Plaudereien aus dem Nähkästchen

Meine Mutter, Sauce Hollandaise und ich

Es war die perfekte Hollandaise. Soviel fürs Protokoll und als Resümee der Spargelsaison 2011. Dummerweise weiß niemand davon. Außer mir - und ich kann Ihnen ja alles erzählen. Und dem Begleiter - und dem könnte man mangelnde Objektivität ob meiner Kochkünste unterstellen. Das entscheidende: wer davon nichts weiß, ist meine Mutter. Und damit ist diese perfekte Hollandaise quasi nie gelungen. Denn zwischen meiner Mutter und mir ist die Sauce Hollandaise ein immerwährendes Missverständnis. Welches vor vielen Jahren begann.

Damals, meine Eltern kamen zum Spargelessen. Es war vor der Zeit, als mein Vater sich umständehalber bedingt von mir das ein oder andere Mal zwangsbekochen lassen musste - und entsprechend misstrauisch war er. Ist er noch heute, wenn ich in der Küche bin, aber das liegt in der Natur der Dinge. Es gab also Spargel. Damals ohne Hollandaise, denn ich konnte keine Hollandaise und Tüten kamen mir schon damals nicht ins Haus. Und so Butter zum Spargel ist auch schön. Fand meine Mutter nicht und wedelte mit einer von ihr mitgebrachten (!) Convenience Hollandaise-Tüte vor meiner Nase - in meiner nicht allzu großen Küche - während ich die geschmolzene Butter im Töpfchen gerade ins Esszimmer tragen wollte... Es kam, wie es kommen musste und war der Beweis, dass eine Küche einfach zu klein für zwei erwachsene Frauen ist, die miteinander verwandt sind. Und mit so einem geschmolzenen Viertelpfund Butter kann man eine Altbautreppe vom Erdgeschoss bis zum 4. Stock zum Glänzen bringen. Das war damals. Und was blieb, war die Erkenntnis, dass eine Küche, egal wie groß sie ist, für uns beide immer zu klein sein wird.

Viele Jahre ist es her. Dazwischen lernte ich kochen. Und inzwischen gibt es auch bei mir zum Spargel eine Hollandaise. Und so in diesem Frühjahr dachte ich mir, ich beglücke meine Eltern mal wieder mit Spargel. Und Hollandaise. Und was passierte? Sie geronn. Das war seit Jahren nicht mehr passiert. Aber sie war eine Zumutung. Und die perfekte Hollandaise entstand ein paar Wochen später ganz unaufgeregt ohne Publikum in meiner Küche. Und keiner weiß es. Und meine Eltern winken in Zukunft wahrscheinlich ab, wenn ich zum Spargelessen einlade.

Wir sind so II

Was uns offensichtlich auch in die Wiege gelegt wurde, ist unsere Begeisterung für schöne Dinge. Schon so ein Baby kann Modeschmuck von echtem unterscheiden. So zeigt das süßeste Baby der Welt eine große Faszination für Mamis Perlenkette. Auch Uhren sind großartig - aber nur die ab einer gewissen Preisklasse. Die billigen würdigt sie keines Blickes. Gleiches gilt für Armbänder oder Ringe. Wer wissen will, wie man bei Babygirls ankommt, muss sich nur die Schwabinger Mamis anschauen, die nach Schulschluss im Akademieviertel mit Finn, Paul und Annalena Eis essen gehen. Und in deren Richtung ist von meiner Seite jetzt schon eine Entschuldigung fällig: Sie schmücken sich nur für ihre Kinder. Und damit haben sowohl kleine wie auch große Mädchen eine Freude. Juweliere und Uhrenhersteller sollten vielleicht anfangen, in Mama- und Baby-Magazinen Werbeanzeigen zu schalten.

