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Juni 2017

Zum Tage

Ich freue mich für die Ehe für alle. Auch wenn ich persönlich mir immer dachte, es ist egal, wie man es nennt, das entscheidende ist die rechtliche Gleichstellung. Jetzt ist es aber so, dass ich meine Haltung zu diesem Thema immer als stockkonservativ betrachtet habe: die Ehe ist für mich ein Bekenntnis zu einem Menschen. Ich gehe Pflichten ein und bekomme Rechte dafür. Die Ehe bedeutet, nicht bei jeder Schwierigkeit, die auftritt - und sind wir mal ehrlich im Laufe gemeinsamer Jahrzehnte ist nicht immer alles Sonnenschein - das Handtuch zu werfen. Nein, man rauft sich wieder zusammen. Man steht zueinander. Natürlich ist die Basis Liebe, Vertrauen, partnerschaftliches Denken. Und natürlich kann diese Basis zerstört werden, aber vielleicht nicht so einfach wie ohne Trauschein. Wie man vielleicht merkt: ich bin ein großer Fan der Ehe.

Was mir allerdings aufgestoßen ist die letzten Tage: die Brutalität mit der Menschen angegangen werden, die eine andere Meinung haben. Weil ich bin auch ein großer Fan der Demokratie und das heißt, man darf auch eine andere Meinung haben. Auch wenn sie plötzlich unpopulär zu sein scheint.Und eine ausgewogene gesellschaftspolitische Berichterstattung haben ja die meisten Medien die letzten Tage auf die Schnelle nicht mehr hinbekommen. Bei den Anti-Ehe-für-alle-Geschichten wurden entweder Kirchenrecht mit Staatsrecht vermischt oder Ehe mit Familie verwechselt.

Lassen Sie mich das mal so formulieren: die Ehe (siehe oben: konservativer Ansatz) ist die Keimzelle der Familie. Also eine Ehe ist für mich persönlich Familie - egal ob mit Kindern oder ohne. Wie will ich denn als Außenstehender beurteilen, ob gewollt oder ungewollt kinderlos? Und wenn jetzt der Ansatz kommt: Familie ist alles mit Kindern, egal ob verheiratet oder nicht. Dann stelle ich mal die Gegenfrage: wieso heiratet ihr nicht einfach? Es tut nicht weh. Die Frage, wer zukünftig diskriminiert wird, ist eine, die sich stellen wird. Die Kluft wird sein: Kinderlose Ehepaare, von denen es zukünftig mehr geben wird, gegen unverheiratete Paare mit Kindern? Und wer Kinder hat, ist ja eh im Recht... Ausgetragen wird dieser Kampf auf dem Rücken der ungewollt kinderlosen Ehepaare, weil die haben grad die schwächste Lobby, obwohl sie nicht so wenige sind.

Dass es objektiv absurd ist, Kirchenrecht mit Staatsrecht zu vermischen, ja, ist aber bei der CSU auch legitim. Aber auch nur in Bayern.

Ehe für alle. Steuersplitting für alle. Witwenrente für alle. Aber auch Stabilität für alle - wie gesagt, rein konservativ argumentiert.


Himmel Landshut - Tausend Landshut

In der kleinen Stadt wird ja jetzt wieder das große Fest gefeiert. Da steht die Stadt vier Wochenenden Kopf und man kann es schon als Ausnahmezustand bezeichnen. Und während früher es doch ein Fest für einen Teil der Stadtbevölkerung war - die sich dann auch gern als die Auserwählten betrachtet haben und gerne auch in den Jahren dazwischen eher unter sich blieben - ist es in den letzten beiden Jahrzehnten immer mehr ein Fest der ganzen Stadt geworden. Das finde ich schön, weil sich damit doch ein großer Teil der Stadt damit identifiziert und weil man gemeinsam feiert. Die einen kostümiert, die anderen so. Und weil nicht kostümiert (und mit mittelalterlichen Fantasiekostümen wird man der Stadt verwiesen - wir sind ja schließlich nicht auf dem Oktoberfest), gibt es auch für Nicht-Hochzeiter inzwischen Hochzeits-Shirts für's Identity-Feeling. Auch mit Glitzer - Hach - hätte ich das doch früher entdeckt, das wäre doch was für die Patenprinzessinnen...

