Gegenüber
Es ist Bergwetter

Schenk mir einen grünen Luftballon

Erstmal Glückwunsch, liebe Grüne: Sensationelles Wahlergebnis. Die Menschen wollen den Wandel. - Nur welchen Wandel? Und wieso geht ein Linksruck durch Bayern? Und wieso, wenn sie einen Wandel nach links wollen, entzieht ihr euch der Verantwortung?

Ach so, das tut ihr gar nicht? Da gebe ich euch recht. Die bayerischen Grünen haben im gesamten Wahlkampf die Tür nie zu gemacht. Weil, sie sind ja nicht so auf der Brennsuppn daher g'schommen, dass sie nicht wüssten, dass Wandel auf lange Zeit gesehen nur mit und nicht gegen die CSU geht. Blöderweise sind das aber Wähler mit Kurzzeitgedächtnis, Wähler, die sich nie wirklich für Kommunal- und Landespolitik interessiert haben, Kommentatoren  - ja und leider auch die Bundesgrünen.

Ich hab das sehr bewundert, wie sehr sich die Bayerngrünen im Wahlkampf von Berlin, den Fundis und vom Bund abgegrenzt haben: unser Spiel. Und weshalb um Himmels Willen, lassen sie sich am Wahlwochenende so in die Suppe spucken? Ja, wir erzählen jetzt Bayern wie Demokratie funktioniert! Am Tag vor der Wahl. Und dann die komischen Sprüche von wir haben die CSU abgewählt, Bayern ist jetzt links - und der Gipfel des Ganzen: am Wahlabend lassen die Bayern-Grünen zur Bayern-Wahl, bei der sie nach Stimmenzuwachs der klare Gewinner sind, zu den Tagesthemen den Bundesvorstand sprechen, der krachend die Tür zu einer möglichen Koalition zuschlägt.  - Wieso lass ich mir meinen Triumph so aus der Hand nehmen? Besser nicht regieren als schlecht regieren?

Aber stellen wir uns doch ein paar anderen Fragen: zum Beispiel ist der neue bayerische Landtag wesentlich linker? Grüner ist er und das ist gut so. Aber die Bayern-SPD, die ja immerhin noch bis dato mit 20 Prozent vertreten war, ja - anderes Thema - aber nach Zahlen: rot-grün, soweit sich grün noch natürlich zu rot zugehörig fühlt, ist ebenso stark oder schwach wie vorher - nur mit gegenteiliger Gewichtung. Man beachte die Wählerwanderung laut Abendzeitung. Also einen Linksruck gab es in Bayern schon mal nicht.

Was es meiner Meinung nach tatsächlich gab: das Signal, welche Themen, jedenfalls in Teilen der Bevölkerung, wichtig sind - das Signal, dass Bayern grüner und ökologischer wird, aber konservativ. Jetzt haben die Grünen doch einen Großstadtwahlkampf gemacht. Im Flächenland Bayern gibt es genau neun Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Die beiden Spitzenkandidaten kamen beide aus München. Fand ich schon im Wahlkampf schwierig. Halt ich nach wie vor auch für einen Fehler oder den Beweis, dass man mit Großstadtthemen sich eben auf der sicheren Seite gefühlt hat.* Kann jetzt jeder betrachten wie er will.

Und an diesem Punkt ist mein Erstaunen fast am größten: Die Grünen haben 30 Jahre lang, nämlich von 1984 bis 2014  in München zusammen mit der SPD regiert. - Und sie würden es heute noch, hätte die SPD bei der letzten Stadtratswahl nicht so massiv verloren, dass das nicht mehr möglich war. Viele der Münchner Probleme gehen auf diese Koalition. Die Münchner Grünen tun allerdings so, als wären sie seit Jahrzehnten in der Opposition. Und die Münchner glauben das auch. Ist das jetzt Kurzzeitgedächtnis oder, was ich glaube und befürchte, völliges Desinteresse an Kommunalpolitik?

Aber noch mehr befürchte ich, man gefällt sich im urbanen, weltoffenen Style wie sich die Münchner auch lange im Toskanafraktionssozialdemokratie-Style gefallen haben. Politik ist kein Style, München ist nicht Bayern. Und die Freien Wähler haben auch Themen, die für das Flächenland Bayern wichtig sind. Und entscheidend. - Aber liebe Kommentatoren und Außer-Bayern und in einer Insel-in-Bayern-Lebende: nach linksgerückt ist Bayern nicht nach dieser Landtagswahl. Das wäre es nur, wenn es in Zukunft schwarz-grün regiert würde.

* Update: Und dann stellt sich auch noch heraus, dass die Großstädte lange nicht so grün sind, wie man glaubte.

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