Wir sind so

Es ist und bleibt die Frage des angeborenen und anerzogenen Verhaltens. Nun bin ich keine Sozialpädagogin, aber das Anschauungsmaterial um mich wird ständig mehr. Und dann sieht man, dass auch bei Eltern, die ihr Kind versuchen, geschlechtsneutral zu erziehen, die Mädchen zu Puppen und die Jungs zum Auto greifen. Wahrscheinlich laut 70er Jahre Feminismus liegt das am bösen Kindergarten. Wie auch das Faible für Rosa bei kleinen Mädchen, deren Mütter ganz sicher kein rosa tragen. Gehen wir also in die Vor-Kindergarten-Zeit. Und bleiben wir bei Kleidung. Ab einem gewissen Zeitpunkt lieben kleine Mädchen einkaufen. Nämlich dann, wenn sie die Großen imitieren. Sich schön machen wollen. Wobei das Putzen im Sinne von Rausputzen ist nicht spezifisch weiblich. Auch kleine Jungs können Tobsuchtsanfälle bekommen, wenn sie ein bestimmtes Kleidungsstück anziehen wollen und nicht dürfen. Allerdings nennen wir das anders. Und wahrscheinlich würden kleine Jungs ebenfalls mit Nagellack experimentieren, wenn nicht andere kleine Jungs im Kindergarten sagen würden, dass das total uncool und weibisch sei. Aber ich schweife ab. Der eigentliche Punkt: die Lust des Einkaufens ist definitiv keine angeborene. Die Frage ist nur, ab wann sie einsetzt. Wie ja auch der Flirt mit der Kamera sehr früh einsetzt - also das posieren. So kann ja auch das Schmücken-Wollen, das Haben-Wollen irgendwann mal einsetzen. Ich werde das beobachten. In meinem Leben gibt es nämlich seit einem halben Jahr neues Beobachtungsmaterial. Wir nennen es mal das süßeste Baby der Welt (kurz: dsBW) - soviel Objektivität sollten Patentanten haben. Also das süßeste Baby der Welt durfte mit shoppen gehen. Was dem süßesten Baby der Welt herzlich egal war. Doch dabei bot es Raum für eine interessante Beobachtung. Man meint ja immer als Nicht-Baby-Besitzer so ein kleines Wesen hätte nur eine Möglichkeit sich auszudrücken, besonders wenn es um Misswillen geht. Weit gefehlt. Ich sage ihnen, die Körperhaltung, der Gesichtsausdruck - gelangweilt, genervt - wie eine Große. Meine Herren, das ist der Beweis, Zickigkeit ist angeboren. Wir müssen dafür weder schreien noch toben - nur schauen. Sie kennen alle diesen Gesichtsausdruck. Und, als Generalabsolution für alle Frauen: Dieser Gesichtsausdruck wurde uns in die Wiege gelegt. Wir können nicht anders.

Mütterliche Metaebenen

Ein Satz ist ein Satz. Es sei denn er kommt von Mutter. In einer Mutter-Tochter-Beziehung bekommt das kommunikative Sender-Empfänger-Modell eine weitere Dimension. Die umso komplexer wird, je mehr Lebenszeit diese beiden Frauen miteinander verbracht haben. Das Problem beginnt schon in der Kindheit. Manchmal. Kann man aber beobachten. Mutter sagt: Möchtest du ...? Kind denkt: will ich nicht. Mutter meinte aber: Du sollst... Kind merk es dir, es wird dich dein Leben lang begleiten. Hier wird nämlich der Grundstein für ein immerwährendes Missverständnis gelegt. Dieser wird dann in der Pubertät einzemmentiert, wenn sich Mütter und Töchter eh nicht verstehen. Die Missverständnisse bleiben. Was danach neu ist, ist das Wissen um die Missverständnisse - jedenfalls aus töchterlicher Sicht. Das jahrzehntelange Brainwashing der Mütter zahlt sich irgendwann aus. Niemand versteht es mit nur einem Satz schlechtes Gewissen zu erzeugen wie Mütter. Denn mit jedem Satz schwingt jahrzehntelanges Wissen und Nicht-Wissen mit. Das ist die Metaebene, die man berücksichtigen sollte. Jedes "man" ist ein "DU". Und du bist du Tochter, logisch. Allein die Frage: hattet ihr ein schönes Wochenende? - kann eine Anklage sein. Muss nicht. Aber find das erst einmal raus. Nein, Mütter drücken Missbilligung selten offen aus. Aber sie haben eine ganze Reihe von Nuancen. Und wir Töchter versuchen zu ahnen. Ob ein Satz einfach nur ein Satz ist. "Wenn du wiederkommst, wird die Blutpflaume sicher schon verbüht sein." Sagte meine Mutter.

