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Januar 2012

Si Sie!

Das Gefühl, älter zu werden. Dafür gibt es gewisse Anzeichen. Sicherlich gehört das erste graue Haar dazu. Sicherlich auch die Erkenntnis, dass frühes aufstehen auch früheres zu Bett gehen einfordert. Im Laufe der Jahre werden auch am Wochenende Tage wichtiger als Nächte. Wenige Menschen mehr als viele Menschen. Man erkennt, dass alles seinen Preis hat - das eine materiell, das andere ideel. Umsonst gibt es wenig, aber vieles ist es, was man tut. Viele dieser Dinge sind wahrscheinlich sehr individuell: manch einer ist glücklich, dass das Alter endlich zulässt, die jugendlichen Partynächte ad acta zu legen. Und ein anderer kann sich nie so wirklich mit dem Tageslicht anfreunden. Aber eine Erwachsenenerfahrung teilen wir alle: Wir sind irgendwann mal "Sie". Und ich spreche nicht vom Berufsleben-Sie. Ich spreche vom privaten Sie. Das ganz klare Anzeichen vom Abschied von der Jugend gibt diesselbe. Die Jugend, die man selbst noch aus Verbundenheit duzt, duzt beileibe nicht zurück, sondern siezt. Beharrlich. Und findet es normal. Das ist ganz klar das Signal: Man hat das Alter der Lehrer erreicht. Und da kann man noch so jugendlich daherkommen - das Gespür für diese Schwelle ist auf der anderen Seite extrem ausgeprägt. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen erging - für mich war das ein Schlag in die Magengrube. Der zeitlich auch irgendwie mit dem ersten grauen Haar zusammenhing und fast eine Art erste Midlife-Crisis auslöste. Die anderen Sies gingen schleichender. Es ist die Kellnerin, die nicht mehr automatisch duzt. Es sind Menschen im Lokal, die man beim Smalltalk siezt. Irgendwann mal ziehen auch neue Nachbarn ein, bei denen man sich noch freundlich mit Vornamen vorstellt, und die einen dann beharrlich freundlich zurücksiezen. Was am Charakter liegen kann oder auch daran, dass sie einen nicht in dieselbe Altersgruppe einordnen sondern halt eben älter. Halt eben älter. Und irgendwann, man ist gerade dabei, sich an diese SIE-tuation zu gewöhnen, kreuzt ein junger Mensch deinen Weg drei Sätze lang. Und duzt dich. Freundlich, offen, selbstverständlich. Und du wirst gleich wieder jünger dabei.

Und die Nachbarn, die duze ich weiterhin. Ebenso beharrlich.


Gutes neues Jahr

Butterplätzchen sind alle. Und in der Lichterkette vom Weihnachtsbaum gab es schon im alten Jahr einen Kurzschluss. Immerhin hatte sie offenbar eine Sicherung. Aber seitdem steht der Weihnachtsbaum traurig vor sich hin. Und ich konnte dennoch meine Drohung nicht wahrmachen, ihn vor Dreikönig abzuleeren. Dabei kommen einem die Weihnachtsüberreste so komisch vor. So weit weg. So grau-braun-mild. Selbst der traditionelle Weihnachtszeit-Abschluss-Punsch wurde schon im Vorfeld gestrichen. Weihnachten war kurz dieses Jahr - die Wochen vorher ohne Stimmung dafür und danach auch keine mehr. Erstaunlicherweise war Weihnachten selbst dafür sehr schön. Und das neue Jahr ist auch schon da. Auf einen Jahresrückblick hab ich keine Lust gehabt. Aber ich hab jetzt Lust auf das neue Jahr. Also auf ein neues - schön, dass Sie immer noch da sind...