Mütterliche Metaebenen
Weg mit diesem Wort

Aufbrezelt is

Über den klassischen München Schick wurde ja schon oft geschrieben. Den Münchner an sich nervt dabei am meisten, dass an dieser Stelle der Grünwalder Schick mit einem Münchner Schick gleichgesetzt wird. Ich weiß zwar jetzt nicht, wie es in Bogenhausen ist, aber im Münchner Westen ist die Kleiderordung selbst in den hochpreisigen Wohngebieten eine andere. Unauffälliger. Teuer ja, aber dezent. Während das, was alle Welt unter Münchner Schick versteht eher unter "teuer aber geschmacklos" fällt und nur noch von Düsseldorfer Moden übertroffen wird. Aufbrezelt.

Jetzt ist Grünwald aber nicht München. Es ist ein Dorf außerhalb, das halt so nah da ist, dass die Bewohner gerne auf der Maximilianstraße flanieren, weil sie selbst nichts haben, wo sie flanieren können. Außerdem muss der Porsche ja ausgefahren werden. Und so kommen wir zu einer Eigenheit von kleineren Gemeinden. Das sich ausstellen. Und dabei unterscheidet sich das Dorf im Süden von München nicht von Kleinstädten im Bayerischen Wald.

In letzterem trug man schon vor zwanzig Jahren beim Ausgehen als Jugendliche einen Hosenanzug. Also eigentlich eine typische Business-Klamotte, die ich auch heute nicht ins Wirtshaus anziehen würde. Aber man ging natürlich in DIE BAR am Ort. Man war ja wer. Ich hab mich damals schon über diese Petitessen lustig gemacht. Und hab dabei einfach übersehen, dass ich in meiner eigenen kleinen Stadt eher in abgefransten Kreisen unterwegs war. Inzwischen weiß ich, dass man auch dort so ausgeht. Aufbrezelt.

Und bei meinem letzten Durchstreifen der Geschäfte in der kleinen Stadt fand ich: alles was teuer ist. Also natürlich findet man auch alles, was billig ist. Aber gleichzeitig die Top-Preisklassen. Wobei ich nur sagte: Für was? Wann zieht man hier ein D&G-Top für 400 Euro an? - Aber Sie wissen ja auch, was D&G heißt...

Die erste, die den Unterschied zwischen Kleinstadt und Millionendorf realisiert hat vor 20 Jahren nach unserem Wegzug, war meine Freundin U. "Ich muss mir nicht für jeden Gang zum Mülleimer überlegen, was ich anziehe", sagte sie. Und sie hat recht. Keiner muss sich hier aufputzen wie ein Weihnachtsbaum. Wobei, wenn wir ehrlich sind, die Jeans eben nicht vom Wühltisch stammt. Ebensowenig wie der Rest. Und deswegen braucht auch keiner hier einen Hosenanzug, um sich abzusetzen. Und ist trotzdem entspannter. Selbst Münchens Bar-Guru, der für teure Mode wirbt, geht mit Schlappen zum Bäcker.

Aber in der Kleinstadt brezelt man halt gern. In Niederbayern genauso wie in Grünwald.

Kommentare

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cohu

Hosenanzug "zum Weggehen" - großartig. Und die passende Frisur...der Herr dazu dann evt ein dunkles Hemd, ganz edel. Und das Duftwässerchen vom Douglas nicht vergessen!

In unserer neuen Wohngegend wird ja eher das Runterbrezeln zelebriert. Da ist ein sauberes Sweatshirt ohne Löcher quasi schon overdressed. Kommt mir sehr entgegen ;)

ilse

Goodbye Grünwald - hallo Grafing! Seit ich hier auf dem Lande lebe, ist ausgebrezelt. Ich vergesse tagelang, Ohrringe einzufädeln, und feinmachen besteht aus Jeans statt Fleecehose (es ist frisch hier draußen...)

Helga

Ohne Ohringe. Ilse, du traust dich was;-)))))

T.M.

Solche Ungeheuerlichkeiten gibt's leider immer öfter. Man weiss gar nicht, was man dazu sagen soll. Man fragt sich dann auch, wie mag es wohl bei solchen Leuten zu Hause aussehen ...

Münchner

Das würde nur meine These bestätigen: München ist nicht Bayern. Bayern mag Grünwald, Passauer oder Hof sein. Nette Orte, kleinstädtisch und beschaulich. Auch mit viel Tracht und einer eigenen kleinen Welt. Aber eine Großstadt ist eben etwas anderes wie eine Kleinstadt!

Aber wer schon einmal in Seoul oder Toyko war, wird bestätigen: eine Großstadt ist auch unser Millionendorf nicht. Trotzdem kommen die Japaner gerne her und das nicht nur wegen der Brez(el)n!

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