Zwischen Badstraße und Schlossallee

Münchner Realität

Was ist denn das für eine polemische Frage von der SZ? Ob es jemanden in der Redaktion gibt, der gerne mit Etagen-Klo wohnt? Wobei der Stadtratsbeschluss ja tatsächlich mehrere Fragen offen lässt. Die dringendste: Wieso gelten für die Stadt andere Regeln als für private Bauherren? Will man ein Dachgeschoss in einem schon bestehenden Mietshaus ausbauen, muss man einen Parkplatz nachweisen (oder eine Ablöse zahlen). Bei einem Neubau, wo es die Möglichkeit gäbe, Parkplätze zu schaffen, wird auf den Bau einer Tiefgarage verzichtet. Grün träumt vielleicht von einer autofreien Stadt, aber das ist nicht die Realität. Oder dürfen nur Mieter einziehen, die nachweisen können, kein Auto zu besitzen - und sich keines anzuschaffen? Und wieso gehört ein Aufzug zum allgemeinen Standard und ist gleichzeitig in einem Erhaltungssatzungsgebiet ein Indix für eine Luxussanierung? Selbes gilt auch für neue Balkone.

Achso, ist ja keine Sanierung. Ist ja ein Neubau.

In der Süddeutschen las ich auch vor einigen Tagen, es sei ja schlimm, dass inzwischen schon Häuser aus den 70er Jahren sanierungsgefährdet seien. Sanierungsgefährdet. Nach 40 Jahren sind Dächer und Fenster halt fällig. Und im Stadtbild gibt es genügend alte Häuser, die offensichtlich so sanierungsgefährdet sind, dass sie wahrscheinlich irgendwann nicht mehr sanierbar sind. Aber macht ja anscheinend nichts, stellen wir halt dann was neues hin.


Vor einem Jahr - Rückblick II

Eigentlich müsste man ein Buch darüber schreiben: Wie finde ich eine Wohnung in München. Es wäre ein Verkaufsschlager - aber man würde damit dennoch keine Wohnung finden. Heute noch weniger als die letzten Jahre. Ich hab ja irgendwann aufgehört darüber zu schreiben, weil ich niemanden langweilen wollte und weil die ganze Welt (inklusive meine Leser und alle Münchner Makler) wohl gemeint hat: die Frau hat halt ein Hobby, das heißt Wohnungen besichtigen und so tun als suche sie eine.

Das stimmte nicht. Ich gebe zu, der Anspruch war hoch und dann hat die ganze Welt (inklusive meine Leser und alle Münchner Makler) gesagt: Frau B. spinnt. Oder auch: "Sie wohnen wohl schön". Letzteres hat gestimmt - zumindest ganz subjektiv. Das war dann auch der Punkt, an dem ich für lange Zeit die Lust verloren hatte, zu suchen - und erst, als ich wieder (ernsthaft!) gesucht habe, wurde es auch was.

Also, hier meine Tipps zur Wohnungssuche. Die funktionieren dann, wenn Sie ohne Not suchen.

1. Visualisieren Sie Ihr Wohnumfeld. So exakt wie möglich. Haus oder Wohnung? Innenstadt oder Stadtrand? Garten? Altbau oder Neubau? Deckenhöhe (war mir immer wichtig)? Kamin? Offene oder geschlossene Küche? Wichtig an dem Punkt sind: was lässt sich verändern, was nicht. Aus einem 80er Jahre Bau lässt sich einfach mal kein Jahrhundertwende Stilaltbau schaffen.

2. Wo? Das war der Punkt, an dem ich lernfähig werden musste. Im Prinzip haben fast alle Viertel schöne und scheußliche Ecken. Also wenn man sich auf ein bestimmtes Viertel einschießt, muss man möglicherweise an der Wohnung selbst Abstriche machen. Will man das nicht, kommt man nicht drumrum, seinen Horizont etwas zu erweitern. Ich für meinen Teil hab es ab einem gewissen Punkt so definiert: ich will in einer Straße mit Bäumen wohnen, ich will eine Zone 30 vor der Tür und ich will alles mit dem Rad erreichen können. - Damit hab ich das zwar immer noch sehr eingeschränkt, aber der Radius war schon weiter als "ich will im Ruffini-Karree" wohnen.

3. Was mich zum fast entscheidenden Punkt führt: Bleiben Sie realistisch. Gilt vorallem für die Preisfrage. Ich hätte ja auch gern das Haus in Gern visualisiert. Aber. Ich mein, das kann man auch visualisieren - wenn man einen sehr langen Atem hat und auf einen Lottogewinn hofft oder auf die Erbtante - und bis dahin nicht unglücklich ist, da wo man ist. Auf der anderen Seite

4. Eierlegende Wollmilchsäue gibt es. Wenn Sie dran glauben, lassen Sie sich von Makler nicht das Gegenteil einreden. Also: Visualisieren, Realitätscheck machen (incl. Finanzceck) - dann suchen. Und genau danach. Was scheinbar toll ist, muss es für einen persönlich noch lange nicht sein. Ich finde es ganz faszinierend, wie glücklich die Menschen, die ich die letzten Jahre auf ihrer Suche begleitet habe, heute in ihrem Wohnumfeld sind. Jedes ist anders. Ich finde jedes einzelne großartig - und möchte gleichzeitig mit keinem tauschen.

