So und überhaupt

Frühlingsanfang

Angeblich. Und ebenso angeblich kommt die Sonne ja dieser Tage mal wieder auf Besuch vorbei. Ich glaub es ja erst, wenn sie da ist. Vielleicht vergeht dann das grau-in-grau irgendwann mal wieder.

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Winter austreiben

Meine Winterstiefel haben beschlossen, ihre Aufgabe für dieses Jahr sei erledigt. Irgendwas ist an jedem kaputt. Jedenfalls an den beiden wärmeren und doch citytauglichen Paaren. Das ist ein Zeichen. Natürlich auch das Zeichen, dass zwei Paar wärmere citytaugliche Stiefel zu wenig sind. Aber eigentlich das Zeichen, dass es jetzt doch Zeit wäre, dass es wärmer werden sollte. Wenigstens ein bisschen. Habe ich irgendwie bis gestern den Winter noch mit Humor genommen oder wenigstens mit Gelassenheit, ist jetzt der Schalter umgefallen und ich bin genervt. Ich brauche keinen Schnee mehr, jedenfalls in der Stadt. Ich brauche aber ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit. Kurz: ich mag nicht mehr. Winter verzieh dich - du bist jetzt fast drei Monate da.

Marketingtipps gegen Novemberblues

In der kleinen Stadt hängt schon die Weihnachtsbeleuchtung. Die wird dort sicherheitshalber grundsätzlich so um Allerheiligen aufgehängt. Und dann hängt sie da so verloren vor sich hin. Wie vergessen vom vergangenen Jahr. Weil beleuchtet wird ja erst zum Advent. Für die Zeit zwischen der Zeit scheinen wir keine Verwendung zu haben. Eigentlich ein Wunder, dass wir nach all den importierten Bräuchen immer noch nicht Thanksgiving eingeführt haben. Jetzt mögen Sie sagen: Erntedank haben wir selber. Aber erstens haben wir ja auch Fasching selber und die Kinder und nicht nur die verkleiden sich inzwischen auch an Halloween. Und zweitens wird ja Erntedank eigentlich nicht gefeiert hier.

Wenn wir jetzt also Thanksgiving einführen würden, wäre die Zeit zwischen Sommerferien zu Weihnachten hübsch gefüllt. Da kommt zuerst die Wiesn mit ihren netten bayerischen Verkleidungen. Dann gehen alle zu Kirchweih Gans essen, ohne zu wissen, warum sie das machen. Dann haben wir ja inzwischen glücklicherweise Halloween für den säkularisierten Teil der Bevölkerung, verbunden mit Allerheiligen für den traditionellen Teil. Dann kommt St. Martin, wo man im Süden wieder Gans isst und im Norden bei den Ungläubigen immerhin einen Laternenlauf für die Kinder veranstaltet - ohne die katholische Kapitalismuskritik. Es geht Schlag auf Schlag. Aber jetzt ist die Lücke, die geschlossen werden muss zwischen dem 11. November (dass die Narrischen im Westen das Datum mit Fasching und nicht mit Laternen, Gänsen und Mantelteilen verbinden lassen wir mal außen vor) und dem ersten Advent. Diese Lücke ist zu groß und der November zu grau. Ab dem ersten Advent haben wir ja den zweiten, dritten, vierten - Weihnachten. Und dazwischen auch noch Nikolaus. Da kommt man eh nicht zum Luftholen.

Also: Kaum aus dem Urlaub wieder da kommt der Konsumrausch. Zuerst das Dirndl für die Wiesn. Das Kostüm für den 31. Oktober ist eh klar. Aber auch an Allerheiligen - ich habe mich darüber aufklären lassen, dass es auf dem Land auch heute noch politisch korrekt ist, den neuen Pelz auf dem Friedhof erstmalig auszuführen. Und Einladungen und Geschenke. Und immer wieder was nettes anzuziehen. Dazu das ganze Federvieh, das im Herbst sein Leben lassen muss, damit wir es essen können. Nur die Truthähne dürfen ewig in Bayern leben.

Meines Erachtens wird das Potential, das die Zeit zwischen Sommerferien und Weihnachten birgt, vom Einzelhandel gar nicht richtig ausgeschlachtet. Jedes Fest verdient seine eigene Marketingmaschine. Und wenn dann alles durch ist, freut man sich auch über die Weihnachtsbeleuchtung.

Ich finde Thanksgiving übrigens ein tolles Fest. Ich durfte es schon zweimal feiern - und wäre sofort wieder dabei. Ich fand es übrigens auch schön, Erntedank zu feiern. In meiner katholischen Kindheit wurde das nämlich noch gefeiert.


Es soll Schnee geben

Und, sind Sie schon wintergerüstet? Es soll ja Menschen geben, die pünktlich zur Wiesn die Winterreifen aufziehen. Es sind wahrscheinlich diesselben, die im August Wintermantel und Stiefel kaufen. Wobei da jegliches Größen und Kältegefühl fehlt. Wer schon einmal an einem heißen Augusttag in Helsinki eine Winterjacke gekauft hat, weiß das. Nicht bei allem, was nach Wärme aussieht, ist auch Wärme drin. Und ein Pullover ist dicker als ein Trägershirt.

