Schluss mit Possibilitydating
Apropos old-fashioned...

Kunst mir mal ein Event machen?

Diesen Samstag gibt’s in München mal wieder ein richtiges Kultur-Event: Die lange Nacht der Museen. Tausende von Besucher, die Jahr und Tag nicht ins Museum gehen, werden sich in den Musen-Tempeln dieser Stadt gegenseitig auf die Füße treten. Vor lauter Köpfen kein Bild gesehen haben, aber glücklich auf einem Event gewesen sein. Ich finde diese langen Nächte absurd. Ob die lange Nacht der Museen, der Musik oder der Wissenschaft. Das Angebot an so einem  Abend ist gigantisch – und letztlich für den einzelnen doch nichts halbes und nichts ganzes. Man rennt allem hinterher, um dann wieder vor wegen Überfüllung verschlossenen Türen zu stehen. Und macht sich wieder auf den Weg.

Im positiven Sinne ist so eine lange Nacht vielleicht eine gute PR für die Museen. Sie lockt Menschen an, die normalerweise eine Schwellenangst vor Museen haben – und vielleicht bekommen sie ja dadurch Lust, das zu sehen, was sie an diesem Abend doch nicht sehen vor lauter Menschen. Vielleicht aber auch nicht, denn ohne Kunst-Hopping mit Häppchen finden viele das ganze nach wie vor langweilig.

Vielleicht bin aber auch ich langweilig und old-fashioned. Ich gehe in ein Konzert, in ein Theaterstück, in eine Ausstellung – und gut ist es. Danach je nach Tageszeit auf einen Kaffee oder ein Glas Wein und dann lasse ich das ganze auf mich wirken. Und das kann ich immer machen, dafür brauche ich keine lange Nacht...

Nicht, falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Kunst-Events an sich, Stellt sich nur die Frage: Warum muss alles an einem Abend stattfinden – statt es über das Jahr hinweg zu verteilen? Die Kombination von Theater, Musik, Literatur und bildender Kunst – wunderbar. Warum nicht öfter? Es gibt nicht nur eine sogenannte lange Nacht, das Jahr hat immerhin 365 Tage...

Kommentare

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T.M.

Warum nicht öfter? Weil der Aufwand hoch ist. Man teilt sich die im Voraus notwendigen Werbekosten und lässt auch die Stadt in einem positiven Image erscheinen.

Und warum nachts? Weil es ein besonderes Erlebnis ist.

Das Problem ist,es werden auch künftig nicht mehr Menschen in Museen gehen. Man kann ja Leute nicht zur Kunstrezeption (o.ä.) verlocken. Die Leute, die ein Verständnis dafür haben, Wissen, Neigungen, Interesse, werden auch künftig an solche Orte gehen und dort auch Geld ausgeben. Diejenigen Leute, deren Verstand nur über ein, zwei Händi-Spiele verfügt, werden selbst dann, wenn sie einmal an einer solchen Museumsnacht teilgenommen und diese sogar gut gefunden haben, nicht öfter gehen, behaupte ich. Solche spektakulären Werbemassnahmen funktionieren doch nur dann, wenn man breites, ungenutztes potentielles Publikum hat. Das ist meiner Meinung nach nicht der Fall.

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