5. Überlegen Sie sich ganz genau, wo Sie Abtriche machen würden und welche Punkte unverhandelbar sind. Und dann bleiben Sie dabei. Man kann das ja im Laufe der Suche nochmal überprüfen.

6. Mundpropaganda ist überschätzt. Glauben Sie wirklich, dass die Bäckereiverkäuferin sich ernsthaft dafür interessiert, dass Sie eine neue Bleibe suchen? Mundpropaganda funktioniert genau, wenn man den Menschen wirklich gut kennt. Oder auf dem Dorf. Und in München muss die Bäckereiverkäuferin die Bäckereibesitzerin sein, der das Haus seit Generationen gehört. Dann weiß sie auch vielleicht was.

7. Seien Sie überzeugend. Das war mit der Punkt, der mir am meisten Bauschmerzen bereitet hat. Überzeugend heißt ja: ich will und ich kann es mir leisten. Da haben ja Dampfplauderer und geleaste Porschefahrer immer gute Karten. Im Gegensatz zu Frauen, die allein auf dem Fahrrad zu einer Wohnungsbesichtigung kommen. Also wenn Sie es einrichten können: machen Sie schon die Erstbesichtigung zu zweit - das ist immer überzeugender. Schreiben Sie die Mails vom Firmenaccount. Und fallen Sie in irgendeiner Form positiv auf.

8. Treten Sie dummen Maklern auch mal auf die Füße. Tun Sie es nicht bei guten, die sind ihr Geld wert - und einen guten erkennt man überraschend schnell. Leider eine seltene Spezies.

9. Wenn Sie Bauchschmerzen bekommen, lassen Sie es bleiben.

Ich persönlich habe ja zu Nikolaus 2012 meine persönliche eierlegende Wollmilchsau besichtigt. Mit einem guten Makler, bei dem ich auch ohne männliche Begleitung bei der Erstbesichtigung punkten konnte. Ich habe kein einziges Mal schlecht geschlafen. Und kann Ihnen sagen: Nikolaus ist ein guter Mann. Aber nehmen Sie sich vorm Krampus in Acht.


Vor einem Jahr - Rückblick I

Für Jahrerückblicke ist es eigentlich noch zu früh... Aber das letzte Jahr fing für mich tatsächlich noch vor dem Kalenderwechsel an. Also Zeit für einen Rückblick: Es ist etwas mehr als ein Jahr her, als Herr Buddenbohm eine Welle in den Blogs lostrat auf die Frage, ob ein Platz jenseits seines Viertels lebenswert sei. Er war (und ist??) auf Wohnungssuche. Wir waren das zu diesem Zeitpunkt auch. Und bei der Liebeserklärung, die ich damals an mein Stadtviertel schrieb, war mir eigentlich schon klar, dass unsere gemeinsame Zeit vielleicht schon bald vorbei sein würde.

Wenn ich ehrlich bin, lag mir ganz besonders viel daran, dass möglichst viele Münchner mitschreiben würden, um zu sehen, ob auch andere Viertel als die, die ich eh schon in Betracht gezogen hatte, in Betracht kämen. Um die Frage zu beantworten: Nein. Jedenfalls für uns nicht - und jeder hat andere Prioritäten und ich hatte mich schon lange mit den Verschiedenheiten der Viertel beschäftigt.

Mein München ist jedenfalls seit ein paar Monaten ein anderes. Ich kann darüber noch nicht in der Ausführlichkeit schreiben wie über mein altes, dazu kenn ich es noch nicht genug. Aber mein München ist heute Schwabing. Genau gesagt "Neuschwabing" - das neu bezieht sich auf einen Status um 1900 und bezieht sich auf die Gegend nördlich der Maxvorstadt bis hin zum Luitpoldpark. Es ist ein geplantes Viertel, aber vor dem Franzosenviertel und der Isarvorstadt geplant, also zu einer Zeit als die Bevölkerung noch nicht so stark in München angestiegen war. Was bedeutet: großzügiger geplant. Die Straßen relativ breit mit Alleecharakter, Plätze und je weiter im Zentrum des Viertels auch so großzüger die Wohnungen.

Die Mischung ist hier auch sehr unterschiedlich: zwischen großherrschaftlich und Genossenschaft ist alles vorhanden, zwischen "saniert und sauteuer" und "außen hui und Klo auf dem Gang", zwischen "schon immer hier" und "zugezogen". Es ist eine spannende Mischung und das erstaunlichste ist wohl, dass es ein sehr friedliches nebeneinander ist.

Vielleicht liegt es daran, dass die Hype-Zeiten von Schwabing-West, wie es heute heißt, schon lange vorbei sind. Also wer hier lebt, lebt halt. Und das nicht schlecht. So zwischen Englischer Garten und Luitpoldpark, der vor allem deshalb zu toll ist, weil er ein echter Vorgarten der Anwohner ist, während sich im Englischen Garten und im Nyphenburger Park halb München und der Rest der Welt auf die Füße treten.

