Previous month:
Juli 2012
Next month:
September 2012

August 2012

Kurzstopp in der Wachau

Es ist ein wunderbarer Platz zur Entschleunigung. Sensationelles Essen, großartige Weine. Und zwei Tage fühlen sich an wie Urlaub. Natürlich sind Orte wie Melk und Dürnstein von Bustouristen überlaufen, aber die hat man schnell wieder hinter sich gelassen (wo sind die hin - ich will es eigentlich gar nicht wissen) und dann kehrt eine unglaubliche Ruhe ein. Und man kann sich entspannt, dem Nichtstun, Schlafen, Essen und Trinken widmen.

PicMonkey Collage_Wachau


Fahrt ins Blaue

Nicht, dass es auch nur im Entferntesten so aussähe, als wäre irgendjemand im Urlaub. So parkplatztechnisch zum Beispiel. Die goldene Augustregel ist außer Kraft gesetzt. Vielleicht sind auch alle, die noch vor kurzem gegen die dritte Startbahn gestimmt haben, mit dem Flugzeug verreist und dauerparken vor unserem Haus. Und auch sonst ist es nicht leerer geworden in der Stadt - im Gegenteil zu den Münchnern gesellen sich Millionen von Touristen, vorzugsweise Italiener. Und damit sind zwei weitere goldene Regeln außer Kraft: erstens, dass diese erst zur Wiesn kommen und zweitens dass die Ferragosto-Woche am Strand verbracht wird. Wenn aber alle in München sind, wieso sind dann die Autobahnen und Landstraßen so voll, dass man genervt in den nächsten Feldweg einbiegt?

Badb
Und siehe da - die Fahrt führt ins menschenleere Blaue...


tutte le direzione

Die Lokalpolitiker der kleinen Stadt sind eindeutig italophil. Auch wenn die Toskana-Fraktion eigentlich dem rot-grünen inzwischen in der politischen Rente abgetauchten Politikertypus zugeordnet wird. Aber auch eine niederbayerisch mehrheitlich schwarze Politikerfraktion kann toskanisch sein. Oder so. Dabei liegt die kleine Stadt gar nicht im Rottal, das sich ja allen ernstes niederbayerische Toskana nennt. Klingt einfach mal besser. Wer dort aber eine Stadt wie Florenz sucht oder Siena, sucht vergeblich. Und auch von Weinanbau hätte ich noch nichts gehört. Niederbayerische Toskana also.

Also vielleicht ist es auch nicht die Toskana, vielleicht liegt es viel näher. Vielleicht liegen die italophilen Gründe in regelmäßigen Stadtratsklassenausflüge nach Mantua - um auf herzoglichen Spuren zu wandeln: schließlich muss man als Politiker auch wissen, was den Herzog zum Bau der ersten Renaissance-Residenz auf deutschen Boden inspirierte.

Tatsache ist, der Stadtrat der kleinen Stadt muss völlig fasziniert von der italienischen Straßenführung sein. Nur so ist es zu erklären, dass ein Kreisverkehr nach dem anderen gebaut wird. Bei jeder Abbiegegelegenheit. Natürlich nur um die Stadt, weil in der Stadt würde dies dem gotischen Stadtbild zuwiderlaufen. Dass man den dann auch noch ausschildert - italienisch für Fortschrittene. Ich warte jedenfalls auch das Schild "tutte le direzione" und manch Fremder würde sich sicher über das Schild "Centro" an irgendeiner Stelle freuen.

Und wenn dann noch die Fahrschulen der kleinen Stadt ihren Fahrschülern beibrächten, nicht beim Abbiegen IN den Kreisverkehr sondern beim Abbiegen AUS dem Kreisverkehr zu blinken, dann könnte der auch irgendwann den Verkehrsfluss in Fluss halten. Aber italienische Verhältnisse sind doch was feines.


Keine kindgerechte Umgebung

Die Nachbarn, die immer grußlos an einem vorbei gegangen sind im Treppenhaus. Die, die die Wohnung immer zweimal von innen verriegelt haben, auch am hellen Tag. Die ihre Balkonblumen haben vertrocknen lassen, weil sie nie auf dem Balkon waren. Die die Jalousie an dem Fenster zum Hof nie öffnen. Die Nachbarn ziehen aus. In ein Haus mit Garten in der Vorstadt. Das sei besser für das neugeborene Kind, habe ich gehört. Aber schade, denn sie hätten sich hier immer so wohl gefühlt.


Drunt in der Au

Die Auer Dult mag man in München. Ebenso wie den Sommer Sigi und Karl Valentin, wie den Monaco Franze und die Paula vom Schlachthof. Dagegen etwas zu sagen, kommt einem Sakrileg gleich. Das ist, als würde man nicht sofort "Gentrifizierung" schreien, wenn irgendwo an einem Haus ein Balkon angebaut wird. In München hat man gegen Luxussanierungen zu sein - und für alles, was alle aus dem Umland irgendwann in die Stadt zugezogenen Jungmenschen als altmünchnerisch empfinden. Und das ist auch die Auer Dult.

IMG_5149 - Kopie
Ja mei. Wer's mog. Und ich werd wahrscheinlich so in fünf Jahren mal wieder das Gefühl haben, dorthin zu müssen. Und dann wieder für Jahre nicht mehr.