Frauen...
Statt Karte...

Das Pferd flieht - ich auch

Es war das Lieblingsbuch meines Deutsch-LK-Lehrers. Und das, obwohl er noch gar nicht in der Midlife-Crisis war. Jedenfalls vom Alter her damals noch nicht. Dass er ernsthaft geglaubt hat, damit bei 18jährigen Mädchen punkten zu können, ist mir heute noch unbegreiflich. Jedenfalls hat er mir damit Martin Walser für immer madig gemacht - mit seinem fliehenden Pferd. Endgültig geschafft hat es Walser mit "Tod eines Kritikers", das ich dann tatsächlich noch gelesen habe, schließlich hat vor fünf Jahren alles und jeder darüber geredet.

Zurück zum "Fliehenden Pferd". Denn diesen Sommer kam die Diskussion eben auf jenes Buch - interessanterweise hatten es alle anwesenden Damen gelesen und alle entsetzlich gefunden. Und es gab die ein oder andere Empfehlung an den ein oder anderen anwesenden Lebensgefährten, schon ein paar Jahre älter, dem dieses Buch doch gefallen würde. Objektiv betrachtet nicht sehr schmeichelhaft. Und so ging das Gespräch dahin im allgemeinen und im besonderen bis nun Freundin M., die ein phänomenales Gedächtnis für Dinge hat, die nun auch schon 15 Jahre zurückliegen, die Sprache auf etwas spezielles brachte. Nämlich hätte sie sich, und wenn sie ehrlich sei würde sie es auch heute noch, gefragt bei der Lektüre dieses Buches, was denn "federn" sei. Darum ginge es nämlich an einer Stelle in aller Ausführlichkeit, aber eben nicht ausführlich genug. - Und nun erwarte sie von einer Runde sexuell aktiver Menschen eine Antwort.

Die blieben alle schuldig. Man überlegte noch, Herrn Walser selbst zu fragen. Vielleicht hätte M. ja auch unseren Lehrer fragen können. Vielleicht findet sich aber auch die Antwort auf die Frage in der Verfilmung, die am Donnerstag ins Kino kommt.

Kommentare

Feed Abonnieren Sie den Kommentar-Feed dieses Eintrags, um der Konversation zu folgen.

mawa

Ach, das ist immer schade, wenn einem ein schlechter (oder zumindest idealer) Lehrer den Blick auf richtig gute Bücher versperrt. Ich hab das fliehende Pferd (zum Glück?) erst später entdeckt - und daraus hat sich dann eine große Walser-Begeisterung (Die Bücher! Nicht notwendigerweise der Autor!) ergeben. "Ehen in Philippsburg", "Flugzeug überm Haus" - ganz großes Tennis!

Weshalb für die Verfilmung jetzt aber notorious Mrs. Riemann aus der wohlfeilen Versenkung gezogen werden musste... Naja, ein Urteil will ich mir erst erlauben, wenn ich den Film gesehen hab.

Die Kommentare dieses Eintrags sind geschlossen.