Was mich nach wie vor fasziniert ist die Nähe. Also zu allem. Auch zur Innenstadt. Auch wenn ich glaube, dass es vom Radius her keinen großen Unterschied macht - wir sind einfach von Neuhausen aus Richtung Osten gezogen und wohnen jetzt nicht nordwestlich sondern nörlich des Marienplatzes. Aber speziell im Sommer ist es näher. Man radelt durch die Stadt in die Stadt. Man ist in der Stadt.

Außerdem ist hier eh alles. Und nach wie vor viel zu entdecken. Also Fortsetzung folgt...


Noch mehr Dinge, die man anscheinend nicht braucht

In den letzten Jahren haben wir ja schon einiges mit Staunen gelernt: Man braucht keine Abstellkammern, aber pro Person zweieinhalb Badezimmer. Man braucht große Designerküchen, aber nicht zum kochen, denn die Designerküchen sind Teil des Wohnzimmers. Und natürlich braucht das Wohnzimmer keine Tür, denn in der Küche wird eh nicht gekocht und so ziehen ja auch keine unangenehmen Gerüche durch die Wohnung. Was man aber braucht sind überdimensionierte Fensterfronten, auch im Bad übrigens. Aber bitte um Himmels Willen keine Außen-Jalousien.

Designschön soll das Wohnumfeld sein.Da darf nichts das ästhetische Empfinden des Architekten oder Designers stören. Und das ästhetische Empfinden kann auch mannigfaltige Weise gestört werden. Durch Dinge, auf die unsensible Normalleber gar nicht kommen. In höchstem Maße unästhetisch und eine Beleidigung für sensible Designeraugen sind beispielsweise Waschbeckenverschlüsse. Ebenso wie die Wohnung OFFEN sein muss, muss es fließen können. Immer. Stehendes Wasser ist - genau, eine ästhetische Beleidigung.

Und Designer haben dafür ein gutes Auge, denn hätten sie ein schlechtes, hätten sie Kontaktlinsen und hätten sie Kontaktlinsen würden sie diese Schwachsinnsidee sofort wieder verwerfen.

Irgendwie wusste ich von diesem formschönen Designerschwachsinn, schließlich hatte es mich in dem ein oder anderen Hotel schon genervt. Aber man vergisst ja. Und vor allem, man kommt ja gar nicht auf die Idee, dass ein Waschbecken ohne Stöpsel - so ein Schmarrn.

Der formschön unser Badezimmer aufwertet. Weil, auf die Idee, darauf zu achten. Also ich ganz ehrlich bin nicht drauf gekommen. Was danach, sobald das Ding nämlich eingebaut war, zu einem hysterischen Anfall einer mittleren Krise geführt hat. Und damit ich nicht auf die Idee komme, das Kunstwerk von einem Waschbecken mit einem Plastikstopsel aus dem Baumarkt zu entweihen, habe ich jetzt eine für mich designte Abflussabdeckung. Sehr ästhetisch natürlich.


Es ist eine Frage der Betrachtung...

Über 100 Menschen stehen für eine Wohnung an. Das war allen Münchner Tageszeitungen dieser Tage eine große Geschichte wert - bis hin zum Aufmacher. Passt auch grad ins Thema. Wohnungsnot in München läuft. Was mich dabei so erstaunt ist das Kurzzeitgedächtnis der Menschen: Wohnen war in den letzten 20 Jahren DAS Thema in München. Vorher kann ich nicht beurteilen, aber die letzten 20 Jahre kenne ich aus eigener Erfahrung. Und die lässt sich so zusammen fassen: wer eine Wohnung hat, tut gut daran, sie nie wieder zu verlassen. Blöd nur, wenn sich die Lebensumstände ändern oder wenn man neu nach München kommt.

Meine Wohnungsgeschichten kann ich auf zwei Arten erzählen. Alles furchtbar - oder ich habe immer toll gewohnt. Als ich vor gut zwanzig Jahren nach München kam, war der Wohnungsmarkt eine Katastrophe: Wohnraum für Studenten quasi nicht auffinbar. Ich wollte nicht jeden Tag pendeln (wie es die meisten getan haben) und bin erst einmal für ein Jahr ins Studentenheim gezogen. Ins Studentinnenheim. So mit Drachen an der Tür, spartanischer 8 Quadratmeter-Zelle und Gemeinschaftsbad. Unzumutbar? - Es war ein Zimmer. (Im übrigen sehr zentral in der Maxvorstadt.)

Wohnungssuche war DAS Thema unter uns Erst- und Zweitsemestern. Zweimal die Woche saßen wir mit dem Immobilienteil der Süddeutschen im Café. Aber eigentlich hatten wir uns die Zeitung schon am Abend vorher am Bahnhof besorgt und hingen dann am Telefon (öffentliche Fernsprecher) - weil wer am Erscheinungstag anrief, rief leider zu spät an.

Ich habe mir haufenweise verschimmelte Butzen angeschaut. WG-Zimmer, bei denen frau in Unterhose und mit Bierflasche in der Hand begrüßt wurde. Durchgangszimmer! Also ehrlich gesagt: das letzte vom letzten. Was übrigens der Wohnraumqualität aller mit mir Studierenden entsprach. Wir lebten in Studentenwohnheimen oder in echten Bruchbuden - die wir aber liebten. Eine Freundin, so erinnere ich mich, musste noch mit Holz heizen. Und das Klo auf dem Gang war keine Seltenheit. München, Anfang der 90er Jahre.

