Über den Münchner Tellerrand hinaus

Was von der Woche übrig blieb

Persönlich muss ich ganz klar an meinem Karma arbeiten. Konkret habe ich seit gewisser Zeit ein Problem mit Wasser. Also Wasser in Form der undichten Regenrinne über meinem Balkon. Wasser in Form des Wassers, das durch meine Fugen in die Wohnung unter uns geflossen ist. Wasser in Form von: sobald ich Urlaubspläne schmiede, ist dort Land unter. Ja, ernsthaft.

Es ist besorgniserregend. Im vergangegen Jahr fiel der klassische Frühsommerurlaub ja aus wegen Umzug. Einen Tag nach dem Umzug begann es zu regnen - für die nächsten sechs Wochen. Im September wollte ich gerne gen Sachsen. So Urlaub in Deutschland: Dresden, Meißen, Elbsandsteingebirge. Drei Monate nach der Flut, die Tourismusvereine schrieben schon wieder auf der Homepage, dass alles trocken sei - gleichwohl, die Hotels und Unterkünfte waren es noch nicht. Wir sind dann nach Mecklenburg (ja, ich weiß, ein Urlaubsbericht fehlt bis heute, obwohl er es wert wäre, geschrieben zu werden). Diesen Frühsommer möchte ich eigentlich nach Südwestengland. Sie verfolgen den Wetterbericht?

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Gesellschaftlich lässt mich diese (und schon letzte) Woche etwas ratlos zurück, ob der Maßstab der Berichterstattung über gesellschaftliche bzw. politisch relevante Dinge beziehungsweise das politische Handeln an sich mehr unsere persönlich moralische Empörung denn das Rechtsstaatsprinzip ist?

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Ob sich der Mattusek ärgert, dass ihm der Fall Edathy und der Rücktritt Friedrichs die Chance genommen hat, Jauch-Thema zu werden? Über diesen unsäglich dummen Artikel habe ich mich ebenso unsäglich geärgert. Einer Aussage, dass eine Liebe defizitär ist, wenn sie ohne Kinder bleibt, möchte ich nur erwidern: das Mutterkreuz ist glücklicherweise Vergangenheit. Und es ist nicht (mehr) Sinn und Zweck einer Partnerschaft oder einer Ehe, Kinder in die Welt zu setzen. Oder doch wieder?

Update: Mir blieben ja vor Ärger fast die Worte im Hals stecken. Isabel Bogdan glücklicherweise nicht. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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Apropos oder doch wieder: Im Netz)Feminismus gibt es einen neuen Richtungsstreit: Ost gegen West. Zumindest hat das ganze Trara ein schönes Wort in die Welt gesetzt: Barbie-Feminismus. Hat aber außer den üblichen #aufschrei-Schreierinnen niemanden so wirklich tangiert. Was lernen wir daraus: Nur Ost-Feministinnen sind wahrhafte Feministinnen? Beziehungsweise wenn man den Artikel und die Netz-Reaktionen auschaut: Ost: Nur selbsterwirtschafteter Wohlstand berechtigt zum Feminismus? Vs. West: die Zustände sind inakzeptabel, sie müssen von oben verändert werden. - Fällt jetzt dabei nur mir etwas auf?

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Jetzt fehlt natürlich noch die Schweiz. Ich seufze und möchte nicht wissen, wie eine Abstimmung hier ausginge. Und ja, ich war noch nie ein Freund von zu viel direkter Demokratie.


Wahlpause

Jetzt bin ich ja eigentlich ein sehr politischer Mensch. Wenngleich diese Seiten weitgehend unpolitisch sind - ich lasse mich halt ungern vor irgendeinen Karren spannen und kann jemanden sowohl gut finden wie auch schlecht. Berufskrankheit. Und deswegen muss ich auch nicht jedes Wahlduell kommentieren. Jedenfalls nicht öffentlich. Deswegen muss ich auch keine Wahltage kommentieren. Und keinen Wahlausgang. Jedenfalls nicht im Netz. Und wenn ich es dann doch muss, dann wird man es lesen. Und so reagiere ich, wie ich immer reagiere, wenn mich was sehr beschäftigt, was ich aber nicht öffentlich kundtun möchte, ich halte die Klappe...

