Münchner Gschichten

Hört mir mal wieder auf mit dem Gentrifizierungmist

Ach, mal wieder ein Lärmtag gegen Gentrifizierung. Erfunden von den Gentrifiezierern. Weil der ganzen Blosn von jungen Hipstern geht es ja nicht darum, dass tatsächlich die alten Münchner Verhältnisse bewahrt bleiben - da wären sie ja ebenso unerwünscht wie die neuzugezogenen Geldigen. Es geht um ihren persönlichen Wohnraum. Und ob für ihren persönlichen Wohnraum eine Oma weggezogen ist, ist ihnen total egal. Der Unterschied zu den sogenannten Gentrifiezieren - die sanieren. Und das ist nicht per se schlecht. Und damit kommen wir, überraschend schnell, auf den Punkt: bestehende Substanz muss erhalten werden und dafür braucht es Geld. Und deshalb ist es auch nicht per se schlecht, wenn irgendwas umgewandelt wird, weil die, die sich darauf einlassen, sich in der Regel auf das Gesamtpaket einlassen. Die wollen das so. Auf die könnt ihr Hipster sauer sein, weil sie euch den billigen Wohnraum wegnehmen - aber die Oma, die schon immer da gewohnt hat, wird weiter da wohnen, weil die hat im Gegensatz zu Euch Bestandsschutz. Mein persönliches Schnappatmungserlebnis hab ich ja immer dann (schon immer - immer noch) bei Neubauwohnungen in Baulücken, wo ich mir immer die Frage stelle: wer soll das bezahlen? wer ist die Zielgruppe? fühlen die sich ein in ein Viertel? Aber denen seid ihr ja egal. Und mein Eindruck, und das nervt mich, Euch geht es auch nicht um die. Euch geht es um Euch und um nichts anderes. Mir geht es darum, dass aus jetzt meiner Wohnung niemand aus seiner Wohnung rausgetrieben wurde. Dass um mich herum, die kleinen Läden und Werkstätten überleben - auch indem ich dort einkaufe. Ich will, dass die alten Nachbarn im Haus oder gegenüber nicht aus ihrem gewohnten Wohnraum vertrieben werden. - Und wenn sie mal wegsterben, brauch ich ehrlich gesagt, auch keinen lärmenden Hipster, sondern jemanden, der hier leben will, sich in eine Gemeinschaft einfügen will - weil Veränderung gibt es. Die eigentliche Frage ist: wie.


An Schmaaz halten

Ich hab mich heute durch München geplaudert. Oder gschmaazt auf gut bairisch. Dabei war ich nicht einmal auf dem Markt, wo an Schmaaz halten zum guten Ton gehört, sonst ist man irgendwie fehl am Platz. Ich hab auch sonst nichts besonders gemacht. Aber mit dem Nachbarn geredet, mit der griechischen Wirtin von nebenan, mit einer alten Dame in der Schlange vor mir, mit einer anderen im Supermarkt, ausgiebigst mit der Verkäuferin in der Parfümerie (die glaub ich grad eine neue Stammkundin gewonnen hat), mit der Friseurin bei der Terminvereinbarung, die mir dann gleich noch ein Produkt empfohlen hat (bekommen Sie in jedem Drogeriemarkt), in der Wäscherei, mit jemanden auf der Straße und am Ende sagte auch die Supermarktkassiererin: Man kann ja miteinander reden.

Mein München hat sich heute mal wieder von so einer entspannten, lässigen Seite gezeigt, als wollte es mir sagen - Willkommen daheim.

Der Münchner ist nämlich lange nicht so maulfaul, wie man gemeinhin vermutet - wobei diese Vermutung wahrscheinlich von Menschen geäußert wird, die außer den überlaufenen Innenstadtgaststätten nichts von München kennen. Wobei das durchaus von Stadtteil zu Stadtteil variiert, denn der Schwabinger ist, wie schon festgestellt, bedeutend offener gegenüber anderen Menschen als beispielsweise der Neuhauser, also der gebürtige.

Und so ähnlich verhält es sich auch in Heinerland. Ein Heiner erkennt den anderen möglicherweise an der Nasenspitze und vielleicht ist er diesem gegenüber offener. Aber so einer Fremden gegenüber... Setz dich mal in München mit den einleitenden Worten "darf ich?" neben eine ältere Dame in der Tram - das machst du nicht, wenn du kein Gespräch führen willst. Gestern kam nicht mal ein: Bitte oder selbstverständlich. Fliehe mal in München bei einem Platzregen von draußen in ein Café - da hast du mit mindestens einem der anderen Gäste mindestens drei Worte gewechselt und mit der Bedienung. - Nada. Nicht mal bei der Fußplege ließ sich die Fußpflegerin ein Gespräch aus der Nase ziehen (ich gehe seit 2001 zur Fußpflege - das war sehr ungewohnt), dafür haben sie und die Chefin mit einer Stammkundin gescherzt als meine Nägel trockneten... Und kleine Läden im Viertel, die ja die Basis für den täglichen Ratsch sind, die gibt's halt nicht.

Und da ich mich, so denke ich, auch nicht anders verhalte als dort und vor allem auch dort nicht anders verhalte als bei meinen Gastaufenthalten in Düsseldorf die letzten beiden Jahre, sag ich mal - an mir liegt's nicht. Oder von der anderen Seite aus betrachtet: doch?


Metropole München?

