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Ein Theaterabend, der knallt

Eros stellt man sich gemeinhin anders vor. Anders als das Plakat des Volkstheaters, anders als den Plot der Geschichte. Eine, der momentan so unvermeidlichen Roman-Adaptionen. Merke: Erotonomie ist nur ein schöneres Wort für Stalking. Es ist die Geschichte einer Obsession und rauschhaft ist das Stück auch inszeniert. Christine Eder peitscht die die Figuren nur so durch die Geschichte der Bundesrepublik, ein Menschenleben vergeht wie im Flug - unbeteiligt betrachtet vom Erzähler Alexander von Brücken, der die Geschichte nur wahrgenommen hat als Versatzstück seiner Liebe zu Sofie. Die Schauspieler wirbeln über die Bühne, schlüpfen in die unterschiedlichen Rollen. Cut. Szenenwechsel. Geschichtszahlen, Begebenheiten werden teilweise nur eingeworfen - doch das funktioniert, das Bild dazu erscheint ja vor dem inneren Auge. Vom Tempo mag dem ein oder anderen schwindlig werden, doch der geradezu lähmenden unerfüllten Liebe wird ein Stakkato der Ereignisse entgegengesetzt. Die Zeit verrast, solange er liebt. Die Zeit hört auf, als die Aussichtslosigkeit endgültig wird. Der Zuschauer bleibt seltsam unbeteiligt, es wird erst gar nicht der Versuch unternommen, ihm eine Identifikation aufzudrängen - episches Theater im besten Sinn. Ein Theaterabend, der Spaß macht. Der für Gesprächsstoff sorgt. Und nachdem Sie ganz sicherlich ein Glas Rotwein trinken wollen und eine Zigarette dazu rauchen...

Eros - nach dem Roman von Helmut Krausser. Eine Koproduktion des Münchner Volkstheaters mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Wieder auf der kleinen Bühne am 22. und 23. Juni.

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