Mit dem Herz in der Hand...

Aus is

Es wird mir zunehmend unangenehm. Die Menge von Menschen, die aufgekochten Emotionen. Und ich reagiere darauf, wie ich immer darauf reagiere: mit Rückzug. Das Spiel Italien-Deutschland hab ich allein vor dem Fernseher angeschaut. Ich habe mitgefiebert, angefeuert, geschimpft. Alles so wie es sein soll, aber nicht in der Menge von Menschen. Ich hätte dahin und dorthin gehen können - fahren um genau zu sein - und darin lag für mich das Problem. Denn es bedeutete zurück durch kopflose Menschen. Und ich weiß, wovon ich spreche: ich bin nach dem CL-Finale durch München gefahren und mir sprang mehr als ein Depp vors Auto.

Für mich war ein Halbfinale allein weder schlimm noch sonst was, es war richtig. Doch damit bin ich allein. Fußball kann man anscheinend nur noch in der Masse anschauen. Und Masse meint nicht mit ein paar Leuten im Wirtshaus oder Biergarten - es meint viele Leute.

Das ist der Punkt, der mir unangenehm wird. Spiele in den 90ern waren daheim mit Freunden, waren irgendwo - es war nett und niemand hat sich verkleidet. Aber gut: in den 90ern musste man auch noch nicht in Pseudotracht auf die Wiesn gehen. Heut musst zwingend das Trikot anziehen und dir Farbe ins Gesicht malen.

So angefangen hat das zur WM 2006. Ich weiß noch wie skeptisch ich im Vorfeld war und wie sehr mich diese gelöste Feierstimmung überrascht und begeistert hat. Aber seitdem hat sich das hochgeschaukelt. Es wurden immer mehr Menschen, immer mehr Emotionen. Und die Stimmung schlägt um.

Freuen und leiden, jubeln und weinen - alles wunderbar. Aber das ernsthafte Beschimpfen des eigenen Teams, des gegnerischen und der gegnerischen Fans, das finde ich zum Kotzen. Es ist ein Spiel. Danach wird abgeklatscht und das Trikot getauscht. Und dann schleicht der eine vom Platz und der andere feiert.


Noch a bisserl Wien

Wien ist überhaupt ein geeignetes Pflaster für den EM-scheuen Menschen. Die Theater sind noch am spielen, gesellschaftliche Kulturereignisse müssen abgefeiert werden, ehe die Wiener die hochsommerliche Stadt den Touristen überlassen. Und sollten Sie nächstens einen Wien-Besuch planen: Verpassen Sie bitte nicht die wundervolle Ausstellung "Klimt persönlich" im Leopoldmuseum.

Wobei doch in überraschend vielen Beisln Fußball übertragen wird. Ob der Wiener seit der letzten EM seine Fußball-Begeisterung entdeckt hat oder ob dies den Touristen geschuldet ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Dazu bräuchte es einer längeren Feldstudie.

Also ließe sich an Abenden wie heute unauffällig unter Menschen mischen und den Klassiker Deutschland gegen Niederlande schauen. Man müsste nur damit leben können, dass die Mehrheit der Zuschauer möglicherweise für die orange Mannschaft ist. Aus Prinzip. Und aus Solidarität, wenn sie schon selber nicht mitspielen dürfen.


Ach ja, es ist ja EM

EM ist - aber irgendwie mag sich so eine Herz-in-der-Hand-Stimmung nicht einstellen. Das mag an dem trübsinnigen Wetter liegen, bei dem man statt im Biergarten daheim auf dem Sofa sitzt. Mit Decke. Vielleicht gab es auch ein bisschen zu viel an Fußball die letzten Jahre oder vielleicht müssen wir mit dieser EM auch einfach erst einmal warm werden. Sind ja noch ein paar Spiele bis zum Finale...

Wir haben jedenfalls das unsrige getan, um das Trauma des letzten EM-Finales zu überwinden. Jenes fand ja in Wien statt und wurde von den Spaniern gewonnen. An einem brüllend heißen Tag vor vier Jahren. Den ich mit Freunden in einem überfüllten Münchner Biergarten verbrachte, während der Begleiter in Wien weilte - worum ihn nach dem Schlusspfiff und einsetzenden Sommerregen keiner mehr beneidete.

Wien - der Ort der Niederlage. Ein passender Ort, um diese neue EM zu starten. Vorallem, da jene Freunde inzwischen nach Wien umgesiedelt sind. Und so gab es Paella in Wien - mit jenen Freunden - und Fußball. Aber das hat die Herz-in-der-Hand-Stimmung auch nicht erweckt.


Der Sommer geht weiter

Das Märchen hatte kein Happy-End. Da hat es nichts gebracht gestern, dass der Begleiter das EM-Revange-Shirt anhatte, welches jetzt eigentlich symbolisch vernichtet werden muss, weil es zweimal Unglück brachte, und ich aus Solidarität mit Jogi den ganzen Tag schon demonstrativ in Strenesse rumlief. Hatte ich in der Niederlage wenigstens Stil gezeigt. Was man von unserer Elf, die ich noch am Wochenende als Weltmeister der Herzen bezeichnet hatte, nicht behaupten kann. Sag einmal - hauen die Engländer raus, die Argentinier und scheitern dann an Spanien?

