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September 2017

Schwabinger Neuherbstgeschichten

Mit mehr oder weniger großen Getöns haben sich über den Sommer hier einige Veränderungen angedeutet oder auch schon vollzogen. Das größte Getöns hat das ehemalige Café Schwabing, das dann ja Brasserie hieß, gemacht. Die Brasserie war ja nix, was mich sehr gereizt hätte, wobei das Café Schwabing am Ende seinen Zenit auch mehr als überschritten hatte. Also ein neuer Versuch. Der Neuhauser will jetzt da einziehen. Er nennt sich hoffentlich dann wenigstens Schwabinger. Ich weiß, dass der Neuhauser in Neuhausen ganz beliebt ist - insbesondere wegen seiner Pizzen. Aber gute Pizzen bekommt man ja in Schwabing durchaus. Mal schauen, was er draus macht.

Apropos Pizzen: ohne großes Gedöns zugemacht hat anscheinend das Golden Twenties. Oder macht das nach der Hausrenovierung doch wieder auf? Das war mal richtig was. Aber vielleicht ist die Zeit vorbei?

Am Elisabethmarkt hat Susa endgültig zugemacht - nein, lag natürlich nicht am Stand oder der gewachsenen Konkurrenz drumrum. Und das Milchhäusl war lange geschlossen - und was der neue besser macht als der alte kann ich noch nicht sagen, weil bis jetzt immer alle Plätze belegt waren. Also irgendwas muss es sein.

Dafür hat gegenüber vom Elisabethmarkt eine Filiale von Dinatale aufgemacht (ja, schon vor einer Weile). Und das ist doch wirklich ein Gewinn.

An der Bauer Ecke Nordend und schräg gegenüber gibt es auch was neues. Aber die Elektrisierung lässt noch auf sich warten, wie auch das Bedauern über einen Verlust.

Und wenn ich jetzt meine Runde wieder am Kurfürstenplatz beende - da hat ja gegenüber des Café Schwabings auch der SFC zugemacht. Überraschend geräuscharm. Und ich geb zu, die erste Reaktion meinerseits war: egal. Coffeeshops braucht doch eh keiner. Als ich aber jetzt gesehen habe, was da reinkommt, will ich sofort einen Coffeeshop wiederhaben. Ein Rewe to go. Was in München tatsächlich keiner braucht. Einmal die Schwabing zugepflastert mit Rewe. Nicht dass einer davon wirklich gut wäre - ich staune ja immer, wenn ich woanders in einen richtig gut sortierten Rewe komme. Aber ein to go? In München? Mit den Münchner Ladenschlussgesetzen? Aus Düsseldorf kenn ich das als: Fertigessen und Trinken - besonders nach Geschäftsschluss und am Sonntag, aber nicht die typischen Supermarktprodukte. Also den Bedarf seh ich an dieser Ecke nicht. Und es wieder ein gesichtsloses Irgendwas.

Auf der anderen Seite: den Kurfürstenplatz bekommt man eh nicht schön. Das wird auch der Neuhauser Schwabinger meines Erachtens noch merken. Da was hinzusetzen, was weder abgehoben noch Boazn ist, Herausforderung. Viel Erfolg.


Jenseits des Datschi-Äquators

In Heinerland gibt es keinen Zwetschgendatschi. Dafür gibt es aber auch so gut wie keine Wespen. Stellt sich die Frage, ob für die gemeine Hauswespe ein Leben ohne Datschi zwar möglich aber sinnlos ist. Die meisten Altbayern könnten das nachvollziehen. Ähnlich wie ein Leben ohne Berge zwar möglich aber sinnlos ist. Ein Leben ohne den weißblauen Himmel, der nirgends so schön weiß und blau ist wie in Bayern. Ein Leben ohne Brezn, die es eben auch nur in Bayern gibt - alles andere sind Versuche einer Brezn, aber sie bleiben im Versuchszustand.

Jetzt gehör ich aber nicht zu denen, die jede labberde oder steinharte Brezn als Himmel der Bayern lobt - weil auch in München bleiben die oft im Versuchszustand. Wie auch der Datschi, der oft so datscht, dass man ihn auch nicht mehr essen will. Jetzt darf sich zwar jeder Hefeteig mit ein paar Zwetschgen drauf Zwetschgendatschi nennen, aber richtig gut sind die wenigsten. Sind wir mal ehrlich. Nur die gemeine Münchner Hauswespe, die mag sie alle.

Weil ich aber die Hoffnung selten aufgebe, probiere ich natürlich jeden Datschi, der nur halbwegs danach aussieht, schmecken zu können. Und bin dann oft enttäuscht. Wie ich auch enttäuscht bin, die Datschi-Zone verlassen zu haben (also temporär). Wobei auf der anderen Seite hab ich schon eine sehr feine Kuchenquelle aufgetan - und der Zwetschgenkuchen vor zwei Tagen hat ganz viele der Münchner Datschis um längen geschlagen. Fand ich - die Wespe, die sich neugierig näherte, dran schnupperte und wieder abzog, die sah das wohl anders.