Plaudereien aus dem Nähkästchen

Back to the roots

Ach Himmel Landshut, ach Tausend Landshut. Unser Verhältnis wird immer einmalig bleiben. Das hat das Heimatstadtgefühl so an sich. Es wird immer da sein, dein Unverständnis, dass man aus dir weggegangen ist - und dann ausgerechnet noch Isaraufwärts. Nach Minga. "Wie kann man da nur lebn?" Regensburg ist noch ok, vielleicht gibt es da so eine gewisse mittelalterliche Verbundenheit. Berlin, ja, das ist cool. Aber Minga?

Ich komm ja immer noch oft zu dir zurück. Aber ich hab das Gefühl, immer unsichtbarer zu werden. Immer weniger Menschen zu kennen. Und einige, die ich mal kannte, schauen durch mich hindurch. Jetzt glaub ich allerdings, dass ich mich gar nicht so verändert habe, aber entweder sie rechnen nicht mit mir und nehmen mich daher nicht wahr, oder sie haben meine Existenz ausgelöscht. Manche sicherlich auch bewusst, wie ich auch die Existenz mancher Menschen ausgelöscht habe. Und ich erkenne sie dennoch - und wahrscheinlich zuckt mein Augenlied.

Nein, das stimmt nicht. An manche Menschen erinnert man sich nicht mehr. Wieder an andere erinnert man sich sehr wohl und sehr gut, aber man will sich vielleicht nicht erinnern. Vielleicht weil es peinlich ist. Vielleicht weil es in einem anderen Leben war.  - Oder man will einfach so tun, als würde man sich nicht erinnern, vielleicht um Fragen aus dem Weg zu gehen, vielleicht um grad nicht zu sagen, wie es einem geht. Vielleicht um Peinlichkeiten aus dem Weg zu gehen.

Aber sind wir mal ehrlich. Alles davon fragwürdig. Gegen erstes kann man nichts machen und die Frage "warum" darf gerne in der persönlichen Psychotherapie beantwortet werden. Tatsache ist, wahrscheinlich deshalb, weil der andere so belanglos für das eigene Leben war, dass man sich nicht mehr erinnert. Das ist natürlich bitter für denjenigen, der sich umgekehrt sehr wohl erinnert.

Und es ist immer die Frage, welche Konstellationen aufeinander treffen, wenn zwei Menschen, die sich mal gekannt haben, sich gegenüber stehen und sich nicht kennen. Und ja, ich hab es selbst so oft gemacht, dass ich die zuckende Augenbraue von jemanden ignoriert habe, und weitergegangen bin. Und jeder einzelne Moment davon tat und tut mir leid.

Und es muss ja auch nicht immer das große "Hallooo" sein, manchmal langt ein Lächeln, ein Nicken im Vorübergehen. Manchmal sind es ein paar belanglose Worte. Selten ist es die Wiederbelebung einer vergangen Freundschaft.

Was sich alles nicht nur auf die kleine Stadt und die alte Heimat bezieht.... Aber es ist verstärkt das Zusammentreffen mit lang vergangener Vergangenheit. Und von mir aus ein großes '"Hallooo", weil Vergangenheit, du gehörst zu mir. Fast alles davon. Außer die Teile, die ich bestreite, dass es sie gegeben habe. Und die Teile, die ich vergessen habe. Oder vergessen möchte.


Zum Valentinstag

Wann hat das eigentlich so überhand genommen, die Geschichte mit dem 14. Februar? Valentinstag wird ja inzwischen fast mehr beworben wie Muttertag. Kaufen Sie! Nicht nur Blumen! Weihnachten ist ja schon sechs Wochen her. Und gehen Sie groß zum Essen. Es gibt ja nichts romantischeres als in einem überfüllten Lokal zu sitzen mit lauter anderen Paaren, die, gestresst von der Woche, am liebsten auf dem heimischen Sofa rumlungern würden, aber sich in Schale geschmissen haben, denn schließlich ist Valentinstag. Wir haben alle definitiv zu viele US-Serien gesehen.

Ich habe mir, wie jedes Jahr, heute meine Blumen selbst gekauft. Weil, ich find das ja alles doof. Und wie jedes Jahr bin ich ein klein bisschen beleidigt, weil ich keine Blumen bekomme.


Frohes neues!

Der Jahreswechsel wird von Jahr zu Jahr unaufgeregter. Ein Jahresendspaziergang bei strahlendem Sonnenschein, ein gemütlicher Abend bei Kerzenschein. Erstaunlich wenig geknaller um Mitternacht. Und das neue Jahr begrüßt einen wiederum mit Sonne. So bin ich entspannt nach 2014 gekommen.

