Auf dem Balkon...
Das ist ein Test...

Lokaltermin: Das Tagesmenü

Er hätte ein WIRTS-Haus und kein GAST-Haus und des sei a Philosophie erzählte der Typ aus dem bayerischen Oberland, der am Nebentisch saß, neulich beim Cappuccino auf der Terrasse mit Dolomitenblick (Sommerfrische-Bericht folgt...). Ob er sich gewundert hat, dass wir ihn nicht um eine Karte gebeten haben? Aber das ist auch eine Philosophie.

Tatsache ist, er war wenigstens ehrlich. Und so unverbreitet scheint seine Philosophie auch nicht zu sein, wie der heutige Abend zeigt. Geht man relativ früh des Abends zum Nachtmahl muss man damit rechnen, dass es später des Abends eine Reservierung auf einen Tisch gibt. Doch das wird einem ja meistens mitgeteilt. Und wenn man den ersten Tisch in einem Lokal belegt, kann man möglicherweise ja auch auf einen nicht reservierten Tisch wechseln. Wenn man weiß, dass da noch jemand kommt...

Auch habe ich grundsätzlich Verständnis dafür, dass man versucht, Tische mehrfach zu besetzen. Doch während dies in anderen Ländern Usus ist, ist es in Deutschland doch weit verbreitet, sitzen zu bleiben – geh trink ma noch a Achterl... Mir bis jetzt unbekannt war dagegen die Philosophie: Wer das Tagesmenü ist, hat nur für eineinhalb Stunden Anspruch, in unserem Lokal Gast zu sein. Das machen ja mehrere Lokale, dass sie am früheren Abend Sonderaktionen anbieten – klar, irgendwie wollen sie ja die Tische füllen. Dass du dann aber das Etablissement rechtzeitig wieder zu verlassen hast, um Platz für „normal“ zahlende Gäste zu schaffen, mag zwar ein hehrer Wunsch des Wirtes sein, aber die Gäste rauszuschmeißen...?

Also ich für meinen Teil werde dieses österreichische Wirtshaus in Schwabing nicht mehr aufsuchen. Ich gehe lieber in Gasthäuser. Das ist meine Philosophie...

Weitere Lokaltermine: Das Seniorengericht

Kommentare

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Margot

Mir stellt sich da mittlerweile folgende Frage, als von diesem Wirtshaus Co-hinausgeworfener Gast: Warum müssen zwei echte, anwesende Gäste, die gerne nach ihrem Essen noch einen Wein und eine Schorle (10 Euro) getrunken hätten und beides parallel zu ihrem Hinauswurf auch bestellt - aber nicht mehr bekommen - haben, für einen hypothetischen Gast, der kommen könnte, wenn sie weg sind, den Tisch frei machen?

Und damit komme ich dann auch zur weiten Frage: Was, wenn dieser künftige, hypothetische Gast dann seinerseits womöglich nur einen einzigen Wein (5 Euro) trinken will? Bekommt er dann seinerseits gesagt, dass seinetwegen soeben zwei Gäste vertrieben wurden, die einen Umsatz von 10 Euro gebracht hätten und dass er den Tisch erst nehmen darf, wenn er sich verpflichtet, mindestens 11 Euro auszugeben?

Ich war noch nie in Nordkorea, aber ungefähr so stelle ich mir nordkoreanische Wirtshaus-Philosophie und Gastfreundlichkeit vor. Oder ist das brachialer Manchester-Kapitalismus und kommt nur leider irgendwie nordkoreanisch rüber?

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