Impressionen vom Wochenende
Lebe wild und gefährlich

Kulturelle Unterschiede und ihre Auswirkungen

In anderen Ländern ist es ja auch kein Problem, sagen die einen. Und die anderen, nämlich die Raucher, können da nicht wirklich viel drauf erwidern. Warum der Nichtraucherschutz in Italien im Gegensatz zu München kein Problem ist, wurde mir an diesem Wochenende mal wieder klar.

Lassen wir das vielzititierte "es ist dort wärmer" mal außen vor - am Abend war's in Rom nämlich vieles, nur nicht warm. Was aber die Italiener nicht hindert, draußen Party zu feiern. Und zwar die ganze Nacht. Diese Aussage ist gesichert, weil ich in der Nähe des Campo di Fiori genächtigt habe. Und das ist der Gärtnerplatz von Rom. Außerdem kann man von dort aus nach Travestere und zurück spazieren und wieder hin... Bewegung ist nämlich wichtig im italienischen Nachtleben - im Gegensatz zum deutschen - und dann wird einem auch nicht so schnell kalt. Das haben auch in München manche schon erkannt, zum Leidwesen der Anwohner im Gärtnerplatzviertel - und nicht umsonst bekommt man da inzwischen an jeder Ecke ein "Geh-Bier".

Jetzt ist es zwar so, dass man im fortgeschrittenen Alter etwas gehfauler wird und die Abende auch nicht mehr ganz so lang werden. Was sich in München dann darin äußert, dass man sich mit B. in Kneipe X. trifft - und sich nicht mehr von seinem Platz wegbewegt bis es Zeit zum Heimgehen ist. Spätenstens wenn B. noch den letzten Platz in der hintersten Ecke ausgesucht hat, stellt man sich die Frage, weshalb man sich nicht gleich daheim getroffen hat. Spätestens seit man nicht mehr rauchen darf.

Ein durchschnittlicher Abend erwachsener Menschen in Rom zeichnet sich durch zumindest zwei Platzwechsel aus: Man trifft sich an einer markanten Stelle - geht ein bisschen herum - schließlich  gilt es  zu zeigen, wie schön man ist.  Dann nimmt man irgendwo den Aperitiv ein, bitte draußen, sonst sieht man ja nichts und wird nicht gesehen. Danach ein kleiner Spaziergang zum Ristorante. Hier kann man sich auch reinsetzen, schließlich geht es jetzt ja ums Essen. Das auch mit dem Espresso beendet ist. Danach ein kleiner Spaziergang. Und dann ein Digestiv in einer Bar. Bitte draußen... Und damit einem da nicht kalt wird, stehen natürlich überall Heizpilze.

Die Probleme des Rauchens oder Nichtrauchens stellen sich dabei nicht. Und die Frage nach einer etwaigen Lärmbelästigung ist eh nicht existent. Und wenn jetzt dagegen der Bayer mit einem "do bin i, do bleib i" die Abendgestaltung angeht, was er de facto tut, ist es auch kein Wunder, dass es hier Schwierigkeiten mit der Umsetzung des Rauchverbots gibt.

Kommentare

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der Nachbar

Der ausgehende, umtriebige, Italiener hat im Durchschnitt an und für sich auch weniger Sitzfleisch - ähm, bzw. -fett. Insofern fällt es den Deutschen - und ganz besonders den Bayern - in der Regel natürlich leichter, stundenlang auf ihrem Allerwertesten zu sitzen - ähm, bzw. zu schwimmen.

Dr.Sno*

Die Passeggiata hat allerdings nicht nur was mit dem Ausgehen und Nachtleben zu tun, da zum Teil die ganze Familie am Corso oder auf der Piazza unterwegs ist und sich austauscht.

Ganz anders als das Weggehen mit einem Freund hierzulande, wo es nur wenig Interaktion mit anderen als dem Freund geht. Während der Passeggiata erfährt man vom neuesten Klatsch, trifft willkürlich Freunde und lernt deren Freunde kennen. Und das geht natürlich schlecht, wenn man statisch ist.

Tom

Zum Thema Rauchverbot sage ich als radiakaler Gelegenheitsraucher:

Ich habe in den letzten Wochen am Arbeitsplatz, in der Kneipe wie auch beim Schafkopfen gelernt mit Suchtkranken lieber nicht zu diskutieren ;-)

Tom

Hmm, zwischen den beiden obigen Zeilen fehlt ein {nichts} oder "nichts" oder ähnliches.
Ich habe ganz unbedarft die spitzen Klammern verwendet, die verschluckt das Blog aber wohl wg. HTML und so...

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