A Radler, a Radler!
Noch mehr Dinge, die man anscheinend nicht braucht

Ruhe is - irgendwann

Der grünen OB-Kanditatin ist München zu wenig großstädtisch, entnehme ich der heutigen SZ. Sie will die Sperrzeit der Freischankflächen kippen. Feiern ohne Begrenzung. Und wer in der Nähe einer Freischankfläche wohnt, ist selber schuld. Soll er doch an den Stadtrand ziehen und dann abends in die Stadt radeln, denn gegen das Autofahren in der Stadt hat sie ja ebenfalls etwas.

Vor 20 Jahren hätte ich ihr begeistert zugestimmt. Klar, draußen sitzen - am besten die ganze Nacht. Vor zehn Jahren hätte das Argument noch bei mir gezogen: die wenig heißen Tage. Inzwischen halte ich die 23 Uhr für einen idealen Kompromiss. Und es gibt genug Tage, da hätte ich gerne vor 23 Uhr Ruhe. Statt wie de facto gegen 24 Uhr. Denn bis tatsächlich die Leut nicht mehr draußen sitzen, bis tatsächlich zusammengeräumt ist, bis tatsächlich die Leut, die ja nicht mehr sitzen, dann gehen, das dauert. Aber es gibt auch die Tage, an denen ich nicht heim will, an denen ich nicht rein will. An denen andere Menschen früher schlafen wollen, am nächsten Tag früher raus müssen.

Klar ist, du brauchst einen Kompromiss. In München hat man sich, wenn mich nicht alles täuscht, war es im Zuge der Biergarten-Revolution geeinigt. Menschen leben, Menschen arbeiten und Menschen gehen aus in einem Viertel. Schlafviertel braucht kein Mensch, aber das, was in den letzen Jahren an Neubaugebieten entstanden ist, sind reine Schlafviertel. Da ist kein Platz für Geschäfte, geschweige denn eine Wirtschaft. Wollen wir reine Amüsierviertel, in denen keiner mehr wohnt und reine Schlafviertel, in denen keiner so richtig lebt? Die Mischung macht es aus. Macht es spannend. Macht es auch mal laut. Aber erfordert, dass es auch mal ruhig wird. Weil alle und alles auf einen Platz geht nicht ohne Kompromisse.

Kommentare

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ilse

Bisschen peinlich, wie die Grünen sich an die Stimmer der Jugend ranwanzen. Nichts ist schlimmer als über einer Wirtschaft zu wohnen und sich stundenlang das "ciao" "ciao", bussi-bussi der scheidenden Trinker anzuhören! Das reicht echt um 23 Uhr.

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