Frau B. geht auf Reisen

Kurzstopp in der Wachau

Es ist ein wunderbarer Platz zur Entschleunigung. Sensationelles Essen, großartige Weine. Und zwei Tage fühlen sich an wie Urlaub. Natürlich sind Orte wie Melk und Dürnstein von Bustouristen überlaufen, aber die hat man schnell wieder hinter sich gelassen (wo sind die hin - ich will es eigentlich gar nicht wissen) und dann kehrt eine unglaubliche Ruhe ein. Und man kann sich entspannt, dem Nichtstun, Schlafen, Essen und Trinken widmen.

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Noch a bisserl Wien

Wien ist überhaupt ein geeignetes Pflaster für den EM-scheuen Menschen. Die Theater sind noch am spielen, gesellschaftliche Kulturereignisse müssen abgefeiert werden, ehe die Wiener die hochsommerliche Stadt den Touristen überlassen. Und sollten Sie nächstens einen Wien-Besuch planen: Verpassen Sie bitte nicht die wundervolle Ausstellung "Klimt persönlich" im Leopoldmuseum.

Wobei doch in überraschend vielen Beisln Fußball übertragen wird. Ob der Wiener seit der letzten EM seine Fußball-Begeisterung entdeckt hat oder ob dies den Touristen geschuldet ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Dazu bräuchte es einer längeren Feldstudie.

Also ließe sich an Abenden wie heute unauffällig unter Menschen mischen und den Klassiker Deutschland gegen Niederlande schauen. Man müsste nur damit leben können, dass die Mehrheit der Zuschauer möglicherweise für die orange Mannschaft ist. Aus Prinzip. Und aus Solidarität, wenn sie schon selber nicht mitspielen dürfen.


FC Bayern, Kandinsky und Rilke

Auch in Irland wird am Samstag das CL-Finale geschaut.

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Das Land ist nämlich durchaus fußballvernarrt.Weit spannender als die eigene Meisterschaft fanden die Iren allerdings die englische. Ständig wurde im Pub ein Fußballspiel übertragen.

Wir Münchner waren auch nicht diejenigen, mit dem großen Bierfestival und den großen Biergläsern - auch mal ganz angenehm. Und kein Wunder, denn Bier haben die Iren selbst und auf ihr Guinness lassen sie nichts kommen.

389Nein, die Assoziation mit München ist: wir sind die Stadt mit dem großartigem Fußballverein und dem großartigem Stadion. Ansonsten ist hier alles sauber und die Bahnen pünktlich. Zum ersten Mal sagte mir jemand: Deutsch sei eine so wunderbare melodische Sprache. Und schwärmte von Rilke.

Nicht nur die Iren kennen München. Auch beim Small-Talk mit anderen Reisenden konnte man mit der Heimatstadt jenseits von Hofbräuhaus punkten. Zwar sind sie von Biergärten an sich fasziniert, aber das schönste an München war beispielsweise für eine US-Amerikanerin aus der mittelwestlichen Cowboyhut-Gegend (!) die Museen und besonders das Lenbachhaus mit seinen Kandinsky Bildern.

Es war schön, dass Deutschland weder das ungehobelte Sauerkraut und Knödel Land ist noch ausschließlich der unsympathische Geldgeber auf europäischer Ebene. Manchmal muss man auch überprüfen, wie man selbst auf andere wirkt. Diesen Test haben wir bestanden.

Und jetzt hoffen wir mal, dass uns am Samstag weder unser FC Bayern, noch wir Münchner, noch die Fans und die Stadt an sich blamieren. Alles was hier passiert, geht hinaus in die Welt.


Yes, I love it

Irland ist wunderschön. Die Landschaft einzigartig und die Menschen freundlich. Und die besorgte, immer gestellte Frage, ob es dir gut geht und ob es dir gefällt und ob du das Land magst, sei an dieser Stelle nochmals beantwortet: it's great. it's unique. it's really beautiful. thank you so much - we had a wonderful time.