Zu einem allerdings möchte ich sie nicht halten: Ich war und bin sehr stolz darauf, in einem Land zu leben, in dem eine Frau Regierungschefin ist. In dem ein Schwuler Außenminister ist. In dem ein Vizekanzler einen Migrationshintergrund hat. Und in dem ein Finanzminister im Rollstuhl sitzt. Und dass wir grundsätzlich über Themen streiten und nicht über den Menschen an sich.

Es wird seit Jahren viel über Diversity geprochen. Der Idealzustand ist, wenn es kein Thema mehr ist. Und wenn, wie jetzt im Wahlendspurt, diese Themen zum Thema gemacht werden, ist es für mich ein Armutszeugnis. Denn es gibt genug Sachthemen, über die man streiten kann. Das ist ja Politik. Das ist ja Demokratie. Meinungen. Verschiedene. Und man darf sich offen darüber äußern. Ich finde unser politisches Sytem großartig. Und die Entscheidung, sich über manches nicht ganz öffentlich (also im Netz) zu äußern, ist eine persönliche, keine bedingte.

Ich für meinen Teil habe Entscheidung getroffen. Geht wählen! Es gibt ja in Deutschland glücklicherweise keine Wahlpflicht, aber vielleicht eine moralische Verpflichtung. Und es gibt es eine Wahlfreiheit. Und das ist ein hohes Gut.

Und ich persönlich habe die Nase voll von dem Gemotze. Und außerdem reagiere ich ganz allergisch darauf, wenn Wahlkampf nicht von Sachthemen bestimmt wird, sondern unter Niveau stattfindet. Und ehe ich jetzt darüber mich auslasse, welche Geschenk es ist, seit so vielen Jahrzehnten in Frieden und Freiheit zu leben, höre ich jetzt auf...

Und wir lesen uns mit netten Geschichten aus München wieder...

 


Frau B. reformiert das Gesundheitssystem

Würde man mich fragen, aber mich fragt ja keiner, hätte ich schon lange als Lösung für das ganz offensichtliche Problem der gesetzlichen Krankenversicherung eine Kostentransparenz vorgeschlagen. Das ist sicher keine ultimative Lösung, aber hätte den anstehenden Kollaps möglicherweise verhindert. Was mir schon lange vorschwebte, war, wie bei privaten Kassen üblich, eine Rechung an den Patienten zur Einsicht.

Das hätte zwei Vorteile: Zum einen würde den Versicherten klar, was die Behandlungen kosten. Und es gibt noch genügend Menschen, die entweder hypochondrisch veranlagt oder ohne andere Hobbys sich gerne mal Spiegelungen aller Art unterziehen oder ähnliches. Vielleicht denke ich darüber auch mal anders, sollte ich ernsthaft erkranken und mir dann gesagt werden: Wären Sie mal rechtzeitig zum Arzt gegangen... Dennoch, das Wissen über Behandlungskosten würde auf der einen Seite eventuell unnötige Behandlungen dezimieren, auf der anderen Seite das Verständnis für Beiträge stärken.

Und es hätte noch einen weiteren Vorteil. Auf den bin ich aus aktuellem Anlass gekommen: Man würde wissen, was der Arzt bei der Krankenkasse abrechnet. Das weiß man ja normalerweise nicht. Und dann nehmen Sie mal so einen Zufall, wie in meinem Fall, dass in der Diskussion über eine fehlende Praxisgebühr und ein daraufbestehen, dass man diese tatsächlich nicht schuldig ist (Krankenkassen treiben die nicht gleich entrichteten Praxisgebühren ein), sich plötzlich herausstellt, dass der Zahnarzt statt einer Zahnreinigung (private Leistung - keine Praxisgebühr fällig) bei der Kasse eine Füllung in Rechnung gestellt hat.

Versehen? Schlamperei? Einzelfall?

Woher sollen wir Patienten wissen, was die Ärzte bei den Kassen so abrechnen? Wir wissen nur, dass Leistungen gekürzt werden und wir ständig zusätzlich eine Privatrechnung bekommen.

Also liebe Krankenkassen, auch an Sie gerichtet: ehe jetzt wieder Sonderbeiträge erhoben werden, versuchen Sie es doch mal mit Transparenz. Vielleicht ist damit mehr gewonnen. Allerdings nicht für betrügerische Ärzte, sollte es solche geben...


