München Splitter II: Die Schrannenhalle
Der Rest von München: Die Ludwigsvorstadt

Neuhausen und der Rest von München

Maximilian Buddenbohm zweifelt, ob das Leben jenseits seines Kiezes lebenswert ist und ruft Blogger auf, ihren Stadtteil zu beschreiben. Ich kann das gut verstehen - geht mir genauso. Auf jeden Fall haben sich jede Menge Hamburger Blogger aufgemacht, ihren Stadtteil zu beschreiben und das finde ich auch im Süden spannend. Die Welle ist ins Ruhrgebiet geschwappt (und hey, was weiß ich vom Pott). Und ich finde, auch München verdient es, dass hier mal die einen Klischees bestätigt und mit anderen aufgeräumt wird.

Also fangen wir an...

Mein Stadtteil war nie angesagt. Und das ist gut so, denn so blieb das Heuschreckenpartyvolk mit allen seinen Nebenwirkungen aus. So wurde der Stadtteil auch nicht gentrifiziert, sondern hat sich einfach verändert. Teuer ist es auch so geworden, auch wenn noch jede Menge unsaniert ist. Hier sind viele Mietshäuser noch in der Hand derselben Besitzerfamilie wie vor 100 Jahren, heute sind halt die Enkel und Urenkel die Hausbesitzer. Die Alteigesessenen kennen sich auch alle - so mein Gefühl. Es ist ein Dorf, in dem du erst angekommen bist, wenn dich jeder mit Namen kennt. Und eigentlich erst, wenn du auf dem Friedhof hier liegst. Der Winthirfriedhof ist einer der schönsten in München - aber das werden die meisten von uns nicht erleben. Hier gibt es erst nach dreißig Jahren ein Grab und dann auch nur vielleicht.

Ist vielleicht etwas morbide mit dem Ende anzufangen. Aber ich mag Friedhöfe. Zurück auf Anfang, es ist auch eine der bekannteren Geburtskliniken Münchens in Neuhausen, die Taxisklinik. Wie gut diese ist, kann ich bekannterweise jetzt nicht aus Erfahrung berichten.

Neuhausen ist nicht Neuhausen - denn eigentlich ist der Stadtteil mehrgeteilt. Der Mittlere Ring, die Nymphenburger Straße, die Leonrodstraße - all das schneidet den Stadtteil in mehrere Teile, die sich nicht so wirklich zu einem ganzen zusammenbringen lassen. Auf der einen Seite ist es mehr Penny, auf der anderen Seite mehr Bio-Markt. Auf der einen Seite mehr Boazn, auf der anderen mehr Restaurant. Grundsätzlich gilt: Wer an der Stadtautobahn oder im Neubaugebiet an der Bahnstrecke wohnt, ist nicht zu beneiden. In den Altbauten, die jeweils in der Mitte des Kiezes sind, wohnt es sich allerdings ganz angenehm.

Auch wenn von Genossenschaft bis Edel alles vertreten ist, sind die Wohnung doch in erster Linie der typische Nicht-Herrschaftliche-Beamtenaltbau der letzten Jahrhundertwende. Komischerweise meinen viele, dass auch wir hier luxussaniert leben - aber außen hui und innen Nachtspeicheröfen und Boiler. Und ich hab auch noch ganz anderes von innen gesehen. Also soviel zum Luxus.

Mein Neuhausen ist sehr grün, sehr bio, kinderreich - eigentlich leben hier die typischen Lohas mit dem für München typischen großen Wagen und dem etwas kleineren Zweitwagen vor der Tür. Was schon mal bedeutet: Parkplätze findet man keine. Wohnungen übrigens auch nicht.

PicMonkey Collage_Neuhausen
Ansonsten ist alles vorhanden hier. Viele Einzelhändler haben sich gehalten oder haben auch wieder neu aufgemacht. Die Neuhauser mögen Einzelhandel. Bäcker gibt es soviele, als würden wir von Brot allein leben - und so wird man hier sehr wählerisch: die Brezn bitte von dort, die Semmeln sind da am besten und für das Roggenbrot geh bitte dorthin. Und um Sonntags Kuchen zu holen, kommt eh halb München ins Ruffini.