Gelandet bin ich in einer netten WG in 1a Lage. Und damit fängt der andere Teil der Geschichte an: ich hatte eine Adresse, die während jedes Praktikums, die Festangestellten vor Neid erblassen ließ.

Für mich wichtig: Was für eine Lage! Am Nymphenburger Kanal... Ich könnte aber auch erzählen, dass das Zimmer eher so meh war. Und der Vermieter geschickt eine Drei- zu einer Vierzimmer Wohnung umgebaut hat, um die Zimmer einzeln zu vermieten. Wie das geht? - Stell die Küche in die Diele... Also: jammern oder sagen "sensationelle Studentenbude"?

Bei Wohnraum 3 hatte ich Glück: ich bin einfach innerhalb des Hauses umgezogen. In ein neugeschaffenes Appartment. Jetzt könnte man natürlich auch wieder sagen: Tiefparterre (mit beschissener Heizung, weil Eigenbau)! Oder eben: am Nymphenburger Kanal! Meins!

Dann kam es, wie es so kommt: Man kennt sich, man mag sich und man mag irgendwann zusammenziehen. Ein Jahr haben wir gesucht. Und uns mal wieder Bruchbuden angeschaut. Besichtigungstermine waren gerne unterwöchig vormittags, wo Beruftstätige besonders Zeit haben (das waren wir ja inzwischen).

Das ist die letzte Wohnung, die ich anschaue, sagte der Begleiter, vor dem Besichtigungstermin vor unserer heutigen Bleibe. Wir hatten zwei Termine an diesem Samstag vormittag. Und ich weiß noch, die erste Wohnung war so richtig zum Heulen. Und es stand quasi Spitz auf Knopf. Und wir kamen hier rein - und in für uns die perfekte Wohnung. Mit gut hundert anderen Mitbewerbern. War natürlich auch ein Massenbesichtigungstermin. Was anderes gab es nicht.

Wir wollten diese Wohnung. Wir bekamen sie. Es war ein strahlend schöner Tag Ende Februar vor 14 Jahren. Ich habe bei der Besichtigung eine Mitvolontärin von der Süddeutschen Zeitung getroffen, die mäkelte: der Schnitt und die Nachtspeicherheizung und der Boiler. Ich hätte entgegnen können: der Stuckaltbau, das alte Parkett, die Lage! Ich tat es damals nicht. Bis jetzt wartete ja jeder nur auf den Anruf des Vermieters.

Wir wurden als erstes Paar angerufen. Ich weiß bis heute nicht, wohin es die Mitvolontärin verschlug. Aber man erzähle mir bitte nicht, dass die Wohnungssuche in München vor zwanzig oder 15 Jahren einfacher war.

Und was ich so von Menschen um mich in den letzen 14 Jahren mitbekommen habe, hat sich nichts, aber auch gar nichts verändert. Abgesehen davon, dass alle dann anfingen Eigentum erwerben zu wollen, aber das ist eine andere Geschichte...


Gut, besser, Wohnraum

Weißbier ohne Schaum also. Ich mag Weißbier – alkoholfrei nach dem Radeln oder Wandern. Allein deshalb hab ich mich wahrscheinlich schon disqualifiziert. Weißbier ohne Schaum sei die Au ohne Paulaner – sagt die Süddeutsche. Also eigentlich sagt es der Pfarrer von der Au und die Süddeutsche kommentiert: „Recht hat er.“ Weil, wenn jetzt die Brauerei wegzieht und da Wohnungen entstehen, würde ja sich das Gesicht der Au verändern und außerdem würden da Wohnungen entstehen, die sich der eingesessene Au-Bewohner nicht leisten kann. Da haben wir es wieder: das Schreckgespenst der Gentrifizierung.

Ja, nur lieber eingessene Au-Bewohner: Sie brauchen ja keine Wohnung. Sie haben ja schon eine. Das ist ja die Krux am Münchner Wohnungsmarkt. Wer seit geraumer Zeit irgendwo wohnt – egal wo, tut den Teufel dran und zieht um. Weil inzwischen die Mieten explodiert sind. Ich wette mit Ihnen, dass Sie jetzt schon nicht umziehen, weil eine neue Wohnung teurer ist als die, in der Sie heute leben. Und warum explodieren die Mieten? – Das ist die Geschichte mit Angebot und Nachfrage....

Und wer jetzt da so scheinbar sozial argumentiert wie es die SZ macht, macht eigentlich das Gegenteil: es ist ein Plädoyer für die Wohnraumverknappung. Ist ein Gut knapp, wird es teurer und nur noch wenigen zugänglich. Eigentor.

