Die FAZ nannte es einmal Boulevardtheater. Andere Menschen, die sehr viel intellektueller sind als ich, nennen es großartig. Pinters bestes Stück. Zwischen diesen beiden Betrachtungsweisen liegen schon mal Welten. Ich sagte nach der Aufführung nur: das ist also Pinters bestes Stück? Ganz leise natürlich, damit Regisseur, Schauspieler und Theaterleitung das nicht hören. Man muss ja bei Premierenfeiern auf seine Worte aufpassen. Und erntete promt einen strafenden Blick "der Mann hat den Nobelpreis bekommen". Was ja, wie wir spätenstens seit diesem Jahr und dem Friedensnobelpreis wissen, nicht viel heißen mag. Außerdem die Literaturnobelpreise der letzten Jahre... Coetzee finde ich fürchterlich, mit Jelinek kämpfe ich und außerdem hoffe ich inständig, dass niemand auf die Idee kommt, mir Herta Müller zu Weihnachten zu schenken. Also Literaturnobelpreis zählt nicht.
Kommen wir zurück zum Thema. Gegenstand der Betrachtung ist "Betrogen". Von Harald Pinter. Boshaft gesagt hat er darin aufgearbeitet, dass er seine Frau sieben Jahre lang betrogen hat. Denn das tut in diesem Stück auch die Hauptperson. Zusammengefasst: Frau betrügt Mann mit seinem besten Freund über diese ganzen Jahre und über eine ganze Zeit hinweg weiß Mann davon, schweigt aber. Nicht weil er seine Frau so liebt, sondern weil sie ihm ziemlich egal ist. Erzählt wird das ganze von hinten, so dass der Zuschauer immer ein bisschen mehr weiß als die Personen auf der Bühne. Das ist auf der einen Seite die Ehrenrettung zur Abgrenzung zum Boulevard, auf der anderen Seite macht es das Stück schwierig, weil es wird in lauter kleinen Häppchen serviert: Szene, Umbaupause, Zeit- und Ortsangabe, Szene etc.
Gespielt wird das Stück seit letztem Freitag im Südostbayerischen Städtetheater in Landshut (Premiere in Passau am 2. Januar). Es ist ein Kammerspiel und funktioniert daher sehr gut auf der eh nicht großen Bühne des Stadttheaters, die optisch nocheinmal reduziert wurde (das Bühnenbild von Klaus Gasperi hat mir ja schon bei Romeo und Julia gut gefallen). Oliver Karbus inszeniert das Stück schnörkellos und die Schauspieler überzeugen ohne Zweifel. Nur das mit dem großartigen abgrundtiefen Seelenstück, da nagen bei mir nun doch die Zweifel.
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