Persönlichkeitsspaltung im Web2.0

Mit dem Journalistenverband habe ich ja schon des längeren so meine persönlichen Probleme. Was mit dem Gefühl zu tun hat, dass es dabei ausschließlich um die Sicherung der Pfründe der festangestellten Printredakteure geht. Festangestellte Printredakteure - Herr Knüwer, das ist die Antwort auf ihre Frage, was ein Journalist sei.

Blöd nur, dass de facto die festangestellten Printredakteuere nur einen kleinen Teil der Masse der Journalisten ausmacht. Und Blogger gehören schon mal nicht dazu, sagt der Bundesvorsitzende meines Berufsverbands (via Blogbar):

Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen. Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten.

Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.

Was sagt mir also Herr Konken? Wenn ich schreibe, veröffentliche - und dafür bezahlt werde, bin ich Journalistin. Mache ich dies zu meinem Privatvergnügen im Netz werde ich zum Schmierfink? - Wie auch etwa das drittel derjenigen, die auf meiner Blogroll stehen und ihr Geld mit Schreiben verdienen.

Nun bin ich die erste, die zustimmt, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und die Wahrung der Persönlichkeitsrechte zu beachten ist. Schon aus Selbstschutz, da kein Verlag inklusive Anwalt hinter einem steht und einen auch wieder rausholt, wenn man zu weit gegangen ist. Dass mein Verband auch nicht hinter mir steht, weiss ich jetzt auch.

Bleiben wir aber bei den anderen Qualitätskriterien wie Wahrhaftigkeit, Objektivität und Vollständigkeit. Nein, ich muss hier nicht objektiv sein. Und das ist gut so. Bin ich aber als Heimatzeitungsredakteurin objektiv und vollständig, wenn ich runterbete, was die Mehrheitspartei von sich gibt - ohne beispielsweise die Opposition zu Wort kommen zu lassen. Bin ich als Boulevardzeitungsreporterin dies? Zeige man mir bitte ein wahrhaft objektives Medium!

Müll von Qualität trennen - großartig. Aber jetzt mal ehrlich, was bleibt denn dann noch übrig?


Die heutige Jugend

Sie sind 16. Nur ein paar Tage ist der eine älter. Welcher völlig egal. Und während der eine jetzt in den Ferien mit seinem Wiedersingelonkel in München um die Häuser zieht - Mädchen, Bier und Schafkopfen im Kopf hat - packt der andere gerade seinen schwarzen Kapuzenpulli ein, um nach Heiligendamm zu fahren.


Posh Fair

Vergegenwärtigen wir uns doch mal kurz, was posh eigentlich heisst: schick, vornehm, nobel. Also eben das, was Vanity Fair sein soll. Naja, Fußballersgattin Victoria B. wurde und wird ja auch posh genannt. Und die bekommt immerhin eine Seite im neuen Heft - sind ja auch viele Seiten zu füllen. Ob man besagte Dame dann tatsächlich posh findet, lässt sich nicht genau erschließen - und was ist übrigens ist eine "Poshe Pose"? Aber von Posh Spice zu Posh. Ulf Posh. Seineszeichens Chefredakteuer der Poshtille und erreichbar unter posh@vanityfair.de. Jetzt stellt sich doch glatt die Frage, ob Herr Posh, der ja begeistert ist, dasss wir alle weniger neurotisch geworden wären, sich nun auch begeistert in Selbstironie übt. Was ich nicht weiss, das ich ihn nicht persönlich kenne. Was ich einen Zug fände, der mich wiederum begeistern könnte. Was aber dem Erfahrungswert über Selbstironie bei Chefredakteuren widerspricht und wahrscheinlich muss man sich und sein Blatt auch für den Nabel der Welt halten, wenn man es verkaufen will... Es könnte auch sein, dass Herr Posh nicht genau weiss, was posh eigentlich heisst - siehe Frau Victoria. Doch vielmehr ist zu befürchten, dass der Jahrmarkt der Eitelkeiten zugeschlagen hat (Hau den Lukas - Ding!).