PicMonkey Collage_neujahr2014

Möge es für uns alle ein gutes Jahr werden!


Vor einem Jahr - Rückblick II

Eigentlich müsste man ein Buch darüber schreiben: Wie finde ich eine Wohnung in München. Es wäre ein Verkaufsschlager - aber man würde damit dennoch keine Wohnung finden. Heute noch weniger als die letzten Jahre. Ich hab ja irgendwann aufgehört darüber zu schreiben, weil ich niemanden langweilen wollte und weil die ganze Welt (inklusive meine Leser und alle Münchner Makler) wohl gemeint hat: die Frau hat halt ein Hobby, das heißt Wohnungen besichtigen und so tun als suche sie eine.

Das stimmte nicht. Ich gebe zu, der Anspruch war hoch und dann hat die ganze Welt (inklusive meine Leser und alle Münchner Makler) gesagt: Frau B. spinnt. Oder auch: "Sie wohnen wohl schön". Letzteres hat gestimmt - zumindest ganz subjektiv. Das war dann auch der Punkt, an dem ich für lange Zeit die Lust verloren hatte, zu suchen - und erst, als ich wieder (ernsthaft!) gesucht habe, wurde es auch was.

Also, hier meine Tipps zur Wohnungssuche. Die funktionieren dann, wenn Sie ohne Not suchen.

1. Visualisieren Sie Ihr Wohnumfeld. So exakt wie möglich. Haus oder Wohnung? Innenstadt oder Stadtrand? Garten? Altbau oder Neubau? Deckenhöhe (war mir immer wichtig)? Kamin? Offene oder geschlossene Küche? Wichtig an dem Punkt sind: was lässt sich verändern, was nicht. Aus einem 80er Jahre Bau lässt sich einfach mal kein Jahrhundertwende Stilaltbau schaffen.

2. Wo? Das war der Punkt, an dem ich lernfähig werden musste. Im Prinzip haben fast alle Viertel schöne und scheußliche Ecken. Also wenn man sich auf ein bestimmtes Viertel einschießt, muss man möglicherweise an der Wohnung selbst Abstriche machen. Will man das nicht, kommt man nicht drumrum, seinen Horizont etwas zu erweitern. Ich für meinen Teil hab es ab einem gewissen Punkt so definiert: ich will in einer Straße mit Bäumen wohnen, ich will eine Zone 30 vor der Tür und ich will alles mit dem Rad erreichen können. - Damit hab ich das zwar immer noch sehr eingeschränkt, aber der Radius war schon weiter als "ich will im Ruffini-Karree" wohnen.

3. Was mich zum fast entscheidenden Punkt führt: Bleiben Sie realistisch. Gilt vorallem für die Preisfrage. Ich hätte ja auch gern das Haus in Gern visualisiert. Aber. Ich mein, das kann man auch visualisieren - wenn man einen sehr langen Atem hat und auf einen Lottogewinn hofft oder auf die Erbtante - und bis dahin nicht unglücklich ist, da wo man ist. Auf der anderen Seite

4. Eierlegende Wollmilchsäue gibt es. Wenn Sie dran glauben, lassen Sie sich von Makler nicht das Gegenteil einreden. Also: Visualisieren, Realitätscheck machen (incl. Finanzceck) - dann suchen. Und genau danach. Was scheinbar toll ist, muss es für einen persönlich noch lange nicht sein. Ich finde es ganz faszinierend, wie glücklich die Menschen, die ich die letzten Jahre auf ihrer Suche begleitet habe, heute in ihrem Wohnumfeld sind. Jedes ist anders. Ich finde jedes einzelne großartig - und möchte gleichzeitig mit keinem tauschen.

5. Überlegen Sie sich ganz genau, wo Sie Abtriche machen würden und welche Punkte unverhandelbar sind. Und dann bleiben Sie dabei. Man kann das ja im Laufe der Suche nochmal überprüfen.

6. Mundpropaganda ist überschätzt. Glauben Sie wirklich, dass die Bäckereiverkäuferin sich ernsthaft dafür interessiert, dass Sie eine neue Bleibe suchen? Mundpropaganda funktioniert genau, wenn man den Menschen wirklich gut kennt. Oder auf dem Dorf. Und in München muss die Bäckereiverkäuferin die Bäckereibesitzerin sein, der das Haus seit Generationen gehört. Dann weiß sie auch vielleicht was.