Die Süddeutsche brachte ja eine Geschichte mit dem Tenor: Mehr Mut zur Großstadt. Urbanität. Wachstum ist toll.  - Ich muss sagen, ich habe gestaunt. Immerhin ist es diesselbe Süddeutsche, die jedesmal aufheult, wenn ein Viertel gentrifiziert wird, die Mieten steigen, die quasi Alteingesessenen vertrieben werden (das sind dann in der Regel die SZ-Redakteure, die vor fünf Jahren irgendwo hingeszogen sind), eine Boazn zumacht etcpp. Ja Himmelhergottnocheinmal, was glaubt ihr eigentlich, was Großstadt heißt? Vorallem in München, wo der Platz nachweislich begrenzt ist? Und wenn die Gartenviertel zugebaut werden, wer schreit denn als erster? Und jeder bis jetzt noch grüne Innenhof in der Stadt, soll der zu Bauland ausgewiesen werden? Wird ja eh alles zubetoniert...

Das Bekenntnis zur Großstadt heißt, liebe Süddeutsche: steigende Mieten, vorallem in den attraktiven Vierteln. Es heißt unattraktive Hochhausviertel in der Peripherie. Es heißt noch mehr Stau, noch mehr Verkehrskollaps auf allen Ebenen. Es heißt soziale Spannungen. Den Versuch, ein Stück München zu bewahren, ist nicht der verkehrteste.

Und ich red jetzt nicht vom 80er Jahre München vom Pumuckl, Monaco Franze, der Hausmeisterin oder Zur Freiheit. Das beschwört ihr ganz gern - aber die Zeiten sind lang vorbei. Und ich red auch nicht von Erhaltungssatzungsgebieten, weil die dienen vor allem dazu, den kleinen Eigentümern Steine in den Weg zu werfen, weil an die großen kommt man ja eh nicht ran (die Zusammenlegung zweier Wohnung muss unterbunden werden, weil zu goß. Hauptsache, der Bezirksausschuss hat was zu tun und übersieht dabei geflissentlich die Entmietung eines oder mehrer Häuser). Es kann sein, dass es ohne die Erhaltungssatzung noch ganz anders aussähe - aber eine Forderung zu Bekenntnis zur Metropole ohne gegen die Mimimi-Einstellung, München darf sein Gesicht nicht verlieren, bedeutet: Erhaltungssatzung über Bord.

München verändert sich. In den letzten Jahren schneller als in den Jahrzehnten davor. Die Stadtpolitik hinkt sowas von hintennach - keine Frage. Was mich aber wundert, dass so manche Dinge überhaupt nicht hinterfragt werden...

Wir haben hier in München den ein oder anderen Großkonzern. Das wird nach Bedarf hochgejubelt oder beseufzt. Weil so Konzernheadheadquarters haben ja die klassiche Gutverdienerklientel, die dann auch Gutverdienerwohnraum für sich beanspruchen. Ich sag nur: Gentrifizierung...

Aber den Konzernen wollen wir ja nichts böses. Und einem ganz besonders nicht: den Bayerischen Motorenwerken. Nicht falsch verstehen, die Autos sind toll. Hier gibt es gerade einen doppelten intensiven Flirt mit zwei Modellen. Aber auf was ich rauswill: nördlich des Frankfurter Rings ist eine Stadt in der Stadt. Und das wird nie hinterfragt. Weder von der Stadt noch von den Medien. Diese BMW-Stadt wächst und wächst - und keiner sagt mal, könnte man davon nicht irgendwas an einen anderen Standort verlegen? Dingolfing ist auch nicht weit... Das ist so viel mehr als ein Headquarter von einem Dax-Konzern. Und wer nicht weiß, wovon ich rede, dem empfehle ich mal eine Fahrt (oberirdisch, gerne mit einem BMW) durch den Münchner Norden.

Und danach reden wir nochmal über Wohnraum, über Aufstockung von Bestandsbauten, über Verdichtung, über Großstädtifizierung... 


Schwabing is a G'fühl, gell

Sie saß da und fand es einfach toll in Schwabing zu sein, unter all diesen Leuten, die es auch toll fanden in Schwabing zu sein. Weil aus Schwabing war kaum einer. Und deswegen schien es auch so als ob ein "Monaco Franze Reloaded" gegeben würde - weil das ja immerhin ein Bild ist, das die meisten mit Schwabing verbinden. Ist halt schon ein bisserl her. Aber ein bisserl was geht immer.

Und so saß sie dann da und fand ihre Begleitung in seinem schlecht sitzenden Trachtenblazer auch ganz besonders charmant, weil er tatsächlich gefragt hatte, ob er ihr auch noch was bringen könnte, als er sich ein Getränk holte. Das war dann das erste Mal als ich mich mit Bosheit nicht ganz beherrschen konnte, als ich antwortete, das sei schon nett von ihrem Begleiter - aber irgendwie auch selbstverständlich, jedenfalls bei den Menschen, die ich kenne. Großer Kulleraugenblick. Und auch die zweite Begleitung des schlecht sitzenden Trachtenjackets aus Starnberg hatte keine Ahnung, was ich meinen könnte. Aber hey, wir sind in Schwabing, wir müssen wenigstens so tun, als wären wir wichtig und schön und unter Drogen...

War vielleicht früher mal so und halte ich auch da für ein Gerücht. Aber wir sind in Schwabing und deshalb werfen wir alles, was wir aus dem Monaco Franze und der Spider Murphy Gang wissen zusammen und dann wissen wir auch, wie wir uns zu geben haben, dass wir als echte Schwabinger durchgehen.

Ja.

Blöd nur Mädel, wenn du dir dann erklären lassen musst, wie du aus Schwabing mit der S-Bahn zum Stadtrand kommst, weil du eben nicht nur nicht aus Schwabing kommst, sondern auch nicht die Kohle hast, die du so gern hättest, um dir ein Taxi dahin zu nehmen. Und mein Ausschnitt war nicht so tief und meine Haut ist nicht so böse sonnenbank verbrannt, meine Fingernägel waren nicht so frisch gemacht, mein Kleid war nicht so eng, weil ich hab ne Jeans angehabt - aber im Gegensatz zu dir und deinen Freundinnen, die Schwabingerinnen gespielt haben - ich bin zu Fuß heimgegangen. Bussi!


