Ausgepackte Kisten
Ruhe is - irgendwann

A Radler, a Radler!

Das mit den Fahrradstraßen in München und dem Radeln gegen die Fahrtrichtung in Einbahnstraßen ganz offiziell ist eigentlich eine pfundige Idee. Bei letzterem ist es die Legalisierung einer Sache, die eh jeder macht. Das ist freundlich von der Stadt München, denn an Stellen, an denen das nicht legalisiert ist, verteilt die Polizei freudigst Strafzettel für Radler. Und ich hab den Verdacht, dass damit eingenommene Geld kommt nicht der Stadt, sondern dem Freistaat zu Gute, sonst wär ja die Stadt nicht so großzügig.

Also in Schwabing und der Maxvorstadt darfst damit nahezu jede Straße in jede Richtung beradeln. In einem Gebiet, in dem die Radlerfrequenz sehr sehr hoch ist, eigentlich eine pfundige Idee. Tatsächlich macht es den Verkehr nicht weniger gefährlich - denn dass man da Radeln darf, heißt noch lange nicht, dass Autofahrer realisieren, dass ihnen ein Radler eventuell entgegegen kommt. Den man dann natürlich erst mal beschimpft, nachdem man ihn fast über den Haufen gefahren hat...

Was ebenso wenig im Bewusstsein der Autofahrer angekommen ist, ist das Prinzip Fahrradstraße. Da mag es noch so breit an jeder Kreuzung stehen. Nehmen wir doch mal den letzten Samstag: Friedlich radelten wir in der sonnigen Nachmittagssonne die autoleere Clemensstraße entlang. Nebeneinander. Das darf man ja in einer Fahrradstraße. Bis es von hinten hupte. Mehrmals. Andauernd. Ich ließ mich nicht beirren - ja, auch ich kann den Verkehrserzieher raushängen lassen. Bei nächster Gelegenheit wurde ich dann mit quietschenden Reifen und aufheulenden Motor überholt. Und ich konnte es nicht lassen, dem Fahrer "Das ist eine Fahrradstraße" hinterherzurufen. Alles andere habe ich mir an diesem friedlichen Samstag nachmittag gespart und das war auch gut so, denn nur "Fahrradstraße" leitete schon eine Vollbremsung ein - gefolgt von Türen aufreissen und wüsten Beschimpfungen. Ich möcht ja gar nicht wissen, was passiert wäre, hätte ich ihm eine größere Beleidigung als "Fahrradstraße" hinterhergerufen.

Also so ganz ungefährlich ist es nicht, in München zu radeln. Selbst wenn man sich an alle Verkehrsregeln hält.

Kommentare

Feed Abonnieren Sie den Kommentar-Feed dieses Eintrags, um der Konversation zu folgen.

kaltmamsell

Genau das denke ich bei jedem erlaubten Einfahren gegen die Einbahnstraße (auch im Bahnhofsviertel verbreitet - und ich bin ja die eine Radlerin, die das NUR erlaubt macht): Ob das die Autofahrer wissen? Hilft mir ja bei einem Zusammenprall nicht, dass ich auf der Seite des Rechts war.

nata

In der kleinen Stadt, in der ich mit meinem Fahrrad unterwegs bin, gibt es eine Einbahnstraße, die in Gegenrichtung auf 90 Meter von Fahrrädern und Straßenbahn benutzt wird. So oft ich da lang fahre, habe ich noch nicht einmal erlebt, dass die entgegenkommenden Autofahrer nicht versuchen würden, mich auf die Straßenbahnschienen zu drängen.

Irene

Ich halte das Problem für überschätzt. Ist es denn schon mal zu einem frontalen Zusammenstoß gekommen? Was von vorne kommt, sehen Autofahrer immerhin, auch wenn sie nicht damit rechnen.

Radwege sind viel gefährlicher, wenn Autofahrer nicht mit ihnen rechnen. Und hier passieren tatsächlich viele Unfälle, wenn das Fahrrad beim Rechtsabbiegen oder beim Fahren aus der Seitenstraße auf die Vorfahrtsstraße übersehen wird.

Die Kommentare dieses Eintrags sind geschlossen.