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Oktober 2016

Ein langer Abschied (2)

Du gehst. Langsam. Aber unaufhörlich. Du nimmst niemanden mehr wahr. Oder zeigst es zumindest nicht. Ich bin hin- und hergerissen, ob meine Anwesenheit, dich beim Gehen behindert oder dir hilft. Zu meinem eigenen Schutz hab ich beschlossen, dass mein Leben weiter geht. Das funktioniert so mäßig. Manchmal denke ich, die Zeit, die ich verbringe, an dich zu denken, sollte ich bei dir sein. Also fast immer? Ein alter Freund von dir hat, als er es erfahren hat, tatsächlich Mama ins Gesicht gesagt, sie hätte dich abgeschoben. Sie wäre unter dem Satz beinahe zerbrochen. Ich wäre beinahe vor Wut zersprungen. 20 Jahre Krankheit. Abwärtsspirale. Pflege. Ihr Leben nicht existent außer in der Definition auf dein Leben. Und jemand sagt, sie hätte dich abgeschoben. Gleichzeitig bin ich mir sicher, er sagt, was du denkst. Weil die Erkenntnis, dass es nicht mehr leistbar wäre - auch nicht mit Hilfe - die kommt nicht zu dir durch. Und wenn wäre es dir möglicherweise auch egal, weil du deine Bedürfnisse schon immer über ihre Bedürfnisse gestellt hast. Ich würde dir gerne die Hand reichen, aber diesen Weg musst du alleine gehen.