Würde die Au durch den Wegzug der Brauerei ihr Gesicht verändern? – Ja. Würde sie es verlieren? – Nein. Denn gesichtslos sind die Viertel am Stadtrand. Wo einfach gebaut wird – wo es keinen Tandler gibt, keine Tante Emma, keinen Bäcker, keinen Metzger, keinen Schuster. Wer in die Innenstadt zieht, möchte doch gerade nicht mit dem Auto zum Supermarkt, sondern zu Fuß seine Einkäufe erledigen können. Möchte doch gerade, dass „sein Viertel“ lebt.

Sollte Paulaner an den Stadtrand ziehen, ist das ein Gewinn. Und es will auch nicht jeder Yuppie am Nockherberg wohnen. Ich glaub, Herr Pfarrer, da müssen Sie keine Angst haben.


Sag mir wo du wohnst

Ein Vorwurf an Google Streetview ist ja, dass (potentielle) Chefs, Arbeitskollegen, potentielle neue Vermieter und alle anderen Neugierigen mit Leichtigkeit das soziale Umfeld eines Menschen begutachten könnten. Ja. Dagegen kann man jetzt nichts sagen, außer dass es genug neugierige Menschen gibt, die das machen. Aber ganz ehrlich: das soziale Umfeld, das sich durch die Adresse ergibt, sagt doch dem Gegenüber heute schon einiges.

Manchmal reicht es die Stadt zu nennen, in der man lebt. Sagen Sie jemanden, dass Sie aus München kommen und Ihnen wird Respekt, Verachtung oder Neid entgegen schlagen. Es ist eine Stadt, die häufig eine Emotion auslöst - und Sie häufig in eine Schublade steckt. Bei Duisburg, Paderborn oder Weiden gehen andere Schubladen auf. Dem Ortsfremden kann man als Münchner in Zukunft nur nicht mehr vormachen, in Nymphenburg zu leben, wenn es de facto das Hasenbergl ist. Aber virtuelle Stadtpläne gibt es ja schon länger...

Auch der Ortsansässige braucht in der Regel kein Street View, um jemanden in eine soziale Schublade zu stecken. Die meisten Städte sind ja überschaubar. Auch München. Und so weiß man bei vielen Adressen schon mal auch, in welcher Ecke jemand wohnt. Ob in Nymphenburg oder im Hasenbergl.

Wobei mich meine Nymphenburger Adresse auch durchaus in die Kategorie "verwöhnte Göre" gesteckt hat - eine Studentin/Praktikantin, die in einem noblem Viertel wohnt, während man sich selbst in einem Wohnblock in Aubing wiederfindet, macht nicht nur Freunde. Da hab ich dann immer schnell die Geschichte von der viertelbekannten, weil einzigen Studenten-WG weit und breit hinterhergeschoben. Bei Chefs war das natürlich etwas anderes, da war der Stempel "aus einem guten Stall" und der ist hilfreich.

Meine Muster funktionieren ja ebenso: Berg am Laim? - hm. Solln? - wie schön. Dann denk ich mir vielleicht noch "Respekt". Vielleicht denk ich mir auch "wie hat der oder die das gemacht?" oder auch "schau an, mehr Schein als Sein"... Für all das brauch ich kein Google Street View. Das gäbe mir dann nur noch die Zusatzinformation, ob es die Villa ist oder der 70er Jahre Klotz.

Auch jetzt: Meine Straße scheint (außer einigen Taxifahrern) ganz München zu kennen - die Reaktion ist immer die gleiche: In einer schönen Ecke wohnen Sie....

Münchner Makler, Part 1001

Massentermine bei Besichtigungen sind angesagt zur Zeit. Das erinnert mich an die letzte (Miet-)Wohnungssuche vor zehn Jahren, wo sich gleich hunderte von Menschen auf die Füße getreten sind. Irgendjemand hat man immer getroffen, den man kannte, weil man immer jemanden kannte, der ebenfalls eine 3 Zimmer Altbau Wohnung in guter Lage gesucht hat. Also eigentlich alle, die man kannte. Also ist es ja auch kein Wunder, wenn man diesselben Menschen nun heute bei Besichtigungsterminen trifft. Denn aus den drei Zimmern sollen nun vier werden. Der Rest ist gleich geblieben.

Gibt es nun ein zufälliges Zusammentreffen, gibt es nun verschiedene Möglichkeiten, wie die Geschichte weitergehen kann, nach dem ersten verlegenen Lächeln "ah, du auch hier". Entweder das ganze ist so indiskutabel, dass man sich schnell darüber einig ist und stattdessen einen Kaffee trinken geht, um ein bisschen über den Münchner Wohnungsmarkt zu jammern. Die zweite Möglichkeit ist sehr viel perfider, nämlich die, die bei gesteigertem Interesse auftritt. Kennt man sich sehr gut und will sich die Freundschaft erhalten, kann man vielleicht den Makler ausspielen und am Ende hat zumindest einer gewonnen. Doch eigentlich gewinnt der Makler. Der kann dann nämlich die Interessenten noch viel besser gegeneinander ausspielen.

Wobei, rein logisch betrachtet, auf das kann ein Makler gar nicht setzen. Das ist ein Glücksfall für ihn. Massenbesichtigungstermine sind allerdings ein erstklassigs Zeitsparmodell. Man scheucht alle gleichzeitig durch und keiner kann so wirklich in alle Ecken schauen. Gern genommen auch von Eigentümern, die noch in ihrer Immobilie wohnen. Denn denen sind Besichtigungstermine ein Graus, die würden gerne blanco verkaufen. Aber wie formuliert man das dann im Notarsvertrag "verkauft wie nicht gesehen?"...

