Münchner Gschichten im Kurzformat
Münchner Gschichten im Kurzformat

Vor einem Jahr - Rückblick II

Eigentlich müsste man ein Buch darüber schreiben: Wie finde ich eine Wohnung in München. Es wäre ein Verkaufsschlager - aber man würde damit dennoch keine Wohnung finden. Heute noch weniger als die letzten Jahre. Ich hab ja irgendwann aufgehört darüber zu schreiben, weil ich niemanden langweilen wollte und weil die ganze Welt (inklusive meine Leser und alle Münchner Makler) wohl gemeint hat: die Frau hat halt ein Hobby, das heißt Wohnungen besichtigen und so tun als suche sie eine.

Das stimmte nicht. Ich gebe zu, der Anspruch war hoch und dann hat die ganze Welt (inklusive meine Leser und alle Münchner Makler) gesagt: Frau B. spinnt. Oder auch: "Sie wohnen wohl schön". Letzteres hat gestimmt - zumindest ganz subjektiv. Das war dann auch der Punkt, an dem ich für lange Zeit die Lust verloren hatte, zu suchen - und erst, als ich wieder (ernsthaft!) gesucht habe, wurde es auch was.

Also, hier meine Tipps zur Wohnungssuche. Die funktionieren dann, wenn Sie ohne Not suchen.

1. Visualisieren Sie Ihr Wohnumfeld. So exakt wie möglich. Haus oder Wohnung? Innenstadt oder Stadtrand? Garten? Altbau oder Neubau? Deckenhöhe (war mir immer wichtig)? Kamin? Offene oder geschlossene Küche? Wichtig an dem Punkt sind: was lässt sich verändern, was nicht. Aus einem 80er Jahre Bau lässt sich einfach mal kein Jahrhundertwende Stilaltbau schaffen.

2. Wo? Das war der Punkt, an dem ich lernfähig werden musste. Im Prinzip haben fast alle Viertel schöne und scheußliche Ecken. Also wenn man sich auf ein bestimmtes Viertel einschießt, muss man möglicherweise an der Wohnung selbst Abstriche machen. Will man das nicht, kommt man nicht drumrum, seinen Horizont etwas zu erweitern. Ich für meinen Teil hab es ab einem gewissen Punkt so definiert: ich will in einer Straße mit Bäumen wohnen, ich will eine Zone 30 vor der Tür und ich will alles mit dem Rad erreichen können. - Damit hab ich das zwar immer noch sehr eingeschränkt, aber der Radius war schon weiter als "ich will im Ruffini-Karree" wohnen.

3. Was mich zum fast entscheidenden Punkt führt: Bleiben Sie realistisch. Gilt vorallem für die Preisfrage. Ich hätte ja auch gern das Haus in Gern visualisiert. Aber. Ich mein, das kann man auch visualisieren - wenn man einen sehr langen Atem hat und auf einen Lottogewinn hofft oder auf die Erbtante - und bis dahin nicht unglücklich ist, da wo man ist. Auf der anderen Seite

4. Eierlegende Wollmilchsäue gibt es. Wenn Sie dran glauben, lassen Sie sich von Makler nicht das Gegenteil einreden. Also: Visualisieren, Realitätscheck machen (incl. Finanzceck) - dann suchen. Und genau danach. Was scheinbar toll ist, muss es für einen persönlich noch lange nicht sein. Ich finde es ganz faszinierend, wie glücklich die Menschen, die ich die letzten Jahre auf ihrer Suche begleitet habe, heute in ihrem Wohnumfeld sind. Jedes ist anders. Ich finde jedes einzelne großartig - und möchte gleichzeitig mit keinem tauschen.

5. Überlegen Sie sich ganz genau, wo Sie Abtriche machen würden und welche Punkte unverhandelbar sind. Und dann bleiben Sie dabei. Man kann das ja im Laufe der Suche nochmal überprüfen.

6. Mundpropaganda ist überschätzt. Glauben Sie wirklich, dass die Bäckereiverkäuferin sich ernsthaft dafür interessiert, dass Sie eine neue Bleibe suchen? Mundpropaganda funktioniert genau, wenn man den Menschen wirklich gut kennt. Oder auf dem Dorf. Und in München muss die Bäckereiverkäuferin die Bäckereibesitzerin sein, der das Haus seit Generationen gehört. Dann weiß sie auch vielleicht was.

7. Seien Sie überzeugend. Das war mit der Punkt, der mir am meisten Bauschmerzen bereitet hat. Überzeugend heißt ja: ich will und ich kann es mir leisten. Da haben ja Dampfplauderer und geleaste Porschefahrer immer gute Karten. Im Gegensatz zu Frauen, die allein auf dem Fahrrad zu einer Wohnungsbesichtigung kommen. Also wenn Sie es einrichten können: machen Sie schon die Erstbesichtigung zu zweit - das ist immer überzeugender. Schreiben Sie die Mails vom Firmenaccount. Und fallen Sie in irgendeiner Form positiv auf.

8. Treten Sie dummen Maklern auch mal auf die Füße. Tun Sie es nicht bei guten, die sind ihr Geld wert - und einen guten erkennt man überraschend schnell. Leider eine seltene Spezies.

9. Wenn Sie Bauchschmerzen bekommen, lassen Sie es bleiben.

Ich persönlich habe ja zu Nikolaus 2012 meine persönliche eierlegende Wollmilchsau besichtigt. Mit einem guten Makler, bei dem ich auch ohne männliche Begleitung bei der Erstbesichtigung punkten konnte. Ich habe kein einziges Mal schlecht geschlafen. Und kann Ihnen sagen: Nikolaus ist ein guter Mann. Aber nehmen Sie sich vorm Krampus in Acht.

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