Früher, ja früher haben wir uns abgesprochen. Schon Tage vor einem Fest, das wir damals Party nannten und was ganz wichtig und elementar war, galt es die Frage zu klären: was ziehst denn du an? Man wollte ja auffallen, aber um Himmels willen nicht zu sehr. Als einzige einen Rock zu tragen, während alle Freundinnen in Jeans aufkreuzen würden - der Abend wäre gelaufen, schon zu Beginn. Und wehe, die beste Freundin hielt sich nicht an die Absprache, was natürlich immer wieder vorkam, denn die Loyaliät in Mädchenfreundschaften ist ein fragiles Gut. Das konnte durchaus für freundschaftliche Verstimmung sorgen.
Das gibt es heute natürlich nicht mehr. Außer in Situationen, in denen der Dresscode sehr unklar ist. Die Frage, ob Jeans oder Abendkleid kann immer noch elementar sein. Dennoch es liegt was in der Luft. Eben jener Code. Nur so ist es zu erklären, dass wir immer wieder gemeinschaftlich handeln, gerade wenn wir glauben individuell zu sein. Von den mir näher bekannten Frauen würde sich jede dagegen wehren, sich Modediktaten zu unterwerfen. Dennoch kann es passieren und ist es passiert, dass auf einem Fest alle anwesenden Damen, inklusive mir, in einem grauen Rock erschienen. Glücklicherweise variierten Material, Oberteil und Schmuck etwas, sonst wäre die Frage im Raum gestanden, ob wir alle uns einer imaginären Uniform verschrieben hätten. Und vielleicht hätte sich ein rotes Kleid daneben auch heute noch deplaziert gefühlt. Aber nachdem sich im kollektiven Gedächtnis der graue Rock als doch etwas grau abgespeichert hat, griffen zu einem der folgenden Anlässe die Damen auffällig häufig zu einem bunten Kleid, inklusive mir. Da ist mal unter Glück abzuspeichern, dass es doch unterschiedliche Kleider waren - was sonst noch viel peinlicher als der Gemeinschaftsrock gewesen wäre.
Anscheinend gibt es ihn tatsächlich den Code. Manchmal ausgesprochen: Black tie. Casual. Tracht. Manchmal unausgesprochen.
Nein, die Frauen, die ich kenne, haben sich nicht vorher abgesprochen, aber plötzlich fuhren sie alle ein Mini Cabrio. Auch Heirats-, Umzugs- und Schwangerschaftswellen entstehen scheinbar aus dem Nichts. Und da stellt sich dann heraus, und dass ist noch schlimmer als zum selben Partykleid zu greifen, alle Eltern dem Muster folgend in der Krabbelgruppe feststellen, dass sie zum selben Namen gegriffen haben. Was ja schon unsere Eltern gemacht haben. Und so haben die Andrease und Michaele unserer Generation die Finne und Paule der nächsten erschaffen. Als hätten sie sich abgesprochen.
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