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Oktober 2012

All Hallows' Eve

Ich beginne ja altersmilde zu werden. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Eigentlich habe ich mich immer als boshafte Alte gesehen, die keifend auf ihren Stock gestützt, sich und anderen das Leben schwer macht. Also dieses Bild schwindet langsam und macht einem entspannten Schaukelstuhlbild Platz. Damit tue wahrscheinlich nicht nur der Welt, sondern vor allem mir selbst einen Gefallen. Und einen wesentlichen Schritt zu Altersmilde habe ich jetzt gemacht, ist mir aufgefallen. Ich habe kein Bedürfnis mehr über Halloween zu keifen. Sollen sich sich doch verkleiden und um die Blöcke ziehen die Kinder.

Allerheiligen war ja auch so als Kind gruselig. Da auf dem Friedhof mit viel Weihrauch, kalt war's und zugig (in der Erinnerung war das Wetter Allerheiligen nie schön). Der neue Pelz wurde ausgeführt, was in den 70ern durchaus noch in Ordnung war. Also wurde der soziale Status festgesteckt und wer wo welche Rolle zu spielen hatte großfamiliär gesehen. - Ich war schon lange nicht mehr am Grab an Allerheiligen. Auch wenn ich es machen würde, weil ich mich irgendwie unwohl fühle, jedes Jahr wieder, weil das Grab verwaist ist an diesem Tag.

Wie auch immer: es braucht keinen Friedhof, sich zu erinnern. Manchmal hilft's. Manchmal hilft es aber auch sich zu verkleiden. Und was spricht dagegen, beides zu machen?

Ich sag's ja - ich werd altersmilde.


Es soll Schnee geben

Und, sind Sie schon wintergerüstet? Es soll ja Menschen geben, die pünktlich zur Wiesn die Winterreifen aufziehen. Es sind wahrscheinlich diesselben, die im August Wintermantel und Stiefel kaufen. Wobei da jegliches Größen und Kältegefühl fehlt. Wer schon einmal an einem heißen Augusttag in Helsinki eine Winterjacke gekauft hat, weiß das. Nicht bei allem, was nach Wärme aussieht, ist auch Wärme drin. Und ein Pullover ist dicker als ein Trägershirt.

Alle anderen machen dies morgen. Wenn es nämlich das erste Mal kalt geworden ist und der erste Schnee fällt. Viel Spaß in der Innenstadt an dieser Stelle. Die dritte und kleinste Gruppe hat gerade gekauft. Aus Notwendigkeit. Denn Massenansturm führt bei mir zu Panik und Platzangst - sofortige Fluchtreaktion. Was also zu keinem neuen Mantel führt und dazu, dass ich nehmen muss, was übrig bleibt und ich dann zwangsweise umso eher auf ein altes Problem reinfalle: ich kaufe zu groß. Also zwangsweise, weil die Größenauswahl nicht mehr vorhanden ist. Ansonsten gehe ich anscheinend davon aus, grundsätzlich eine Kleidergröße zuzulegen - und dann muss ja noch ein dicker Pulli drunter. Ich habe seit Jahren keine Kleidergröße mehr zugelegt. Weil dann würde mir ja außer dem Mantel nichts mehr passen. Und so laufe ich dann mit einem Teil rum, das aussieht wie von der großen Schwester oder als hätte ich gerade eine Diät hinter mir. Und ich bin jedesmal wieder versucht, auf die dicke Pulli Nummer reinzufallen. (Wenn ich nicht gerade auf die Trägershirt-Nummer reinfalle.)

Dabei will ich ganz sicher nicht wie ein Michelin-Männchen rumlaufen. Damit stehe ich allein da. Daunenmäntel sind ja nicht aufzuhalten und haben jeden anderen anständigen Mantel verdrängt. Die Alternative ist elegant frieren: "Ein herrliches Stück für den Stadtbummel, wenn sie dann aber auf den Christkindlmarkt gehen wollen, da wird ihnen zu kalt." Aha.

Ansonsten ist es mehr als schwierig, in einer Stadt, die sich noch vor wenigen Wochen als Inbegriff des Bayernbrauchtums gezeigt hat, zu finden, was es eigentlich überall geben sollte: einen Lodenmantel. Trägt man nicht? Nur über 60? Oder kauft ihn die Münchnerin, die nicht das dunkelgrüne Jagdmodell haben will in einem Geschäft in einem Ort in den (Vor)Alpen, wohin sie ja eh jedes Wochenende in ihrem SUV zum Zweitwohnsitz in den Bergen fährt? Das einzig in München auffindbare Modell habe ich ihnen diese Woche weggekauft meine Damen. Bei Daunen haben sie noch die große Auswahl.


Geschenkte Tage

Sonnentage im Oktober sind geschenkte Tage. Während man im Sommer die Sonne erwartet, sie dann zu heiß ist und man doch nur ermattet den Schatten sucht, ist die Oktobersonne ein Traum. Der Himmel ist klar und die Bäume werden bunt.

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Während sich auf dem Brauneck, die Wanderer auf die Füße treten, kann man auf dem Zwiesel noch seine Ruhe haben.

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Am Kleinhesseloher See

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Nymphenburger Schlosspark


Das erste Mal auf der Wiesn

Ich bin Karusell gefahren. Das ist erwähnenswert, weil ich mich grundsätzlich weigere Karusell zu fahren. Also für Menschen, die Karusellfahren hassen, ist das das richtige...

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Wir reden natürlich von der Märchenbahn im Vordergrund.Aber wer kann schon widerstehen, wenn eine kleine Hand die eigene nimmt und Richtung Karusell zieht: Fahren! Nochmal!

Zum ersten Mal auf der Wiesn - das ist wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Und das, wo dieses kleine Wesen noch nicht einmal weiß, jedenfalls so richtig, was Weihnachten und Geburtstag sind. Aber was das Oktoberfest ist, war ihr in dem Moment klar, als sie auf die Theresienwiese kam. Die Augen wurden groß und fingen an zu leuchten. Sie glauben ja gar nicht, was Dienstag morgen um 10 schon alles auf der Wiesn los ist. Bei weitem nicht so wenig, wie ich dachte. Und was es alles zu sehen gibt - ein Live-Wimmelbuch quasi.

Löwe! Tiger! Elefant! Gondel! Schneller! Schnell weg von der Geisterbahn... Aber Karusell und nochmal Karusell! Und nochmal... Hendl ist auch nicht schlecht - aber dann schnell weiter sonst droht der Mittagschlaf: Schau mal, die fliegen! Völlig aufgedreht. Im Himmel der Glückseligkeit sitzt sie mitten auf der Schaustellerstraße und löffelt konzentriert ein Schokoladeneis. Ehe sie mit einem Herz um den Hals in Richtung Mittagschlaf befördert wird. Um den habe ich sie beneidet.