Hundsdrecksblues reloaded

Der Söllner Hans ist scho lang nimmer in Schwabing spazieren gegangen. Aber ich bin mir sicher, auch wenn er heute nicht mehr in die Hundehaufen reinsteigen würde, er würde sich ebenso aufregen wie ich. Kreizkruzifix, Ihr depperten Hundebesitzer, wer hat Euch eigentlich ins Hirn geschissen? Da sammelt ihr die Kacke von Euren Kötern zwar brav auf - um dann die roten Sackerl in die Gegend zu schmeißen. Geht's eigentlich noch? Glaubt Ihr, das macht irgendwas besser? Die Stadtreinigung machts dann schon weg. Irgendwann mal.

Ich mein, ich geb ja zu, es ist nicht hilfreich, dass die Stadt München vor einigen Jahren beschlossen hat, alle Mülleimer abzubauen. Was dazu führt, dass halt die Leut ALLES irgendwohin werfen. Weil's wurscht is. Schmeißen die Leut ihren Dreck auch vor die eigene Haustür oder gehen sie dafür eine Straße weiter? Und schmeißt den Dreck doch bitte auch mal ein paar Stadträten oder Stadtteilpolitikern vor die Tür - vielleicht stellt auch jemand den Antrag, mal wieder einen Mülleimer aufzubauen.

Ernsthaft: beides geht nicht. Der Verzicht auf Mülleimer geht nicht - liebe Stadt München, Du findest doch Wien so toll. Lass Dir sagen, da gibt es an jeder Ecke einen Mülleimer. Mit Aschenbecher. Da ist es aufgeräumt - da schmeißt auch keiner seine Kippen auf die Straße.

Das ist aber keine Entschuldigung für Menschen, die ihr Zeug einfach wegwerfen. Das ist ein Verhalten, das ich nicht verstehe. Und am schlimmsten sind die roten Hundekackebeutel. Da bin ich kurz davor, wenn mal wieder fünf unten am Grünstreifen rumliegen, die einzusammeln, auf dem Balkon zu deponieren - und der oder die nächste, die ich dabei beobachte, dass sie die Scheiße ihres Köters verpackt entsorgen, bekommt genau so einen ans Hirn.


Keine Friedenspfeife mit rosa Wölkchen

Da ging er jetzt vor mir. Breit wie ein Schrank, der Körper in seinen Augen garantiert ein Schmuckstück, das entsprechend mit Tatoos verziert war und alles in allem eine Erscheinung, die ein "hey, Alter" erwarten ließe, wenn er den Mund aufmacht. Und er machte den Mund auf und rauskam ein zuckersüßer Erdbeerschaumbadaroma-Kaugummi-Drogeriemarktduftkerzen Etwas, das mich einnebelte. Bei E-Zigaretten entdecken auch die härtesten Kerle ihre Kleinmädchenhafte Seite. Und die zartesten Frauen den Darth Vader in sich. 

Und das soll jetzt besser sein? Damit werden Nichtraucher weniger belästigt? Für meinen Geschmack sind die penetranten Düfte eine echte Zumutung. Und dass es Lokale gibt, die das zulassen ist doch verwunderlich. Das Zeug gibts ja auch duftfrei, aber Aromarauch im Speiselokal ist keinen Millimeter besser als Zigarettenrauch. Vor allem, da die E-Smoker eben nicht mal eine rauchen und dann ist es wieder eine Weile gut, nein da wird ja dauergenuckelt. Aromaschnuller für Erwachsene, das wär es. Ich bin überzeugt, da gibts einen Markt dafür...


Münchner Realität

Was ist denn das für eine polemische Frage von der SZ? Ob es jemanden in der Redaktion gibt, der gerne mit Etagen-Klo wohnt? Wobei der Stadtratsbeschluss ja tatsächlich mehrere Fragen offen lässt. Die dringendste: Wieso gelten für die Stadt andere Regeln als für private Bauherren? Will man ein Dachgeschoss in einem schon bestehenden Mietshaus ausbauen, muss man einen Parkplatz nachweisen (oder eine Ablöse zahlen). Bei einem Neubau, wo es die Möglichkeit gäbe, Parkplätze zu schaffen, wird auf den Bau einer Tiefgarage verzichtet. Grün träumt vielleicht von einer autofreien Stadt, aber das ist nicht die Realität. Oder dürfen nur Mieter einziehen, die nachweisen können, kein Auto zu besitzen - und sich keines anzuschaffen? Und wieso gehört ein Aufzug zum allgemeinen Standard und ist gleichzeitig in einem Erhaltungssatzungsgebiet ein Indix für eine Luxussanierung? Selbes gilt auch für neue Balkone.

Achso, ist ja keine Sanierung. Ist ja ein Neubau.

In der Süddeutschen las ich auch vor einigen Tagen, es sei ja schlimm, dass inzwischen schon Häuser aus den 70er Jahren sanierungsgefährdet seien. Sanierungsgefährdet. Nach 40 Jahren sind Dächer und Fenster halt fällig. Und im Stadtbild gibt es genügend alte Häuser, die offensichtlich so sanierungsgefährdet sind, dass sie wahrscheinlich irgendwann nicht mehr sanierbar sind. Aber macht ja anscheinend nichts, stellen wir halt dann was neues hin.


München wählt

Zuerst die Abendzeitung, jetzt der Münchner Merkur - schon die zweite Homestory über OB-Kandidat Dieter Reiter. Das muss man schon mögen, die Presse ins Wohnzimmer zu lassen, auch wenn da sicher nichts böses geschrieben wird. Immerhin kann man sich so gut positionieren - auch gegenüber dem jetzigen OB, den er ja beerben will. Eine Mietwohnung am Harras ist da sicherlich bodenständiger als ein Haus am Kaiserplatz. Dass man da erst hingezogen ist aus dem Eigenheim im Münchner Süden, um sich überhaupt als OB-Kandidat aufstellen lassen zu können, geschenkt.

