Ich will einfach Schokolade
Ausflug nach Südtirol

Es war die Nachtigall

Dunkelgrüne, blaue oder rote Samtoberteile seien sehr beliebt beim Theaterpublikum in der kleinen Stadt, teilt mir die M. auf  Nachfrage mit. Erschieß mich, wenn du mich je in einem dunkelgrünen, blauen oder roten Samtoberteil siehst, möchte ich sagen. Schlucke es aber hinunter, ob einem plötzlichen Zweifel, was M. denn alles in ihrem Kleiderschrank haben könnte. Eine elegante Bluse mit glänzender Hose gehe auch, ergänzt sie. Wieder schlucke ich: macht optisch ebenso dick wie Samtoberteile.

Aber gut, sie soll sich meiner ja nicht schämen und so schmeiße ich mich in einen schwarzen Hosenanzug (wir erinnern uns: Purismus) - bei dem noch nicht einmal die Hose glänzt - und kreuze also völlig overdressed zur Stadttheater-Premiere auf. Samtoberteile sind keine zu sehen.

Romeo und Julia steht auf dem Programm. Die Inszenierung mit Witz, Süße und Schmerz, aber ohne jeglichen Kitsch. Dazu beigetragen hat sicherlich, dass Oliver Karbus das Stück neu übersetzt hat und durchaus mit Shakespeareschen Anzüglichkeiten würzt, auf die die meisten Übersetzungen ja verzichten. Katharina Kram rührt mich als Julia. Überhaut sind sie gut die Schauspieler, auch in den kleinen Rollen - nur das Platzhirschgehabe auf der Bühne stört mich etwas, da fände ich etwas mehr Zurückhaltung zugunsten der Hauptpersonen angebracht. So bekommen die Lieblinge des Stadttheaterpublikums, die in diesem Stück nur in Nebenrollen glänzen am Ende auch den meisten Applaus.

Die Bühne, die Kostüme sind schön - schließen einen Bogen vom alten Verona zu heute. Ist halt doch zeitlos die Liebe. Und der gute William.

Premiere in Passau ist am 30. Mai - nächste Spielzeit gibt es eine Wiederaufnahme - und "Romeo und Julia" ist auch als Freilichtaufführung bei den Südostbayerischen Burgenfestspielen zu sehen. Weitere Infos.

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