7. Seien Sie überzeugend. Das war mit der Punkt, der mir am meisten Bauschmerzen bereitet hat. Überzeugend heißt ja: ich will und ich kann es mir leisten. Da haben ja Dampfplauderer und geleaste Porschefahrer immer gute Karten. Im Gegensatz zu Frauen, die allein auf dem Fahrrad zu einer Wohnungsbesichtigung kommen. Also wenn Sie es einrichten können: machen Sie schon die Erstbesichtigung zu zweit - das ist immer überzeugender. Schreiben Sie die Mails vom Firmenaccount. Und fallen Sie in irgendeiner Form positiv auf.

8. Treten Sie dummen Maklern auch mal auf die Füße. Tun Sie es nicht bei guten, die sind ihr Geld wert - und einen guten erkennt man überraschend schnell. Leider eine seltene Spezies.

9. Wenn Sie Bauchschmerzen bekommen, lassen Sie es bleiben.

Ich persönlich habe ja zu Nikolaus 2012 meine persönliche eierlegende Wollmilchsau besichtigt. Mit einem guten Makler, bei dem ich auch ohne männliche Begleitung bei der Erstbesichtigung punkten konnte. Ich habe kein einziges Mal schlecht geschlafen. Und kann Ihnen sagen: Nikolaus ist ein guter Mann. Aber nehmen Sie sich vorm Krampus in Acht.


Vor einem Jahr - Rückblick I

Für Jahrerückblicke ist es eigentlich noch zu früh... Aber das letzte Jahr fing für mich tatsächlich noch vor dem Kalenderwechsel an. Also Zeit für einen Rückblick: Es ist etwas mehr als ein Jahr her, als Herr Buddenbohm eine Welle in den Blogs lostrat auf die Frage, ob ein Platz jenseits seines Viertels lebenswert sei. Er war (und ist??) auf Wohnungssuche. Wir waren das zu diesem Zeitpunkt auch. Und bei der Liebeserklärung, die ich damals an mein Stadtviertel schrieb, war mir eigentlich schon klar, dass unsere gemeinsame Zeit vielleicht schon bald vorbei sein würde.

Wenn ich ehrlich bin, lag mir ganz besonders viel daran, dass möglichst viele Münchner mitschreiben würden, um zu sehen, ob auch andere Viertel als die, die ich eh schon in Betracht gezogen hatte, in Betracht kämen. Um die Frage zu beantworten: Nein. Jedenfalls für uns nicht - und jeder hat andere Prioritäten und ich hatte mich schon lange mit den Verschiedenheiten der Viertel beschäftigt.

Mein München ist jedenfalls seit ein paar Monaten ein anderes. Ich kann darüber noch nicht in der Ausführlichkeit schreiben wie über mein altes, dazu kenn ich es noch nicht genug. Aber mein München ist heute Schwabing. Genau gesagt "Neuschwabing" - das neu bezieht sich auf einen Status um 1900 und bezieht sich auf die Gegend nördlich der Maxvorstadt bis hin zum Luitpoldpark. Es ist ein geplantes Viertel, aber vor dem Franzosenviertel und der Isarvorstadt geplant, also zu einer Zeit als die Bevölkerung noch nicht so stark in München angestiegen war. Was bedeutet: großzügiger geplant. Die Straßen relativ breit mit Alleecharakter, Plätze und je weiter im Zentrum des Viertels auch so großzüger die Wohnungen.

Die Mischung ist hier auch sehr unterschiedlich: zwischen großherrschaftlich und Genossenschaft ist alles vorhanden, zwischen "saniert und sauteuer" und "außen hui und Klo auf dem Gang", zwischen "schon immer hier" und "zugezogen". Es ist eine spannende Mischung und das erstaunlichste ist wohl, dass es ein sehr friedliches nebeneinander ist.

Vielleicht liegt es daran, dass die Hype-Zeiten von Schwabing-West, wie es heute heißt, schon lange vorbei sind. Also wer hier lebt, lebt halt. Und das nicht schlecht. So zwischen Englischer Garten und Luitpoldpark, der vor allem deshalb zu toll ist, weil er ein echter Vorgarten der Anwohner ist, während sich im Englischen Garten und im Nyphenburger Park halb München und der Rest der Welt auf die Füße treten.

Was mich nach wie vor fasziniert ist die Nähe. Also zu allem. Auch zur Innenstadt. Auch wenn ich glaube, dass es vom Radius her keinen großen Unterschied macht - wir sind einfach von Neuhausen aus Richtung Osten gezogen und wohnen jetzt nicht nordwestlich sondern nörlich des Marienplatzes. Aber speziell im Sommer ist es näher. Man radelt durch die Stadt in die Stadt. Man ist in der Stadt.