Es gibt aber auch so Punkte, da gilt es aufzupassen, denn die können schnell zu einer Steilvorlage für die anderen Kandidaten werden. So erfahren wir zwar, dass Frau Reiter seit Herbst ihre Arbeitszeit reduziert hat, um ihren Mann im Wahlkampf zu unterstützen, der Dieter aber nach wie vor hauptberuflich Wirtschaftsreferent und nicht Wahlkämpfer ist. Was seine Mitbewerberin Sabine Nallinger auf Twitter zu einer Klarstellung veranlasst hat

Dann sind wir ja mal gespannt auf Frau Nallingers Homestory und auf den Besuch beim Schmid Sepp. - Ich les ja sowas tatsächlich gern.

Und während sich die einen mit den potentiellen Oberbürgermeistern beschäftigen, gibt es bei der Süddeutschen schon mal einen Abgesang auf den Amtsinhaber.


OB-Wahlumfrage, die zweite

War ja klar: auch die CSU hat eine Umfrage in Auftrag gegeben. Nach der wiederum gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Kandidaten. Was aber viel interessanter ist: die SPD verliert massiv an Stimmen für den Stadtrat. Ist das der Grund, weshalb die SPD die Ergebnisse ihrer Stadtratsumfrage gestern verschwieg?

Unser Noch-OB sorgt sich derweil um sein Lieblingschinarestaurant und möchte bei den Schrebergärtnern in guter Erinnerung bleiben. Der Vorruhestand lässt grüßen.

Aber erst einmal noch ein paar Stimmen zur ersten Umfrage


München wählt

Und die SPD hat eine Umfrage in Auftrag gegeben, nach der der Oberbürgermeisterkandidat der SPD die Wahl klar gewinnt. Da konnte besagter Oberbürgermeisterkandidat doch entspannt als amtierender Wiesnreferent zur Präsentation des diesjährigen Oktoberfest-Plakats gehen.

Reiter findet das Plakat "pfiffig".

Man könnte auch so sagen

# Eine pfiffige Idee hatte die SPD auch bei der Debatte um die Isar (die gefühlt 100.000). Da müssten jetzt "endlich(!) Sofortmaßnahmen" ergriffen werden. Ist ja sagenhaft, wer hat denn die letzten (gefühlt 100) Jahren hier regiert? Grad, dass sie nicht gesagt haben: wir wollten ja immer, aber die Staatsregierung hat verhindert, dass die Münchner Isar ein bürgernaher Fluss wird.

Ansonsten kann man sich jetzt auch die Wahlprogramme der Parteien mal anschauen - für den, der sich nicht nur auf sein Gefühl verlassen will. Da haben wir einmal, das "wir sind seit Jahrzehnten super"-Programm der Regierungspartei. Dann das "nein, wir haben hier nicht seit 24 Jahren mitregiert, jetzt auf jeden Fall machen wir alles neu"-Programm der Grünen. Stimmt, das ist ja eigentlich der Wahlkampf-Slogan der städtischen Hauptopposition CSU, die auch ein Wahlprogramm hat.

Ob Wahlumfragen anderer Parteien andere Kandidaten vorne sehen. Ob Frauenverbände oder die Rosa Liste das Wiesnplakat diskriminierend finden. Welche "jetzt aber machen wir mal"-Ideen die Parteien vor der Wahl noch haben. - Bleiben Sie dran, wenn es wieder heißt: München wählt.


Monaco am Morgen

Oder: Neuhausen und West-Schwabing sind unterschiedlicher als man denkt und Giesing und Schwabing sind nicht kompatibel

Früher habe ich ja meinen Espresso aus Italien importiert. Das fand ich irgendwie cool. Bis ich es irgendwie blöd fand, italienischen Espresso, den man auch hier in (fast) jedem Supermarkt kaufen kann, aus Italien ranzukarren. Abgesehen davon schmeckt frisch gemahlener Espresso einfach besser. Ja, frisch gemahlener - jeder Kapsel, Pad und sonstwie Trend geht hier spurlos vorbei. Es steht ausschließlich die Carmencita auf dem Herd.

So wirklich treu wie der Kanne war ich aber dann erst mal keinem Espresso. Bis ich irgendwann auf Fausto stieß. Eine kleine Kaffeerösterei aus Giesing. Fand ich schon von der Idee her toll. Den Espresso auch. Ab dann wurde der Espresso dann aus Giesing importiert - was von Neuhausen aus gesehen ungefähr genauso spleenig ist, wie ihn aus Italien zu importieren.

Nach dem Umzug hatte ich dann aber auch erst mal was anderes zu tun als extra nach Giesing zu fahren, um Espresso zu kaufen. Vor allem da das zugehörige Café dann plötzlich Sonntag geschlossen war. Also erst mal Schwabing ohne Monaco. Eigentlich unvorstellbar. Ein Lichtblick: die Boulangerie in der Bauerstraße führt Fausto.

Endlich daheim. Und dann die Erkenntnis: Schwabing ist nicht Neuhausen. Ob es an den Leitungen liegt, ob es am unterschiedlichen Kalkgehalt im Wasser liegt - mein Lieblingscaffè ist plötzlich bäh. Er hat so eine ganz unangenehme Spitze im Geschmack, die ich schon mal festgestellt hatte, als ich ihn als Mitbringsel mitgebracht hatte (Münchner Espresso!) und als Reaktion ein erstauntes "und das ist also dein Favorit?" erntete. Giesing und die gutbürgerliche Einfamilienhausgegend waren offensichtlich auch nicht kompatibel.