Da war was in der Luft in den letzten Tagen, bei dem für mich klar war, dass die Erfolgsserie ein Ende hat. Denn ich hab ja nicht nur für das junge, multikulturelle Team geschwärmt - es war auch ein TEAM. Und zwar eines, das die persönlichen Eitelkeiten hinten anstellte. Für mich war das ein Schlüssel für ihren Erfolg. Und damit war es in den letzten Tagen vorbei... Schade.

Sie haben uns jubeln lassen. Gemeinsam und egal, wo man geboren wurde: ob im Hasenbergl oder in Starnberg, ob in Bayern oder der Türkei. Ich habe diese WM-Abende mit vielen unterschiedlichen Menschen verbracht. Ich hab ein gutes Gefühl bekommen, dass es möglich ist, Grenzen zu überschreiten. Dass wir gemeinsam stark sein können.

Das möchte ich mitnehmen aus dieser WM. Das wünsche ich mir, dass wir alle mitnehmen. Dass wir Herz und Leidenschaft haben – und das auch zeigen. Das wäre dann ein Happy-End.

Epilog: Heute gibt es gegrillten Oktopus. Und eine heftige Diskussion darüber, ob man am Sonntag im Finale Spanien oder Niederlande unterstützt. Das Ego des Begleiters erträgt es nur, gegen den zukünftigen Weltmeister verloren zu haben, während ich es schön fände, wenn zwei Münchner dann wenigstens Weltmeister würden.

Mit dem Herz in der Hand...

...ist gestern abend die WM-Leidenschaft erwacht. Passend zum Australienspiel haben wir uns zum Grillen eingeladen. Man muss sich ja im Grunde immer selbst einladen, sonst funktioniert das nicht. Also auf jeden Fall dachten wir, dass mit dem Volkssport Nummer Eins der Aussies machen wir mal ganz stilecht: Barbecue.
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Es wurde dann doch eher deutsch - immerhin hat es geregnet... Doch, ganz ehrlich, hat das der Stimmung Abbruch getan? - Die war so gut, dass die wohlerzogendsten Kinder der Welt, die trotz WM-Begeisterung (und von der Begeisterung eines Fünfjährigen kann man sich anstecken lassen) sich ins Bett schicken ließen, noch zweimal zum Fahnenschwenken zurückkamen...

Heute abend: Pizza.


Die Bratwurst ist gut.

Nein, sind wir mal ehrlich, damit lässt sich heute kein Blumentopf gewinnen. Ja, vor einer Woche, vor einer Woche war das noch anders. Und deshalb hab ich auch sofort "ja" gesagt, als vor einer Woche das Telefon läutete und der Begleiter fragte: Möchtest du auf das Spiel Bayern gegen Barca? Champions League - Allianz Arena - hochklassiger Fußball?  - Klar will ich. Und vor einer Woche hätte die Aussage, man habe Karten für das Spiel zumindest bei fußballinteressierten Mitmenschen ein bisschen Neid auslösen können. Das war, wohlgemerkt, VOR dem Hinspiel. Denn nach dem Hinspiel hatten nicht nur Löwenfans Mitleid und ganz ehrlich, wenn ein Blauer hier in München schon Mitleid mit den Roten hat... - man muss sich auch ernsthaft fragen, warum man zum Rückspiel in die Allianz Arena geht. "Die Bratwurst ist gut", sagte S. Auch ein Grund. Vielleicht auch beginnt man, die Blauen besser zu verstehen - von wegen Leidensfähigkeit und so. Macht also einen Schritt in Sachen Münchner Völkerverständigung. Aber vielleicht erleben wir ja auch das Wunder von München...


Was bleibt

Sommer - aber kein Märchen. Aber dennoch Sommer. Und ein lauer Abend, an dem ganz München auf den Beinen schien. Und die Gewissheit, dass wir doch hier in München letztlich international sind. Irgendjemand hat immer eine Fahne geschwenkt. Und irgendjemand hat immer seinen Nachbarn gratuliert oder kondoliert. Und dann ging es gemeinsam weiter. Was bleibt, ist der Aufschrei im Hof, der Jubel, der dich vom Balkon zum Fernseher getrieben hat an einem Abend. Und in der Wiederholung sahst du den Sieg der Türkischen Mannschaft und wieder zurück auf dem Balkon die Abfahrt der trükischen Nachbarn aus der Tiefgarage Richtung Leopoldstraße. Was bleibt ist der laue Abend, an dem der griechische Koch allein vor der Leinwand im Lokal gebannt das Spiel der Niederländer gegen Russland anschaute und dir erzählte, dass er acht Jahre in Holland gearbeitet hat und deswegen ganz klar die Oranjes seine Favoriten seien. Was bleibt, ist auch eine bitterenttäuschte SMS aus Wien, wenige Minuten nach dem Endpfiff. Was bleibt sind zerplatzte Träume und neue Träume. Was bleibt ist Sommer.