Außerdem ist hier eh alles. Und nach wie vor viel zu entdecken. Also Fortsetzung folgt...


Wahlpause

Jetzt bin ich ja eigentlich ein sehr politischer Mensch. Wenngleich diese Seiten weitgehend unpolitisch sind - ich lasse mich halt ungern vor irgendeinen Karren spannen und kann jemanden sowohl gut finden wie auch schlecht. Berufskrankheit. Und deswegen muss ich auch nicht jedes Wahlduell kommentieren. Jedenfalls nicht öffentlich. Deswegen muss ich auch keine Wahltage kommentieren. Und keinen Wahlausgang. Jedenfalls nicht im Netz. Und wenn ich es dann doch muss, dann wird man es lesen. Und so reagiere ich, wie ich immer reagiere, wenn mich was sehr beschäftigt, was ich aber nicht öffentlich kundtun möchte, ich halte die Klappe...

Zu einem allerdings möchte ich sie nicht halten: Ich war und bin sehr stolz darauf, in einem Land zu leben, in dem eine Frau Regierungschefin ist. In dem ein Schwuler Außenminister ist. In dem ein Vizekanzler einen Migrationshintergrund hat. Und in dem ein Finanzminister im Rollstuhl sitzt. Und dass wir grundsätzlich über Themen streiten und nicht über den Menschen an sich.

Es wird seit Jahren viel über Diversity geprochen. Der Idealzustand ist, wenn es kein Thema mehr ist. Und wenn, wie jetzt im Wahlendspurt, diese Themen zum Thema gemacht werden, ist es für mich ein Armutszeugnis. Denn es gibt genug Sachthemen, über die man streiten kann. Das ist ja Politik. Das ist ja Demokratie. Meinungen. Verschiedene. Und man darf sich offen darüber äußern. Ich finde unser politisches Sytem großartig. Und die Entscheidung, sich über manches nicht ganz öffentlich (also im Netz) zu äußern, ist eine persönliche, keine bedingte.

Ich für meinen Teil habe Entscheidung getroffen. Geht wählen! Es gibt ja in Deutschland glücklicherweise keine Wahlpflicht, aber vielleicht eine moralische Verpflichtung. Und es gibt es eine Wahlfreiheit. Und das ist ein hohes Gut.

Und ich persönlich habe die Nase voll von dem Gemotze. Und außerdem reagiere ich ganz allergisch darauf, wenn Wahlkampf nicht von Sachthemen bestimmt wird, sondern unter Niveau stattfindet. Und ehe ich jetzt darüber mich auslasse, welche Geschenk es ist, seit so vielen Jahrzehnten in Frieden und Freiheit zu leben, höre ich jetzt auf...

Und wir lesen uns mit netten Geschichten aus München wieder...

 


Warm und weich

Ich mag das weiche Licht der Spätsommertage. Vielleicht ist es tatsächlich das Licht, das mich am Hochsommer stört. Es ist gleißend. Jetzt ist es weich und im Herbst wird es warm. Dann wenn die Tage kälter werden. Ich habe dieses Jahr so gut wie gar nicht fotografiert, aber vielleicht, wenn das Licht wieder weicher und wärmer wird. Noch bin ich beschäftigt zu schauen, ohne Kamera vor dem Auge. Nur Schauen.

Abschied nehmen

Was ich vermissen werde sind teilweise ganz absurde Dinge: Ich werde dieses langgestreckte Altbauklo vermissen, von dem jeder immer gesagt hat "was für ein verschwendeter Raum". Ich werde das großzügige helle Treppenhaus vermissen in seiner Verschwendung von Platz. Und das rote Haus, das mich immer an Pippi Langstrumpf erinnert hat und das ich im Winter aus dem Arbeitszimmerfenster aus gesehen habe. Abgehen wird mir auch die großzügige Kammer gleich neben der Küche, wieder mal so ein Punkt von Platzverschwendung.

Ich werde die Nähe zum Ruffini vermissen und die Nähe zum Nymphenburger Kanal. Auch die zum Taxisgarten, auch wenn ich nie verstanden habe, was die Leute an den Spare Ribs dort finden. Und Sommerabende im Romans, wo man danach einfach mal zu Fuß heimgeht.

Und wenn auch in Zukunft ALLES ums Eck sein wird, so viele gute Bäcker auf einem Fleck gibt es glaub ich nirgendwo sonst in München. Aber darüber wird zu berichten sein.

