Na servus.
A green City?

Schwabing hoid?

Stellen Sie sich vor: ein Betrüger nimmt eine Elterninitiative aus bis diese beinahe kollabiert und nur mit persönlichen Finanzspritzen gerettet werden kann. Die Reaktion in den Medien wäre normal: empört. Jetzt geht es aber dabei um eine Elterninitiative in Schwabing. Und um einen grandiosen Dokumentarfilm, der über diesen Betrug, den Betrüger und die betroffenen Eltern gedreht wurde. Der Film heißt: Der Betrug. Ist von David Spaeth. Und lief am Mittwoch abend im Ersten. Und wird von der ARD angeteasert mit den Worten: "Für den Zuschauer ein verblüffender Grenzgang zwischen Recht und Unrecht, Mitleid und Schadenfreude."

Schadenfreude? - Nach dem Motto: Geschieht den reichen Schnöseln recht?

Die Zeit analysiert den Film als Gesellschaftskritik und beendet den Artikel mit "Am Ende verraten Inserts, dass das an den Rand der Insolvenz getriebene Kinderhaus gerettet werden konnte durch Eltern, die binnen drei Wochen mal eben 90.000 Euro auftreiben können. Weshalb man sich fast fragen kann, ob sich überhaupt von Geschädigten sprechen lässt, wo so viel Geld vorhanden ist. "

Also wenn 45 Elternpaare 90.000 Euro spenden, was 2.000 Euro pro Elternpaar ausmacht, sind die nicht geschädigt, weil sie haben es ja?

Und wenn man sich so die Geschichten um die Geschichte weiter durchliest, kommt es einem ja fast so vor, als wäre das ganze eine Robin Hood Geschichte. Designersofa. Kapitalismuskriktik. - Also wir reden nach wie vor von einem Typen, der eine gutgläubige, und etwas naive, Elterninitiative um 250.000 Euro geprellt hat in weniger als zwei Jahren - um sich davon Ferraris zu mieten und Edelnutten zu zahlen. Aber man findet das durchweg die Upper Class entlarvend (by the way: Upper class ist noch was ganz, aber ganz ganz anderes). Was entlarvt es: Menschen, denen es gut geht und die ganz viel Empathie für andere haben. Die kein Klassendenken leben, weil es ihnen widerspricht. Menschen, die nicht glauben, dass es Menschen gibt, die ihnen was böses wollen, weil sie das noch nicht erlebt haben.

Letzteres mag naiv sein. Und mir macht es klar, dass es eben doch einen Unterschied zwischen denen und mir gibt. Ich wäre misstrauisch gewesen. Und ich hätte den Typen früher entlarvt - vielleicht hätte mir keiner geglaubt. Aber erstens hab ich es gelernt zu überprüfen und zweitens komm ich nicht aus der Upper Class. Und wenn in der Dokumentation an der ein oder anderen Stelle angesprochen wird, dass es kurz vorm Auffliegen war, naja - war anscheinend keine Journalistin in der Elterninitiative... Wieder der Beweis: die Mischung macht es.

Aber auch der Beweis: Schwabing ist ein unglaublich guter Hood. Menschen, die nicht ständig hinterfragen, woher kommst du und was machst du. - Stattdessen Menschen, die meinen, sie müssten sich beweisen. Keiner beweist sich in Schwabing mit einem teuren Auto. Weil das steht in der Regel in der Garage - und wenn die Besitzer daraus rauskommen steigen sie aufs Radl um heimzufahren. Völlig unscheinbar. Und ich hatte mal einen Millionärsnachbar, der ganz kurzzeitig ein sehr sehr teures Auto fuhr - das hat ihm keine Anerkennung im Hood eingebracht, nur von irgendwelchen Prolls, die mal am Haus vorbeizogen - dann fuhr er wieder Rad. Für mich übrigens sehr Schwabing: haste Geld, zeigst es nicht, keiner fragt. - Aber soweit die angesprochene Gesellschaftsanaylse: es ist schon oft da. Schwabing hoid.

Aber ich bleib dabei: DAS ist nicht die G'schicht. Und irgendein Typ, der Proll-Attitüden an den Tag legt, um dazu zu gehören, hat das nicht verstanden. Was ich aber nicht verstanden habe: Hat dieser Basti in Schwabing gelebt? - Es ist die Rede von einem Haus, das neu eingerichtet wurde. Wo war das und warum hat man das nicht hinterfragt. Was ich auch nicht verstehe: welche Rolle hat seine Frau gespielt? War sie Teil des Betrugs oder selbst Betrogene? Letzteres ja offensichtlich, wie die Dokumentation in einem Nebensatz klar macht. Da fehlen mir, rein journalistisch betrachtet, auch noch ein paar Antworten.

Die Dokumentation ist in der Mediathek noch bis 29.8.2018

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