Erinnerung an kindliche Alpträume

Hab ich schon erwähnt, dass ich Fasching nicht mag? - Dieses Jahr noch nicht. Also ein verfrühter Hass-Content zu diesem Thema. Ich sage nur "Kinderfasching". Gibt's jetzt ernsthaft jemanden, der in Erinnerungen schwelgt und davon schwärmt, wie schön das war? Das muss eine verzerrte Erinnerung sein, denn nichts in der Kindheit ist mehr von Grausamkeit geprägt wie der Kinderfasching - elterliche Grausamkeit und kindliche Grausamkeit. Wir wurden in den 70er Jahren zu Schlümpfen und Pilzen dekoriert - und sahen entzückend aus und wollten aber lieber Indianer sein. Ganz frühkindlich tobten sich unsere Eltern einfach aus. Bis sie sich ein Stück weit dem Diktat beugten und die Jungs als Indianer gingen und die Mädchen... Jungs hatten es da einfach einfacher. Und während andere Mädchen einfach nur hübsch sein durften in ihren Kostümen, wurden meine alle von Mutter wintertauglich gemacht. Stiefel, Wollstrümpfe, Tütü, Anorak - was für ein Anblick. Ich weiß heute noch, wie ich mich gefühlt habe. Aber ich war nicht allein: die R. als Zigeunerin (das durfte man damals noch sagen) fiel viel zu sehr auf, als dass sie sich wohlgefühlt hätte - war ein tolles Kostüm. Oder das Jahr, in dem keiner dem C. sagte, dass Indianer nun out seien und er als einziger Häuptling bescheuert inmitten von Piraten saß. Er brauchte keine Schminke, sein Gesicht war den ganzen Tag rot.

Erkenntnis

Ich bin spießig. Nennen wir es doch einfach mal so wie es ist. Das mag Sie, lieber Leser, vielleicht wenig überraschen. Aber man selbst sieht sich doch gerne als weltoffenen toleranten Menschen. So als Idealtypus. Sagen wir einmal wie es ist, ich entspreche meinem Idealtypus nicht. Man kann seine Wurzeln nicht verleugnen. Ich bin Niederbayerin. Mit der dem Landstrich eigenen Engstirnigkeit. Zwar habe ich die niederbayerischen Grenzen überschritten, was mich innerhalb meiner Herkunftsgemeinde schon als Exotin kennzeichnet. Sie wissen scho - nach Minga auffi - das ist ein gesellschaftlicher Aufstieg, das ist eine Herausforderung. Das ist Oberbayern und damit Feindesland. Weil Ober sticht Unter und das ist der Minderwertigkeitskomplex des Niederbayern schlechthin. Jetzt komme ich ja aus der Stadt, die quasi der Eichel-Unter unter den Untern ist, also im Wenz der höchste Trumpf. Und die Karten für einen Wenz muss man erst einmal haben. A Sauspiel kann ja jeder. Also vielleicht ist ein Eichel-Unter als genetische Grundlage gar nicht mal so schlecht. Es soll Leute geben, die darauf setzen.

Noch ein Rückblick

Was vom Jahre übrig blieb...

...ist wohl auch die Frage, wie mobil müssen oder wollen wir sein. In unserem schneller höher weiter hat uns das Jahr 2010 teilweise ausgebremst. Ob Vulkanasche oder Schnee - viele sind einfach mal irgendwo gestrandet oder nicht weiter gekommen. Ich habe mir mehrmals die Frage gestellt: müssen wir jetzt wirklich von a nach b? Als es im Dezember so richtig schneite beschloss ich für mich nirgends hin zu müssen. Ich wollte weder Auto noch Zug fahren. Aber sind wir mal ehrlich: wer hat für diesen persönlichen Spleen von mir tatsächlich Verständnis? Einen Termin abzusagen, weil es schneit, ist Luxus. Da war es mit der Asche fast noch einfacher. Da ist erst gar kein Flugzeug geflogen - die Stille am Himmel war herrlich. Geschäftstermine wurden abgesagt - und siehe da, es ging auch per Telefon. Statt Flugreisen buchten Menschen um und machten Wellness-Urlaub im Rottal - und waren erholt wie selten zuvor. Und eine US-Kollegin schwärmt noch heute von der Woche Urlaub in Bayern, die ihr der Flugausfall bescherte. Wir müssen gar nicht so mobil sein, wie wir manchmal glauben. Vielleicht müssen wir stattdessen manchmal unser Leben einfach entschleunigen.


Adieu 2010!

Das Jahr verabschiedet sich leicht trüb. Nicht wirklich schlecht, aber sicherlich nicht sonnig. Das passt zu 2010. Bereit für die letzte Nacht des Jahres: der Champagner ist kalt gestellt, Weintrauben sind im Haus, Silvesterkrapfen ebenfalls, der italienische Silvesterbrauch kann zumindest auch nicht schaden - so bringen wir das alte Jahr nicht rauschend aber stilvoll hinter uns. Kommen Sie alle gut ins neue Jahr!


