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Juni 2017

Juli 2017

Was ist eigentlich mit der heutigen Jugend los? Folge achthunderttausend.

Nein, konkret heißt die Frage: mit den Eltern. Und zwar den Eltern meiner Generation. Auch Folge achthunderttausend. In diesem Fall geht es um Taschengeld und Taschengeld verdienen. Denn wenn ich mich recht erinnere, hatten wir alle recht schnell Interesse daran, unser Taschengeld aufzustocken. Die einen haben Zeitungen ausgetragen oder Rasen gemäht. Es gab diejenigen, die ziemlich jeden Job angenommen haben - so hat zum Beispiel das sich damals als erste Hotel am Platz fühlende Haus Schülerinnen als Zimmermädchen beschäftigt. Bar auf die Hand natürlich. Dazu war ich mir ehrlich gesagt dann doch zu fein, so knapp wurde ich nicht gehalten. Und ich hatte großes Glück: mein Schülerinnen-Nebenjob war über Jahre hinweg in einer Poster-Galerie, in der sich der Besitzer alter Schule gerne mit jungen Mädchen umgab, denen er etwas über Kunst und Rahmen und Bildkomposition erzählen konnte. Es war toll - cool - und ich wurde auch noch bezahlt dafür. So ähnlich sah ich auch übrigens meine ersten Wochenenddienste in der Zeitung - auch wenn ich bei der Jahresversammlung des Kaninchenzücher... Stopp, da war ich ja nie. Aber es gibt entsprechende Vereine...

Ich schweife ab. Der Punkt ist: zusätzliches Taschengeld war für uns interessant. Scheint es heute nicht mehr zu sein. Die Frage, die sich damit aufwirft: Wurden wir jetzt kürzer von unseren Eltern gehalten - getreu dem Motto: wenn du mehr willst, dann arbeite dafür? Das wäre der pädagogische Ansatz. Bzw. hatten unsere Eltern weniger Geld zur Verfügung, weil sie ja in der Hochzinsphase ihr Haus abzahlen mussten?

Und wie ist es dann heute? In meiner Altbayernblase, in der ich nunmal lebe, haben Kinder Reitstunden aber keinen Taschengeldjob. Hat sich jetzt meine Blase total verändert? - Also sprich: sind das gar nicht die Kinder, mit deren Eltern ich als Jugendliche befreundet war? Fanden diejenigen, die wie ich als Jugendliche ihr Taschengeld aufgebessert haben, das als Stigmata und möchten heute diese "Schmach" ihren eigenen Kindern ersparen? Weil jetzt sind sie ja eine soziale Stufe hochgestiegen und können es sich leisten? Oder den armen Kindern, die ja eh so viel leisten müssen, kann man sowas nicht auch noch zumuten?

Ich glaub ja nicht, dass wir konsumorientierter waren - aber ich meine im Vergleich, dass wir nicht jedes Kleidungsstück, das wir haben wollten, nicht jeden Kinobesuch, nicht jedes Buch, jede Platte (damals...) bekommen haben - wir brauchten Taschengeld. Und ab dem Zeitpunkt, an dem wir abends ausgegangen sind, noch viel mehr. Musst ja erst mal zahlen können. Und wenn unserer Generation damit vermittelt wurde, dass Geld nicht selbstverständlich da ist, wieso vermittelt unsere Generation genau das Gegenteil an ihre Kinder? Für mich läuft da was verkehrt. Im Kleinen wie im Großen.

Im Großen: was werden diese Kinder von der Welt erwarten? Dass sich jeder nach ihnen richtet? Ja. Die Tendenz gibt es ja jetzt schon. Die Diskrepanz zwischen Generation Praktikum und Generation Work-Life-Balance zugunsten Life.