Vermissen werde ich den ein oder anderen aus dem Haus. Doch meine Lieblingsnachbarn werden hier auch nicht mehr lange wohnen. Das scheint das Schicksal dieses Hauses zu sein. Für viele ist es nur eine Übergangslösung. Für uns war es lange Zeit Zuhause.


Wintertage

Das neue Jahr mitten im Winter beginnen zu lassen ist ja eine bescheuerte Idee. So ein neues Jahr beginnt im Frühjahr. Wenn alles wieder anfängt. Im Januar fängt gar nichts an. Was natürlich nicht stimmt, im Januar können ganz viele Dinge anfangen. Aber sie fangen an, weil es Zeit für sie ist. Sie fangen nicht an, weil jetzt ein neues Jahr gekommen ist. Aber vom Jetzt-Anfangen-Gefühl fängt im Januar gar nichts an, das Jetzt-Anfangen-Gefühl fängt im Frühjahr an. Wenn es knospet und blüht und die ersten Sonnenstrahlen wieder da sind. So ein Januar ist kalt und grau - und manchmal unter einer Decke aus Schnee, die für mich immer so ein bisschen den Finger erhebt und "PSST" sagt. Winter ist's.

Was vom Jahre übrig blieb...

Pläne machen ist das eine. Pläne in die Tat umsetzen das andere. Manchmal ist aber auch schon das machen schwierig.

Kinder machen Spaß. Ok, nicht immer. Aber häufig. Und ein glückliches Kind macht einen selbst glücklich. In 2012 nach langer langer Zeit wieder getan: Beim Wandern gesungen. Kinderkarusell gefahren. Auf der Wiesn Spaß gehabt.

Irland ist ein traumhaft schönes Land.

Berge machen glücklich. Immer wieder.

Südtirol ist Seelenfrieden.

Auf dem Weg nach Wien nicht in der Wachau und im Weinviertel zum Essen und Trinken zu halten ist schon fast eine Sünde.

Wien ist immer noch schön, aber ich weiß nicht mehr, ob ich noch zwingend dort leben müsste.

Freunde können Familie werden.

Unzufriedenheit ist leicht. Dankbarkeit das befriedigendere Gefühl.

So ein Jahr kann sich exorbitant steigern. Das muss der zusätzliche Tag gewesen sein...


Vorweihnachtlich

Aufgewacht und irritiert gewesen, dass heute nicht Weihnachten ist. Noch zwei Wochen unstaade Zeit. Dabei wurde es gestern so still mit der Schneedecke, die sich über München legte, die nach Punsch vor dem Kamin verlangte und Rückzug. Dabei war gestern abend Weihnachtsprogramm in der Staatsoper: Der Nussknacker. - So schön. Viele kleine Mädchen im Publikum, mit Balletttänzerinnen-Dutt. Ansonsten überraschend unelegant die Besucher, möglicherweise dem Wetter geschuldet. Danach aber seltsamerweise kein Pferdeschlitten vor der Tür, der mich in Pelz gehüllt in eine Villa mit prasselnden Feuer im Kamin und entzündeten Kerzen am Christbaum gebracht hätte. Aber es gibt ja auch keine Villa und Weihnachten ist auch noch nicht.

 

Aber bald. Der Weihnachtsbaum steht schon auf dem Balkon. Die Weihnachtssterne in den Zimmern. Der Adventskranz auf dem Tisch. Die allerersten Plätzchen sind gebacken. Damit ein bisschen Stimmung aufkommt. So muss es sein. Und Weihnachten dann kehrt Ruhe ein.

Update und Hinweis: Am 13. Dezember gibt es die Aufführung als Live-Stream aus der Staatsoper.


All Hallows' Eve

Ich beginne ja altersmilde zu werden. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Eigentlich habe ich mich immer als boshafte Alte gesehen, die keifend auf ihren Stock gestützt, sich und anderen das Leben schwer macht. Also dieses Bild schwindet langsam und macht einem entspannten Schaukelstuhlbild Platz. Damit tue wahrscheinlich nicht nur der Welt, sondern vor allem mir selbst einen Gefallen. Und einen wesentlichen Schritt zu Altersmilde habe ich jetzt gemacht, ist mir aufgefallen. Ich habe kein Bedürfnis mehr über Halloween zu keifen. Sollen sich sich doch verkleiden und um die Blöcke ziehen die Kinder.