Der Freundeskaspar

Nein, meine Freunde teil ich nicht! - Der Freundeskaspar ist die moderne Version des Suppenkaspars. Oder die erwachsene. Erwachsen im Sinne - ein gewisses Alter erreicht habend. Erwachsen finde ich das nicht, aber den Typus Mensch, der auf Exklusivität besteht, ist gar nicht so selten. Das war schon in der Schule so: X war mit A befreundet und mit B. - dass zwischen A und B eine Freundschaft entstehen könnte, wurde unterbunden. Weil aber B. auch mit C befreundet war und X auch C nett fand, fand sie es völlig logisch, dass sie am Ende mit A, B und C befreundet war - und dafür C und B. nicht mehr so wirklich. Logisch oder?

Dieses Kindergarten-Spiel beherrschen manche Menschen bis zur Perfektion. Es sind diejenigen, die nie mehrere Menschen einladen - da würden sich Menschen ja kennenlernen. Es sind auch diejenigen, die, treffen sie zufällig einen Bekannten, wenn sie mit dir unterwegs sind, den Teufel tun, dich vorzustellen. Oder auch nur zu erzählen, mit wem sie sich treffen. Alles schön separieren. Das führt dann dazu, dass man auf Hochzeiten eingeladen ist und die Trauzeugin einer guten Freundin noch nie gesehen hat.

Es bleibt so ein schaler Beigeschmack bei sowas. So ein "was weiß ich eigentlich von dir, wenn ich nicht einmal weiß, wer in deinem Leben eine Rolle spielt?"... Aber dabei sind sie einfach vom Typus Freundeskaspar diese Menschen. Wobei ich allerdings fast glaube, dass sie mit ihrer Strategie wesentlich besser fahren als der Suppenkaspar.

Und dabei spreche ich nicht von Alleinstellungs-Freundinnnen, die es in jedem Frauenleben gibt. Aber bei diesen ist es so, dass man häufig zwar niemanden persönlich kennt, aber innerlich schon seit Jahren mit dem übrigen Bekanntenkreis höchst vertraut ist.


Vertrauensbrüche und Partnerschaftssuche

Vertrauen ist so eine Sache. Wem man nicht alles vertrauen muss... also abgesehen von seinem Partner, vetrraut man Freunden, aber auch seinem Arzt, weil man kann ja nicht anders. Ebenso wie seinem Frisör. Und das mit dem Vertrauen ist so eine Sache. Das macht man, man kann ja nicht anders - so lange bis es gestört ist..

Zu meinen Frisören pflegte ich bis jetzt eine sehr intensive und jeweils lange Beziehung - von gelegentlichen Fremdgehen abgesehen. S. hat mich verlassen, als er auswanderte. S2. hat mich auch verlassen, und als sie wieder zurückkam, war ich eine neue Beziehung eingegangen. Mit E. Die mich nach vielen Jahren auch verlassen hat. Man merkt schon, ich bin ein grundtreuer Mensch...

Aber, wie das so ist, im Laufe der Jahre steigen die Ansprüche - und mit so gewissen Eigenheiten, mit denen man sich so arrangiert hat, gibt man sich in einer neuerlichen Partnersuche nicht mehr zufrieden. Der Weggang von E. aus meinem Leben hat mich vor Probleme gestellt. Die ich nach diversen One-Cut-Stands behoben glaubte...

Ein gutes Jahr erfüllte Beziehung später - der ultimative Vertrauensbruch. Gute zehn Zentimeter. Einfach so. Das hätte ich ja noch verziehen - wenn das ganze gut ausgesehen hätte. Aber nein, der Schnitt war eine Katastrophe. Und doch, ich bin nochmals hingegangen - treue Seele, Sie wissen schon. Wieder nix. Und das war's. Aber wohin?

Jetzt bin ich für's erste doch allen Ernstes in der kleinen Stadt gelandet... Bei H., zu der U. seit 20 Jahren ist, wobei sie seit 19 Jahren nicht mehr in der kleinen Stadt wohnt und dort erheblich seltener ist als ich - das fand ich einen echten Vertrauensbeweis.In einem jedenfalls trug mich mein Gefühl nicht: In der kleinen Stadt geht man sehr souverän um, mit den Ansinnen, Haare sollten wachsen (logisch eigentlich) - was zu einem völlig andern handwerklichen Ansatz führt...