Im Kleinen, sprich privaten Bereich: was wird aus Kindern, die es gewohnt sind, dass nicht sie helfen müssen, sondern eine Haushaltshilfe, die Dinge erledigt - ich rede von allen Dingen, also nicht von Unterstützung, sondern von komplett. Die nicht irgendwann mal zum Unkrautjäten abkommandiert werden oder Laub kehren oder Keller putzen - die gefühlte Strafarbeitsliste war zu unserer Jugend lang. Und weil man es ja eh gewohnt war, hätte man auch für einen Zehner die Stunde im Nachbarsgarten Unkraut gejähtet. Aber da find mal heute einen Jugendlichen, der so sein Taschengeld aufbessern will. Weil er muss es ja noch nicht mal daheim machen...


Metropole München?

Die Süddeutsche brachte ja eine Geschichte mit dem Tenor: Mehr Mut zur Großstadt. Urbanität. Wachstum ist toll.  - Ich muss sagen, ich habe gestaunt. Immerhin ist es diesselbe Süddeutsche, die jedesmal aufheult, wenn ein Viertel gentrifiziert wird, die Mieten steigen, die quasi Alteingesessenen vertrieben werden (das sind dann in der Regel die SZ-Redakteure, die vor fünf Jahren irgendwo hingeszogen sind), eine Boazn zumacht etcpp. Ja Himmelhergottnocheinmal, was glaubt ihr eigentlich, was Großstadt heißt? Vorallem in München, wo der Platz nachweislich begrenzt ist? Und wenn die Gartenviertel zugebaut werden, wer schreit denn als erster? Und jeder bis jetzt noch grüne Innenhof in der Stadt, soll der zu Bauland ausgewiesen werden? Wird ja eh alles zubetoniert...

Das Bekenntnis zur Großstadt heißt, liebe Süddeutsche: steigende Mieten, vorallem in den attraktiven Vierteln. Es heißt unattraktive Hochhausviertel in der Peripherie. Es heißt noch mehr Stau, noch mehr Verkehrskollaps auf allen Ebenen. Es heißt soziale Spannungen. Den Versuch, ein Stück München zu bewahren, ist nicht der verkehrteste.

Und ich red jetzt nicht vom 80er Jahre München vom Pumuckl, Monaco Franze, der Hausmeisterin oder Zur Freiheit. Das beschwört ihr ganz gern - aber die Zeiten sind lang vorbei. Und ich red auch nicht von Erhaltungssatzungsgebieten, weil die dienen vor allem dazu, den kleinen Eigentümern Steine in den Weg zu werfen, weil an die großen kommt man ja eh nicht ran (die Zusammenlegung zweier Wohnung muss unterbunden werden, weil zu goß. Hauptsache, der Bezirksausschuss hat was zu tun und übersieht dabei geflissentlich die Entmietung eines oder mehrer Häuser). Es kann sein, dass es ohne die Erhaltungssatzung noch ganz anders aussähe - aber eine Forderung zu Bekenntnis zur Metropole ohne gegen die Mimimi-Einstellung, München darf sein Gesicht nicht verlieren, bedeutet: Erhaltungssatzung über Bord.

München verändert sich. In den letzten Jahren schneller als in den Jahrzehnten davor. Die Stadtpolitik hinkt sowas von hintennach - keine Frage. Was mich aber wundert, dass so manche Dinge überhaupt nicht hinterfragt werden...

Wir haben hier in München den ein oder anderen Großkonzern. Das wird nach Bedarf hochgejubelt oder beseufzt. Weil so Konzernheadheadquarters haben ja die klassiche Gutverdienerklientel, die dann auch Gutverdienerwohnraum für sich beanspruchen. Ich sag nur: Gentrifizierung...

