Zwei Horrorgeschichten kann ich ausmachen, die mich bis heute verfolgen. Auch nach über 20 Jahren haben sie ihren Schrecken nicht verloren. Interessanterweise haben sie dasselbe Thema, wenngleich ganz unterschiedlich. Ein Film. Ein Buch.
Horrorflime habe ich nicht viele gesehen. War nicht mein Genre. Die, die ich gesehen habe, habe ich in Laufe der Zeit vergessen. Bis auf einen. Gut 20 Jahre ist es her und ich war allein zu Hause. Ich muss alleine zu Hause gewesen sein, denn meine Eltern hätten nächtliches Fernsehen im Wohnzimmer, das unter ihrem Schlafzimmer ist, gehört und unterbunden. Also die Tatsache, dass meine Eltern im Urlaub waren, während ich zu Hause war, deutet auf ein nicht mehr allzujunges Alter hin. Ebenfalls die Tatsache, dass aus meinen Kinderzimmer das Näh- und Bügelzimmer meiner Mutter geworden war, während der häusliche Frieden durch die Schaffung eines Dachzimmers herzustellen versucht worden war. Ich war also allein im Haus - schaute des Nachts fern und schaute "Rosemary's Baby"... Noch vor vier Jahren, als ich bei einem New York Urlaub fast täglich meinen Morgenkaffee in den Strawberry Fields trank, empfand ich den Anblick des Dakota Buildings als unheimlich. Und das morgens bei strahlendem Sonnenschein.
Ein anderer Pakt mit dem Teufel spielt in Gotthelfs Novelle "Die schwarze Spinne" eine Rolle. Aber wieder haben wir das Kind, das dem Teufel übergeben werden soll. Gotthelf war klosterschülerliche Schullektüre in der sechsten oder siebten Klasse. Starker Tobak für zartbesaitete Mädchenseelen - oder zumindest für Mädchen mit viel Phantasie, denn das Bild von der Spinne, die sich aus der Backe der Protagonistin mit Namen Christine löst, hat sich bis heute in mir eingeprägt.
Während ich also überlege, ob ich nicht eine Therapie gegen meine Spinnenphobie machen und diese meiner früheren Lehrerin in Rechnung stellen soll, stelle ich fest, dass die Novelle nicht nur bei mir nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Die Migräneanfälle, die nicht nur Dr. Faustus hat, sondern auch der Protagonist eines aktuellen Buches, wird von etwas ausgelöst, was der Arzt fälschlicherweise für einen Tumor hält: Einer Spinne im Kopf.
Wissen Sie, was ich gerade lese? - Sollten mir weitere Ähnlichkeiten mit dem Literaturkanon auffallen, werde ich Sie auf dem Laufenden halten.
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