Also ich bin angetan - ob ich das noch in vier Wochen - vier Monaten bin, wird sich zeigen, Im Zweifelsfall muss ich Sie, liebe Leserin, um Hilfe bitten. Aber vielleicht fahre ich in Zukunft einfach in die kleine Stadt zum Frisör - gibt ja nicht genügend Frisöre in München...


Anradeln gewesen

Wochenende. Sonne. Der Mann ist in Bewegungsdrang. Er schaltet schon einmal einen Gang hoch, während ich unter der Dusche erst einmal wach werde, ist er schon im Keller: Räder und Anhänger hochtragen. Ja, wir besitzen jetzt einen Fahrradanhänger. Das war eine dieser unvorhersehbaren Folgekosten, die ein Fahrradkauf mit sich brachte. Weil: die Rückbank umlegen, die Räder verkleinern, die Räder ins Auto - das ist anstrengend. Da ist so ein Fahrradanhänger doch was schickes. Den muss man nur aus dem Keller hochtragen und ans Auto hängen, um dann die Fahrräder... Stopp. Der Anhänger passt nicht. Er geht nicht über die Kupplung. Es ist der verkehrte Anhänger. "Hast du dir das im Geschäft zeigen lassen" - typische Frauenfrage. Nur Frauen lassen sich so etwas demonstrieren. Blick in die Bedienungsanleitung: "Schau da steht..." - wieder einmal keine Ahnung bewiesen die Frau. Natürlich hat er es so gemacht, sagt der Mann. Die Frau, die danebenstand, sagt "aber..." und schweigt. Denn der Mann ist schon auf dem Weg zum Geschäft: Legt die Rückbank um und nicht die Fahrräder hinein sondern den Fahrradständer....

...Bedienungsanleitungen lesen können ist hilfreich. Bedienungsanleitungen können nur Frauen lesen. Männer können alles allein. Darüber hätte man nun ein ganzes Wochenende philosophieren können. Wir sind dann doch lieber radeln gegangen. Mit leichter Verspätung.


Frau B. geht zur Schule

Ich bin ja der Ansicht, ein gutes Briefing ersetzt fünf Mal umschreiben – Zeitdruck – Zuckerschock durch zu viel Schokolade – Hass auf Redakteure respektive Autoren oder ganz allgemein gesprochen: Es ist immer gut zu wissen, was von einem erwartet wird.

Ganz allgemein wurde ich gebeten zu sprechen. Vor einer Schulklasse zum Thema Social Media – Blogs etc. Gymnasiale Oberstufe. G8 – da steht das anscheinend im Lehrplan. Das Briefing sah dann so aus: „Auf dem Schulgelände ist Rauchverbot.“ – Im Nachhinein ein guter Hinweis, weil ich hätte mich sicherlich auf die Bank in die Sonne gesetzt und eine Zigarette angezündet und hätte das Verbotsschild gar nicht gesehen...

Zurück zum Briefing. Auf direkte Nachfrage kam dann noch: „Die sind nett.“ – Was schon mal beruhigend ist...

Sind sie. Und sie sind sorglos. Sorglos, was ihre Daten im Netz betrifft. Und sorglos, was das Thema Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte im Netz betrifft. Alles, was frei zugänglich ist, wird als Allgemeingut begriffen. Fotos, Texte, Musik - sie meinen, das ist alles umsonst. Copy and Paste.

Ach ja, und Blogs. Blogs interessieren sie ebenso wenig wie Zeitungen. Was unserer Generation eines sagen müsste: es ist Zeit für ein neues Bündnis. Pro Text. Egal wo.


Die Wahnsinnsliste

Nathalie hat gefragt, hier kommt die Antwort:

  1.  Ich heiße tatsächlich so (wurde schon mal für ein Pseudonym gehalten).
  2. Ich hieß auch schon mal anders – hätte man ebenfalls für ein Pseudonym halten können.
  3. Ich war mal verliebt in Brad Pitt.
  4.  Aber ich wollte nie eine ganze Kindergartengruppe in meinem Haus toben haben.
  5. Außerdem bin ich weder magersüchtig noch eine Weltretterin.
  6. George Clooney finde ich immer noch interessant.
  7. Er kommt aber bei weitem nicht an den Lebensbegleiter heran.
  8. Ich esse fast alles. Es sei denn Innereien und Oliven – und bin auch nicht scharf auf Rosenkohl.
  9. Überhaupt esse ich nicht gerne scharf.
  10. Ich esse bei Einladungen, bis ich satt bin. Blöd, wenn dann der Teller noch halb voll ist.
  11. Ich bin so unhöflich, den Teller dann nicht leer zu essen.
  12.  Wasser: medium, nicht aus dem Kühlschrank.
  13. Rotwein, Weißwein, Tee, Kaffee, Saftschorle. Alles zu seiner Zeit.
  14.  Auf Kamillentee wird mir schlecht.
  15. Kaffee bitte als Espresso oder Cappuccino.
  16. Espresso mit Zucker. Den Grappa kann gerne jemand anderer haben.
  17. Ich freue mich, wenn abends nicht selbst fahren muss.
  18. Ich war ebenfalls auf einem Mädchengymnasium. Katholisch.
  19. War eine gute Erfahrung.
  20. Ich hatte Mathe Leistungskurs.
  21. Habe dennoch kein Verhältnis zu Zahlen.
  22. Meine Hände sind ok.
  23. Wenn ich nicht gerade Brand-, Schnitt- oder sonstige Verletzungen habe.
  24. Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Helgas nicht. Meine Oma hatte recht.
  25. Ich mag Berge.
  26. Aber auch das Meer.
  27. Die schönste Stadt der Welt... ist natürlich München.
  28. Jeder der hier wohnt und davon nicht überzeugt ist, soll bitte wegziehen.
  29. Wien ist wundervoll.
  30. Ja, ich habe einen Hang zur Melancholie.
  31. Gepaart mit Hysterie.
  32. Schlechte Kombination.
  33. Der Begleiter bekommt deswegen einen Orden für innere Stärke in Gold.
  34. Der Freundeskreis in Silber.
  35. Rindfleischsuppe mit Pfannkuchen kann fast jede Katastrophe lindern.
  36. Ich würde gerne Tango tanzen.
  37. Das geht nicht allein.
  38. Handtaschen? Ja bitte! Gilt auch für Schuhe, Tücher, Mützen...
  39. Das heißt noch lange nicht, dass ich jede Mode mitmache. Im Gegenteil.
  40. Geht auch gar nicht, ich will ja die Dinge möglichst lange behalten.
  41. In den letzten 20 Jahren hatte ich zwei Autos. Einen Golf und einen Golf.

Und IHR so??


Jahreswechsel

2009 hat sich zum Ende, an Silvester ja nochmal richtig scheußlich gezeigt und den obligatorischen Jahresendspaziergang gründlich verregnet. Und doch, was hat der völlig durchweichte Boden im Englischen Garten gezeigt...

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Ein Glücksbringer für's neue Jahr. Das sich ja dann auch am 1. Januar ganz verheißungsvoll angelassen hat...

2010


Das vierblättrige Plätzchen-Kleeblatt

Man kauft doch nicht auf dem Weihnachtsmarkt. Sagt tadelnd M. Und erschrocken lasse ich das Förmchen wieder fallen. Ich will ja nicht den Eindruck erwecken, dass ich gedankenlos mit Geld um mich schmeißen würde. Dabei geht es um ein lächerliches Plätzchenförmchen. Das ich in diesem Moment nett fand und für das ich nie in ein Kaufhaus gehen würde, wo es vielleicht die Förmchen billiger gibt, aber wahrscheinlich nur im Mehrförmchenpack - und mehr Förmchen brauche und will ich nicht - nur das eine wollte ich - und ob ich das eine dann dort bekäme ist fraglich.

Ein Förmchen. Eines, das mich daran erinnert hätte, an den Spaziergang am Nachmittag über den Weihnachtsmarkt mit M. Jedesmal, wenn ich es benutzt hätte. So bleibt der Nachmittag nur in Erinnerung als der Weihnachtsmarkt, auf dem ich scheußlichsten gebrannten Mandeln meines Lebens gekauft habe. Den Rest der Tüte habe ich entsorgt - auf dem Nachhauseweg. Heimlich still und leise und voll schlechtem Gewissen, weil ich etwas weggeworfen habe, für das ich Geld ausgegeben habe. Und weil andere Menschen hungern. Und mir klar war, dass ich ein schlechter Mensch sein muss.