Alle anderen machen dies morgen. Wenn es nämlich das erste Mal kalt geworden ist und der erste Schnee fällt. Viel Spaß in der Innenstadt an dieser Stelle. Die dritte und kleinste Gruppe hat gerade gekauft. Aus Notwendigkeit. Denn Massenansturm führt bei mir zu Panik und Platzangst - sofortige Fluchtreaktion. Was also zu keinem neuen Mantel führt und dazu, dass ich nehmen muss, was übrig bleibt und ich dann zwangsweise umso eher auf ein altes Problem reinfalle: ich kaufe zu groß. Also zwangsweise, weil die Größenauswahl nicht mehr vorhanden ist. Ansonsten gehe ich anscheinend davon aus, grundsätzlich eine Kleidergröße zuzulegen - und dann muss ja noch ein dicker Pulli drunter. Ich habe seit Jahren keine Kleidergröße mehr zugelegt. Weil dann würde mir ja außer dem Mantel nichts mehr passen. Und so laufe ich dann mit einem Teil rum, das aussieht wie von der großen Schwester oder als hätte ich gerade eine Diät hinter mir. Und ich bin jedesmal wieder versucht, auf die dicke Pulli Nummer reinzufallen. (Wenn ich nicht gerade auf die Trägershirt-Nummer reinfalle.)

Dabei will ich ganz sicher nicht wie ein Michelin-Männchen rumlaufen. Damit stehe ich allein da. Daunenmäntel sind ja nicht aufzuhalten und haben jeden anderen anständigen Mantel verdrängt. Die Alternative ist elegant frieren: "Ein herrliches Stück für den Stadtbummel, wenn sie dann aber auf den Christkindlmarkt gehen wollen, da wird ihnen zu kalt." Aha.

Ansonsten ist es mehr als schwierig, in einer Stadt, die sich noch vor wenigen Wochen als Inbegriff des Bayernbrauchtums gezeigt hat, zu finden, was es eigentlich überall geben sollte: einen Lodenmantel. Trägt man nicht? Nur über 60? Oder kauft ihn die Münchnerin, die nicht das dunkelgrüne Jagdmodell haben will in einem Geschäft in einem Ort in den (Vor)Alpen, wohin sie ja eh jedes Wochenende in ihrem SUV zum Zweitwohnsitz in den Bergen fährt? Das einzig in München auffindbare Modell habe ich ihnen diese Woche weggekauft meine Damen. Bei Daunen haben sie noch die große Auswahl.


Keine kindgerechte Umgebung

Die Nachbarn, die immer grußlos an einem vorbei gegangen sind im Treppenhaus. Die, die die Wohnung immer zweimal von innen verriegelt haben, auch am hellen Tag. Die ihre Balkonblumen haben vertrocknen lassen, weil sie nie auf dem Balkon waren. Die die Jalousie an dem Fenster zum Hof nie öffnen. Die Nachbarn ziehen aus. In ein Haus mit Garten in der Vorstadt. Das sei besser für das neugeborene Kind, habe ich gehört. Aber schade, denn sie hätten sich hier immer so wohl gefühlt.


Motz.Blog

Ich habe mich vom Sommer-Optimismus verabschiedet. Was hab ich immer gepredigt - ich brauch es gar nicht so heiß (stimmt auch) - das Gewitter am Abend ist völlig normal im bayerischen Somme (auch das stimmt). Aber ganz ehrlich: mir reicht's jetzt. Unbeständig ist ja noch nett ausgedrückt. Ständig droht von irgendwo ein neuer Regenguss und du kannst nicht mal am Vormittag planen, was am Nachmittag zu machen. Du kannst nicht einmal planen, was am Vormittag zu machen. Das ist doch nicht witzig, Sommer, oder?


Amsel Diary XI

Frauen sind neugieriger als Männer. Das gilt auch für Frau Amsel. Und so vertrat sie sich die Beine auf dem Balkon. Und es schien als wollte sie einfach mal wissen, was sich hinter der Tür verbirgt, aus der immer wieder mal ein Mensch tritt. Das Öffnen derselben liess sie auch erstaunlich kalt. Sie drehte sich nur ganz langsam um...

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Amsel Diary IX

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Wie zu erwarten: Es gibt gerade wenig neues aus dem Amsel-Leben. Frau Amsel brütet. Und ist hinter dem Strauch immer weniger zu sehen, so dass ich bald glaube - die Amselkinder werden unbeobachtet aufwachsen. Denn so nah wird sie mich dann wohl kaum mehr heranlassen.


Amsel Diary VII

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Frau Amsel brütet inzwischen eigentlich durchgehend. Und schaut misstrauisch, wenn man den Balkon betritt. Aber Madame, ich wohne hier. Die Balkonbesetzerin bist du. Zur Abenddämmerung verlässt sie immer das Nest für kurze Zeit. Also dass das Amsel-Männchen das Weibchen während der Brut füttert, ist schon mal eine Mär. Herr Amsel ließ sich bis jetzt noch nicht blicken. Wahrscheinlich schreit er im Hof rum, macht sich wichtig und nennt das Revierverteidigung.