Allerheiligen war ja auch so als Kind gruselig. Da auf dem Friedhof mit viel Weihrauch, kalt war's und zugig (in der Erinnerung war das Wetter Allerheiligen nie schön). Der neue Pelz wurde ausgeführt, was in den 70ern durchaus noch in Ordnung war. Also wurde der soziale Status festgesteckt und wer wo welche Rolle zu spielen hatte großfamiliär gesehen. - Ich war schon lange nicht mehr am Grab an Allerheiligen. Auch wenn ich es machen würde, weil ich mich irgendwie unwohl fühle, jedes Jahr wieder, weil das Grab verwaist ist an diesem Tag.

Wie auch immer: es braucht keinen Friedhof, sich zu erinnern. Manchmal hilft's. Manchmal hilft es aber auch sich zu verkleiden. Und was spricht dagegen, beides zu machen?

Ich sag's ja - ich werd altersmilde.


Ausflugsverführung

Man muss Dinge ja nur richtig zu übersetzen wissen. Das ist das A und O einer Beziehung. "Eis!!!!!!" als Begrüßung heißt nichts anderes als "oh wie schön liebe Tante, dass du da bist, ich hab dich schon vermisst" - was eh viel zu lang und zu kompliziert für eine noch nicht einmal Zweijährige ist. "EIS!!!!!!!!!!!" heißt auch so viel wie: "Liebe Tante, machst du mit mir einen Ausflug?" - und: "Du hast doch nicht im Ernst vor, dich mit Mama zu unterhalten/hinzusetzten/Kaffee zu trinken - schwing gefälligst deinen Arsch vor die Tür und geh mit mir Eis essen..."

Wer meint, Eis essen zu gehen sei so ein Zwischendrin-Ding, ist natürlich auch der Kinderlosen-Erwachsen-Denke aufgesessen. Eis essen gehen ist eine wunderbare Beschäftigung, um die Zeit zwischen Mittagsschlaf und Abendessen zu überbrücken. Wer meint, mit Mini-Kindern einen Ausflug unternehmen zu wollen, nehme sich ein etwa zehn Minuten entferntes Ziel - und hat eine Beschäftigung für die nächsten drei Stunden. Vorrausgesetzt, es sind Treppen, Steine, Bäume zum Verstecken, Pfützen auf dem Weg. Ein Supermarkt mit Einkaufswagen ist auch nicht schlecht und Geschäftsregale zum Ausräumen sowieso.

Macht: drei Stunden, zwei Trotzanfälle, ein Schokoladeneis. Ist gleich: ein dreckiges, glückliches Kind. Es ist alles eine Frage der Kommunikation. Man muss in Beziehungen die Wort nur richtig zu deuten wissen. Dann gibt's am Ende auch ein Schokobussi.


Liebe Tante RatgeberRuth,

was soll ich nur tun? Eine andere Frau begehrt meinen Mann. Sie himmelt ihn offen an vor meinen Augen. Spricht ununterbrochen von ihm. Selbst das Eis sieht sie verträumt an, weil es seine Lieblingseissorte ist. Und offen äußert sie das Begehr, die Nacht mit ihm im selben Bett zu verbringen! Meine Konkurrentin ist klein und zart und weckt den Beschützerinstinkt. Sie ist eloquent und kann auch sehr bestimmend sein. Eine facettenreiche Persönlichkeit. Man kann Spaß mit ihr haben und sie bringt frischen Wind ins Leben. Man muss sich in sie verlieben. Wie soll ich dagegen bestehen? Vorallem: sie ist mit ihren 20 Monaten so viel jünger als ich. Liebe Tante RatgeberRuth, ich bin verzweifelt, denn mir ist klar, ich habe keine Chance.


Und der Haifisch...

Mit Zügen und Schiffen können wir noch nicht aufwarten. Besonders letzteres wird in München eh schwer. Aber vom Kinderwagen aus lassen sich großartig Clowns und Haifische bestaunen. Man achtet ja als Erwachsener gar nicht darauf, was es alles in der Stadt so gibt. Haifische mitten in München! Da mussten wir doch gleich statt "alle meine Entchen" die Moritat von Macki Messer singen. Wie es zu dem Grundkurs über Machiavelli kam, erschließt sich im Rückblick nicht mehr wirklich. Aber piccola principessa lauschte interessiert. Mit Bildung kann man eben nicht früh genug beginnen. Nächsten Sonntag nehmen wir dann "Nathan der Weise" von Lessing durch.

Und Sie haben mich schon für eine Glitzer-Glamour-Duz-Duz-Tante gehalten...