Wir sind alle codiert

Früher, ja früher haben wir uns abgesprochen. Schon Tage vor einem Fest, das wir damals Party nannten und was ganz wichtig und elementar war, galt es die Frage zu klären: was ziehst denn du an? Man wollte ja auffallen, aber um Himmels willen nicht zu sehr. Als einzige einen Rock zu tragen, während alle Freundinnen in Jeans aufkreuzen würden - der Abend wäre gelaufen, schon zu Beginn. Und wehe, die beste Freundin hielt sich nicht an die Absprache, was natürlich immer wieder vorkam, denn die Loyaliät in Mädchenfreundschaften ist ein fragiles Gut. Das konnte durchaus für freundschaftliche Verstimmung sorgen.

Das gibt es heute natürlich nicht mehr. Außer in Situationen, in denen der Dresscode sehr unklar ist. Die Frage, ob Jeans oder Abendkleid kann immer noch elementar sein. Dennoch es liegt was in der Luft. Eben jener Code. Nur so ist es zu erklären, dass wir immer wieder gemeinschaftlich handeln, gerade wenn wir glauben individuell zu sein. Von den mir näher bekannten Frauen würde sich jede dagegen wehren, sich Modediktaten zu unterwerfen. Dennoch kann es passieren und ist es passiert, dass auf einem Fest alle anwesenden Damen, inklusive mir, in einem grauen Rock erschienen. Glücklicherweise variierten Material, Oberteil und Schmuck etwas, sonst wäre die Frage im Raum gestanden, ob wir alle uns einer imaginären Uniform verschrieben hätten. Und vielleicht hätte sich ein rotes Kleid daneben auch heute noch deplaziert gefühlt. Aber nachdem sich im kollektiven Gedächtnis der graue Rock als doch etwas grau abgespeichert hat, griffen zu einem der folgenden Anlässe die Damen auffällig häufig zu einem bunten Kleid, inklusive mir. Da ist mal unter Glück abzuspeichern, dass es doch unterschiedliche Kleider waren - was sonst noch viel peinlicher als der Gemeinschaftsrock gewesen wäre.

Anscheinend gibt es ihn tatsächlich den Code. Manchmal ausgesprochen: Black tie. Casual. Tracht. Manchmal unausgesprochen.

Nein, die Frauen, die ich kenne, haben sich nicht vorher abgesprochen, aber plötzlich fuhren sie alle ein Mini Cabrio. Auch Heirats-, Umzugs- und Schwangerschaftswellen entstehen scheinbar aus dem Nichts. Und da stellt sich dann heraus, und dass ist noch schlimmer als zum selben Partykleid zu greifen, alle Eltern dem Muster folgend in der Krabbelgruppe feststellen, dass sie zum selben Namen gegriffen haben. Was ja schon unsere Eltern gemacht haben. Und so haben die Andrease und Michaele unserer Generation die Finne und Paule der nächsten erschaffen. Als hätten sie sich abgesprochen.


9. November 1989

Ich war 17 und so unfrei wie man mit 17 in Niederbayern nur sein kann. Dass die Mauer in Berlin fiel, war die eine Sache, um mich baute ich sie gerade auf. Der Herbst vor 20 Jahren... Zu Hause Stress, die große Liebe meist unglücklich, die beste Freundin gerade schwanger. Die kleine Welt war durcheinander, so dass der Umbruch der großen Welt gar nicht die Bedeutung hatte. Berlin war weit weg.

Eineinhalb Jahre zuvor war ich das erste Mal in Berlin gewesen. Die Eindrücke von damals, heute noch präsent. Die Mauer, das graue Ostberlin. Das Glück heute, durch das Brandenburger Tor zu gehen. Präsent auch der Sommer 1989. Die Bilder aus der Prager Botschaft. Die Züge, die dann im Westen ankamen. Präsent auch der Berlin-Besuch im Jahr darauf, das Kribbeln des Umbruchs. Doch ausgerechnet der 9. November nicht präsent. Doch präsent das Gefühl der Absurdität, was es mit diesem Datum des 9. Novembers wohl auf sich hat, da sich an einem Datum die Ereignisse so häufen.

Es gibt Situationen, an die hat man eine Erinnerung zu haben. Um Teil des Ganzen zu sein. Ich habe die Bilder gesehen. Damals und seitdem immer wieder. Die kollektive Erinnerung ist Teil von mir.


Was lange währt...

