Mit dem Journalistenverband habe ich ja schon des längeren so meine persönlichen Probleme. Was mit dem Gefühl zu tun hat, dass es dabei ausschließlich um die Sicherung der Pfründe der festangestellten Printredakteure geht. Festangestellte Printredakteure - Herr Knüwer, das ist die Antwort auf ihre Frage, was ein Journalist sei.
Blöd nur, dass de facto die festangestellten Printredakteuere nur einen kleinen Teil der Masse der Journalisten ausmacht. Und Blogger gehören schon mal nicht dazu, sagt der Bundesvorsitzende meines Berufsverbands (via Blogbar):
Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen. Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten.
Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.
Was sagt mir also Herr Konken? Wenn ich schreibe, veröffentliche - und dafür bezahlt werde, bin ich Journalistin. Mache ich dies zu meinem Privatvergnügen im Netz werde ich zum Schmierfink? - Wie auch etwa das drittel derjenigen, die auf meiner Blogroll stehen und ihr Geld mit Schreiben verdienen.
Nun bin ich die erste, die zustimmt, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und die Wahrung der Persönlichkeitsrechte zu beachten ist. Schon aus Selbstschutz, da kein Verlag inklusive Anwalt hinter einem steht und einen auch wieder rausholt, wenn man zu weit gegangen ist. Dass mein Verband auch nicht hinter mir steht, weiss ich jetzt auch.
Bleiben wir aber bei den anderen Qualitätskriterien wie Wahrhaftigkeit, Objektivität und Vollständigkeit. Nein, ich muss hier nicht objektiv sein. Und das ist gut so. Bin ich aber als Heimatzeitungsredakteurin objektiv und vollständig, wenn ich runterbete, was die Mehrheitspartei von sich gibt - ohne beispielsweise die Opposition zu Wort kommen zu lassen. Bin ich als Boulevardzeitungsreporterin dies? Zeige man mir bitte ein wahrhaft objektives Medium!
Müll von Qualität trennen - großartig. Aber jetzt mal ehrlich, was bleibt denn dann noch übrig?
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