Ist nun Vanity Fair posh? Mit einem Titel, der mehr an eine Fernsehzeitschrift als an ein Hochglanzmagazin erinnert - nein. Inhaltlich viel People. Also doch nur die Konkurrenz zu Bunte und Gala? Viel Kultur, aber eigentlich auch vor allem wieder People, also fast ausschließlich Porträts. Und gar nichts zum Thema Literatur, nicht mal ein Porträt.

Stil - wird in erster Linie definiert als Mode. Mal ehrlich, wenn ich Modetipps haben will, greif ich mir immer noch die Instyle. Eine kleine Reisegeschichte. Keine großartigen Hotels, schicken Ziele, Hotspots. Ach und eine Ferrari-Geschichte haben wir noch, auch nicht posh. Teuer ist nicht gleich stilvoll! Hm, auch da greife ich zu einem anderen Blatt - den Stil-Teil der Welt am Sonntag nämlich.

Bis jetzt, wenig überzeugend. Und das jede Woche? Also ich bin mal gespannt auf nächste Woche. Und wohin das ganze geht, zeigt sich eh erst in paar Monaten. - Ob vanity. Ob fair? Oder doch noch Posh?


Kinderfeindliche Generation

Keine Kinder mehr. Jedenfalls viel zu wenige. Und der Staat soll's richten. Wie er alles richten soll, weil wir nicht in der Lage sind, eine, selbst diese Entscheidung selbst zu treffen. Dabei geht's doch im Kern weder um Kinderbetreuung noch um finanzielle Unterstützung. Beides ist schön. Doch weder das eine noch das andere beeinflusst die Entscheidung für oder gegen ein Kind im wesentlichen. Oder ist unsere Gesellschaft tatsächlich schon so verkommen, dass sich Paare nur noch kaufen lassen würden, um Kinder zu bekommen?

Werden überhaupt so wenig Kinder geboren, weil sich so viele Menschen bewusst dagegen entscheiden (im Volksmund: Drecksegoisten!) - Menschen, die, so die weitläufige Meinung, lieber schicke Zweisitzer fahren als eine gebrauchte Familienkutsche, lieber im Penthaus statt am Stadtrand wohnen, zum Boarden nach Kitz, zum Tauchen auf die Malediven und zum Shoppen nach New York fliegen - und letztlich, weil das ganze muss ja finanziert werden, vierzehn Stunden am Tag arbeiten. Klar gibt's die. Und wenn sie es ein paar Jahre gemacht haben, ist es ebenso schick für sie, Designer-Nachwuchs heranzuzuüchten. Ist nämlich ebenso ein Statussymbol.

Nur eines, das man sich nicht eben beim Online-Shoppen kaufen kann mit freier Wahl in Form und Farbe. Nein, hier heißt es beim Bestellvorgang nicht selten: Ausverkauft. Und das trifft nicht nur die Yuppie-Pärchen mit Nachwuchssehnsucht, sondern immer mehr Menschen. Unsere Entscheidungsfreiheit hat für uns entschieden. Jahrzehntelang wird verhütet was das Zeug hält bis, ja bis die Natur den Jetzt-würde-ein-Kind-endlich-ins-Konzept-passen-Enddreißigern dann eine lange Nase dreht.

Alle Lebenszyklen werden künstlich verlängert. Und dabei wird übersehen, dass unser Körper immer noch ein Verfallsdatum hat. Viele Menschen entscheiden sich nicht bewusst gegen Kinder, nur zu spät dafür.


Alle Macht dem Stärkeren

Wer sich tatsächlich noch fragt, weshalb sich in der deutschen Politik nichts bewegt, war schon lange nicht mehr mit dem Auto unterwegs. Denn die Mentalität, mit der in Deutschland Autogefahren wird, sagt alles über die Befindlichkeit der Deutschen aus – und weshalb sollte es in der Politik auch anders sein. Gefahren wird hier immer mit Vollgas, ohne Rücksicht auf Verluste geschweige denn auf andere. So geht’s mit Höchstgeschwindigkeit an die nächste Baustelle und jeder ist erstaunt, wenn er dann im Stau steht. Die Koalitionsverhandlungen – eine Autobahnbaustelle. Alle Macht dem Stärkeren und man wundert sich tatsächlich noch, dass in diesem Land Stillstand herrscht. 