Dabei sind Herdkanne und Gasherd grundsätzlich die perfekte Kombi. Beim Elektroherd kann es schon mal zu heiß und damit bitter werden. Fehlt nur noch der perfekte Espresso. Dem Monaco bin ich treu geblieben - nur kommt er für mich inzwischen nicht mehr aus Giesing sondern aus der Dienerstraße. In der Innenstadt ist man ja von hier aus eh gleich.


Reminder: München wählt

Der Wahlkampf scheint eröffnet. Also nicht mit großem Getöse, aber immerhin mit dem Thema, das vielleicht das entscheidende Zugpferd in München grad ist: Wohnungsmarkt. So scheint es jedenfalls. Dazu gab es eine Podiumsdiskussion, in der die OB-Kandidaten dann das wiederholten, was sie im vergangenen Jahr auch schon zu diesem Thema gesagt haben. Zusammengefasst: jeder OB-Kandidat weiß, dass da was von ihm erwartet wird - die Vision fehlt. Aber tatsächlich fiel doch mal der Satz: Umland. Spät, aber immerhin. Und immerhin hielte ich es für eine der größten Herausforderungen, den Dialog mit dem Umland vermehrt zu suchen, damit nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht. Task-Force Großraum München sozusagen.

Aber bis jetzt kocht jeder so auf Sparflamme vor sich hin. Der Reiter Dieter, der meint, das jeder Ude-Wähler auch ein SPDler war und der, damit er als OB kandidieren darf, extra nach München gezogen ist. Dafür wirbt er mit dem Slogan: "Damit München München bleibt" Wirtschaftsreferent ist er bis jetzt und im Zuge der OB-Kanditatur hat er sich die Wiesn unter den Nagel als  gerissen - weil Wiesn bekannt, er bekannt. Klingt logisch, die Startegie ist aber nur bedingt aufgegangen.

Wobei, die anderen sind noch unbekannter. Sabine Nallinger, der Münchner Merkur nennt sie die stille Kandidatin, die Frau, der noch niemand einen eigenen Wikipedia-Eintrag spendiert hat, will München zur grünsten Metropole machen. Und wird sich dafür garantiert noch Schützenhilfe aus ihrer Baden-Württembergischen Heimat holen. Da sollte sie sich auch gleich eine Lektion in Realpolitik geben lassen, weil von 70% Gemeindebau (wie in Wien) für München zu träumen...

Dann gibt's ja noch den Sepp, der sich jetzt wieder Josef nennt, weil Sepp wahrscheinlich zu hinterwälderisch klingt und die CSU ja hier ein Großstadtimage aufbauen möchte. Der Josef Schmid hat ja richtig geackert im vergangenen Jahr: ist mit seinem Bulli durch München gefahren und hat sich mit den Leuten auseinandergesetzt. Hat dann auch gleich plakatiert, dass er zugehört hätte. - Haben nur die wenigsten verstanden, weil die wenigsten das mitbekommen haben. Die Wahlkampfplakate sind allerdings sehr professionell.

Zwei Monate noch. Ich persönlich bleibe dran, ist ja mal wieder spannend - die erste echte OB-Wahl seit langer Zeit in München...


In ist wer drin ist

...oder: Die Geburtstagsreservierung

Der alte Spruch aus Kir Royal stimmt nach wie vor. Das habe ich jetzt gerade feststellen dürfen: Ich bin nämlich weder in noch drin. Nämlich im Lokal meiner Wahl für mein Geburtstagsessen. Das hat nämlich meine Geburtstagsreservierung kurzfristig storniert. Wegen einer exklusiven Veranstaltung. Da bin ich nicht exklusiv genug.

Kurz vor Weihnachten Geburtstag zu haben ist ja eh schon ein Gschiess. Eigentlich hat keiner Zeit für dich, jeder ist mit Weihnachten und dem Jahresabschluss beschäftigt und Essen gehen braucht man auch nicht, weil überall Weihnachtsfeiern sind. Dennoch will man vielleicht auch mal Essen gehen - man hat ja schließlich Geburtstag. Dieses Jahr fiel meine Wahl auf "Das Lokal" in der Georgenstraße. Da waren wir mal im Sommer mit Freunden, schön war's, die Herren haben ein überzogenes Trinkgeld gegeben - aber nicht so schlimm, denn es hatte ja das Potential von uns häufiger besucht zu werden.

Ich hatte mich dann auch gefreut, dass ich rund um Nikolaus feststellte, dass keine Weihnachtsfeier an meinem Geburtstag dort stattfinden würde und habe reserviert.

Was dann passierte...

Hallo Frau Birnstiel,

wir haben für nächsten Freitag, den 20.12. eine große Anfrage für eine
exklusive Veranstaltung.
Jetzt meine Anfrage an Sie haben Sie etwas dagegen Ihre Reservierung zu
stornieren? Sie würden uns damit sehr entgegenkommen.
Gerne lade ich Sie dann beim nächsten Mal auf einen Aperitif aufs Haus ein.
Ich hoffe auf Ihr Verständnis und Entgegenkommen.

Schöne Grüsse
...
DASLOKAL

Sehr geehrter Herr ...,
 
und Sie haben sicherlich Verständnis, dass ich über die freundliche Ausladung Ihrerseits wenig erbaut bin. Ich hatte nämlich eigentlich vor, meinen Geburtstag nächsten Freitag bei Ihnen zu feiern.
 
Stoßen Sie also gerne mit dem Gastgeber Ihrer exklusiven Veranstaltung auf mein Wohl an.
 
Mit freundlichen Grüßen
Helga Birnstiel
 
Hallo Frau Birnstiel,
 
das verstehe ich natürlich.
Es tut mir auch wirklich leid. Aber ich hoffe Sie verstehen es zumindest ein bischen.
Ich wünsche Ihnen natürlich trotzdem nächsten Freitag einen wünderschönen Geburtstagabend.
 