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Das Nest ist leer

Wir haben den Traum aller flügge werdenden Kinder erfüllt und ihnen das Reich überlassen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn gerne hätte ich unsere Amselkinder aufwachsen sehen. Aber während Sie, liebe Leser, noch zeitversetzt staunen durften, waren wir schon weg. Und als wir wieder kamen, war das Nest leer.

Aber Vogelkinder haben uns als Thema begleitet - denn auch in Irland war Brutzeit. Bei den Krähen, bei Staren - und Rotkehlchen und Pfaue und Dohlen und überhaupt: alle Vögel waren da und bescherten ein großes Konzert.

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Amsel Diary X

So einen kaiserlichen Brutplatz hat Frau Amsel hier natürlich nicht. Nicht einmal einen königlichen. Auf das Foto bin ich zufällig wieder gestoßen - das hatte ich Ihnen letzten Sommer vorenthalten - entstanden in der Nähe der Wiener Hofburg.

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Wunder der Natur II

Aus den Wundern der Natur vor unserer Tür lässt sich doch leicht eine kleine Sommerserie machen. Gut, es ist nicht alles so nah da, wie die Partnachklamm, aber doch schnell und einfach zu erreichen.

Diesen Sommer habe ich mich ja ein paar Tage in Hallstatt vom Regen durchweichen lassen. Das Wort Sommerfrische bekam eine ganz neue Dimension... Kurz, es war weder was mit baden im See noch mit ausgiebigen Wandertouren. Und so habe ich halt reichlich durch die österreichischen Spezialitäten gegessen - was, wie wir wissen, eine tagefüllende Beschäftigung sein kann. Und ansonsten macht schlechtes Wetter erfinderisch und ich habe Dinge gemacht, die bei schönem Wetter wohl nicht auf meiner Agenda gestanden hätten.

Und dann hätte ich etwas versäumt: Im Dachstein gibt es nämlich mit die größten Eishöhlen der Welt. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich in eine Märchenwelt eingetaucht.
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Hotel-Schnäppchen à la Frau B.

Die Hotelauswahl bei Reisen kann so und so erfolgen. Die meisten Menschen gehen in eine dieser Hotelsuchmaschinen und suchen ein Schnäppchen. Ich such mir in der Regel das Hotel aus. Beim Land/Meer/Berge Urlaub sowieso. Aber ich mache das auch bei Städtereisen. Immerhin stellt sich die Frage, in welches Viertel will ich: was will ich machen? was brauche ich? Eine gute Hotellage bedeutet beim Stadturlaub schon mal verminderte Taxikosten. Ein ungünstig gelegenes Schnäppchen ist nämlich schnell keines mehr. Habe ich dann mögliche Übernachtungsmöglichkeiten ausgemacht, frage ich persönlich ganz altmodisch bei den Hotels an. Ich hätte gerne ein Zimmer mit Aussicht - oder auch nicht. Im Hochsommer zur Nordseite. Am liebsten mit Balkon. Bitte mit Parkett. Und so weiter und so weiter. Das versuchen Sie mal bei einer Buchungsmaschine. Das geht nur persönlich. Und was eben auch nur persönlich geht: den Aufenthalt kurzfristig doch noch um einen Tag zu verschieben. Buchungsmaschinen stellen sich da stur. Und unterm Strich hat man auf diese Art doch das Zimmer in der günstigsten Variante gebucht.

Sommer-Frühling in Südtirol

Dass eine Fahrt in die Apfelblüte für eine Allergikerin vielleicht keine ganz so clevere Idee sein könnte, kam mir tatsächlich erst während der Fahrt. Aber Südtiroler Apfelblüte war schon lange ein Urlaubswunsch - und im Nachhinein kann ich vermelden, auf Apfelblüten nicht allergisch zu reagieren. Wir haben sie auch gerade noch erwischt...
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Bücherherbst - Tag 8

Ein Buch, das dich an einen Ort erinnert

Eines? - Unzählige! Schließlich mache ich ja meine Reiseziele von der Lektüre abhängig - manchmal jedenfalls. Hier nur eine kleine Auswahl....