Katerstimmung nach der Wahl

Katerstimmung zur Wiesn-Zeit ist ja in München an und für sich nichts ungewöhnliches. Heute aber haben sie aber vor allem diejenigen, die am Sonntag abend nicht feiern waren, sondern sich den Wahlabend in voller Länge vor dem Fernsehgerät gegeben haben. Dabei haben dort nach den ersten Hochrechnungen auch alle gefeiert. Nur Sieger – wie schön, wenn sich alle Parteien einmal so einig sind.

Frau Merkel war die Siegerin, weil sie geschafft hat, was Stoiber vor drei Jahren nicht geschafft hat: sie liegt 0,9 Prozentpunkte vor der SPD. Herr Stoiber war der Sieger, weil er das beste Unionsergebnis eingefahren hat. Herr Westerwelle, weil die FDP beinahe über zehn Prozent gekommen wäre. Die Grünen, weil sie besser abgeschnitten haben als erwartet. Und Herr Schröder, weil er lange nicht die prognostizierte Klatsche bekommen hat.

Nach aller Euphorie am Wahlabend stellt sich nun aber die Frage, wer aus diesem Prolog zu dem nun beginnenden Berliner Theater nun tatsächlich als Sieger hervorgeht. Denn eigentlich haben sie alle verloren: Und allen voran die Union, denn das Ergebnis ist eine persönliche Niederlage für Angela Merkel, die wahrscheinlich jetzt hinter jedem Vorhang schon Brutus vermutet. Auch Edmund Stoiber ist weit entfernt die drittstärkste Kraft im Bundestag zu sein – dabei war seine „ich halte mir jede Option offen“-Haltung sicher auch nicht hilfreich. Der größte Wahlgewinner, die FDP, wird wahrscheinlich nichts davon haben.

Und die bisherigen Regierungsparteien? Die Grünen haben immerhin ein stabiles Ergebnis und damit das Ok ihrer Wähler, dass sie soviel nicht falsch gemacht haben in den letzten Jahren. Und Gerhard Schröder hat zwar nicht gewonnen, doch sein persönlicher Sieg ist die Niederlage der anderen – und das erklärt auch seinen völlig durchgeknallten Auftritt in der Berliner Runde am Wahlabend. Das war sein Triumph über Angi und Ede. Was aus den einzelnen Personen in diesem Theater werden wird, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Unter dem Titel: Quo vadis Deutschland?


Wahlhilfe

Zum Thema Wahl - von wem auch immer dieses Kuhgleichnis stammt, ich jedenfalls habe es von einem Kollegen zugeschickt bekommen und gebe es jetzt weiter: POLITIK EINFACH ERKLÄRT

Christdemokrat:
Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine. Sie behalten eine und schenken Ihrem armen Nachbarn die andere. Danach bereuen Sie es.

Sozialist:
Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine. Die Regierung nimmt Ihnen eine ab und gibt diese Ihrem Nachbarn. Sie werden gezwungen, eine Genossenschaft zu gründen, um Ihrem Nachbar bei der Tierhaltung zu helfen.

Sozialdemokrat:
Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine. Sie fühlen sich schuldig, weil  Sie erfolgreich arbeiten. Sie wählen Leute in die Regierung, die Ihre Kühe besteuern. Das zwingt Sie, eine Kuh zu verkaufen, um die Steuern bezahlen zu können. Die Leute, die Sie gewählt haben, nehmen dieses Geld, kaufen eine Kuh und geben diese Ihrem Nachbarn. Sie fühlen sich rechtschaffen. Udo Lindenberg singt für sie.

Freidemokrat:
Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine. Na und?

Kommunist:
Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine. Die Regierung beschlagnahmt beide Kühe und verkauft Ihnen die Milch. Sie stehen stundenlang für die Milch an. Sie ist sauer.

Kapitalist:
Sie besitzen zwei Kühe. Sie verkaufen eine und kaufen einen Bullen, um eine Herde zu züchten.

Allen anderen, die auch nach diesem Kuhhandel hier nicht wissen, wen oder was sie wählen sollen, sei der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für Politische Bildung empfohlen - dabei kann es zu überraschenden Ergebnissen kommen...