Man könnte es die Rache der Italiener nennen. Die Rache für allsommerliche Invasion der Teutonen an ihren Adriastränden, in ihren Bergen, in ihren Kunstmetropolen. Nun schlagen sie zurück. Und kommen nach Deutschland. Angefangen hat es mit der Wiesn und München an sich. Monaco di Bavaria, sagt der Italiener und seufzt und lächelt. Birra! Festa della birra! Pause. Mercatino di Natale! Weil, der Italiener liebt Bier, Wiesn und seit einiger Zeit hat er auch entdeckt, dass er auch die Berge liebt. Jetzt hat er zwar den eindeutig schöneren Teil der Berge vor der eigenen Nase und warum er dann über den Brenner fährt, versteh mal einer. Aber er tut es. Nach Tirol (Innsbruck!) wird nun das bayerische Alpenvorland entdeckt. Natürlich, da gibt es schon einiges zu entdecken: das schon erwähnte Bier, Königsschlösser, Kirchen, Lüftlmalerei. Und während der deutsche Urlauber achtlos daran vorbeifährt, reist man aus der Gegenrichtung an.
In Ettal jedenfalls war italienisch die vorherrschende Sprache. Speisekarten sieht man nur noch zweisprachig, wenngleich in deutsch - englisch. Tourists are wellcome. Wir fühlten uns nicht so ganz willkommen, was sich in der vergeblichen Suche nach einem Schweinebraten zeigte: Gaststätte 1 - keiner auf der Karte. Gaststätte 2 - das, was die Kellnerin durchs Lokal trägt, spricht nicht so wirklich an. Gaststätte 3 - hier steht der Reisebus schon vor der Tür. In Gaststätte 4 wird er uns gleich angekündigt - und deswegen gibt's nur für die einen Schweinsbraten. Gaststätte 5 möchte uns in einen Durchgang setzen - weil alles andere ist für die Hausgäste. In Gaststätte 6 haben wir endlich Glück, aber soviel auch wieder nicht. Der Schweinsbraten ist trocken, dafür sind die Knödel feucht. Das war wohl eher die Passion des Schweinsbratens. In der englischen Übersetzung allerdings: the sufferings of roast pork.
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