Berg und Tal
Herbstspaziergang

Frauen haben ja eh keine Ahnung

Natürlich bekam der Begleiter die Weinkarte vorgelegt. Und natürlich bekam er den Wein zum Probieren - nachdem ich ihn bestellt hatte. Drei Abende lang. In den Bergen ist man anscheinend noch konservativer als im Flachland. Aber grundsätzlich ist die Weinauswahl im Restaurant anscheinend Männersache und Frauen wird die Kompetenz nahezu grundsätzlich abgesprochen. Das ist nur ein Punkt, der mich am Weintrinken außer Haus ärgert. Die anderen sind: schlechte Weinauswahl, schlechte Beratung, überzogene Preise. Um Wein zu trinken, gehe ich häufig nicht mehr aus dem Haus, sondern freue mich über einen guten Tropfen in meinem Wohnzimmer...

Aber die Notizen für Genießer wollten ja explizit für die 16. Weinrallye was über das außerheimische Weintrinken wissen. Da gibt es ja zwei Möglichkeiten - man geht schick essen oder man geht was essen und trinkt dazu auch ein Glas Wein. Und gerade letzteres macht häufig keinen Spaß mehr: Man geht wohin, auf der Karte steht nur mit Glück das Weingut, auf Nachfrage hört man ein "Also mir schmeckt der xy am besten" und dafür zahlt man dann sieben bis acht Euro das Glas.

"Also mir schmeckt am besten" - auf den Satz reagier ich inzwischen allergisch. Den kann man nämlich auch im Restaurant hören. Und bei Flaschenpreisen für 50 Euro interessiert mich nicht die Bohne, was dem Fräulein Bedienung schmeckt, sondern was am besten zu dem auch nicht günstigen Essen passt.

Weil ich aber nicht nur meckern an dieser Stelle will, kramen wir doch mal das Service-Element hervor und loben. Nämlich das Broeding. Wo das Essen nicht nur wunderbar ist, sondern auch die Weinempfehlungen. Und das ganze eben nicht zu einem überzogenen Preis.

Hier war Frau B. schon mal ein Glas Wein trinken...

Kommentare

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Nathalie

Uns geht das auch so - er bekommt die Weinkarte; er sagt, die Dame sucht aus; ich bekomme die Karte, suche aus und bestelle; er soll probieren -> und reicht mir dann immer demonstrativ das Glas über den Tisch.

In München passiert mir das nur im Tantris nicht. Aber das paßt nicht immer zum Geldbeutel! ;-)

Wolf

Paula Bosch berichtet, wie sie am Anfang ihrer Karriere zu hören bekommen hat: "Fräulein, Sie können mir morgens den Kaffee bringen, den Wein möchte ich aber von einem Mann empfohlen bekommen". Das würde heute wohl keiner mehr zu ihr sagen... http://www.sueddeutsche.de/muenchen/576/308520/text/

kaltmamsell

Kann ich, ehrlich gesagt, für München nicht bestätigen (z.B. Terrine, Acetaia, Retter, Kleinschmitz). Es mag ja an meiner dominanten Art liegen, doch selbst wenn die Weinkarte vor den Herrn gelegt wurde (oft wird sie zwischen uns gelegt), aber ich daraus etwas ausgesucht habe, meist in Beratung mit der Bedienung, dann bekomme auch ich die Flasche zum Gegencheck gezeigt und den Testschluck eingeschenkt. Manchmal werden wir auch einfach gefragt: "Wer möchte probieren?"
Auch scheint mir, dass der Anteil von weinkundigen Frauen am Servicepersonal zunimmt.

arztgatten(ex)ehefrau

Na, und, bei uns ist es auch so, dass ich eher Weinverstand hab, aber ich sag mir, ob er korkt, das sollte er dann auch schmecken können. Und wenn er es doch mal nicht merkt, trotzt halbminütigen Duchkauens mit einem so sachverständigen Blick, als ob er der Cheftester vom Metternch wäre, dann kann man später immer noch der Sommeliére Bescheid sagen.
Was im übrigen im nächsten Leben meine Beruf sein wird. Jah.

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