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Februar 2013

Es ist eine Frage der Betrachtung...

Über 100 Menschen stehen für eine Wohnung an. Das war allen Münchner Tageszeitungen dieser Tage eine große Geschichte wert - bis hin zum Aufmacher. Passt auch grad ins Thema. Wohnungsnot in München läuft. Was mich dabei so erstaunt ist das Kurzzeitgedächtnis der Menschen: Wohnen war in den letzten 20 Jahren DAS Thema in München. Vorher kann ich nicht beurteilen, aber die letzten 20 Jahre kenne ich aus eigener Erfahrung. Und die lässt sich so zusammen fassen: wer eine Wohnung hat, tut gut daran, sie nie wieder zu verlassen. Blöd nur, wenn sich die Lebensumstände ändern oder wenn man neu nach München kommt.

Meine Wohnungsgeschichten kann ich auf zwei Arten erzählen. Alles furchtbar - oder ich habe immer toll gewohnt. Als ich vor gut zwanzig Jahren nach München kam, war der Wohnungsmarkt eine Katastrophe: Wohnraum für Studenten quasi nicht auffinbar. Ich wollte nicht jeden Tag pendeln (wie es die meisten getan haben) und bin erst einmal für ein Jahr ins Studentenheim gezogen. Ins Studentinnenheim. So mit Drachen an der Tür, spartanischer 8 Quadratmeter-Zelle und Gemeinschaftsbad. Unzumutbar? - Es war ein Zimmer. (Im übrigen sehr zentral in der Maxvorstadt.)

Wohnungssuche war DAS Thema unter uns Erst- und Zweitsemestern. Zweimal die Woche saßen wir mit dem Immobilienteil der Süddeutschen im Café. Aber eigentlich hatten wir uns die Zeitung schon am Abend vorher am Bahnhof besorgt und hingen dann am Telefon (öffentliche Fernsprecher) - weil wer am Erscheinungstag anrief, rief leider zu spät an.

Ich habe mir haufenweise verschimmelte Butzen angeschaut. WG-Zimmer, bei denen frau in Unterhose und mit Bierflasche in der Hand begrüßt wurde. Durchgangszimmer! Also ehrlich gesagt: das letzte vom letzten. Was übrigens der Wohnraumqualität aller mit mir Studierenden entsprach. Wir lebten in Studentenwohnheimen oder in echten Bruchbuden - die wir aber liebten. Eine Freundin, so erinnere ich mich, musste noch mit Holz heizen. Und das Klo auf dem Gang war keine Seltenheit. München, Anfang der 90er Jahre.

Gelandet bin ich in einer netten WG in 1a Lage. Und damit fängt der andere Teil der Geschichte an: ich hatte eine Adresse, die während jedes Praktikums, die Festangestellten vor Neid erblassen ließ.

Für mich wichtig: Was für eine Lage! Am Nymphenburger Kanal... Ich könnte aber auch erzählen, dass das Zimmer eher so meh war. Und der Vermieter geschickt eine Drei- zu einer Vierzimmer Wohnung umgebaut hat, um die Zimmer einzeln zu vermieten. Wie das geht? - Stell die Küche in die Diele... Also: jammern oder sagen "sensationelle Studentenbude"?

Bei Wohnraum 3 hatte ich Glück: ich bin einfach innerhalb des Hauses umgezogen. In ein neugeschaffenes Appartment. Jetzt könnte man natürlich auch wieder sagen: Tiefparterre (mit beschissener Heizung, weil Eigenbau)! Oder eben: am Nymphenburger Kanal! Meins!

Dann kam es, wie es so kommt: Man kennt sich, man mag sich und man mag irgendwann zusammenziehen. Ein Jahr haben wir gesucht. Und uns mal wieder Bruchbuden angeschaut. Besichtigungstermine waren gerne unterwöchig vormittags, wo Beruftstätige besonders Zeit haben (das waren wir ja inzwischen).

Das ist die letzte Wohnung, die ich anschaue, sagte der Begleiter, vor dem Besichtigungstermin vor unserer heutigen Bleibe. Wir hatten zwei Termine an diesem Samstag vormittag. Und ich weiß noch, die erste Wohnung war so richtig zum Heulen. Und es stand quasi Spitz auf Knopf. Und wir kamen hier rein - und in für uns die perfekte Wohnung. Mit gut hundert anderen Mitbewerbern. War natürlich auch ein Massenbesichtigungstermin. Was anderes gab es nicht.

Wir wollten diese Wohnung. Wir bekamen sie. Es war ein strahlend schöner Tag Ende Februar vor 14 Jahren. Ich habe bei der Besichtigung eine Mitvolontärin von der Süddeutschen Zeitung getroffen, die mäkelte: der Schnitt und die Nachtspeicherheizung und der Boiler. Ich hätte entgegnen können: der Stuckaltbau, das alte Parkett, die Lage! Ich tat es damals nicht. Bis jetzt wartete ja jeder nur auf den Anruf des Vermieters.

Wir wurden als erstes Paar angerufen. Ich weiß bis heute nicht, wohin es die Mitvolontärin verschlug. Aber man erzähle mir bitte nicht, dass die Wohnungssuche in München vor zwanzig oder 15 Jahren einfacher war.

Und was ich so von Menschen um mich in den letzen 14 Jahren mitbekommen habe, hat sich nichts, aber auch gar nichts verändert. Abgesehen davon, dass alle dann anfingen Eigentum erwerben zu wollen, aber das ist eine andere Geschichte...


Winter austreiben

Meine Winterstiefel haben beschlossen, ihre Aufgabe für dieses Jahr sei erledigt. Irgendwas ist an jedem kaputt. Jedenfalls an den beiden wärmeren und doch citytauglichen Paaren. Das ist ein Zeichen. Natürlich auch das Zeichen, dass zwei Paar wärmere citytaugliche Stiefel zu wenig sind. Aber eigentlich das Zeichen, dass es jetzt doch Zeit wäre, dass es wärmer werden sollte. Wenigstens ein bisschen. Habe ich irgendwie bis gestern den Winter noch mit Humor genommen oder wenigstens mit Gelassenheit, ist jetzt der Schalter umgefallen und ich bin genervt. Ich brauche keinen Schnee mehr, jedenfalls in der Stadt. Ich brauche aber ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit. Kurz: ich mag nicht mehr. Winter verzieh dich - du bist jetzt fast drei Monate da.

Helau, Alaaf, Krapfen für alle

Das muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen: Um die letzte Jahrhundertwende zogen die Schwabinger Künstler und Literaten Trachten an, gingen auf die Bauern Kirchweih und das ganze war Bohème. Im Fasching. Heut ziehen alle zur Wiesn Trachten an und feiern ... äh Fasching?

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Auf jeden Fall: Viel Spaß beim Feiern, mein Schnupfen, mein Husten und ich bleiben daheim.