Novemberorakel
Weihnachtsklassiker

Bayerische Grundnahrungsmittel

Als solche gelten ja gemeinhin Bier, Schweinsbraten und Knödel. Dass Bier flüssige Nahrung ist, ist alt. Drum darf man ja auch Bier während der Fastenzeit drinken, während der Schweinsbraten tabu ist. Fleisch nein, pflanzliches ja. Mit Diät hatte ja die Fastenzeit nichts zu tun. Und Bier nährt, macht satt und bringt einen Suri, den die Mönche wahrscheinlich früher mit Offenbarungen verwechselt haben. Der Bayer an sich besinnt sich heute vor allem auf dieses Grundnahrungsmittel, wenn es Zeit für den Biergarten, die Wiesn oder den Starkbieranstich ist. Also die ernste und überlebenswichtige Bedeutung wurde von Saufen und Feiern abgelöst - und ob man Bier daher noch als Grundnahrungsmittel bezeichnen kann, ist fraglich.

Gleiches gilt für den Schweinsbraten. Nachdem kaum jemand noch eine Sau im Vorgarten hält, die dann zu einem Fest geschlachtet wird. Aber glücklicherweise gibt es ja den Öko-Dallmayr (Wortschöpfung) vor den Toren Münchens. Hier dürfen Finn, Paul und Annalena die Resi streicheln und die Cousine von ihr essen. Und ob die SUV-Eltern ihre Kinder über diesen Zusammenhang eigentlich aufklären? Auf jeden Fall ist der Herrmannsdorfer Schweinebraten kein Grundnahrungsmittel sondern ein Luxusgut. Und das ist ja eigentlich richtig so.

Ja, und die Knödel - das ist ein Drama für sich. Der echte altbayerische Semmelknödel ist fast ausgestorben. Ich bin dafür, ihn schleunigst auf die Liste bedrohter Speisen zu setzen. Früher hast bei jedem Bäcker ein Knödelbrot bekommen, heute muss man es vorbestellen (!). Als würde es sich nicht um ein Resteverwertungsprodukt handeln, sondern um ein Luxusgut. Aber Resteverwertung ist ja eh total out. Jedenfalls daheim. Für geröstete Knödel (= doppelte Resteverwertung) im Lokal zahlt man dagegen gerne mal 8 Euro. Wir haben es ja. Wenn man denn in einem Lokal noch Semmelknödel bekommt. In der Regel kommen ja inzwischen greißlich pappige Kartoffelknödel auf den Teller. Nennt es doch einfach gleich Klöse.

So jetzt wird es langsam eng mit den bayerischen Grundnahrungsmitteln. Aber eines haben wir noch. Die Breze. Was würden wir nur ohne die Breze machen? - Kein Nahrungsmittel im Süden ist so universal einsetzbar: Zum Frühstück, als Zwischenmahlzeit und als Abendessen. Und manche essen sie auch statt Kuchen am Nachmittag. Es gab sie schon in jedem Pausenhof (und ich hoffe, dem ist auch heute noch so). Sie passt als Butterbreze am Morgen, zur Weißwurst am Vormittag, als Vorspeise steht sie im Körbel auf jedem Wirtshaustisch - und sie dient als Universalunterlage beim Bier. Drum steht der Breznkorb im Biergarten nicht beim Essen, sondern gleich beim Getränkeausschank.

Die Liebe zur Breze muss in den bayerischen Genen liegen. Wie ist es sonst anders zu erklären, dass sie das erste richtige Essen für ein echtes Münchner Kindl ist. Hilft gegen Hunger - und wenn gar nichts mehr sonst hilft. Und das ist in uns eingespeichert. Breze ist Heimat. Und die meisten haben schon mal den Fehler gemacht, irgendwo auf der Welt ein Brezn-Ersatzprodukt zu kaufen. Was bitter enttäuscht. Denn wenn auch hier inzwischen viel Schindluder getrieben wird mit der Breze, so gibt es sie doch noch, die echte. Unser Grundnahrungsmittel.

Kommentare

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T.M.

Eszett, Frau B., nach langem Vokal! Die gute Alpenmilch hätten Sie noch erwähnen können.

Helga

Klöße??

Siehste mal was ich davon halte;-))

Helga

Und was die Alpenmilch betrifft - die ist ja fast eine eigene Geschichte wert.

kaltmamsell

Endlich eine Indigene, die meine Abneigung gegen Kartoffelknödel teilt. Pappert, genau - deswegen mag ich auch keine unfluffigen Gnocchi. Letzthin zur Gans gab es einen Serviettenknödel, die Schischi-Variante des Semmelnknödels: köstlich!

Jürgen

Also mein Bäcker hat immer Knödelbrot. Er bunkert alte Semmeln und lässt sie von einer Maschine schreddern.
Bäckerei Schmidt in der Rueßstraße in Untermenzing.
Wunderbar.

Waltraut

Brezn heisst es, nicht Breze, da könnte man ja grad so gut Brezel sagen. Nix füa unguad!

T.M.

Wobei Gnocchi aufgrund ihrer geringen Grösse noch eher das Potential haben, weniger pappig zu sein, als Kartoffelklöße, Frau kaltmamsell. Insbesondere, wenn man sie noch in die Pfanne haut und anbrät.

Stadtneurotiker

Danke für diesen Text. Jetzt habe ich Hunger.

Beruflich versuche ich bekanntlich Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen das Leben angenehm zu gestalten. Nicht selten werden sie uns nur als Breiesser vorgestellt.
Gerne biete ich ihnen eine Breze an, denn alle Kinder mögen Brezen. Wer auf ihr nur rumlutscht, kann wirklich nicht kauen.

Martin

Weißwurst und Brezn! Was gibt es schöneres. Dann noch nen schönen Obazda auf ein leckeres Bauernbrot.
Ich liebe es.:)

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