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Juli 2013

A Radler, a Radler!

Das mit den Fahrradstraßen in München und dem Radeln gegen die Fahrtrichtung in Einbahnstraßen ganz offiziell ist eigentlich eine pfundige Idee. Bei letzterem ist es die Legalisierung einer Sache, die eh jeder macht. Das ist freundlich von der Stadt München, denn an Stellen, an denen das nicht legalisiert ist, verteilt die Polizei freudigst Strafzettel für Radler. Und ich hab den Verdacht, dass damit eingenommene Geld kommt nicht der Stadt, sondern dem Freistaat zu Gute, sonst wär ja die Stadt nicht so großzügig.

Also in Schwabing und der Maxvorstadt darfst damit nahezu jede Straße in jede Richtung beradeln. In einem Gebiet, in dem die Radlerfrequenz sehr sehr hoch ist, eigentlich eine pfundige Idee. Tatsächlich macht es den Verkehr nicht weniger gefährlich - denn dass man da Radeln darf, heißt noch lange nicht, dass Autofahrer realisieren, dass ihnen ein Radler eventuell entgegegen kommt. Den man dann natürlich erst mal beschimpft, nachdem man ihn fast über den Haufen gefahren hat...

Was ebenso wenig im Bewusstsein der Autofahrer angekommen ist, ist das Prinzip Fahrradstraße. Da mag es noch so breit an jeder Kreuzung stehen. Nehmen wir doch mal den letzten Samstag: Friedlich radelten wir in der sonnigen Nachmittagssonne die autoleere Clemensstraße entlang. Nebeneinander. Das darf man ja in einer Fahrradstraße. Bis es von hinten hupte. Mehrmals. Andauernd. Ich ließ mich nicht beirren - ja, auch ich kann den Verkehrserzieher raushängen lassen. Bei nächster Gelegenheit wurde ich dann mit quietschenden Reifen und aufheulenden Motor überholt. Und ich konnte es nicht lassen, dem Fahrer "Das ist eine Fahrradstraße" hinterherzurufen. Alles andere habe ich mir an diesem friedlichen Samstag nachmittag gespart und das war auch gut so, denn nur "Fahrradstraße" leitete schon eine Vollbremsung ein - gefolgt von Türen aufreissen und wüsten Beschimpfungen. Ich möcht ja gar nicht wissen, was passiert wäre, hätte ich ihm eine größere Beleidigung als "Fahrradstraße" hinterhergerufen.

Also so ganz ungefährlich ist es nicht, in München zu radeln. Selbst wenn man sich an alle Verkehrsregeln hält.


Ausgepackte Kisten

Es ist schon seltsam, wie sehr eine Stadt ihr Gesicht verändert, wenn man umzieht. Selbst, wenn man sie gut kennt. Selbst, wenn man nicht an den Stadtrand zieht oder an das andere Eck. Selbst, wenn man nur in den Stadtteil nebenan zieht. Aber die Wege werden andere. Die kurzen, die man täglich gegangen ist, gibt es nicht mehr. Man muss sie neu finden. Die längeren führen einen durch neue Straßen oder durch lange nicht gegangene Straßen. Und so stromert man seltsam zeit- und raumlos durch die Stadt. Immer auf Entdeckung. Und nachdem das Gerüst des Alltags weggebrochen ist, entdeckt man die Stadt neu. Und irgendwie ist es nach wie vor wie Urlaub.

Münchnerischer ist es hier. Schon allein der Blick aus meiner Küche in die Hinterhöfe, wo einer in den anderen übergeht. Die Nähe zum Englischen Garten. Und wenn du in die Stadt radelst, radelst du durch die Stadt in die Stadt. Kleine Geschäfte, nach wie vor Werkstätten und dankenswert wenig Coffee-Shops. Und natürlich der Elisabethmarkt, den ich schon geliebt habe, als ich noch nicht hier gewohnt habe. Und das Bairisch ist auch noch nicht ausgestorben und dazu braucht es auch keine lächerlichen Schilder an der Geschäftstür, die suggerieren, dass der Zuzogene unerwünscht sei.

Und so sind die ersten Wochen ins Land gegangen zwischen sich sofort heimisch fühlen und fremd sein. Zwischen entdecken und zurückziehen. Kisten auspacken, einräumen, umräumen. Vielen ungeschriebenen Geschichten und nicht geknipsten Bildern. Aber es ist ja noch Zeit. Neue Geschichten kommen und warten darauf, erzählt zu werden.