Ascona
Alfred Andersch "Vater eines Mörders" (bitte lesen!)

Antibes
Guy de Maupassant - Kurzgeschichten

Lissabon
Erich Maria Remarque "Die Nacht von Lissabon" (großartig!)

Soller
Carlos Ruiz Zafón "Der Schatten des Windes"

Müritz
Kurt Tucholsky "Rheinsberg"

Ostsee
Irene Dische "Großmama packt aus"

Berlin
2009 Bernhard Schlink "Der Vorleser" und vor Jahren Peter Høeg "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" - es war im Winter und der Berliner Winter wurde über Nacht weiß, so weiß, dass die Autos aufhögehört haben zu fahren - und Berlin wurde auf einmal still.

Radein
Tim Parks "Stille". Seitdem weiß ich - immer ein Ersatzbuch mitnehmen.


Madame Minou

Es war ein wunderschöner verwunscher südfranzösischer Garten, in dem man lesend im Schatten des Olivenbaumes die Zeit fließen lassen kann. Manchmal etwas kritisch beäugt von der Herrin dieses Reichs - und das war nicht Madame. Denn dort auf der Mauer, auf der Lauer...

Auf der Mauer...
...liegt ne graue Katze. Und sonnt sich. Scheinbar. Denn in Wahrheit wartete sie nur auf den Moment...

Platz gefangen
...Weggegangen, Platz gefangen. Und so ein Strickjäckchen ist eine hervorragende Schmusedecke. Auf der Madame Minou ihr Frühstück verdauen konnte. Denn irgendein Gast lässt sich schon erweichen und spendiert der bettelnden Mieze etwas Croissant. Und wenn nicht und sie sich unbeobachtet fühlt, dann...

Vorsicht Katze


Neue Töne in Berlin

Wie sich die Zeiten doch ändern: Ich weiß noch, dass ich in den 90ern beinahe mal aus einer Kneipe im Prenzlauerberg geworfen worden wäre, als ich mich als Münchnerin outete. Nur der Hinweis, dass mein Gegenüber gerader Erdinger Weißbier vor sich stehen hatte und Erding ein Vorort von München sei, überraschte zwar, ließ mich aber bleiben. Es entspannte sich daraufhin aber die unvermeidbare Diskussion, über München und Bayern an sich. Und die Berliner Meinung zu diesem Thema muss ich jetzt wohl nicht weiter erläutern. Das war im übrigen derselbe Aufenthalt, bei dem mir mein Ex-Münchner Gastgeber erläuterte, dass Barbour-Jacken ja sowas von München und sowas von uncool seien, dass man sich ja schämen müsste.

Dass hat sich inzwischen geändert. Also erstens ist die Jacke nach wie vor die selbe und ist damit schon fast vom Alter Vintage - also in Berlin per se cool. "Authentisch" fand in der Kastanienallee den Look eine Ostberlinerin. Weniger authentisch, aber weit verbreitet ist übrigens auch der Trench - auch das Orginal. Sagte der Begleiter noch im Vorfeld: du willst dich wohl gleich als Münchner Tussi outen. Nee, wa - fällste gar nich auf mit.

Aber zurück, ich wollte ja von der neuentdeckten Liebe der Berliner zu Bayern berichten. Man fühlt sich ja gleich willkommen in einer Stadt, in der einem der Taxifahrer schon vom Flughafen zum Hotel erzählt, dass Bayern doch das beste Bundesland überhaupt ist und Bayern die nettesten Menschen. Und dass Bayern-Wortverdreher Willy Astor nicht nur im selben Hotel absteigt - und wahnsinnig sympathisch sei - sondern in Berlin eine große Fangemeinde hätte. Das hat mich dann doch überrascht. Ich konnte nicht umhin, ich hab das nachrecherchiert und promt eine geradezu euphorische Kritik über Willy Astor und seine Auftritte bei den Berliner Wühlmäusen gefunden.

