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November 2011

Bayerische Grundnahrungsmittel

Als solche gelten ja gemeinhin Bier, Schweinsbraten und Knödel. Dass Bier flüssige Nahrung ist, ist alt. Drum darf man ja auch Bier während der Fastenzeit drinken, während der Schweinsbraten tabu ist. Fleisch nein, pflanzliches ja. Mit Diät hatte ja die Fastenzeit nichts zu tun. Und Bier nährt, macht satt und bringt einen Suri, den die Mönche wahrscheinlich früher mit Offenbarungen verwechselt haben. Der Bayer an sich besinnt sich heute vor allem auf dieses Grundnahrungsmittel, wenn es Zeit für den Biergarten, die Wiesn oder den Starkbieranstich ist. Also die ernste und überlebenswichtige Bedeutung wurde von Saufen und Feiern abgelöst - und ob man Bier daher noch als Grundnahrungsmittel bezeichnen kann, ist fraglich.

Gleiches gilt für den Schweinsbraten. Nachdem kaum jemand noch eine Sau im Vorgarten hält, die dann zu einem Fest geschlachtet wird. Aber glücklicherweise gibt es ja den Öko-Dallmayr (Wortschöpfung) vor den Toren Münchens. Hier dürfen Finn, Paul und Annalena die Resi streicheln und die Cousine von ihr essen. Und ob die SUV-Eltern ihre Kinder über diesen Zusammenhang eigentlich aufklären? Auf jeden Fall ist der Herrmannsdorfer Schweinebraten kein Grundnahrungsmittel sondern ein Luxusgut. Und das ist ja eigentlich richtig so.

Ja, und die Knödel - das ist ein Drama für sich. Der echte altbayerische Semmelknödel ist fast ausgestorben. Ich bin dafür, ihn schleunigst auf die Liste bedrohter Speisen zu setzen. Früher hast bei jedem Bäcker ein Knödelbrot bekommen, heute muss man es vorbestellen (!). Als würde es sich nicht um ein Resteverwertungsprodukt handeln, sondern um ein Luxusgut. Aber Resteverwertung ist ja eh total out. Jedenfalls daheim. Für geröstete Knödel (= doppelte Resteverwertung) im Lokal zahlt man dagegen gerne mal 8 Euro. Wir haben es ja. Wenn man denn in einem Lokal noch Semmelknödel bekommt. In der Regel kommen ja inzwischen greißlich pappige Kartoffelknödel auf den Teller. Nennt es doch einfach gleich Klöse.

So jetzt wird es langsam eng mit den bayerischen Grundnahrungsmitteln. Aber eines haben wir noch. Die Breze. Was würden wir nur ohne die Breze machen? - Kein Nahrungsmittel im Süden ist so universal einsetzbar: Zum Frühstück, als Zwischenmahlzeit und als Abendessen. Und manche essen sie auch statt Kuchen am Nachmittag. Es gab sie schon in jedem Pausenhof (und ich hoffe, dem ist auch heute noch so). Sie passt als Butterbreze am Morgen, zur Weißwurst am Vormittag, als Vorspeise steht sie im Körbel auf jedem Wirtshaustisch - und sie dient als Universalunterlage beim Bier. Drum steht der Breznkorb im Biergarten nicht beim Essen, sondern gleich beim Getränkeausschank.

Die Liebe zur Breze muss in den bayerischen Genen liegen. Wie ist es sonst anders zu erklären, dass sie das erste richtige Essen für ein echtes Münchner Kindl ist. Hilft gegen Hunger - und wenn gar nichts mehr sonst hilft. Und das ist in uns eingespeichert. Breze ist Heimat. Und die meisten haben schon mal den Fehler gemacht, irgendwo auf der Welt ein Brezn-Ersatzprodukt zu kaufen. Was bitter enttäuscht. Denn wenn auch hier inzwischen viel Schindluder getrieben wird mit der Breze, so gibt es sie doch noch, die echte. Unser Grundnahrungsmittel.


Novemberorakel

Mein persönliches Orakel sagt uns ja einen langen, kalten und schneereichen Winter voraus. Jetzt bin ich nun Ihnen gegenüber im Vorteil, denn trotz des goldenen Novembers habe ich, Eichhörnchen, gesammelt: Stiefel, Mütze, warme Decke. Also die Dinge, die man so braucht, um nicht frierend schlechte Laune zu bekommen. Denn ich vertraue dem Orakel. Es hat mir vor einigen Jahren an einem gar nicht sooo kalten Herbsttag befohlen: Du gehst einen warmen Mantel kaufen. Ich bin der Weisung gefolgt - und es hatte recht. Aber all diejenigen, die kein persönliches Orakel haben, denen orakle ich jetzt mal: morgen wird es die Winterpanikeinkaufsattake geben. Schuhe, Mäntel, Decken - nichts wird sicher sein. Denn heute hat man gemerkt: es könnte doch noch kalt werden.

Es ist golden

Sie blüht und blüht als gäbe es kein morgen. Keinen Herbst. Keinen Winter.

Blogbild
Und jeden morgen trotzt sie diesem November einen neuen Tag ab. Es könnte der letzte sein, sage ich seit bald zwei Monaten zu jedem Sonnentag. Wir müssen raus, dränge ich. Und wieder kommt ein Tag und die Sonne. Und wenngleich man auch nicht jeden Sonn-Tag in den Bergen verbringen kann, so kann man doch zumindest in der Sonne sitzen und träumen von einem November wie diesen. Leise rascheln die Blätter und das Rad ist noch lange nicht eingemottet. Eine bunte Verführung der Sinne. Nass und kalt und grau ist es anderswo. Ein Ende des goldenen Herbstes nicht vorstellbar. Und doch fallen die Blätter.