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März 2012

Frühlingsgefühle

Ich gehöre nun beileibe nicht zur Gruppe der Berufsoptimisten. In der Regel kann ich auch die "alles ist immer gut"-Schönredner nicht ausstehen. Doch es gibt eine Ausnahme: Sobald die ersten Frühlingsstrahlen herauskommen, werde ich zur gute Laune verstrahlenden, Energie habenden Grundoptimistin. Ich beende quasi den innerlichen Winterschlaf und möchte SOFORT alles nachholen, was ich die letzten Monate verpasst habe. Diese Energie muss natürlich irgendwo hin und so wird geräumt und gewienert, damit alles strahlt. Aber der Trick ist: das Frühlingsgefühl muss seinen Ausdruck finden, damit man sich daran erinnert, falls es doch nur ein Gastspiel war. Und so habe ich gleich mal den Balkon aufgehübscht.

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Und jetzt können Sie mich gerne mal Optimistin nennen...


Und der Haifisch...

Mit Zügen und Schiffen können wir noch nicht aufwarten. Besonders letzteres wird in München eh schwer. Aber vom Kinderwagen aus lassen sich großartig Clowns und Haifische bestaunen. Man achtet ja als Erwachsener gar nicht darauf, was es alles in der Stadt so gibt. Haifische mitten in München! Da mussten wir doch gleich statt "alle meine Entchen" die Moritat von Macki Messer singen. Wie es zu dem Grundkurs über Machiavelli kam, erschließt sich im Rückblick nicht mehr wirklich. Aber piccola principessa lauschte interessiert. Mit Bildung kann man eben nicht früh genug beginnen. Nächsten Sonntag nehmen wir dann "Nathan der Weise" von Lessing durch.

Und Sie haben mich schon für eine Glitzer-Glamour-Duz-Duz-Tante gehalten...


A abgstandens Noagerl

Wenn ich ad hoc eine Geschichte erzählen sollte, was in Bayern und der Welt im letzten Jahr so passiert ist, würde ich diese möglicherweise auf einem Bauernhof spielen lassen. Auf der Bühne wäre ein großer Misthaufen und im Hintergrund ein Flugzeug beim Starten. Und auf dieser Bühne könnten sich dann ein Großstadtgockel produzieren. Ein Großbauer um den Kleinbauern werben. Ein Umweltminister die Transformation zum Finanzminister durchlaufen. Die Bundeskanzlerin dürfte den Stall misten und feststellen, dass das Kleinvieh nicht ihr Geschäft sei. Natürlich wäre da noch eine grüne Großstadtpflanze, die von der guten Landluft schwärmt und (meinetwegen) einen Wanderer aus dem Schwäbischen um Rat fragt. Der freie Bauer würde das ganze mit Staunen beobachten. Und eine junge Magd beklagen, dass sie nicht selbst Bäuerin sei - aber mit zwei kleinen Kindern würde sie doch lieber das Betreuungsgeld einstecken, denn wohin damit auf dem Lande.

Das ist das Nockherberg-Singspiel, das wir alle gestern nicht gesehen haben. Stattdessen haben wir gesehen, dass wieder eine gute Darstellerin vom Hof gejagt wurde und durch ein grottiges Double ersetzt wurde. Wir haben einen Lederhosn-Typen gesehen, den man weder an Aussehen noch an Kleidung mit dem darzustellenden Landesvater in Verbindung bringen konnte (irgendjemand von den Verantwortlichen aufgefallen, dass Seehofer nie Tracht trägt?). Das Ude-Double möchte bitte von seiner Rolle erlöst werden. Zinner als Söder allein konnte das Singspiel auch nicht retten. Auch wenn er sich alle Mühe gegeben hat.

Kurz: es war das schlechteste Singspiel aller Zeiten. Langweilig und uninspiriert. Es wurde keine Geschichte erzählt, seltsame Schwerpunkte gesetzt (was sollte die Präsenz des fränkischen Adeligen?) und ein Bühnenbild zu entwerfen, hat man sich auch geschenkt. Der Nockherberg schaufelt sich auf diese Weise sein eigenes Grab. Lieber BR, denk mal darüber nach. Und weil wir grad dabei sind: ich will auch keinen Klamaukbruder bei den Interviews sehen, sondern zwei souveräne bayerische Journalisten, die auch dem Anlass entsprechend gekleidet sind.

Ach ja, die Rede der Bavaria. Mei. Irgendwie hat auch da der rote Faden gefehlt. Und wäre die Antwort auf den Satz "Mama ich brauch Geld" die Warnung gewesen, sich selbiges von Spezln zu leihen, wäre das doch sehr viel eleganter gewesen als die erfolgte Attacke unter der Gürtellinie.