mehr als unverständlich. Aber mitten im Paradies für große Mädchen liegt ein Paradies für kleine Mädchen. Ein Paradies, in dem es glitzert und funkelt. Und noch ehe Babygirl im Streichelzoo war, wo es ja auch nicht glitzert und funkelt, war sie im Baby-Blue-Shop. Und fand es himmlisch. Und nun bleibt nur zu hoffen, dass nicht Begehrlichkeiten geweckt wurden, die vorher noch nicht da waren.

Wir sind auch so und so.


Manchmal fehlt nur noch der Waldi

Es gibt diese Momente, da will ich weg. Nicht in den Urlaub. Weg. Weg aus München. Es sind diese Momente, in denen ich finde, dass diese Stadt gnadenlos überschätzt wird. Und ich mich frage, wieso die ganze Welt hierher will.

Es ist keine Weltstadt, es ist ein Weltdorf. Und eigentlich vor allem Spitze in seiner Arroganz und Saturiertheit. Mia san mia, sagt der Zuagroaste, auch wenn er nicht weiß, was es heißt, weil für ihn ist ja bayerisch eine Fremdsprache. Aber sein Herz hat er an das Weltdorf verloren. Und wenn es nicht das Herz ist, dann hat ihn das Geld nach München gelockt, ohne ihm zu sagen, dass es ihm selbiges gleich wieder aus der Tasche ziehen wird. Und dann wird er zwar auch über München schimpfen, aber erstens hat er derweil wahrscheinlich schon sein Herz verloren, und zweitens ist Berlin auch keine Alternative, weil inzwischen hat er sich ja nicht nur an den weiß-blauen Himmel gewöhnt, sondern auch an die unter diesem Himmel produzierten Autos - und wir wissen ja, die leben in Berlin grad gefährlich. Und so bleibt er da und ehe er sich versieht, ist er schon ein Altmünchner geworden und beherrscht selbigen Lieblingsbeschäftigung auf das Vortrefflichste: das Granteln.

Der grantelnde Münchner mittleren Alters sitzt zwar heut nicht mehr mit dem Waldi im Biergarten, aber Granteln funktioniert überall und eigentlich sitzt der Münchner nach wie vor im Biergarten, wie jeder schöne Tag aufs neue beweist. Und zum Granteln gibt's ja viel: die Mieten, die Verkehrsführung am Luise-Kisselbach-Platz, das scheußliche Loch am Marienhof, die nicht-kommende zweite Stammstrecke, den geplanten Flughafen-Ausbau, die Schnapsidee, alle Straßen gleichzeitig aufzureißen, die Schnapsidee, dass der Ude jetzt auch noch Ministerpräsident werden will, die Traditionsgeschäfte, denen für die nächste Kette gekündigt wurde, auch wenn kein normaler Münchner dort jemals eingekauft hat - und so vieles mehr. Aber wenn einem München und die Zuagroasten und alles andere zuviel wird, gibt's ja immer noch die Berge. Nur leider funktioniert das auch nicht mehr so gut: denn Wandern heißt jetzt Hiking. Und ist total angesagt. Und an einem schönen Tag gehst halt im Gänsemarsch den Herzogstand hoch. Schon wieder ein Grund zum Granteln.