Im Wandel der Zeit

Die Griechen hatten ihr Theater. Da wurden die großen Tragödien gespielt an deren Ende die Menschen emotional gereinigt waren. Katharsis nannte man das.

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Was den Römern viel zu intellektuell war. Die griechischen Theater verfielen oder wurden umgebaut (Widersprüche von Architekten waren zur damaligen Zeit sinnlos). Man brauchte Arenen.

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Brot und Spiele wollte das Volk und bekam es in Form von Gladiatoren und sonstigen Kämpfen. Und was dem Griechen sein Theater und dem Römer sein Gemetzel ist heute irgendwie der Fußball...


EM-Küche: Spanien - Italien

Oh, was könnte man dazu nicht alles kochen. Tapas oder Antipasti. Frau B. hat sich dennoch für einen italienischen Klassiker entschieden - Pizza

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Klar, eine selbstgemachte schmeckt anders als eine aus dem Holzofen - also braucht man das erst gar nicht zu imitieren versuchen. Wenn Sie aber das Gefühl haben, ihr Eigenwerk schmeckt fad, nicht einfach Tomaten oder noch schlimmer eine Packerl-Soße draufhauen. Nein, Tomaten müssen klein geschnitten richtig lange einkochen ehe sie als Belag für eine Pizza gut sind.


Rück- und Vorschau

Was für ein Abend! Fünf Gründe, warum er so und nicht anders verlaufen ist

  1. Wir haben sie einfach verputzt
  2. Der Gastgeber hatte eine Bringschuld - schließlich hatte er vor zwei Jahren zum Ausscheiden gegen Italien geladen
  3. Das WM-Feeling war wettertechnisch wieder da: Wie zum ersten Spiel der Weltmeisterschaft hatte ich misstrauisch wie ich bin Pulli und Jacke dabei und bin immer noch im T-Shirt heimgeradelt.
  4. Poldi und Basti haben endlich wieder gemeinsam gespielt - wie bei der WM.
  5. Mein Papa hat's auch gesagt, dass die Deutschen gegen Portugal gewinnen.


Jetzt brauchen wir nur noch Strategien, um das fortzuführen... Die da wären:

  1. Das einzige Spiel, das wir verloren haben, hab ich vor dem heimischen Fernseher gesehen - das fällt also definitiv aus
  2. Essenstechnisch lassen wir uns nicht von der Küche des Gegners inspirieren, sondern vielmehr von den Landesfarben
  3. Und wie ist eigentlich die Wetterprognose?

EM-Küche: Deutschland - Österreich

oder auch Wiener vs. Frankfurter

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Ich halte ja die Östereichische Küche der Deutschen überlegen - auch wenn Bayern und Österreich doch sehr nah zusammenliegen. Ich sag nur Tafelspitz und Tellerfleisch und Mehlspeisen... Und was den Wein betrifft, liegt mir das Burgenland näher als Franken... Was Fußball betrifft, wünsch ich mir allerdings schon eine Überlegenheit von Jogis Jungs.


EM-Küche oder...

...über die Rituale des Zurückkommens

Sollte man EMaffin das Essen bereiten, müsste es natürlich einen Schweizer Wurstsalat geben. Aber letztlich ist das egal, denn Protugal ist durch und für die Schweiz ist eh alles zu spät.Dass heute dann doch Wurstsalat auf dem Speiseplan steht, hat andere Gründe.

Wurstsalat sw

Seit jeher ist es das Essen, das in meiner Familie beim Zurückkommen aus dem Urlaub, manchmal auch von einem größeren Ausflug gegessen wurde. Manchmal, noch beim Einkehren kurz vor den Toren der kleinen Stadt. Manchmal auch schon vorsorglich gekauft. Wurstsalat ist ja ein Sommeressen. Eigentlich muss es heiß dazu sein. Mit Bauernbrot und Bier unschlagbar. Auch die Zubereitung erfolgt nach Familientradition - es dürfen nur Regensburger verwendet werden und um das ganze erfrischender zu gestalten, wird aus dem banalen Wurst- ein Wurst-Tomaten-Salat, bei mir persönlich dann auch ohne Zwiebeln.


Berlin, Berlin...

...da sind wir gefahren hin. Ok, das Spiel heute ist nicht in der Allianzarena - aber durchaus ein Anlass, für eine kleine vor dem Spiel Bildgeschichte.
Wir hoffen ja schließlich dass heute alle fit sind...
Fitnessraum
Die richtigen Schuhe dabei haben...
Schuhe
... und genügend Bälle.
Blle
Kahn den Kasten sauber hält, Toni tont und Fraaank gut drauf ist...
Trikots
...so dass das Maskottchen was zu lachen hat
Maskottchen

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