Si Sie!

Das Gefühl, älter zu werden. Dafür gibt es gewisse Anzeichen. Sicherlich gehört das erste graue Haar dazu. Sicherlich auch die Erkenntnis, dass frühes aufstehen auch früheres zu Bett gehen einfordert. Im Laufe der Jahre werden auch am Wochenende Tage wichtiger als Nächte. Wenige Menschen mehr als viele Menschen. Man erkennt, dass alles seinen Preis hat - das eine materiell, das andere ideel. Umsonst gibt es wenig, aber vieles ist es, was man tut. Viele dieser Dinge sind wahrscheinlich sehr individuell: manch einer ist glücklich, dass das Alter endlich zulässt, die jugendlichen Partynächte ad acta zu legen. Und ein anderer kann sich nie so wirklich mit dem Tageslicht anfreunden. Aber eine Erwachsenenerfahrung teilen wir alle: Wir sind irgendwann mal "Sie". Und ich spreche nicht vom Berufsleben-Sie. Ich spreche vom privaten Sie. Das ganz klare Anzeichen vom Abschied von der Jugend gibt diesselbe. Die Jugend, die man selbst noch aus Verbundenheit duzt, duzt beileibe nicht zurück, sondern siezt. Beharrlich. Und findet es normal. Das ist ganz klar das Signal: Man hat das Alter der Lehrer erreicht. Und da kann man noch so jugendlich daherkommen - das Gespür für diese Schwelle ist auf der anderen Seite extrem ausgeprägt. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen erging - für mich war das ein Schlag in die Magengrube. Der zeitlich auch irgendwie mit dem ersten grauen Haar zusammenhing und fast eine Art erste Midlife-Crisis auslöste. Die anderen Sies gingen schleichender. Es ist die Kellnerin, die nicht mehr automatisch duzt. Es sind Menschen im Lokal, die man beim Smalltalk siezt. Irgendwann mal ziehen auch neue Nachbarn ein, bei denen man sich noch freundlich mit Vornamen vorstellt, und die einen dann beharrlich freundlich zurücksiezen. Was am Charakter liegen kann oder auch daran, dass sie einen nicht in dieselbe Altersgruppe einordnen sondern halt eben älter. Halt eben älter. Und irgendwann, man ist gerade dabei, sich an diese SIE-tuation zu gewöhnen, kreuzt ein junger Mensch deinen Weg drei Sätze lang. Und duzt dich. Freundlich, offen, selbstverständlich. Und du wirst gleich wieder jünger dabei.

Und die Nachbarn, die duze ich weiterhin. Ebenso beharrlich.


Wir sind so III

Und schuld daran sind gewissenlose Tanten. Wahrscheinlich habe ich das süßeste Baby der Welt von Grund auf verdorben. Vielleicht aber auch sind Babygirls von ihrer Natur aus so. Das würde mich jetzt freisprechen. Tatsache ist, ohne nachzudenken über etwaige Folgen, verbrachte das süßeste Baby der Welt einen Nachmittag mitten im Herzen von Bugaboo-Country - also zwischen Maximilianstraße und den fünf Höfen. Also dem Paradies für große Mädchen. Kleinen Mädchen ist das ja noch alles sehr egal. Möchte man meinen. Wobei auch schon in diesem Alter der ein oder andere Blick riskiert wird: Männern in rosa Polo-Hemden zum Beispiel wird offen nachgestarrt. Und die Aufmerksamkeit im Café wird wirkungsvoll doch fallenlassen von Gegenständen auf sich gezogen. Kein Wunder, dass auch erwachsene Frauen zu diesen Mitteln greifen. Immerhin robben wir nicht zu dem Objekt unserer Begierde. Alles in allem ein ganz normaler Nachmittag mitten im Herzen von Bugaboo-Country. Noch mit der Feststellung, dass Mode ein Babygirl noch ziemlich langweilt. Und wieso Mami fünf verschiedene Kleider anzieht, wenn sie doch nicht vollgekotzt wurde, ist wahrscheinlich mehr als unverständlich. Aber mitten im Paradies für große Mädchen liegt ein Paradies für kleine Mädchen. Ein Paradies, in dem es glitzert und funkelt. Und noch ehe Babygirl im Streichelzoo war, wo es ja auch nicht glitzert und funkelt, war sie im Baby-Blue-Shop. Und fand es himmlisch. Und nun bleibt nur zu hoffen, dass nicht Begehrlichkeiten geweckt wurden, die vorher noch nicht da waren.

Wir sind auch so und so.