Dass es jetzt ein Ganz-Stadt-über-die-ganze-Zeit-hin-Fest ist, macht das Ganze natürlich schon sehr speziell. Was jetzt wiederum nicht jeder gut findet, weil manche Menschen haben ja auch ein Ruhebedürfnis oder auch ein ganz normales Leben in der Zeit. Und anders als der Wiesn kann man dem nicht so entkommen, wenn man das denn wollte. Was anscheinend manchen Angst macht - die Laho und das Drumrum. So hat mich neulich allen Ernstes eine Neu-Helmenstädterin gefragt, ob sie sich da am Abend überhaupt aus dem Haus wagen könnte. Weil das wäre ja alles so brutal und sie könnte zusammengeschlagen oder überfallen werden. Da war ich dann doch ein bisserl sprachlos und hab ihr versichert, dass sie sich das schon mal anschauen kann und keine größeren Befürchtungen haben müsste. Dass die Leut je später der Abend auch mal unangenehm besoffen sind - auf der Wiesn bleib ich ja auch nicht bis zum bitteren Ende. Einen Satz später hat sie mir dann erzählt, dass die Menschen in der kleinen Stadt ihr so reserviert entgegen treten würden. Naja, mit einer solchen Eingangsfrage macht man sich auch keine Freunde dort. Denn wie gesagt, die Landshuter lieben ihre Hochzeit.

Ja, natürlich artet das alles auch gern mal aus, wahrscheinlich jedes Mal mehr, weil alles inzwischen mehr ausartet (so kommt es mir zumindest vor). Allerdings gab es auch schon früher Gerüchte von außerpartnerschaftlichen Bekanntschaften und von einem Anstieg der Geburtenrate im Frühjahr drauf. Wobei, das sind sicherlich nur Gerüchte. Verleumderisch geradezu.

Also Landshut feiere die Hochzeit mit Gästen und Zaungästen. Von mir kommt ein großes HALLOOO!


Extra Bavariam

In Heinerland trägt keine Frau ihre Sonnenbrille im Haar. Schon gar nicht abends. Aber das tut außerhalb von München wahrscheinlich keine Frau nirgends. Und wahrscheinlich ist es das Signal überall als Münchner Tussi identifiziert werden zu können. Und ebenso wahrscheinlich hat der Mann das gar nicht gemeint, als er sagte: du fällst hier auf. Aber das sagte er kürzlich schon mal in einem ganz anderen Kontext - und ebenso wahrscheinlich ist es die Story of my life, dass ich grundsätzlich irgendwo nicht hinpasse, auch wenn ich mich gar nicht von etwas distanzieren möchte. Weil meine bewusst Anti-Phase hatte ich zwischen 17 und 19 und das ist schon eine Weile her. Und davor und danach versuche ich mich auch gerne anzupassen, wobei das ja nicht zu funktionieren scheint. Gruppenzugehörigkeit, egal zu welcher Gruppe, kann ich nicht stringent durchziehen und am Ende vermittle ich mal wieder den Eindruck der arronganten Einzelgängerin.

Arroganz ist grundsätzlich gefährlich. In dem Fall ganz besonders. Eine Schwabinger Schmeißfliege, die sich über die Heiners lustig macht, sind wir mal ehrlich, geht gar nicht. Drum sag ich an dieser Stelle auch nur, dass ich die Stadt gewöhnungsbedürftig finde. Aber das gilt für viele Städte und Landstriche, denn: Extra Bavariam nulla vita, et si vita, non est ita. Und Bayern ist nicht so groß wie es die Landesgrenzen scheinen lassen - in diesem Bayern laut Landesgrenzen gibt es ja auch noch Franken und Schwaben.

