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September 2017

Oktober 2017

Rant eines Radlers gegen Radler

In meinem Großstadtumfeld, gar nicht so sehr in meinem ganz persönlichen viel mehr in meinem beobachteten, ist ja der Autofahrer der Teufel schlechthin. In der Höllenhierarchie der SUV-Fahrer quasi der Oberteufel. Mit zunehmener Aggressionstendenz. Jetzt beweg ich mich normalerweise mit dem Rad durch die Stadt - alternativ als Fußgänger oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln und aufs Auto steig ich nur um, wenn es wirklich sein muss - weil ehrlich gesagt, stresst mich das am meisten. Das liegt aber nur ganz bedingt an den anderen Autofahrern. Das liegt an den Radlern und Fußgängern. Letztere, die ohne von ihrem Smartphone aufzuschauen, die Straße überqueren, über rote Ampeln gehen (mach ich als Fußgänger auch - wenn ich mich vergewissert habe, dass KEIN Auto in der Nähe ist). Radfahrer, die alle Verkehrsregeln ignorieren. Die, wenn ich den Blinker zum einparken setze, zwischen mir und der Parklücke durchfahren. Das schlimmste war letztens eine Radlerin (mit Kind!), die sich zwischen mir und parkenden Autos vorbeigeschoben hat, als ich einem anderen Auto die Möglichkeit gab, aus einer Einfahrt rauszufahren.

Manchmal ist es ganz heilsam Auto zu fahren, um auch wieder einen anderen Blick auf das Verkehrsgeschehen zu bekommen. Ich habe als Radfahrer nicht Vorfahrt - vor allem nicht, wenn ich auf der falschen Straßenseite fahre. Weil mich ein Autofahrer einfach vielleicht nicht sieht. Ich hab auch als Radfahrer nicht Vorfahrt auf dem Bürgersteig. Da fahr ich hinter den Fußgängern her und wenn sie zu langsam gehen, dann steige ich ab. Und wenn mich jemand vorbeilässt, sage ich "danke". Das ist unabhängig von Verkehrserziehung Erziehung. Was jetzt kein Freibrief für Fußgänger ist, sich auf dem Radweg zu bewegen und sich nicht wegbewegen zu lassen.

 Ich persönlich glaube ja, dass die Aufhebung von Radwegen. Die Aufhebung von Einbahnstraßenregelungen für Radler. Genau das Gegenteil bewirkt hat, was es sollte. Was sollte es denn bewirken? Wenn jeder seinen Weg hat, sorgt das für Sicherheit. Ich fahr als Radler lieber auf einem Radweg. Und wenn ich früher im Uni-Viertel gegen die Einbahnstraße gefahren bin, hab ich total aufgepasst - weil ich war ja nicht im Recht - und hab einem Autofahrer noch ein "Sorry" entgegengeworfen. Da hat auch keiner aggressiv auf mich reagiert. Eine Zone für alle Verkehrsteilnehmer funktioniert nicht. Es fühlt sich damit nämlich jeder im Recht. Und Rücksichtnahme gibt es nicht mehr.

Auch kürzlich in der Barerstraße: zwei Radlerinnen im Schritttempo nebeneinander - zur Hauptverkehrszeit. Dass es da Trambahnen, Autos, andere Radfahrer gibt. Egal. Kein Hirn für a Fünferl. Aber wehe, ein Auto hätte sie geschnitten beim Überholen. Ui, böser Autofahrer. Ich war mit meiner Rennrad-Gazelle hinter ihnen und musste sie leider fürcherlich auf bairisch beschimpfen.

Und um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: das mir gehört die Straße-Prinzip kommt ja gar nicht von den teuren Autos. Ganz böse sind die 3er BMWs mit Fahrern aus der zweiten Einwandergeneration (ist das politisch korrekt ausgedrückt?), Fahrer mit auswärtigen Kennzeichen aus dem nährern Umland oder Kleinwagenfahrer, die überfordert sind. In ebendieser absteigenden Reihenfolge hatte ich die letzten Jahre als Radler meine Probleme. Und dann erst kam die PS-Protzkarre. Aber vielleicht bin ich auch voreingenommen, denn in meinem städtischen Umfeld fahren die meisten PS-Protzkarrenbesitzer auch in der Regel Rad. Und zwischen beiden Vekehrsmitteln zu wechseln, ist bekanntlich hilfreich für das gegenseitige Verständnis...