Metropole München?
Wir helfen Geld sparen

Was ist eigentlich mit der heutigen Jugend los? Folge achthunderttausend.

Nein, konkret heißt die Frage: mit den Eltern. Und zwar den Eltern meiner Generation. Auch Folge achthunderttausend. In diesem Fall geht es um Taschengeld und Taschengeld verdienen. Denn wenn ich mich recht erinnere, hatten wir alle recht schnell Interesse daran, unser Taschengeld aufzustocken. Die einen haben Zeitungen ausgetragen oder Rasen gemäht. Es gab diejenigen, die ziemlich jeden Job angenommen haben - so hat zum Beispiel das sich damals als erste Hotel am Platz fühlende Haus Schülerinnen als Zimmermädchen beschäftigt. Bar auf die Hand natürlich. Dazu war ich mir ehrlich gesagt dann doch zu fein, so knapp wurde ich nicht gehalten. Und ich hatte großes Glück: mein Schülerinnen-Nebenjob war über Jahre hinweg in einer Poster-Galerie, in der sich der Besitzer alter Schule gerne mit jungen Mädchen umgab, denen er etwas über Kunst und Rahmen und Bildkomposition erzählen konnte. Es war toll - cool - und ich wurde auch noch bezahlt dafür. So ähnlich sah ich auch übrigens meine ersten Wochenenddienste in der Zeitung - auch wenn ich bei der Jahresversammlung des Kaninchenzücher... Stopp, da war ich ja nie. Aber es gibt entsprechende Vereine...

Ich schweife ab. Der Punkt ist: zusätzliches Taschengeld war für uns interessant. Scheint es heute nicht mehr zu sein. Die Frage, die sich damit aufwirft: Wurden wir jetzt kürzer von unseren Eltern gehalten - getreu dem Motto: wenn du mehr willst, dann arbeite dafür? Das wäre der pädagogische Ansatz. Bzw. hatten unsere Eltern weniger Geld zur Verfügung, weil sie ja in der Hochzinsphase ihr Haus abzahlen mussten?

Und wie ist es dann heute? In meiner Altbayernblase, in der ich nunmal lebe, haben Kinder Reitstunden aber keinen Taschengeldjob. Hat sich jetzt meine Blase total verändert? - Also sprich: sind das gar nicht die Kinder, mit deren Eltern ich als Jugendliche befreundet war? Fanden diejenigen, die wie ich als Jugendliche ihr Taschengeld aufgebessert haben, das als Stigmata und möchten heute diese "Schmach" ihren eigenen Kindern ersparen? Weil jetzt sind sie ja eine soziale Stufe hochgestiegen und können es sich leisten? Oder den armen Kindern, die ja eh so viel leisten müssen, kann man sowas nicht auch noch zumuten?

Ich glaub ja nicht, dass wir konsumorientierter waren - aber ich meine im Vergleich, dass wir nicht jedes Kleidungsstück, das wir haben wollten, nicht jeden Kinobesuch, nicht jedes Buch, jede Platte (damals...) bekommen haben - wir brauchten Taschengeld. Und ab dem Zeitpunkt, an dem wir abends ausgegangen sind, noch viel mehr. Musst ja erst mal zahlen können. Und wenn unserer Generation damit vermittelt wurde, dass Geld nicht selbstverständlich da ist, wieso vermittelt unsere Generation genau das Gegenteil an ihre Kinder? Für mich läuft da was verkehrt. Im Kleinen wie im Großen.

Im Großen: was werden diese Kinder von der Welt erwarten? Dass sich jeder nach ihnen richtet? Ja. Die Tendenz gibt es ja jetzt schon. Die Diskrepanz zwischen Generation Praktikum und Generation Work-Life-Balance zugunsten Life.

Im Kleinen, sprich privaten Bereich: was wird aus Kindern, die es gewohnt sind, dass nicht sie helfen müssen, sondern eine Haushaltshilfe, die Dinge erledigt - ich rede von allen Dingen, also nicht von Unterstützung, sondern von komplett. Die nicht irgendwann mal zum Unkrautjäten abkommandiert werden oder Laub kehren oder Keller putzen - die gefühlte Strafarbeitsliste war zu unserer Jugend lang. Und weil man es ja eh gewohnt war, hätte man auch für einen Zehner die Stunde im Nachbarsgarten Unkraut gejähtet. Aber da find mal heute einen Jugendlichen, der so sein Taschengeld aufbessern will. Weil er muss es ja noch nicht mal daheim machen...

Kommentare

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Stadtneurotiker

Ich möchte den Faktor Zeit einwerfen.
Dank des G8 sitzen SchülerInnen heute wesentlich länger in der Schule (und verbringen danach die Zeit mit Hausaufgaben.) Und zum Zeitungsaustragen kann man die eigene Brut im SUV schwer von Haus zu Haus fahren. Das übernehmen heute stattdessen Rentner, um der Altersarmut ein Schnippchen zu schlagen. Und den berühmten Kaninchenzüchterverein besuchen am Wochenende ausgebildete Journalisten oder Volontäre, die billiger sein dürften als damals Schüler...

Sigrid

Zeit ist vielleicht nicht einmal das Problem. Ich habe das Gefühl, es git sie gar nicht mehr die Schülerjobs.
Zu DDR-Zeiten waren wir ab 14 in den Ferien arbeiten (1 Woche in den Winterfereien und 2 in den Sommerferien). Die Bereiche, wo das möglich ist gibt es nicht mehr.
Niedriglohnsektor!

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