Was ich auch noch gewöhnungsbedürftig finde, ist die Tatsache, dass sich die Bewohner einer Stadt mit einem Begriff oder Namen identifizieren, der ursprünglich einfach nur negativ besetzt war - Tagelöhner, grobe Kerle - und was das über die Bewohner einer Stadtt aussagt, das muss ich noch ergründen.


Schwabing is a G'fühl, gell

Sie saß da und fand es einfach toll in Schwabing zu sein, unter all diesen Leuten, die es auch toll fanden in Schwabing zu sein. Weil aus Schwabing war kaum einer. Und deswegen schien es auch so als ob ein "Monaco Franze Reloaded" gegeben würde - weil das ja immerhin ein Bild ist, das die meisten mit Schwabing verbinden. Ist halt schon ein bisserl her. Aber ein bisserl was geht immer.

Und so saß sie dann da und fand ihre Begleitung in seinem schlecht sitzenden Trachtenblazer auch ganz besonders charmant, weil er tatsächlich gefragt hatte, ob er ihr auch noch was bringen könnte, als er sich ein Getränk holte. Das war dann das erste Mal als ich mich mit Bosheit nicht ganz beherrschen konnte, als ich antwortete, das sei schon nett von ihrem Begleiter - aber irgendwie auch selbstverständlich, jedenfalls bei den Menschen, die ich kenne. Großer Kulleraugenblick. Und auch die zweite Begleitung des schlecht sitzenden Trachtenjackets aus Starnberg hatte keine Ahnung, was ich meinen könnte. Aber hey, wir sind in Schwabing, wir müssen wenigstens so tun, als wären wir wichtig und schön und unter Drogen...

War vielleicht früher mal so und halte ich auch da für ein Gerücht. Aber wir sind in Schwabing und deshalb werfen wir alles, was wir aus dem Monaco Franze und der Spider Murphy Gang wissen zusammen und dann wissen wir auch, wie wir uns zu geben haben, dass wir als echte Schwabinger durchgehen.

Ja.

Blöd nur Mädel, wenn du dir dann erklären lassen musst, wie du aus Schwabing mit der S-Bahn zum Stadtrand kommst, weil du eben nicht nur nicht aus Schwabing kommst, sondern auch nicht die Kohle hast, die du so gern hättest, um dir ein Taxi dahin zu nehmen. Und mein Ausschnitt war nicht so tief und meine Haut ist nicht so böse sonnenbank verbrannt, meine Fingernägel waren nicht so frisch gemacht, mein Kleid war nicht so eng, weil ich hab ne Jeans angehabt - aber im Gegensatz zu dir und deinen Freundinnen, die Schwabingerinnen gespielt haben - ich bin zu Fuß heimgegangen. Bussi!


Hundsdrecksblues reloaded

Der Söllner Hans ist scho lang nimmer in Schwabing spazieren gegangen. Aber ich bin mir sicher, auch wenn er heute nicht mehr in die Hundehaufen reinsteigen würde, er würde sich ebenso aufregen wie ich. Kreizkruzifix, Ihr depperten Hundebesitzer, wer hat Euch eigentlich ins Hirn geschissen? Da sammelt ihr die Kacke von Euren Kötern zwar brav auf - um dann die roten Sackerl in die Gegend zu schmeißen. Geht's eigentlich noch? Glaubt Ihr, das macht irgendwas besser? Die Stadtreinigung machts dann schon weg. Irgendwann mal.

Ich mein, ich geb ja zu, es ist nicht hilfreich, dass die Stadt München vor einigen Jahren beschlossen hat, alle Mülleimer abzubauen. Was dazu führt, dass halt die Leut ALLES irgendwohin werfen. Weil's wurscht is. Schmeißen die Leut ihren Dreck auch vor die eigene Haustür oder gehen sie dafür eine Straße weiter? Und schmeißt den Dreck doch bitte auch mal ein paar Stadträten oder Stadtteilpolitikern vor die Tür - vielleicht stellt auch jemand den Antrag, mal wieder einen Mülleimer aufzubauen.