Apropos: Kleiner Nachtrag zu dieser vielbeachteten Geschichte:

Anruf - Samstag (!) früher Abend: Frau B. ich könnte Ihnen noch einen Besichtigungstermin anbieten. Äh, danke. Ich war schon mit zwanzig anderen Interessenten gleichzeitig da. Und habe spätestens so gemerkt, dass die Wohnung zu klein ist. Abgesehen von anderen, störenden, Punkten.


Münchner Makler, Part 1000

Er kam in Badeschlappen und kurzer Hose. Und ich fühlte mich sofort verarscht. Es mag zwar heiß sein, wettertechnisch, nicht kleidungstechnisch, aber so gehe ich nicht auf einen Geschäftstermin. Vielleicht hätte er es durch Kompetenz wett machen können, aber er hatte nur eine Standartantwort: das weiß ich nicht. So war eigentlich von Beginn an klar, dass wir nicht ins Geschäft kommen werden. Glücklicherweise war die Wohnung eh völlig verschnitten. Schade, die Lage war genial. Und dann muss man in München ja eh nichts wissen und können und kann mit dem Markt machen, was man will. Trotzdem, muss man die Kunden per se verarschen?


Wohnlage mal anders betrachtet

Das Wohnungs-Haus-Immobilien-Roulette dreht sich weiter und bietet immer wieder Stoff für Diskussionen, die zwischen Neid und Nie-im-Leben schwanken. So stellt man fest, dass die Ansprüche von Menschen, die man lange kennt und mit denen man viel Zeit verbracht hat, ganz unterschiedlich sind, was das eigene Zuhause betrifft. Was gut ist, denn so kommt man sich nicht in die Quere, aber doch erstaunlich, denn man meinte doch, eine gewisse Ähnlichkeit der Lebensentwürfe vor sich zu haben. Aber im Laufe der Jahre ändern sich ja Entwürfe und Prioriäten und Anschauungen. Eine der interessantesten Diskussionen, die sich daraus ergeben, ist die Wohnlagendiskussion.

Derartige Diskussionen haben mit den verschiedenen offiziellen und halboffiziellen Wohnatlanten Münchens wenig gemeinsam: denn obwohl es laut letzteren nur gute und beste Lagen in München gibt, sieht das nach individueller Sichtweise ganz anders aus. Ganz klar ist diese Sichtweise abhängig vom Grad der Familienplanung, vom persönlichen Ruhebedürfnis und von den eigenen Kochkünsten. Erstaunlicherweise hat noch niemand, das Vorhandensein geschweige denn die Qualität des nächsten Bäckers oder Konditors als Argument ins Feld geführt. Also ich finde das nicht unerheblich...


Bayerisch für Anfänger III

Es offenbarte sich mal wieder eine sprachliche Barriere in einer binationalen Beziehung - zwischen Niederbayerin und Zuagroasten: Frau B. analysiert bei einer Tasse Kaffee die aktuellen Immobilienangebote und stößt auf eine Anzeige, in der eine Erbengemeinschaft für eine 120 qm Wohnung (in zentraler verkehrsgünstiger Lage - fast direkt am Mittleren Ring) 700 000 Euro haben will. - Was fällt Ihnen dazu ein? Mir jedenfalls nur eines: "De hat der Ruach packt."

Bayerisch für Anfänger, Teil I und II


Neue Absurditäten des Wohnungsmarkts

Je höher das Ross, um so tiefer die Fallhöhe. Oder so. Dass es hier in München eher einen Verkäufer denn einen Käufermarkt hinsichtlich von Immobilien gibt, ist bekannt. Manche Verkäufer oder Makler glauben aber, dies rechtfertige alles und kommen auf Ideen... zum Beispiel ein Makler, eines einem Finanzinstitut angeschlossenen Immobilienvertriebs, der allen Ernstes nicht vorschlug sondern forderte, dass ehe er ein Exposé des Objekts verschicken würde, müsse man beweisen, dass man dieses auch bezahlen könne. Wobei es sich nicht um eine Luxusvilla am Starnberger See handelt, die sich eventuell auch mal hundert Leute einfach so aus Neugier anschauen würden. Also jemand, der sagt: ich sag dir nicht, wo es genau liegt. Ich sag dir nicht, wie die Bausubstanz ist und welche Renovierungen anstehen. Ich sag dir auch nicht, wie es aussieht. Dem kann man doch nur antworten: Dann will ich es auch gar nicht wissen.


