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September 2016

Ein langer Abschied (1)

Ach Papa. Es tut so weh, Dich so zu sehen. Immer weniger und weniger werdend - geistig und körperlich. Letzteres wurdest Du schon die letzten Jahre. Man gewöhnt sich so ein bisschen daran und erschrickt doch immer wieder aufs neue. Aber jetzt bist Du kaum noch da. Dein Zustand von wenig allein machen zu können zu nichts mehr allein machen zu können, ist schlimm anzusehen. Aber damit kann ich umgehen. Dass es aber keine Chance mehr gibt, mit Dir zu kommunizieren, weil Dir die Sprache abhanden gekommen ist, tatsächlich und im übertragenen Sinn, ist schier unerträglich. Auch für Dich. Das merke ich. Und doch fehlen mir die Möglichkeiten. Ich würde Dich so gern verstehen und kann es nicht. Und ich weiß nicht, in welchem Moment, Du klar bist und mir etwas sagen möchtest - und es nicht kannst. Und in welchem Moment Du es nicht kannst, weil Du es nicht mehr weißt, was Du sagen wolltest. Das kleine große Glück, wenn Du Dich freust, mich zu sehen. Auch wenn es nur kurz andauert.