Endlich Prinzessin

Natürlich habe ich als Kind Prinzessin gespielt. Was Mütter in den 70ern übrigens gar nicht so schlimm fanden. Erwachsene Frauen tun sich da schon schwerer. Es gibt nun Frauen, die an ihren kleinen Mädchen ihre Prinzessinnen-Phantasien ausleben - Frauen, die ich kenne, natürlich nur reflektiert. Kinderlose Frauen tun sich da noch schwerer und können das ganze Theater nur ablehnen oder heimlich bei der 1000. Sissi-Wiederholung heulen.

Ich gehöre zu letzteren. Wobei, es kommt darauf an, in welchem intellektuell relevanten Stadium ich mich befinde, ob ich mir das überhaupt anschaue: PMS? Depri-Phase? Lange nicht mehr geheult? Aber um Sissi geht's ja gar nicht. Ich wollte nur klarmachen, dass ich an der ein oder anderen Stelle durchaus empfänglich bin... Umso mehr freut es mich, Ihnen mitteilen zu können, dass ich mich durchaus in die Riege der modernen Prinzessinnen einreihen darf: Nicht nur mein alter Golf ist ein wahrhaft königliches Fahrzeug - royal blue, Baujahr 2001. Ich bin auch nicht so vermessen, dass ich ein Gebot von 48.000 Pfund ablehnen würde. Gut, ich bin jetzt nicht Kate. Aber...

...so ähnlich. Ich würde sie an Mary von Dänemark erinnern, sagte jemand zu mir. Also ich kontaktiere demnächst ihren Diät-Koch, ihre Modeberaterin, ihren Frisör - und wenn man mir noch das entsprechende Budget zur Verfügung stellt, schauen wir mal, ob ich als Zwillingsschwester der dänischen Prinzessin durchgehe. So lebt man Kleinmädchenträume aus. Aber ihre vier Kinder kann sie behalten...


Meine Mutter, Sauce Hollandaise und ich

Es war die perfekte Hollandaise. Soviel fürs Protokoll und als Resümee der Spargelsaison 2011. Dummerweise weiß niemand davon. Außer mir - und ich kann Ihnen ja alles erzählen. Und dem Begleiter - und dem könnte man mangelnde Objektivität ob meiner Kochkünste unterstellen. Das entscheidende: wer davon nichts weiß, ist meine Mutter. Und damit ist diese perfekte Hollandaise quasi nie gelungen. Denn zwischen meiner Mutter und mir ist die Sauce Hollandaise ein immerwährendes Missverständnis. Welches vor vielen Jahren begann.

Damals, meine Eltern kamen zum Spargelessen. Es war vor der Zeit, als mein Vater sich umständehalber bedingt von mir das ein oder andere Mal zwangsbekochen lassen musste - und entsprechend misstrauisch war er. Ist er noch heute, wenn ich in der Küche bin, aber das liegt in der Natur der Dinge. Es gab also Spargel. Damals ohne Hollandaise, denn ich konnte keine Hollandaise und Tüten kamen mir schon damals nicht ins Haus. Und so Butter zum Spargel ist auch schön. Fand meine Mutter nicht und wedelte mit einer von ihr mitgebrachten (!) Convenience Hollandaise-Tüte vor meiner Nase - in meiner nicht allzu großen Küche - während ich die geschmolzene Butter im Töpfchen gerade ins Esszimmer tragen wollte... Es kam, wie es kommen musste und war der Beweis, dass eine Küche einfach zu klein für zwei erwachsene Frauen ist, die miteinander verwandt sind. Und mit so einem geschmolzenen Viertelpfund Butter kann man eine Altbautreppe vom Erdgeschoss bis zum 4. Stock zum Glänzen bringen. Das war damals. Und was blieb, war die Erkenntnis, dass eine Küche, egal wie groß sie ist, für uns beide immer zu klein sein wird.

Viele Jahre ist es her. Dazwischen lernte ich kochen. Und inzwischen gibt es auch bei mir zum Spargel eine Hollandaise. Und so in diesem Frühjahr dachte ich mir, ich beglücke meine Eltern mal wieder mit Spargel. Und Hollandaise. Und was passierte? Sie geronn. Das war seit Jahren nicht mehr passiert. Aber sie war eine Zumutung. Und die perfekte Hollandaise entstand ein paar Wochen später ganz unaufgeregt ohne Publikum in meiner Küche. Und keiner weiß es. Und meine Eltern winken in Zukunft wahrscheinlich ab, wenn ich zum Spargelessen einlade.