Previous month:
Februar 2018
Next month:
August 2018

März 2018

Neues von der Else Kling

oder auch: des is doch mir alles wurscht (also den anderen)

Und weil mir nicht alles wurscht ist, mutiere ich regelmäßig zur Else Kling. Ohne Kittelschürze versteht sich.

Da man sich aber auf ein Spezialthema spezialisieren muss, ist mein Spezialthema im Haus der Müll. Ich sehe zwar durchaus noch andere Potentiale, aber solange dieses Thema nicht durch ist, setze ich meinen Focus, weil ich will ja nicht hauptberuflich unbezahlte Hausmeisterin werden, so fühle ich mich ja eh manchmal schon. Ich sag's Ihnen: das Thema Müll in einem Mehrfamilienhaus... Da kommt man an Punkte, bei denen man sich fragt... Aber die Hausverwaltung sagt, das sei überall so. Da frag ich mich auch...

Wertstoffhof? - Ach, da muss ich ja erst hinfahren. Das entsorge ich doch lieber im Restmüll. Oder ich stell es im öffentlichen Bereich ab, wo es dann so richtig versifft, aber sich keiner traut, wegzutun, weil es könnte ja Privateigentum sein.

Container? - Da muss ich ja erst 50 Meter über die Straße gehen. Dabei könnte man da ja auch seinen Wertstoffmüll abladen, jedenfalls sieht es so aus dort.

Und wenn dann alles da ist, wo es sein sollte, sagt die Müllabfuhr: nein, also die Tonnen bringen wir nicht auf die Straße - weil da stehen ja Räder im Durchgang. Die nirgendwo anders stehen können, weil die Stadt München ja eine Verordnung hat, wieviele Radstellplätze zur Verfügung zu stellen sind. Und eine weitere Verordnung hat, dass man die nicht einfach im Hof abstellen kann, weil da eine Spielfläche ausgewiesen ist. Aber der Durchgang zwischen Rädern und Wand zu schmal ist - und als Spielfläche würde das auch nicht durchgehen. Also sagt die Müllabfuhr: wir leeren die Tonnen nicht. Es sei denn, ihr stellt sie raus. Und der Hausmeister sagt: also wenn ich sie rausstellen soll, will ich das dreifache meines Monatsgehalts - weil wir sind ja in München. Und für Müll bin ich nicht zuständig.

Und dann diskutierst du noch mit jemanden, ob man nicht das ganze runterleveln könnte: wir zahlen das doppelte  und die Tonnen fahren wir selbst rein. Und derjenige, der diesbezüglich erfahrener und desillusionierter ist als du, sagt nur: der Depp bist du.

Und er hatte Recht. Weil der Hausmeister sagt: ich rechne das zwar ab, aber machen tu ich es nicht. Der Rest der Hauses sagt: des ist doch mir wurscht. Und die einzige, die die Mülltonnen wieder reinbringt, nachdem sie die halbe Woche abgewartet hat, ob es jemand macht, bin ich.

Und dazwischen gehen die Mitbewohner halt vors Haus, um ihren Müll zu entsorgen. Oder schmeißen die Tüten dahin, wo die Müllltonne stehen sollte. Weil irgendjemand kümmert sich schon. Werd ich auch wieder Mieter, weil dann ist mir alle egal? Wobei mir das auch als Mieter nicht war. Ich hab immer den Standpunkt gehabt: wir leben hier zusammen. Das ist unser Haus. Lasst uns gemeinsam schauen, dass es so läuft, dass es für uns alle gut ist.

Aber das ist ja allen völlig wurscht. Den einen, weil es ihnen wirklich wurscht ist. Den anderen, und das finde ich völlig absurd, weil sie sagen, ich bin ja hier nur Mieter. Ja und? Ist eine Hausgemeinschaft, die nur aus Mietern besteht, mehr wert als eine die sowohl als auch? - Fakt ist: wir leben hier zusammen. Und wir wollen gut zusammen leben. Davon gehe ich jedenfalls aus. Aber ich hab immer mehr das Gefühl, das mein nur ich.


Ein eigenes Bad ist keine Luxussanierung

Arme Mieter gegen böse Vermieter. Super Geschichte, läuft in München. Drohende Luxussanierung. Noch bessere Geschichte. Aber erzählen wir die Geschichte doch mal anders.

Es gibt ein völlig marodes Haus, von denen es übrigens in München noch viele gibt, bei dem die notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen seit Jahrzehnten unterblieben. Ich mein: Gemeinschaftsklo, kein eigenes Bad. Das ist seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr Standard. Aber machen wir uns nichts vor, davon gibt es noch diverse Häuser in München. Und seit etwa 20 bis 30 Jahren sterben eben jene Vermieter, die sich nie drum gekümmert haben, weg. Die haben sich aber weder um ihre Häuser groß gekümmert, noch um die Erbfolge. Das waren oft einfache Leut, die unten ihre Werkstatt drin hatten oder ihren Laden, die das so schon von der Generation davor übernommen hatten. Ein Mietshaus in München zu haben, war lange Zeit nichts besonderes. Das hat dem Bäcker gehört, der seinen Laden da hatte. Dem Schreiner mit seiner Werkstatt. Und einen Generationswechsel ging das gut.