Ernsthaft: beides geht nicht. Der Verzicht auf Mülleimer geht nicht - liebe Stadt München, Du findest doch Wien so toll. Lass Dir sagen, da gibt es an jeder Ecke einen Mülleimer. Mit Aschenbecher. Da ist es aufgeräumt - da schmeißt auch keiner seine Kippen auf die Straße.

Das ist aber keine Entschuldigung für Menschen, die ihr Zeug einfach wegwerfen. Das ist ein Verhalten, das ich nicht verstehe. Und am schlimmsten sind die roten Hundekackebeutel. Da bin ich kurz davor, wenn mal wieder fünf unten am Grünstreifen rumliegen, die einzusammeln, auf dem Balkon zu deponieren - und der oder die nächste, die ich dabei beobachte, dass sie die Scheiße ihres Köters verpackt entsorgen, bekommt genau so einen ans Hirn.


Die Schwierigkeiten eines Dates...

...nach einer langen Beziehung

Ich bin ja eine treue Seele. Ich hänge an Menschen, an Wohnorten, an abgetragenen Kleidungsstücken - und an meinen Autos. Mit Mitte 40 habe ich es doch schon auf drei davon gebracht, obwohl ich seit ich 21 bin immer eines besessen habe. Eigentlich ab 18, denn das erste Auto bekam ich, nachdem mein Vater sich ein neues kaufte nach drei Jahren Sharing mit seiner Fahranfängertochter. Das damals neue fährt meine Mutter heute noch. Die Treue zu Autos liegt also definitiv in der Familie.

Und nach dem alten Golf gab es einen neuen Golf und das Ende des neuen Golfs, der dann auch nicht mehr neu war, lag in einer Blogpause, was schade ist, denn die Geschichte wäre es auch wert gewesen, erzählt zu werden.

Weil Frau B. aber wie gesagt den Entwicklungen immer einen Quantensprung hinterherläuft, gab es danach auch tatsächlich einen solchen - der dazu führt, dass mir immer noch ein Verliebtheitsseufzer entfährt, wenn ich in das Auto einsteige. Es ist die große Liebe - ebenso groß wie zu meinem ersten eigenen neuen 2001.  Sie würden mich verstehen, wenn Sie ihn fahren würden. So formschön, so geschmeidig, so viel Power unterm Arsch, aber gleichzeitig so sanft. Ich sag es Ihnen: ein Frauenauto. Der Vorgänger und der Nachfolger waren und sind ein Männerauto. Extrem aggressiv, kantig, technikfixiert. Anders der meine... Mein Audi. Also eigentlich eine große Liebe für lange Zeit. Aber. Es ist ein Diesel.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem meine Treue brüchig wird. Diese, siehe oben, ist ja nahezu grenzenlos - solange mein Vertrauen nicht missbraucht wird. Nur leider habe das Gefühl, mein Vetrauen wurde vom VW/Audi Konzern brutal missbraucht. Keine Aufklärung im Dieselskandal. Wie ist das jetzt mit Fahrverboten? Was ist mit dem Wertverlust meines Autos? Nur zum Verständnis: ich dachte, ich handle umweltbewusst, als ich mir das Auto gekauft habe. Jetzt bin ich a Drecksau. Und jetzt fahr ich ein Auto, das noch keine fünf Jahre alt ist und wesentlich weniger wert ist als ich dachte. Und genau das ist leider dem Audi/VW-Konzern scheißegal.

Und jetzt ist meine Überlegung: fahren bis zum geht-nicht-mehr oder erliege ich den Flirtversuchen anderer Konzerne? Ich sag es mal so: ich hab da etwas sehr sehr schöne gesehen. Ich werde zwar vielleicht etwas unglaubwürdig in meinem Wettern gegen SUVs, aber das ist das fast noch keiner. Ich glaub ich muss mal ein Date ausmachen...