Schöne Grüsse
...
DASLOKAL
 
Und soll ich Ihnen was sagen: Ja, ich hätte sogar Verständnis. Mehr als die Stornierung macht mich die Art und Weise sauer: Mei Mädel, an Aperitiv aufs Haus und dann passt es schon. Und wenn nicht, ist mir doch egal. Spätestens bei dem Hinweis auf meinen Geburtstag hätte eine Reaktion kommen müssen (eigentlich schon vorher).
 
Wäre in der ersten Mail ein Wort des Bedauerns gestanden. Hätte man mir angeboten, sich um eine Reservierung in einem adäquaten anderen Restaurant zu bemühen. Hätte man angefragt, die Reservierung auf einen anderen Termin zu verschieben und als Dank für meine Umstände xy aufs Haus. Dann nach wie vor ärgerlich, aber ich hätte Verständnis.
 
Wofür ich aber überhaupt kein Verständnis habe ist dieses: Mei wer bist denn du. Du bist mir ja wurscht. Ich frag mich dann auch, ob man anders damit umgegangen wäre, wenn statt Frau B. Herr Dr. B. oder gar das Sekretariat Herr Dr. B. die Reservierung vorgenommen hätte. Wobei dies einfach keine Rolle spielen darf. Und deswegen erzählt Frau B. die Geschichte nun in ihrem kleinen Blog und überlegt, wo sie denn ihren Geburtstag feiert. - Dieses Jahr und grundsätzlich.

 


Vor einem Jahr - Rückblick II

Eigentlich müsste man ein Buch darüber schreiben: Wie finde ich eine Wohnung in München. Es wäre ein Verkaufsschlager - aber man würde damit dennoch keine Wohnung finden. Heute noch weniger als die letzten Jahre. Ich hab ja irgendwann aufgehört darüber zu schreiben, weil ich niemanden langweilen wollte und weil die ganze Welt (inklusive meine Leser und alle Münchner Makler) wohl gemeint hat: die Frau hat halt ein Hobby, das heißt Wohnungen besichtigen und so tun als suche sie eine.

Das stimmte nicht. Ich gebe zu, der Anspruch war hoch und dann hat die ganze Welt (inklusive meine Leser und alle Münchner Makler) gesagt: Frau B. spinnt. Oder auch: "Sie wohnen wohl schön". Letzteres hat gestimmt - zumindest ganz subjektiv. Das war dann auch der Punkt, an dem ich für lange Zeit die Lust verloren hatte, zu suchen - und erst, als ich wieder (ernsthaft!) gesucht habe, wurde es auch was.

Also, hier meine Tipps zur Wohnungssuche. Die funktionieren dann, wenn Sie ohne Not suchen.

1. Visualisieren Sie Ihr Wohnumfeld. So exakt wie möglich. Haus oder Wohnung? Innenstadt oder Stadtrand? Garten? Altbau oder Neubau? Deckenhöhe (war mir immer wichtig)? Kamin? Offene oder geschlossene Küche? Wichtig an dem Punkt sind: was lässt sich verändern, was nicht. Aus einem 80er Jahre Bau lässt sich einfach mal kein Jahrhundertwende Stilaltbau schaffen.

2. Wo? Das war der Punkt, an dem ich lernfähig werden musste. Im Prinzip haben fast alle Viertel schöne und scheußliche Ecken. Also wenn man sich auf ein bestimmtes Viertel einschießt, muss man möglicherweise an der Wohnung selbst Abstriche machen. Will man das nicht, kommt man nicht drumrum, seinen Horizont etwas zu erweitern. Ich für meinen Teil hab es ab einem gewissen Punkt so definiert: ich will in einer Straße mit Bäumen wohnen, ich will eine Zone 30 vor der Tür und ich will alles mit dem Rad erreichen können. - Damit hab ich das zwar immer noch sehr eingeschränkt, aber der Radius war schon weiter als "ich will im Ruffini-Karree" wohnen.

3. Was mich zum fast entscheidenden Punkt führt: Bleiben Sie realistisch. Gilt vorallem für die Preisfrage. Ich hätte ja auch gern das Haus in Gern visualisiert. Aber. Ich mein, das kann man auch visualisieren - wenn man einen sehr langen Atem hat und auf einen Lottogewinn hofft oder auf die Erbtante - und bis dahin nicht unglücklich ist, da wo man ist. Auf der anderen Seite

4. Eierlegende Wollmilchsäue gibt es. Wenn Sie dran glauben, lassen Sie sich von Makler nicht das Gegenteil einreden. Also: Visualisieren, Realitätscheck machen (incl. Finanzceck) - dann suchen. Und genau danach. Was scheinbar toll ist, muss es für einen persönlich noch lange nicht sein. Ich finde es ganz faszinierend, wie glücklich die Menschen, die ich die letzten Jahre auf ihrer Suche begleitet habe, heute in ihrem Wohnumfeld sind. Jedes ist anders. Ich finde jedes einzelne großartig - und möchte gleichzeitig mit keinem tauschen.

5. Überlegen Sie sich ganz genau, wo Sie Abtriche machen würden und welche Punkte unverhandelbar sind. Und dann bleiben Sie dabei. Man kann das ja im Laufe der Suche nochmal überprüfen.

6. Mundpropaganda ist überschätzt. Glauben Sie wirklich, dass die Bäckereiverkäuferin sich ernsthaft dafür interessiert, dass Sie eine neue Bleibe suchen? Mundpropaganda funktioniert genau, wenn man den Menschen wirklich gut kennt. Oder auf dem Dorf. Und in München muss die Bäckereiverkäuferin die Bäckereibesitzerin sein, der das Haus seit Generationen gehört. Dann weiß sie auch vielleicht was.