Überhaupt gibt es hier jede Menge schöne Dinge zu kaufen: in Krimskramsläden, bei Muttisglück-Geschäften, in wunderbaren Blumengeschäften, in Buch- und Modeläden etc. pp. Wir haben großartige Restaurants wie das Broeding oder das Acetaia. Und viele sehr gute Restaurants und Kneipen, die nicht ganz so bekannt sind (und das soll auch so bleiben - wir wollen ja nicht zum In-Viertel werden). Im Sommer gibt es den Taxisgarten und das Dantebad, im Winter die Eisfläche am Nymphenburger Kanal. Und wenn man wirklich mal weg will, ist man mit dem Rad in zwanzig Minuten in Schwabing, in der Maxvorstadt oder in der Innenstadt.

Ich mag es, dass hier immer so ein bisschen was los ist. Dass man vor die Tür gehen kann und unter Menschen ist, mit jemanden auch mal einen Ratsch halten kann. Ich mag es, dass es hier jede Menge Kinder gibt, aber auch viele alte Menschen. Für mich ist das eine gute Mischung. Auch verschiedener sozialer Schichten. Die allerding bedroht ist, immerhin parken hier inzwischen auch Aston Martin und Bentley auf der Straße (geh nach Grünwald!). Weil Geld hat man in manchen Teilen Neuhausens nicht und in anderen wird nicht damit angegeben. Bis jetzt jedenfalls. Und bis jetzt hat das auch funktioniert.

Wobei das Gleichgewicht ins Wanken geraten könnte: Einerseits durch Sanierung und dadurch andere Bewohner in dem ein oder anderen Teil, andererseits dadurch, dass die Stadt im einzig herrschaftlichen Straßenzug Sozialwohnungen errichtet. Missgunst und Missachtung sind immer keine guten Vorraussetzungen des Zusammenlebens.

Ich mag Neuhausen. Kann mich ein Münchner Blogger davon überzeugen, dass auch andere Stadtteile lebenswert sind? Wie lebt es sich denn in Haidhausen, der Innenstadt, im Univiertel, ganz neu in der Maxvorstadt, in Schwabing-West oder in Sendling, in Denning, in Unterföhring und was ist mit Giesing - und all den anderen Stadtteilen, zu denen mir auf die Schnelle niemand eingefallen ist?

Mehr aus Neuhausen übrigens hier.

Kommentare

Feed Abonnieren Sie den Kommentar-Feed dieses Eintrags, um der Konversation zu folgen.

kaltmamsell

Schön! (Ich geh mal in mich, ob mir etwas über meine Ludwigsvorstadt einfällt.)

ilse

Schluchz! Warum musste ich weg aus diesem Paradies?

Helga

Kaltmamsell, ich freu mich drauf!

Ilse, hmm...

Wawimuc

in Sendling?
ein paar Eindrücke, wobei es im Sommer schöner ist.
https://picasaweb.google.com/104830187257172727580/SendlingNord#
https://picasaweb.google.com/104830187257172727580/SendlingSD

Marcus

Seit ich vor ein paar Jahren in München "gelandet" bin, lebe ich in Neuhausen. Und das im Wortsinn. Vom Brauseschwein über das Kyklos, das Hideout, den Griechen in der Donnersberger, das Neulinger nicht vergessend, und das Fuji mitnehmend, lebt es sich - gelegentlich im Vinh's und im Muddy Boot versumpfend - hier unnachahmlich urban+rural zugleich. Schee' is'.

Preißndirndl

Wunderbare Idee, diese Stadtviertel-Skizzen. Vielleicht überrasche ich euch mit Obersendling ...

Helga

Oh ja bitte, Preißndirndl!

Clarissa

Toller Text, lebe in Neuhausen und sehe es genauso! Zu erwähnen wären vielleicht noch die Karpfen im Schlosskanal, die finde ich sehr schön.

Frau Klugscheisser

Done!
http://smartass.blogger.de/stories/2162826/

Die Kommentare dieses Eintrags sind geschlossen.