Aber den Konzernen wollen wir ja nichts böses. Und einem ganz besonders nicht: den Bayerischen Motorenwerken. Nicht falsch verstehen, die Autos sind toll. Hier gibt es gerade einen doppelten intensiven Flirt mit zwei Modellen. Aber auf was ich rauswill: nördlich des Frankfurter Rings ist eine Stadt in der Stadt. Und das wird nie hinterfragt. Weder von der Stadt noch von den Medien. Diese BMW-Stadt wächst und wächst - und keiner sagt mal, könnte man davon nicht irgendwas an einen anderen Standort verlegen? Dingolfing ist auch nicht weit... Das ist so viel mehr als ein Headquarter von einem Dax-Konzern. Und wer nicht weiß, wovon ich rede, dem empfehle ich mal eine Fahrt (oberirdisch, gerne mit einem BMW) durch den Münchner Norden.

Und danach reden wir nochmal über Wohnraum, über Aufstockung von Bestandsbauten, über Verdichtung, über Großstädtifizierung... 


Back to the roots

Ach Himmel Landshut, ach Tausend Landshut. Unser Verhältnis wird immer einmalig bleiben. Das hat das Heimatstadtgefühl so an sich. Es wird immer da sein, dein Unverständnis, dass man aus dir weggegangen ist - und dann ausgerechnet noch Isaraufwärts. Nach Minga. "Wie kann man da nur lebn?" Regensburg ist noch ok, vielleicht gibt es da so eine gewisse mittelalterliche Verbundenheit. Berlin, ja, das ist cool. Aber Minga?

Ich komm ja immer noch oft zu dir zurück. Aber ich hab das Gefühl, immer unsichtbarer zu werden. Immer weniger Menschen zu kennen. Und einige, die ich mal kannte, schauen durch mich hindurch. Jetzt glaub ich allerdings, dass ich mich gar nicht so verändert habe, aber entweder sie rechnen nicht mit mir und nehmen mich daher nicht wahr, oder sie haben meine Existenz ausgelöscht. Manche sicherlich auch bewusst, wie ich auch die Existenz mancher Menschen ausgelöscht habe. Und ich erkenne sie dennoch - und wahrscheinlich zuckt mein Augenlied.

Nein, das stimmt nicht. An manche Menschen erinnert man sich nicht mehr. Wieder an andere erinnert man sich sehr wohl und sehr gut, aber man will sich vielleicht nicht erinnern. Vielleicht weil es peinlich ist. Vielleicht weil es in einem anderen Leben war.  - Oder man will einfach so tun, als würde man sich nicht erinnern, vielleicht um Fragen aus dem Weg zu gehen, vielleicht um grad nicht zu sagen, wie es einem geht. Vielleicht um Peinlichkeiten aus dem Weg zu gehen.

Aber sind wir mal ehrlich. Alles davon fragwürdig. Gegen erstes kann man nichts machen und die Frage "warum" darf gerne in der persönlichen Psychotherapie beantwortet werden. Tatsache ist, wahrscheinlich deshalb, weil der andere so belanglos für das eigene Leben war, dass man sich nicht mehr erinnert. Das ist natürlich bitter für denjenigen, der sich umgekehrt sehr wohl erinnert.

Und es ist immer die Frage, welche Konstellationen aufeinander treffen, wenn zwei Menschen, die sich mal gekannt haben, sich gegenüber stehen und sich nicht kennen. Und ja, ich hab es selbst so oft gemacht, dass ich die zuckende Augenbraue von jemanden ignoriert habe, und weitergegangen bin. Und jeder einzelne Moment davon tat und tut mir leid.

Und es muss ja auch nicht immer das große "Hallooo" sein, manchmal langt ein Lächeln, ein Nicken im Vorübergehen. Manchmal sind es ein paar belanglose Worte. Selten ist es die Wiederbelebung einer vergangen Freundschaft.

Was sich alles nicht nur auf die kleine Stadt und die alte Heimat bezieht.... Aber es ist verstärkt das Zusammentreffen mit lang vergangener Vergangenheit. Und von mir aus ein großes '"Hallooo", weil Vergangenheit, du gehörst zu mir. Fast alles davon. Außer die Teile, die ich bestreite, dass es sie gegeben habe. Und die Teile, die ich vergessen habe. Oder vergessen möchte.