Minga mog di
Mein Name ist Bond, James Bond...

Dieses Wochenende...

...werde ich mal tief in mich gehen und mich fragen, wie manche Leute auf die Idee kommen können, dass ich das Bayerische an sich als negativ empfinde - wie bei minga.de  ... Vielleicht lese ich dazu mal wieder eines meiner Lieblingsbücher – nämlich Lion Feuchtwanger „Erfolg“. Ein grandioser Zeitroman über Politik und Kultur aus der Zeit der Inflation. Ein München- und Bayernportrait vom kleinen Handwerker bis hin zum Gschwollschädelpolitiker, das heute so treffend ist wie damals. Nicht nur eine Topographie des Bayerischen, sondern auch der Beweis, dass keiner sagen konnte, er hätte nichts gewusst. Absolut empfehlenswert!

Vielleicht höre ich mir auch die Aufnahme „Erfolg“ an – von der großartigen musikalischen Lesung aus den Kammerspielen aus dem Jahr 2000. Jörg Hube liest und die Biermösl Blosn spielt dazu auf. Bayerisch böse würden jetzt vielleicht manche Leute sagen. Recht haben sie, man kann aber auch sagen: den Leit aufs Maul schaun und nicht nach demselben reden... Vorteil natürlich: Es ist die Kurzfassung des 800 Seiten Romans und man hat danach noch Zeit, auf die Auer Dult zu gehen – dem Schauplatz der Schlussszene von „Erfolg“. Und dann muss man das Buch eben doch ganz lesen...

Mehr Bayern-Typographie und Bösartigkeit gäbe es am Wochenende mit Günter Grünwald im Lustspielhaus (leider ausverkauft). Aber man kann sich ja vormerken, dass Sigi Zimmerschied im November nach München kommt (zuerst Lach und Schieß, dann Lustspielhaus) und zwar mit seinem Programm „Scheißhaussepp“. Weit fahren muss derjenige, der die Blosn noch live in diesem Jahr hören und sehen will, aber am 3.11. spielt im Schlachthof immerhin „Monaco Bagage“.

Wem’s aber mehr nach Pseudo-Bayerntümelei ist, der kann ja ins Hofbräuhaus gehen und sich dort die Orginalversion von „Solang der alte Peter“ anhören – mir ist die der Biermösl Blosn lieber...

Kommentare

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Dr.Sno*

Im Großraum München gab es Mitte der 60er bis Ende der 70er in den meisten Schulen den Trend, den Schülern die bayerische Mundart abzuerziehen (zum Teil mit den unterschiedlichsten und abstrusesten Methoden). Geprägt war dies wohl stark durch den großen Anteil an zugezogenen Lehrkräften aus ganz Deutschland, die die Lehrerknappheit aufgrund des Strukturwandels in Oberbayern minderten.

Heute wird Dialekt in Schulen natürlich längst anders behandelt. Meiner Meinung existiert jedoch eine Generation, die auf diesen Bezug sensibilisert wurde. Vielleicht ist es möglich dass dies eine der Ursachen ist?

Helga

Tatsächlich ist es so, dass auch uns in der Grundschule der Dialekt zwar nicht ausgetrieben wurde, aber doch sehr hochdeutsch gesprochen wurde. Was nicht hätte sein müssen - oder vielleicht doch, denn an der Uni fand ich es dann wiederum mehr als merkwürdig, wenn manche Leute über politische, semantische oder philosophische Theorien in tiefsten Bayerisch (noch besser: Oberpfälzerisch)diskutierten. Ich finde, man muss sprachlich "umschalten" können. Außerdem ist es ja nachgewiesen, dass bei Kindern, die zweisprachig aufwachsen die Sprachfähigkeit sich besser ausbildet - und Dialekt ist nichts anderes als eine zweite Sprache.

Dr.Sno*

Das sehe ich auch so, dennoch glaube ich dass eine argwöhnisch defensive Prägung durch das WIE und nicht das OB der Lehre vom Hochdeutschen gefördert wurde.

Hält man sich die Tatsache vor Augen, dass die Verdrängung der Muttersprache in Ländern wie Belgien zu gravierenden sozialen Spannungen führen kann, schlagen sich die Bayern, die ja erst vor 134 Jahren nicht umbedingt freiwillig ein Teil von Deutschland geworden sind, ganz gut.

Christian

Also bei mir in der Grundschule war es sehr verpönt Bayrisch zu sprechen oder auch Trachten zu tragen. So kommt es, dass zwar meine Eltern (Hoch)bayerisch reden, ich aber eher Hochdeutsch mit inzwischen verstärkt bayerischem Einschlag. Traurig eigentlich.

Ich hasse es, wenn ein Bayer mich einen Preißn nennt und der Preiß einen Bazi. So was passiert dann nämlich. :-(

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