Sozialdemokatrische Ansichten

Unser Oberbürgermeister, den man heute im schicken englischen Trench (und dazu passenden Schal) bewundern kann, freut sich. Und zwar über neue Mietwohnungen. Die entstehen da, wo Nymphenburg den Namen Nymphenburg noch verdient und sind, keine Frage, richtig schick. Und wer es sich also leisten kann, 18 Euro den Quadratmeter zu zahlen, kann in Zukunft nett neben der Schlossmauer, angrenzend an das Villenviertel wohnen. Lärmabgeschirmt ist er auch, denn zwischen dem schicken Neubaugebiet und den Bahngleisen kommt erst mal ein weiteres Neubaugebiet, in dem Leute wohnen, die meinen, wenn sie schon 1800 Euro im Monat für eine 100 Quadratmeterwohnung locker machen wollen, müssten sie diese nicht zwingend einem Vermieter in den Rachen schmeissen, sondern könnten damit auch einen Kredit abzahlen. Dafür dürfen sie jetzt als Lärmschutzwall fungieren, denn kaufen statt mieten gilt ja in dieser Stadt als suspekt. Denn das ist bourgeois. Und mieten nicht. Auch nicht bei 18 Euro den Quadratmeter.


Weitere Dinge, die man nicht braucht

Anscheinend.

Was also völlig aus der Mode kommt sind Außen-Jalousien. Also so richtige Rolläden, die man zumachen kann. Was umso denkwürdiger ist, da im Gegenzug es in Mode gekommen ist, das allerdings schon vor Jahren, dass man Wohnungen und Häuser nach Westen ausrichtet. Was man früher nicht getan hat, denn die Westseite ist die Wetterseite und wie das aussieht, kann man nach mehreren Jahren ganz gut sehen. So haben meine Eltern beispielsweise darauf geachtet keine direkte Westseite zu haben. Diese hat das Nebenhaus. Den Unterschied sieht man 30 Jahre später sehr deutlich.

Aber Westseite ist heute schick. Und schick sind auch große Panoramafenster. Wenn aber im Gegenzug Außenjalousien nicht mehr schick sind - ja, dann fragt man sich doch mal ganz spontan wie das ist, hinter eine großen Glasfläche zu leben. Bei der ich weder das Licht aussperren kann, noch die Sonne noch starken Regen.  Und dann frag ich mich, wenn mir als Sonnenschutz Lamellen oder Stoffmarkisen angeboten werden, wie die denn nach ein paar Jahren aussehen - ich red ja nicht mal von 30 Jahren. Wer diese Panoramafenster einmal im Monat putzen soll, frag ich ja schon gar nicht mehr.


Über Dinge, die man nicht braucht

Es gibt Dinge, die mich immer wieder aufs neue staunen lassen. Und dazu gehört in erster Linie die Abneigung von Architekten, die für Wohnungsbaugesellschaften arbeiten, gegen Küchen. Eine Küche ist anscheinend etwas, was man nicht braucht heutzutage. Entweder sie ist völlig offen zum Wohnraum und am besten zur ganzen Wohnung, was bedeutet, dass sie eigentlich nicht benutzt werden kann, jedenfalls nicht zum kochen sondern höchstens zum Kaffee kochen und eine TK-Pizza, denn würde darin gekocht werden, hätte man zum einen den ganzen Kochgeruch in der ganzen Wohung - und zum anderen wie sieht das denn aus! Also verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag große Küchen. Küchen, in denen man kocht. In denen man isst. In denen man lebt. Eine Küche ist der Kern eines Heimes. Aber kein Wohnzimmer. Wohnküchen dagegen sind dagegen völlig altbacken und geben deswegen beim Mietspiegel der Stadt München auch gleich einen Minuspunkt. Wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb aus so vielen Altbauwohnungen die Küche in die damals obligatorische Kammer verschwindet, die verschwindet ganz, braucht ja kein Mensch außer mir - und aus der drei Zimmer Wohnung entsteht durch Zauberhand eine vier Zimmer Wohnung. Ohne anständige Küche oder Kammer - denn das wie gesagt braucht anscheinend kein Mensch. Alternativ wird aus der Kammer ein Badezimmer. Denn Badezimmer braucht man - so groß wie möglich. Und so viele wie möglich. Zu jedem potentiellen Schlafzimmer eines. Und jedes größer als die Küche.

Aber kommen wir zurück zur Küche. Der Hauptgrund für diesen offenen Küchen Schmarrn findet man ja erst, wenn man sich überlegt, schlicht und ergreifend eine Wand einzuziehen. Geht nicht. Geht natürlich, aber dann stellt sich heraus, dass man nun leider eine Küche ohne Fenster hat. Was auch ohne zusätzliche Wand immer schicker wird, denn mir kommen immer häufiger Grundrisse unter, die per se so geplant sind. Weil. Kein Mensch braucht eine Küche. In München kann man sich eh nur eine Wohnung leisten, wenn man von früh bis spät arbeitet und dann ist es egal, ob die Küche ein Fenster hat, merkt man ja eh nicht.

Jetzt frage ich mich natürlich, wer hier jenseits der Realiät lebt. Nachdem ich zwar grundsätzlich der Ansicht bin, dass es die Architekten sind, denen irgendwas ins Hirn... Aber vielleicht lebe ich auch jenseits der Realität. Vielleicht braucht man das heute - Badelandschaften und keine Küche. Vielleicht werden die, die solche Wohnungen kaufen aber auch irgendwann sehr unglücklich mit ihrer fensterlosen Küche. Vielleicht auch erst, wenn sie die Wohnung wieder verkaufen wollen. Oder müssen, weil sie sich das tägliche Essen gehen nicht mehr leisten können. Und dann feststellen, dass ihre fensterlose Küche zu einem echten Handicap geworden ist. Denn der Trend wird sich umkehren. Da bin ich mir sicher. Nur wann.


