Wieder abgeflaggt
Bergsommer Idylle

Tom Waits meets Büchner in Freimann

Gestern bei gefühlten 50 Grad Saunatemperatur im Metropoltheater gewesen. Hier wird im Juli noch Woyzeck in der Fassung von Tom Waits gespielt. Natürlich ist es hilfreich, die Musik von Tom Waits dabei grundsätzlich zu mögen, wer aber Black Rider geliebt hat (wie ich), wird auch von diese Inszenierung mögen. Die Verbindung von Musik mit dem unter die Haut gehenden Büchner-Drama funktioniert - sie macht das Stück noch eindringlicher. Die Welt ist ein Käfig, aus dem es kein Entrinnen gibt...

"Es war einmal ein arm Kind und hatt' kein Vater und keine Mutter, war alles tot, und war niemand mehr auf der Welt. Alles tot, und es is hingangen und hat gesucht Tag und Nacht. Und weil auf der Erde niemand mehr war, wollt's in Himmel gehn, und der Mond guckt es so freundlich an; und wie es endlich zum Mond kam, war's ein Stück faul Holz. Und da is es zur Sonn gangen, und wie es zur Sonn kam, war's ein verwelkt Sonneblum. Und wie's zu den Sternen kam, waren's kleine goldne Mücken, die waren angesteckt, wie der Neuntöter sie auf die Schlehen steckt. Und wie's wieder auf die Erde wollt, war die Erde ein umgestürzter Hafen. Und es war ganz allein. Und da hat sich's hingesetzt und geweint, und da sitzt es noch und is ganz allein." (Büchner, Woyzeck)

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