Die heutige Jugend
Arbeitsmoral

Frau B. am Telefon

Sie wollen ihren Job hassen lernen, verehrte Verkaufsleute? Dann tun Sie sich keinen Zwang an, rufen Sie mich an. Dann versuchen Sie mir Zeitschriftenabos, Internetanschlüsse, Reisen oder Wein anzudrehen. Es wird eine Ihrer schönsten Minuten des Tages sein - Sie können dabei nämlich überprüfen, ob Ihr Telefon-Verkaufstraining etwas gebracht hat. Bei den meisten nicht, soviel vorweg, da ist nämlich schon bei der ersten Gegenfrage, die entweder lautet "und was wollen SIE jetzt von mir?" oder "woher haben Sie eigentlich MEINE Telefonnummer?", Schluss. Schön ist auch eine Antwort: Nein, ich will Ihnen jetzt nichts verkaufen. Wenn Sie jetzt bei mir bestellen, bekommen sie es günstiger. Oh ja. Nein, ich kaufe nichts. Nein, ich will nichts. Und nein, ich will schon gar nicht von Ihnen angerufen werden.

Liebe Unternehmen, gleich welcher Art, sorgt dafür, dass eure Serviceleitungen anständig besetzt sind, aber spart euch das Geld, irgendwelche Menschen Telefonaquise durchführen zu lassen. Und wenn sich letzteres für euch tatsächlich lohnen sollte, dann beschränkt eure Anrufe auf gelangweilte Hausfrauen und lasst mich aussen vor. Ausserdem kann ich mich eh nicht erinnern, irgendwo irgendwas mal zugestimmt zu haben... Woher habt ihr also meine Nummer?

Kommentare

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Oweh

Neulich klingelt das Telefon. Eine Frau ist dran, ob sie mit Herrn Oweh spräche? Jaja, dochdoch. Das würde sie freuen und mich auch gleich denn ich hätte eine Reise samt Hotel für zwei Personen gewonnen!

»Einfach so?«
»Einfach so.«

Da hab ich mich natürlich erwartungsgemäß gefreut wie ein Schneekönig auf einem Honigkuchenpferd und meine Frage, wo es denn hinginge, wurde damit beantwortet, dass es da noch ein kleines Problem gäbe.

»Ein Problem? Oh..«

»Ja. Es tut und leid, wir würden Ihnen die Reise gerne einfach so schenken, aber das Deutsche Reisegesetz verbietet das Verschenken von Reisen…«

[Aha, klar, logisch. Das Deutsche Reisegesetz. Kennich.]

»…und darum müssen wir leider diesen Gewinn mit einer kleinen Sache verknüpfen. Wir haben da eine große Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften, die Sie gerne für eine kurzen Zeitraum abonnieren können.«

»Zeitschriften?«

»Ja, Zeitschriften. Den Stern, Spiegel, Bunte, Schöner Wohnen, Brigitte…«

»Ja aber…«

»…Mein Heim und ich, Autowelt, Mein schöner Garten, Horse and Hound,….«

»Ja aber ich hab da auch ein Problem: Ich kann nicht lesen!«

»…Budget, Financial Report….äh…was?«

»Ich kann nicht lesen. Haben Sie auch Bilderbücher?«

»Sie können nicht…«

*KLICK*

»Hallo? Hallo??? Sind Sie noch dran? Was ist jetzt mit meiner Reise? HALLOOOO??«

So blieb ich überraschenderweise daheim.

Helga

Mei Sie Ärmster, können nicht lesen! Aber gut, dass Sie so offen damit umgehen... Vielleicht haben's ja jemanden, der Ihnen vorlesen kann...

Oweh

Ja gell? Dabei lese ich selber so gerne vor. Irgendwann wird mir einer draufkommen.

Übrigens: Dem nächsten dieser Anrufer werde ich versuchen eine Schrankwand anzudrehen. Oder irgendetwas anderes. Ich habe noch ein paar Gitarren und Bässe rumstehen. :-)

Christian

Die Ausrede finde ich Super! Ich wünsche schon mal viel Glück beim Schrankwand-Verticken!

Christian

In Spiegel Online ist heute ein interessanter Artikel zum Thema veröffentlicht worden: CALLCENTER - "Das Gewissen abschalten" auch das dazugehörige Forum ist interessant zu lesen.

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