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Februar 2012

Die jetzt multiple Persönlichkeit des Horst S.

Der Winter war kalt. Da hat man gerne einen Kamin angemacht. Und ich hoffe, die Verantwortlichen in unserem Land haben sich am selbigen auch in den letzten Monaten zu dem ein oder anderen Gespräch getroffen. Zu besprechen gab und gibt es ja einiges. Denn als wenn auf politischer Ebene nicht schon genug zu besprechen und zu handeln gäbe, gab es ja seit Dezember auch noch diese unschöne Geschichte. Über die die Menschen im Internet, in den Medien und am heimischen Kamin sprachen. Und so dürfen wir nun hoffen, dass sich auch schon die Damen und Herren fraktionsübergreifend mal auf ein Glas Rotwein zusammengesetzt haben, sinnierend ins prasselnde Feuer schauten und sich fragten, was wäre wenn.

Der Rücktritt dürfte sie nicht kalt erwischt haben. Nur der Zeitpunkt - der ist für unseren Landesvater und jetztigen Interimspräsidenten denkbar ungünstig. Während im Dezember die Redenschreiber der Staatskanzlei die Weihnachtsansprache für den Fall der Fälle schon vorbereitet hatten, sind sie jetzt in der Zwickmühle. Denn statt als Bundespräsident eine wohlfeile Weihnachtsansprache zu halten, hält Seehofer am Mittwoch als Parteivorsitzender die Rede in Passau. Aber darf er als vorübergehend erster Mann im Staat überhaupt derb vom Leder ziehen? Prompt ist sie da, die Würde des Amtes und ihr Dilemma. Der Seehofer ist jetzt eine politisch mutiple Persönlichkeit - und muss schauen, wie er damit umgeht. Am Ende muss Aschermittwoch gar der Ramsauer einspringen?

Interessant wird ja auch, wie die Macher vom Nockherberg damit umgehen. Wobei sich da der Augenmerk doch eher auf Christian U. legen wird, der als SPD-Freeclimber den bayerischen Maßkrug-Olymp besteigen will, in dem oben in der Schaumkrone Horst S. sitzt. Kein Spoiler - nur meine persönliche Singspielvariante. Aber vielleicht sitzt der Landesvater zu diesem Anlass gar nicht im Publikum, denn vielleicht muss er als Staatsmann Termine wahrnehmen.

Tatsächlich: so betrachtet versaut der Rücktritt des Bundespräsidenten unserem Ministerpräsidenten womöglich seinen eigentlich besten Monat im bayerischen Jahr.


Für dich soll's rote Rosen regnen

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Natürlich lehne ich den Valentinstag ab. So wie das jede erwachsene Frau, die halbwegs bei Verstand ist, tut. Wenn sie nicht zufällig Amerikanerin ist. Blumen, Pralinen, Valentinsmenüs - das Merchandising läuft und alle wollen was vom Kuchen ab. Kommerzialisierte Romantik und alle fallen drauf rein. Zwangsweise, weil ja dadurch gesellschaftlicher Druck aufgebaut wird. Hätte der Valentinstag in unseren Teeniezeiten auch nur die geringste Bedeutung gehabt - natürlich hätten wir da einen "Liebensbeweis" erwartet. Und die Jungs, die heute unter Zugzwang sind, werden das in späteren Jahren auch verinnerlicht haben. Das nennt man Dressur. Aber ist erwartbare Romantik tatsächlich romantisch? Dieses Konzept ist äußerst fragil. Vor allem was ist Romantik? Herzchen und Sonnenuntergänge? - Das kann man auch unerträglichen Kitsch nennen. Also: Romantik ist doch eigentlich was sehr individuelles. Liebe ist etwas sehr individuelles. Nichts für die Schablone. Und ein Tag im Jahr ist viel zu wenig, um jemanden zu sagen, dass man ihn liebt.


Winterorakel

Es ist kalt. Das persönliche Orakel sagt, hab ich es nicht gesagt. Aber kryptische Klugscheisserei von Orakeln war ja schon von jeher überflüssig. Bei Ödipus hat das Orakel das Schicksal doch eigentlich erst heraufbeschworen. Ohne diesen blöden Spruch wäre der Jung doch nie aufgebrochen, um seinen Vater zu töten und die Mutter zu ehelichen. Ein Orakel ist schuld, dass Remus von Romulus erschlagen wurde. Und Krösus hatte auch kein Glück. Ein Winterwetterorakel bedeutet nichts anderes als: es ist Winter. Im Winter kann es kalt sein. Es ist Winter. Im Winter kann Schnee liegen. Und ich bin ja schon froh, wenn sich mein Orakelspruch nicht erfüllt. Ich habe ja geunkt, dass wir einen späten aber langen Winter bekommen. Das habe ich im November aus den bunten Herbstblättern gelesen. Aber wie gesagt: die Orakelkrytik braucht kein Mensch.