Münchner Gschichten im Kurzformat
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In ist wer drin ist

...oder: Die Geburtstagsreservierung

Der alte Spruch aus Kir Royal stimmt nach wie vor. Das habe ich jetzt gerade feststellen dürfen: Ich bin nämlich weder in noch drin. Nämlich im Lokal meiner Wahl für mein Geburtstagsessen. Das hat nämlich meine Geburtstagsreservierung kurzfristig storniert. Wegen einer exklusiven Veranstaltung. Da bin ich nicht exklusiv genug.

Kurz vor Weihnachten Geburtstag zu haben ist ja eh schon ein Gschiess. Eigentlich hat keiner Zeit für dich, jeder ist mit Weihnachten und dem Jahresabschluss beschäftigt und Essen gehen braucht man auch nicht, weil überall Weihnachtsfeiern sind. Dennoch will man vielleicht auch mal Essen gehen - man hat ja schließlich Geburtstag. Dieses Jahr fiel meine Wahl auf "Das Lokal" in der Georgenstraße. Da waren wir mal im Sommer mit Freunden, schön war's, die Herren haben ein überzogenes Trinkgeld gegeben - aber nicht so schlimm, denn es hatte ja das Potential von uns häufiger besucht zu werden.

Ich hatte mich dann auch gefreut, dass ich rund um Nikolaus feststellte, dass keine Weihnachtsfeier an meinem Geburtstag dort stattfinden würde und habe reserviert.

Was dann passierte...

Hallo Frau Birnstiel,

wir haben für nächsten Freitag, den 20.12. eine große Anfrage für eine
exklusive Veranstaltung.
Jetzt meine Anfrage an Sie haben Sie etwas dagegen Ihre Reservierung zu
stornieren? Sie würden uns damit sehr entgegenkommen.
Gerne lade ich Sie dann beim nächsten Mal auf einen Aperitif aufs Haus ein.
Ich hoffe auf Ihr Verständnis und Entgegenkommen.

Schöne Grüsse
...
DASLOKAL

Sehr geehrter Herr ...,
 
und Sie haben sicherlich Verständnis, dass ich über die freundliche Ausladung Ihrerseits wenig erbaut bin. Ich hatte nämlich eigentlich vor, meinen Geburtstag nächsten Freitag bei Ihnen zu feiern.
 
Stoßen Sie also gerne mit dem Gastgeber Ihrer exklusiven Veranstaltung auf mein Wohl an.
 
Mit freundlichen Grüßen
Helga Birnstiel
 
Hallo Frau Birnstiel,
 
das verstehe ich natürlich.
Es tut mir auch wirklich leid. Aber ich hoffe Sie verstehen es zumindest ein bischen.
Ich wünsche Ihnen natürlich trotzdem nächsten Freitag einen wünderschönen Geburtstagabend.
 
Schöne Grüsse
...
DASLOKAL
 
Und soll ich Ihnen was sagen: Ja, ich hätte sogar Verständnis. Mehr als die Stornierung macht mich die Art und Weise sauer: Mei Mädel, an Aperitiv aufs Haus und dann passt es schon. Und wenn nicht, ist mir doch egal. Spätestens bei dem Hinweis auf meinen Geburtstag hätte eine Reaktion kommen müssen (eigentlich schon vorher).
 
Wäre in der ersten Mail ein Wort des Bedauerns gestanden. Hätte man mir angeboten, sich um eine Reservierung in einem adäquaten anderen Restaurant zu bemühen. Hätte man angefragt, die Reservierung auf einen anderen Termin zu verschieben und als Dank für meine Umstände xy aufs Haus. Dann nach wie vor ärgerlich, aber ich hätte Verständnis.
 
Wofür ich aber überhaupt kein Verständnis habe ist dieses: Mei wer bist denn du. Du bist mir ja wurscht. Ich frag mich dann auch, ob man anders damit umgegangen wäre, wenn statt Frau B. Herr Dr. B. oder gar das Sekretariat Herr Dr. B. die Reservierung vorgenommen hätte. Wobei dies einfach keine Rolle spielen darf. Und deswegen erzählt Frau B. die Geschichte nun in ihrem kleinen Blog und überlegt, wo sie denn ihren Geburtstag feiert. - Dieses Jahr und grundsätzlich.

 

Kommentare

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Maex

Ach ja, das sind die, die per Aushang explizit junge und hübsche Servicekräfte gesucht haben.

Zwackerldad

mei, die Läden die sowas machen leben nicht mehr lange. Das hab ich bei uns schon oft beobachtet. Die "Exclusiven" ziehen weiter und die vergraulten kommen sicher nicht zurück. Einzige Ausnahme ist das P1.

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