7. Seien Sie überzeugend. Das war mit der Punkt, der mir am meisten Bauschmerzen bereitet hat. Überzeugend heißt ja: ich will und ich kann es mir leisten. Da haben ja Dampfplauderer und geleaste Porschefahrer immer gute Karten. Im Gegensatz zu Frauen, die allein auf dem Fahrrad zu einer Wohnungsbesichtigung kommen. Also wenn Sie es einrichten können: machen Sie schon die Erstbesichtigung zu zweit - das ist immer überzeugender. Schreiben Sie die Mails vom Firmenaccount. Und fallen Sie in irgendeiner Form positiv auf.

8. Treten Sie dummen Maklern auch mal auf die Füße. Tun Sie es nicht bei guten, die sind ihr Geld wert - und einen guten erkennt man überraschend schnell. Leider eine seltene Spezies.

9. Wenn Sie Bauchschmerzen bekommen, lassen Sie es bleiben.

Ich persönlich habe ja zu Nikolaus 2012 meine persönliche eierlegende Wollmilchsau besichtigt. Mit einem guten Makler, bei dem ich auch ohne männliche Begleitung bei der Erstbesichtigung punkten konnte. Ich habe kein einziges Mal schlecht geschlafen. Und kann Ihnen sagen: Nikolaus ist ein guter Mann. Aber nehmen Sie sich vorm Krampus in Acht.


Vor einem Jahr - Rückblick I

Für Jahrerückblicke ist es eigentlich noch zu früh... Aber das letzte Jahr fing für mich tatsächlich noch vor dem Kalenderwechsel an. Also Zeit für einen Rückblick: Es ist etwas mehr als ein Jahr her, als Herr Buddenbohm eine Welle in den Blogs lostrat auf die Frage, ob ein Platz jenseits seines Viertels lebenswert sei. Er war (und ist??) auf Wohnungssuche. Wir waren das zu diesem Zeitpunkt auch. Und bei der Liebeserklärung, die ich damals an mein Stadtviertel schrieb, war mir eigentlich schon klar, dass unsere gemeinsame Zeit vielleicht schon bald vorbei sein würde.

Wenn ich ehrlich bin, lag mir ganz besonders viel daran, dass möglichst viele Münchner mitschreiben würden, um zu sehen, ob auch andere Viertel als die, die ich eh schon in Betracht gezogen hatte, in Betracht kämen. Um die Frage zu beantworten: Nein. Jedenfalls für uns nicht - und jeder hat andere Prioritäten und ich hatte mich schon lange mit den Verschiedenheiten der Viertel beschäftigt.

Mein München ist jedenfalls seit ein paar Monaten ein anderes. Ich kann darüber noch nicht in der Ausführlichkeit schreiben wie über mein altes, dazu kenn ich es noch nicht genug. Aber mein München ist heute Schwabing. Genau gesagt "Neuschwabing" - das neu bezieht sich auf einen Status um 1900 und bezieht sich auf die Gegend nördlich der Maxvorstadt bis hin zum Luitpoldpark. Es ist ein geplantes Viertel, aber vor dem Franzosenviertel und der Isarvorstadt geplant, also zu einer Zeit als die Bevölkerung noch nicht so stark in München angestiegen war. Was bedeutet: großzügiger geplant. Die Straßen relativ breit mit Alleecharakter, Plätze und je weiter im Zentrum des Viertels auch so großzüger die Wohnungen.

Die Mischung ist hier auch sehr unterschiedlich: zwischen großherrschaftlich und Genossenschaft ist alles vorhanden, zwischen "saniert und sauteuer" und "außen hui und Klo auf dem Gang", zwischen "schon immer hier" und "zugezogen". Es ist eine spannende Mischung und das erstaunlichste ist wohl, dass es ein sehr friedliches nebeneinander ist.

Vielleicht liegt es daran, dass die Hype-Zeiten von Schwabing-West, wie es heute heißt, schon lange vorbei sind. Also wer hier lebt, lebt halt. Und das nicht schlecht. So zwischen Englischer Garten und Luitpoldpark, der vor allem deshalb zu toll ist, weil er ein echter Vorgarten der Anwohner ist, während sich im Englischen Garten und im Nyphenburger Park halb München und der Rest der Welt auf die Füße treten.

Was mich nach wie vor fasziniert ist die Nähe. Also zu allem. Auch zur Innenstadt. Auch wenn ich glaube, dass es vom Radius her keinen großen Unterschied macht - wir sind einfach von Neuhausen aus Richtung Osten gezogen und wohnen jetzt nicht nordwestlich sondern nörlich des Marienplatzes. Aber speziell im Sommer ist es näher. Man radelt durch die Stadt in die Stadt. Man ist in der Stadt.

Außerdem ist hier eh alles. Und nach wie vor viel zu entdecken. Also Fortsetzung folgt...


Ruhe is - irgendwann

Der grünen OB-Kanditatin ist München zu wenig großstädtisch, entnehme ich der heutigen SZ. Sie will die Sperrzeit der Freischankflächen kippen. Feiern ohne Begrenzung. Und wer in der Nähe einer Freischankfläche wohnt, ist selber schuld. Soll er doch an den Stadtrand ziehen und dann abends in die Stadt radeln, denn gegen das Autofahren in der Stadt hat sie ja ebenfalls etwas.

Vor 20 Jahren hätte ich ihr begeistert zugestimmt. Klar, draußen sitzen - am besten die ganze Nacht. Vor zehn Jahren hätte das Argument noch bei mir gezogen: die wenig heißen Tage. Inzwischen halte ich die 23 Uhr für einen idealen Kompromiss. Und es gibt genug Tage, da hätte ich gerne vor 23 Uhr Ruhe. Statt wie de facto gegen 24 Uhr. Denn bis tatsächlich die Leut nicht mehr draußen sitzen, bis tatsächlich zusammengeräumt ist, bis tatsächlich die Leut, die ja nicht mehr sitzen, dann gehen, das dauert. Aber es gibt auch die Tage, an denen ich nicht heim will, an denen ich nicht rein will. An denen andere Menschen früher schlafen wollen, am nächsten Tag früher raus müssen.