Wollen wollt ich's schon lange. Jahre lang. Das Objekt meine Begierde war ein Strickjanker. Aber nicht so einer, wie sie immer meinen, den Frauen andrehen zu müssen. Nix mit Chichi, nix mit Applikation und Stickerei und schon dreimal nix mit so einer komischen Falte hinten. Ich wollte etwas einfaches, schlichtes. Kurz: Ich wollte keinen taillenkurzen Frauenjanker, ich wollte einen Männerjanker im Frauenformat. Und das, das find mal. Ich glaub, es gibt keinen Trachtenladen, der meinen Weg gekreuzt hat, in dem ich nicht gefragt habe. Die Zeit verging und inzwischen gab es schon zwei Menschen, die nichts lieber getan hätten als mir das Objekt meiner Sehnsucht zu schenken. Mein Vater, weil er die Vorstellung seiner Tochter im Janker ganz wunderbar fand. Der Begleiter, der den "ich auch haben will"-Blick nicht mehr ertrug. Ist ja schön, wenn dir Menschen etwas schenken wollen. Nur das allein hilft dir auch nicht weiter. So gingen die Jahre ins Land. Dabei lag das Gute so nah. Denn irgendwann, warum erst dann, weiß kein Mensch, schaute ich in einem kleinen Trachtenladen in der kleinen Stadt rein. Doch, ich weiß warum: weil ich Montags das ein oder andere Mal vor verschlossener Türe stand. Diesmal war die Tür offen - und ich rannte offene Türen ein: "Kein Problem. Das lassen wir machen." Sagte es und drückte mir Stoffmuster in die Hand. Gemessen. Gesteckt. Drei Wochen später war mein Janker da. So wie ich ihn wollte. Und er hat mich schon sehr glücklich gemacht. Das erste Mal, gleich am ersten Abend, an einem Juli Abend, an dem es so saukalt war, dass du gemeint hast, dich in der Jahreszeit vertan zu haben. Ich war auf der Landshuter Hochzeit verabredet. Und kam an - mit Janker. Und erntete ein Lächeln von den Frauen im Sommerkleid. Das ihnen verging. Im Gegensatz zu meinem Lächeln.

Wollen Sie auch glücklich werden: Trachtenmäßig bei Daniela Kurtenbach, Steckengasse, Landshut.


Trennen Sie sich mal

Das konnte ich noch nie leiden. Ein Satz der sitzt. Vor allem als Antwort. Auf: Das habe ich dir geschenkt. Gemeinsames Ausmisten der Wohnung grenzt an Paartherapie. Denn beim Ausmisten kommt man an den Punkt, an dem man weder Freund noch Feind kennt. Es ist die gesteigerte Version des alljährlichen Versuchs, den scheußlichen alten Parka, der im Wandschrank Platz für einen neuen Mantel wegnimmt, nun doch endlich in die Altkleidersammlung zu befördern. Was natürlich ignorant bis an die Grenzen ist. Wer an dieser Stelle die Regeln des guten Geschmacks überschreitet, darüber gibt es natürlich zwei Ansichten. Also der Parka bleibt. Einstweilen. Die Vase fliegt raus. Geschenk hin oder her. Stillschweigend nehme ich den Suter vom Stapel der aussortierten Bücher und lege ihn auf den Stapel der zu behaltenden Bücher.


Bücher, Bücher, Bücher

Wenn schon renovieren, dann wird auch gemistet. Der einzige Part, bei dem ich das regelmäßig schaffe, ist der Kleiderschrank. Aber Papier hat nach wie vor eine unglaubliche Anziehungskraft auf mich. In jeder Form. Wenngleich ich der Ansicht bin, man muss nicht jedes Buch behalten. Bücher, die mich geärgert haben oder die typische Badewannenliteratur geb ich schon seit Jahren weiter. Und auch wenn ich fast immer einen "zu verschenken" Stapel habe und hier schon Menschen extrem bepackt die Wohnung verlassen haben, es ist mal wieder der Punkt erreicht: der Platz ist alle. Definitiv. Also raus mit Uraltreiseführern (kauf ich eh neu), raus mit Kochbüchern, die mich nicht ansprechen, raus mit Hörbüchern (nicht mein Ding) und sonstigem, was sich hier ansammelt und ansammelt. Nachdem ich schon die gesamte Nachbarschaft versorgt habe - Stapel hingelegt, Stapel weg - fiel mir plötzlich ein, da hat doch jemand was erzählt zum Thema Bücher mit Würde entsorgen... Also, gesagt, getan. Und jetzt hab ich wieder den Platz und das Geld für sein Kochbuch...