Und jetzt, vielmehr seit Jahrzehnten, haben wir den zweiten. Und es gehört viel dazu, das dann erhalten und auf neuesten Stand - am besten noch sozialverträglich - bringen zu wollen. Da hast in der Regel noch eine Erbschaftsgemeinschaft, in der es reicht, wenn auch nur einer ausscheert und sich auszahlen lassen möchte - dann ist es eh vorbei. Aber gehen wir mal vom Idealfall aus: die Erben wollen erhalten. Sogar nach der Erbschaftssteuer - die sie im übrigen nur bezahlen können, wenn sie selbst vermögend sind oder darauf setzen, dass das Ganze ein Ding ist für ihre Kinder oder Enkelgeneration. Und dann kommt das Gutachten, die Sanierungskosten betreffend. - Da sagt fast jeder: Nein. Plus der Ärger mit den Mietern und den Medien? Nein. Nein. Nein.

Das ist hart für die Mieter. Heute noch viel mehr als vor 20 Jahren. Aber sind wir doch mal ehrlich: Können wir alle nachvollziehen, oder? Mir hat mehr als ein Nochnicht-aber-Nachfolge-Eigentümer gesagt: Ich werde mir das nicht zahlen können. Andere leben mit einem Berg Schulden obwohl sie eigentlich vermögend wären. Es gehört viel dazu, das dann durchzuziehen. Es gehört auch ein Generationendenken dazu, strategisches Denken, ein guter Berater in steuerlichen Fragen. Ich verstehe jeden, der davor kapituliert.

Und jetzt - sehr unpopulär: ich halte tatsächlich die Umwandlung für die beste aller Lösungen. Nach weiträumigen Erhaltungssatzungsgebieten augeschlossen. Aber ist es soviel besser einen Miethai auf die Mieter loszulassen? - Achtung: wir haben hier eine zum Teil rückblickende Darstellung

Das Problem sind ja die Geier, die bei allen jetzt möglichenVarianten lauern.

Bei einer Umwandlung mit Vorkaufsrecht haben die, die wohnen eine Möglichkeit, dort wohnen zu bleiben. Ansonsten kommt ein Investor, investiert, setzt die Mieten hoch und schaut nach zehn Jahren, ob all die Mieterhöhungen was gebracht haben und sich das Investment lohnt. Wenn nicht, stoßen wir es ab. Nach zehn Jahren kein Problem. Dann fällt ja auch die Spekulationssteuer weg. Und dann kann immer noch umgewandelt werden - nur die ursprünglichen Mieter und potentiellen Käufer werden sich das nicht mehr leisten können.

Das Geierproblem lauert aber zugegebenermaßen auch bei einer Umwandlung. Die, die sowohl Mieter wie auch Einzelkäufer übers Ohr hauen. Weil, liebe ungläubigen Leser, gearscht sind tatsächlich beide. Und deswegen haben auch (in diesem Fall zu Recht) zu wenig Mieter vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Eigentlich geht es darum, diese Geier einzudämmen. Das sind die, die in dem Umwandlungsprozess fünf mal völlig legal ihre Form und ihren Namen ändern bis sie für nichts mehr haftbar gemacht werden können. Aber das machen sie auch, wenn sie das ganze Objekt behalten und dann nach zehn Jahren steueroptimiert es weiterverscherbeln. Dann haben weder Mieter noch potentielle, da will ich wohnen Neu-Eigentümer eine Chance.

Das Problem liegt in der Struktur. Der Eigennutzer einer Wohnung ist nicht - und darf es nicht sein - das Problem. Eigentlich sind Eigenutzer gut: sie sagen nicht "leck mich irgendwo, interessiert mich nicht". Und eigentlich ist so ein Einzelvermieter, mit dem man reden kann, wahrscheinlich auch nicht das verkehrteste. Gut, der beste aller Vermieter ist sicherlich der gute alte Eigentümer, dem ein ganzes Haus gehört. Aber die wie gesagt, sterben weg. Und wenn sie nicht verantwortungsvoll zur rechten Zeit mit ihrem Eigentum umgegangen sind (was nicht immer im Sinn des aktuellen Mieters gewesen wäre und wäre, sondern zukunftsplanerisch) und steueroptimiert für die Erbengeneration, dann bleibt nur der Verkauf. Das Thema ist in München noch lange nicht durch.