Statt Karte...
Petition: Sonne zum Oktoberfest

Gebt's a Ruh, ihr Saukrippen!

Ja, es ist der Zeitpunkt gekommen, selbstkritisch zu sein und zuzugeben: Meine latent vorhandene Spießigkeit verbunden mit meiner weniger latenten Intoleranz hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Und das kam so...

Friedlich im Bett liegend und einschlafend drang es an mein Ohr: Wum. Wawum. Bong. Bong. Wum. Bässe. Techno. Und noch irgendwas anderes. Und wenn mich irgendwas nervös macht, ist es das, was, exakt seit dem Ende meiner Jugend, Musik genannt wird. Wum. Wawum. Fürchterlich. Kein Wunder, dass die alle Drogen nehmen, das hält man ja sonst nicht aus. An Einschlafen war nicht mehr zu denken. Wawum. Kurz die Lage scannen - ok über mir wohnt ein kleines Baby. Das gibt zwar nachts auch Geräusche von sich, aber die klingen anders. Und dass es die Stereoanlage aufdreht, weil Mama und Papa nicht daheim sind, unwahrscheinlich. Unter mir wohnt eine ganzheitliche Ökotante, von der hört man eh nie was. Neben mir, das ältere Paar schlummert grad seelig im Wiesnrausch. Im Haus ist es ruhig.

In meinem Schlafzimmer nicht. Wum. Wawum. Raus aus dem Bett. Ran ans Fenster. Und schau an - it's Partytime vor meinem Schlafzimmer. So ein paar Rotzlöffel kicken auf der Kreuzung und aus dem Auto kommt der Sound - Wum Wum Wum. Servus. Wo sind wir denn jetzt? Und ehe ich es mich versehe schlüpft der Geist meines Vaters in mich - und ich schimpf auf die Kreuzung runter. Wer bis jetzt von den Nachbarn noch geschlafen hat, ja, der ist jetzt wahrscheinlich auch wach.

Aber dafür kann ich jetzt schlafen. Denn es zeigt Wirkung mein Gezeter. "Entschuldigung", sagt der eine. Dann drehen sie die Musik ab. Zwei setzen sich in ihr nagelneues BMW-Cabrio. Zwei steigen in eine Q7. Und weg fahren sie. Wohin auch immer. A Ruh is. Ja wo samma denn?

Kommentare

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T.M.

Ist eigentlich - wie hier - auch in M eine postmoderne Renaissance des Ghetto Blasters zu verzeichnen? Diese Dinger, groß, schwer und laut, werden hier mehr und mehr als kuhl empfunden, ähnlich wie seit Inkrafttreten diverser Rauchverbote das Schnupfen aus der Dose.

Helga

Es wäre die Konsequenz - mit diesem ganzen schrecklichen 80er Jahre Revival - also warum auch nicht wieder Ghetto Blaster? Aber nein, jedenfalls für die sogenannten besseren Viertel gesprochen, bis jetzt rennen sie alle noch mit den weissen Ohrspöpseln rum...

Apropos Schnpftabak: darf man in der Schweiz in den Lokalen schon nicht mehr rauchen?

cohu

Also du musst schon ein gerüttelt Maß an natürlicher Autorität mitbringen, bei so einem verschüchterten Rückzug von seiten der Jugend. Hätte ich auch gerne!
Der neue Ghettoblaster ist ja das Handy: das kann inzwischen mit erstaunlicher Lautstärke Musik und sogar die dazugehörigen Videos abspielen; insbes. für ÖPNV-Locations ist das beliebt. Noch schlimmer als die akustische Belästigung finde ich bei dieser Art der U-Bahn-Beschallung allerdings, dass mir dann Stunden später noch der alte Spruch
"Aus dem Walkman tönt es grell / Den Nachbarn juckts im Trommelfell"
in den Gehirnwindungen hängt...

T.M.

In der Schweiz sind im Kanton Tessin bereits offizielle Rauchverbote in alle öffentlichen Gebäuden und damit auch in Restaurants in Kraft, streng wie in Italien. Im Kanton Solothurn ist es bereits beschlossen, in zahlreichen anderen Kantonen arbeitet man derzeit an Gesetzesvorlagen, die teilweise noch dieses Jahr zur Abstimmung kommen. Es gibt allerdings nach wie vor noch die Zigarrenseite in der Speisekarte sowie an ausgewählten Orten auch einen Salon.

Auch hat die SBB in sämtlichen ihrer Einrichtungen in der ganzen Schweiz Rauchverbote erlassen, schon 2005, die allerdings kaum jemanden interessieren. Geraucht wird nach wie vor überall sehr viel.

Helga

Natürliche Autorität - wow. Klingt wesentlich besser als hysterische Ziege;-)

CB

Jaja ... auch die bessere Hälfte wachte wahrscheinlich von der natürlichen Autorität augeschreckt auf, oder?

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