Alles gleich

Du hast es ja eigentlich gleich gesehen. In dem Moment, als er an diesen Tisch kam und fragte, ob der Platz noch frei wäre. Unter dem Arm ein Stapel Papier. Ausgedruckte Immobilien-Exposés. Und dann, als die Begleitung kam, konntest du nicht umhin, trotz eigenem angeregtem Gespräch, das ein oder andere Wort aufzuschnappen: "In dieser Straße ist es doch viel zu laut" - "Wie kommen die eigentlich auf die angegebene Zimmeranzahl?" - "Naja" - "Das ist doch völlig adw" - "Wenn man dann noch Renovierungskosten miteinrechnet..." Wie sich Gespräche doch gleichen können, auch wenn die Gesprächsteilnehmer, auch wenn sie an demselben Tisch sitzen, so unterscheiden. Aber wahrscheinlich unterscheiden sie sich gar nicht so. Und der Beweis liegt darin, dass sie an demselben Tisch sitzen. In derselben Kneipe. Wahrscheinlich imselben Viertel wohnen. Diesselben Vorstellungen haben. Nein, gegen den Strom schwimmen ist etwas anders...


München soll ein Dorf bleiben

So scheint es. Anders gesagt: Lokalteil lesen bildet, besonders vor einer Kommunalwahl. In dieser Süddeutschen (kein Link, da natürlich nicht online) stand heute eine Meldung, die der Rede wert ist: Rot-Grün stoppt Bauprojekt in Thalkirchen.

Für alle, die es nicht mitbekommen haben - rund um den Thalkirchner Bahnhof sollte ein neues Wohnquartier entstehen. Der Bahnhof selbst in Lofts umgebaut (nicht Frau B.'s Preisklasse) und dann vor Richtung U-Bahn ein neues Viertel. Urban, mit klarer Formensprache - architektonisch interessant. Kurz: alles was in München unter dem Gemaule, das wollen wir nicht, das ist nicht kleinbürgerlich genug - offizielle rot-grüne Stadtsprache: nicht sozial und ökologisch. Also dasselbe Spiel wie bei der Werkbundsiedlung Wiesenfeld.

Wieder einmal ein ambitioniertes Projekt abgeschossen - München könnte ja irgendwo an einer Stelle ein bisschen großstädtische Entwicklung zeigen. Was dem dörflichen Charakter natürlich zuwider laufen würde.

Kommt aber noch etwas anderes dazu: die beiden Projekte, die da gestoppt wurden sind nicht irgendwelche überflüssigen Prestigeobjekte. Es sind Wohnungen. Und Wohnraum ist etwas, das München nicht im Überfluss hat.

Aber dass es Menschen gibt, die in München Wohnraum suchen und diesen gar käuflich erwerben würden - das macht einen ja in den Augen manchner Parteien eh zum suspekten Individuum. Man muss sich das einfach mal bildlich vorstellen - der eine Bürgermeister, nämlich der, der, wie jeder weiss, in einer Altbauwohnung in Altschwabing sitzt, umgeben von seinen Alt-68er-Spezln, sagt: da haben wir ein Biotop geschaffen, das müssen wir schützen. Vor Zuzug - jedenfalls vor Zuzug relativ normaler Münchner, die können sich das nämlich eh nicht leisten nach Altschwabing zu ziehen.

Das sind eh nicht meine Wähler. Die können wir auch an den Stadtrand schicken, wo der Seppi wohnt. Prima Idee, sagt der andere Bürgermeister, also der, der nochmehr Rad fährt wie der eine, von da aus, können sie nicht mehr mit dem Rad in die Stadt fahren. Und weilst mit dem MVV schier nicht da hinkommst wo du hinwillst, können wir von denen allen Geld verlangen - jetzt mach ma a City-Maut.

Wobei ich eigentlich bei der rot-grünen Verkehrspolitik wäre... das führt an dieser Stelle zu weit. Aber da es mich ebenfalls an den Rand des Wahnsinns bringt - wenngleich nicht mal halb so sehr wie die Wohnraumpolitik dieser Stadt - besteht ja die Chance, dass man dies noch vor Sonntag an dieser Stelle lesen wird....


Tipps zum Immobilienkauf - der Besichtigungstermin

Es ist immer die Frage zwischen Angebot und Nachfrage. Und wenn die Nachfrage größer als das Angebot, sparen Sie sich diesselbigen - wenn Sie in München eine Immobilie erwerben wollen. Wollen Sie das ernsthaft, sollten Sie sich unauffällig verhalten: Also besichtigen Sie dann wenn die Wohnung am ruhigsten und hellsten ist - ein sonniger Sonntag zur Mittagszeit ist der ideale Zeitpunkt. Vergessen Sie bitte, dass sonnige Sonntage nicht der Alltag sind. Wer interessiert sich schon für Helligkeit oder Lärmbelästigung. Sie werden in Zukunft zu dieser Zeit eh im Büro sein...