Klar ist, du brauchst einen Kompromiss. In München hat man sich, wenn mich nicht alles täuscht, war es im Zuge der Biergarten-Revolution geeinigt. Menschen leben, Menschen arbeiten und Menschen gehen aus in einem Viertel. Schlafviertel braucht kein Mensch, aber das, was in den letzen Jahren an Neubaugebieten entstanden ist, sind reine Schlafviertel. Da ist kein Platz für Geschäfte, geschweige denn eine Wirtschaft. Wollen wir reine Amüsierviertel, in denen keiner mehr wohnt und reine Schlafviertel, in denen keiner so richtig lebt? Die Mischung macht es aus. Macht es spannend. Macht es auch mal laut. Aber erfordert, dass es auch mal ruhig wird. Weil alle und alles auf einen Platz geht nicht ohne Kompromisse.


A Radler, a Radler!

Das mit den Fahrradstraßen in München und dem Radeln gegen die Fahrtrichtung in Einbahnstraßen ganz offiziell ist eigentlich eine pfundige Idee. Bei letzterem ist es die Legalisierung einer Sache, die eh jeder macht. Das ist freundlich von der Stadt München, denn an Stellen, an denen das nicht legalisiert ist, verteilt die Polizei freudigst Strafzettel für Radler. Und ich hab den Verdacht, dass damit eingenommene Geld kommt nicht der Stadt, sondern dem Freistaat zu Gute, sonst wär ja die Stadt nicht so großzügig.

Also in Schwabing und der Maxvorstadt darfst damit nahezu jede Straße in jede Richtung beradeln. In einem Gebiet, in dem die Radlerfrequenz sehr sehr hoch ist, eigentlich eine pfundige Idee. Tatsächlich macht es den Verkehr nicht weniger gefährlich - denn dass man da Radeln darf, heißt noch lange nicht, dass Autofahrer realisieren, dass ihnen ein Radler eventuell entgegegen kommt. Den man dann natürlich erst mal beschimpft, nachdem man ihn fast über den Haufen gefahren hat...

Was ebenso wenig im Bewusstsein der Autofahrer angekommen ist, ist das Prinzip Fahrradstraße. Da mag es noch so breit an jeder Kreuzung stehen. Nehmen wir doch mal den letzten Samstag: Friedlich radelten wir in der sonnigen Nachmittagssonne die autoleere Clemensstraße entlang. Nebeneinander. Das darf man ja in einer Fahrradstraße. Bis es von hinten hupte. Mehrmals. Andauernd. Ich ließ mich nicht beirren - ja, auch ich kann den Verkehrserzieher raushängen lassen. Bei nächster Gelegenheit wurde ich dann mit quietschenden Reifen und aufheulenden Motor überholt. Und ich konnte es nicht lassen, dem Fahrer "Das ist eine Fahrradstraße" hinterherzurufen. Alles andere habe ich mir an diesem friedlichen Samstag nachmittag gespart und das war auch gut so, denn nur "Fahrradstraße" leitete schon eine Vollbremsung ein - gefolgt von Türen aufreissen und wüsten Beschimpfungen. Ich möcht ja gar nicht wissen, was passiert wäre, hätte ich ihm eine größere Beleidigung als "Fahrradstraße" hinterhergerufen.

Also so ganz ungefährlich ist es nicht, in München zu radeln. Selbst wenn man sich an alle Verkehrsregeln hält.


Ausgepackte Kisten

Es ist schon seltsam, wie sehr eine Stadt ihr Gesicht verändert, wenn man umzieht. Selbst, wenn man sie gut kennt. Selbst, wenn man nicht an den Stadtrand zieht oder an das andere Eck. Selbst, wenn man nur in den Stadtteil nebenan zieht. Aber die Wege werden andere. Die kurzen, die man täglich gegangen ist, gibt es nicht mehr. Man muss sie neu finden. Die längeren führen einen durch neue Straßen oder durch lange nicht gegangene Straßen. Und so stromert man seltsam zeit- und raumlos durch die Stadt. Immer auf Entdeckung. Und nachdem das Gerüst des Alltags weggebrochen ist, entdeckt man die Stadt neu. Und irgendwie ist es nach wie vor wie Urlaub.

Münchnerischer ist es hier. Schon allein der Blick aus meiner Küche in die Hinterhöfe, wo einer in den anderen übergeht. Die Nähe zum Englischen Garten. Und wenn du in die Stadt radelst, radelst du durch die Stadt in die Stadt. Kleine Geschäfte, nach wie vor Werkstätten und dankenswert wenig Coffee-Shops. Und natürlich der Elisabethmarkt, den ich schon geliebt habe, als ich noch nicht hier gewohnt habe. Und das Bairisch ist auch noch nicht ausgestorben und dazu braucht es auch keine lächerlichen Schilder an der Geschäftstür, die suggerieren, dass der Zuzogene unerwünscht sei.

Und so sind die ersten Wochen ins Land gegangen zwischen sich sofort heimisch fühlen und fremd sein. Zwischen entdecken und zurückziehen. Kisten auspacken, einräumen, umräumen. Vielen ungeschriebenen Geschichten und nicht geknipsten Bildern. Aber es ist ja noch Zeit. Neue Geschichten kommen und warten darauf, erzählt zu werden.

Helau, Alaaf, Krapfen für alle

Das muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen: Um die letzte Jahrhundertwende zogen die Schwabinger Künstler und Literaten Trachten an, gingen auf die Bauern Kirchweih und das ganze war Bohème. Im Fasching. Heut ziehen alle zur Wiesn Trachten an und feiern ... äh Fasching?

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Auf jeden Fall: Viel Spaß beim Feiern, mein Schnupfen, mein Husten und ich bleiben daheim.