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September 2018

Ein Plädoyer für die Wohnenden

Mieter haben eine Lobby. Oder keine. Je nach Betrachtungsweise. Die heilige Kuh, die nicht geschlachtet werden darf oder geschlachtet wird. Je nach Betrachtungsweise. Verstehen Sie mich nicht falsch: ich halte das Thema Wohnen neben dem Thema Pflege als eines der zentralsten Themen jedenfalls in Großstädten überhaupt. Ich finde aber auch nicht, dass man ein Grundrecht darauf hat, in Schwabing, am Prenzlauer Berg, in Notting Hill oder am Hyde Park zu wohnen. Wobei ich ebenso finde, dass es jedem der genannten und allen ungenannten Stadtteilen gut tut, wenn sich verschiedene Schichten zusammenmischen.

Und all die sind: die Wohnenden. Und dabei ist es erstmal total egal, ob es sich um Mieter oder Eigentümer handelt. Die, die Wohnen sind die Wohnenden. Und damit eine Klasse von Menschen, die bei der ganzen Diskussion erstmal außen vor gelassen wird. Da gibt es nämlich nur die Mieter und die Vermieter. Letztere sind per se böse, auch die, die keine Spekulation betreiben, sondern sei es als Anlage, sei es als "das ist mal für die Kinder" eine Wohnung haben. Mieter sind auch nicht per se gut, weil wir grad dabei sind.

Wenn wir jetzt aber eine Koalition bilden müssten, wäre die größte Übereinstimmung zwischen Altmietern und selbstwohnenden Eigentümern (wofür es nicht einmal ein griffiges Wort gibt - es gibt nur den selbstgenutzten Wohnraum, der aber die Sache in den Vordergrund stellt und den Menschen verschwinden lässt). Das mag seltsam erscheinen, immerhin hat der Eigentümer viel Geld dafür ausgegeben neben jemanden zu wohnen, der möglicherweise noch wenig Miete zahlt. Aber das hat er sich ja durchgerechnet, dass sich das für ihn rechnet. Aber beiden gemein ist: das Umfeld ist ihnen nicht egal. Die Wohnung, das Haus, die Straße, das Viertel - das ist Herzblut.

Aber anstatt sich über die Herzblutgemeinschaft zu definieren, zu der meiner Ansicht auch jeder Neumieter, auch wenn er einen astronomischen Mietpreis zahlt, der sich in die Wohnung, das Haus, die Straße, das Viertel verliebt, stoßen soll und darf, werden Gräben ausgehoben. Dabei haben wir alle diesselben Punkte, die uns ärgern und die uns freuen.

Ich bin der Ansicht, wenn durch Sanierung oder Neubau etwas entsteht, das dann eine ganz neue Klientel anzieht, ist das unverträglich. Und dann hilft es auch nicht, wenn das Mietwohnungen sind. Wieso soll das besser sein als Eigentumswohnungen, in denen die Menschen selbst wohnen? Da hast du viel eher den Miethai, der sich nicht für Strukturen interessiert.

Wäre unser Haus an einen Investor gefallen, es wäre nicht besser gelaufen. Es wären auch so die meisten Altmieter draußen. Aber es wäre niemand neu da, der mit Herzblut hier wäre.


A green City?

Auf den Grünflächen zwischen Straße und Bürgersteig, die nicht mehr grün sind - seit Monaten nicht mehr, zwischen den Bäumen und egal, dass da ein Randstein ist, über den man fahren muss, parken inzwischen die Autos. Und wenn man in die Parks reinkäme mit dem Auto wären sie wahrscheinlich inzwischen auch große Parkflächen. Heinertown ist zwar grün von oben herab - der Bürgermeister ist schon in der zweiten Amtszeit. Aber grün im Alltag? - Da fehlt es meines Eindrucks weit.

Ohne Auto einzukaufen. Möglich aber eine Herausforderung. Auch dieses, ich nehm einfach mal auf dem Weg noch was mit. Weil auf dem Weg ist nicht - vor allem kein Bäcker, Metzger oder (hui!) Gemüsehändler. Bitte steigen Sie ins Auto und fahren Sie zum Stadtrand.

Sie wollen Rad fahren? Ernsthaft? Dann kennen Sie sich bitte gut aus, ansonsten schicken wir Sie an den wenigen vorhanden Wegweisern auch lieber die Hauptverkehrsstraße entlang. Da wissen Sie wenigstens, dass Sie ankommen. Radlstadtplan - so ein Chi-Chi brauchen wir nicht.

Ebensowenig brauchen wir eine Landesgartenschau, die eine Brachfläche in attraktives Grün im Nachgang verwandelt hätte. Ih bäh, kostet Geld und die Leute sind auch mit wenigen unattrakiven Grünflächen zufrieden.

Bei einer Stadt, die grün wählt, würde ich mir ja eine grüne Lebensweise erwarten. Aber vielleicht habe ich ja auch eine andere Vorstellung von einer grünen Lebensweise...