Bayern im Trend. Wahnsinnig angesagt sind nach wie vor Restaurants mit süddeutscher/alpenländischer Küche, wobei, räusper, hier gerne bayerisch, schwäbisch, österreichisch in einen Topf geworfen wird und der Schweinebraten im Gegensatz zum Tafelspitz noch nicht durchgesetzt hat. Aber das kann ja noch kommen.

Was aber schon da ist, ist das Münchner Orginal...

Augustiner

Essen in Berlin

Mit irgendwo irgendeinen Schweinkram auf die Hand liegst du ja in Berlin immer richtig. Anscheinend auch nach wie vor. Dabei wollten wir doch einfach mal nett essen gehen. Aber dann war Sarah Wiener auf Sommerfrische und im Café Einstein wollten sie uns nicht: Wir würden doch sehen, dass hier kein Platz mehr frei wäre, sagte der Kellner und deutete auf einen Gast, der für seinen Espresso und seine Ledertasche fünf Stühle und drei Tische in Anspruch nahm. Dabei hatte ich den Tafelspitz in guter Erinnerung - aber es wird wohl eine bleiben und der Begleiter wird sich für Geschäftsessen eine andere Adresse suchen. So eine Arroganz habe ich in den letzten 18 Jahren München nicht erlebt. Sehr freundlich waren sie dagegen in der von Madame Modeste sehr gelobten Fleischerei - wobei ganz ehrlich das Preis-Leistungs-Verhältnis da auch nicht stimmt. Aber dafür gibt es ja die Kantine im Berliner Ensamble, wo wir mit Klaus Maria Brandauer das Nachtmahl zu uns nahmen. Und für den Hunger zwischendurch, gibt's ja auch immer noch den Berliner Klassiker...

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Schöner Wohnen

Dieses „Sie wohnen ja schön“ verfolgt mich. Als Feststellung mit Blick auf meine Adresse. Als schnippische Bemerkung von beleidigten Maklern, denen du sagst, dass sie ihren Schrott bitteschön behalten können. Jetzt ist Schöner Wohnen ja glücklicherweise Geschmacksache.

Und mein Schöner Wohnen eine rein subjektive Geschichte. Ich kenne genügend Menschen, die meine Form von Wohnen ganz sicher nicht in diese Kategorie einordnen würden: In diesem Viertel? – Da bekommt man ja nie einen Parkplatz. Nordbalkon? – Nein danke. Boiler? Nachtspeicherheizung? – Was für eine Bruchbude. Ohne Aufzug?! Also Sie sehen schon, das Schöner Wohnen, das ist mein persönliches Schöner Wohnen. Allerdings wohne ich nun mal subjektiv schöner und das macht es für mich immer wieder schwierig, eine in meinen Augen adäquate Unterkunft zu finden, wenn man für eine gewisse Zeit, die angeblich die schönste im Jahr ist, die eigene Wohnung mit einer anderen Bleibe tauscht.

Eine Urlaubsunterkunft zu finden ist eine der großen Herausforderungen. Jetzt mach ich ja keine Abenteuerurlaube, bei denen es egal ist, Hauptsache ein Bett. Wenn ich also auf der Suche nach einem hübschen Domizil bin, schau ich natürlich auch mal in diese ganzen Hotel-Bewertungsportale rein. Und bin dann immer wieder erstaunt, was die Menschen so alles charming finden. Und was auf der anderen Seite so alles als negativ bewertet wird (kein Fernseher, keine Mini-Bar, keine Klimaanlage – macht alles Lärm, braucht kein Mensch). Und wieder wird mir klar, dass meine Ansprüche andere sind als die anderer Menschen. Und dass Schöner Wohnen, auch auf Zeit, Geschmackssache ist. Und bis jetzt hab ich noch immer ein hübsches kleines Gästehaus gefunden – ganz nach meinem Geschmack.